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Pharmama in den Medien (7)

wibaprilMein Blog kommt (einmal wieder) in einer Zeitschrift! In der Women in Business vom April wurde ich von Irene M. Wrabel für einen Artikel interviewt:

Blogs: Big im Business? Vom Hobby zum Geschäftsmodell – kann man mit Bloggen reich werden?

Die Antwort steht auch schon da: Es kommt ganz auf die Branche an. Das stimmt … und so als (ziemlich einsame) Apothekenbloggerin stehe ich natürlich ganz anders da als eine Modebloggerin oder eine Reisebloggerin … Wer mehr darüber nachlesen will, kann das Heft am Kiosk erwerben oder für den e-reader hier herunterladen (kostenpflichtig).

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Die anderen Bloggerinnen zeigen sich auch im Magazin in stylisch-eleganten Fotos … da komme ich (anonym bleiben wollende) schlecht mit:-). Trotzdem: Ist das nicht cool?!

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Die wahren Abzocker im Gesundheitswesen

Ein Gastbeitrag von Deborah Court, zuerst erschienen auf dem Blog der Bahnhof Apotheke Seligenstadt als Reaktion auf die heute überall in den Medien erschienene … ich kann’s nur Apothekenbashing nennen …in der „Welt“ und „Bild“ und mehr.

„Millionenbetrug in Apotheken mit Luftrezepten“ – so lautet heute eine große Schlagzeile der Sonntagszeitungen. Da ist mir doch fast mein Muttertagsfrühstück im Hals stecken geblieben. Ärzte und Apotheker machen angeblich gemeinsame Sache und bereichern sich gemeinsam an gefälschten „Luftrezepten“. „Die Welt“ zum Beispiel behauptet nicht nur, dass Betrug mit solchen eingereichten und nicht belieferten Rezepten existiert. Nein, ist es ist sogar von „hohen Dunkelziffern“ die Rede, die Krankenkassen ermittelten lt. Artikel in fast allen Bundesländern.

Einige Kriminelle gibt es sicher in jedem Berufsstand. Wie die ein solches Vorgehen überhaupt bewerkstelligen, ist mir ein Rätsel, wenn man die engmaschige Kontrolle bedenkt, die im Gesundheitssystem üblich ist. Ärzte müssen Verordnungen, besonders kostspielige, vor den Krankenkassen verantworten und ein Budget einhalten. Der Apotheker hat die Pflicht zur unverzüglichen Belieferung und dazu noch möglichst wirtschaftlichen Abrechnung. Der Bezug teurer Medikamente wird durch Rechnungen, die bei Bedarf vorgezeigt werden müssen, nachgewiesen, häufig müssen vor Belieferungen des Rezeptes Kostenvoranschläge eingereicht werden. Bei regelmäßigen teuren Verordnungen werden viele Versicherte von ihren Krankenkassen kontaktiert, der Erfolg kostspieliger Therapien muss durch den Arzt belegbar sein. Wie sollte ein solcher Betrug in großem Stil überhaupt stattfinden können, ohne aufzufallen? Es steht außer Diskussion, dass Betrug und Mißbrauch des berufseigenen Verantwortungsbereiches – besonders im Gesundheitswesen – aufgedeckt und geahndet werden müssen. Für wenige schwarze Schafe darf jedoch kein gesamter Berufsstand in den Dreck gezogen werden, nur weil es an sonnigen Frühlingswochenenden nichts Aufregendes zu berichten gibt. Ein Schelm, wer sogar geschickte Manipulation der Presse dabei vermuten sollte.

Die Krankenkassen werden sich gewiß über solche Schlagzeilen freuen, lenkt diese doch von der aktuellen Diskussion ab, warum es möglich ist, dass Apotheken ordnungsgemäß belieferte Medikamente der Versicherten aufgrund kleinster Formfehler auf dem Rezept – meist vom Arzt versehentlich nicht ganz korrekt ausgestellt – selbst nach Monaten komplett gestrichen und nicht erstattet werden. Im Fachjargon der Krankenkassen nennt man dieses Vorgehen „Nullretax“. In der Praxis bedeutet es, dass der Apotheker das Arzneimittel aus eigener Tasche bezahlen muss, obwohl der Versicherte es nach Einreichen des Rezeptes, genau wie vom Arzt verordnet, erhalten hat. Nach so langer Zeit – die Krankenkassen dürfen nämlich selbst nach Monaten oder sogar Jahren nachträglich noch Rezepte streichen, im Gegensatz zum Apotheker, der innerhalb von 4 Wochen abrechnen muss – kann natürlich kein Geld von den Patienten zurückgefordert werden. Dies wäre auch gar nicht zulässig. Also bleibt die öffentliche Apotheke auf den Kosten sitzen.

Natürlich können die Versicherten selbst nichts dafür, dass die Kassen mittlerweile externe Abrechnungszentren beschäftigen. Deren Mitarbeiter stürzen sich wie hungrige Geier auf minimalste Formfehler der Verordnungen, um hier und da noch ein paar Euro abzwacken zu können. Obwohl kein Fehler bei der Belieferung vorliegt, muss die Apotheke das volle finanzielle Risiko tragen, da sie prüfen muss, ob Rezepte ordnungsgemäß ausgestellt wurden. Oft handelt es sich jedoch lediglich z.B. um ein vergessenes Kreuz auf dem Formular, eine nicht angegebene Telefonnummer des Arztes, oder um ein ergänzendes Ausrufezeichen bei Mehrfachverordnungen. Wie gesagt, diese Rezepte wurden zu 100% korrekt beliefert; die Patienten haben die Medikamente genau wie vom Arzt verordnet erhalten. Erstattet werden sie dem Apotheker dennoch nicht, und selbst rechtliche Schritte sind nur selten erfolgreich.

Diese und zahlreiche weiter finanzielle Einsparungen auf Kosten der Patienten, Apotheken, Ärzte und anderen Leistungserbringer im Gesundheitswesen sind es, was wirklich in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gestellt werden sollte.

Mediales

Die Darmkrebskampagne der Schweizer Apotheken läuft noch bis Ende Woche – Jetzt ist der Zeitpunkt, das zu machen, falls man noch nicht hat. Einige Apotheken werden den Test sicher auch weiterhin anbieten, aber danach wird es etwas teurer und aufwändiger, wenn man das machen will.

Mit-Apotheker Martin Affentranger wurde letztens dafür in einem Beitrag von tele1 interviewt … und weist mich darauf hin, dass mein Buch (Haben Sie diese Pille auch in grün?) im Hintergrund prominent sichtbar ist:-) Yay!

tele1

Seht Ihr es?

Aber auch das hat mich gefreut: amazon meint, dass mein Buch sehr gerne verschenkt wird:

geschenkt

… und den Rezensionen nach kommt es auch gut an. Kennt Ihr es schon?

Was die deutschen Apotheker diese Woche bewegt hat

Es waren 2 Themen, die diese Woche in der deutschen Apothekerwelt heftig diskutiert wurden, beide haben mit unzufriedenen Kunden zu tun … und bei beiden hat es sich in meinen Augen bewährt, dass man da als Apotheker nicht einfach geschluckt und genickt hat und es auf sich beruhen liess, sondern etwas dazu gesagt hat:

Da war Apotheker Jens Beuth aus Bochum, den folgende Kundenbeschwerde wegen einem Kopftuch seiner Mitarbeiterin erreichte:

Nachricht: Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich mit Erschrecken fest stellen musste, dass Sie ein Mitarbeiterin mit muslischem Kopftuch beschäftigen, haben sie mich und meinen Mann als Kunden verloren. Wir können es definitiv nicht akzeptieren, dass mir durch diese Person nonverbal mitgeteilt wir, ich präsentiere mich also Sexualobjekt und dass meinen Mann unterstellt wird, dass er schon geil wird, sobald er ein paar Haare sieht. Integration läuft auf jeden Fall anders!

Leider muss ich noch ein bestelltes und bereits bezahltes Medikament abholen, aber danach werden mein und ich unsere benötigen Medikamente definitiv bei Ihrer Konkurrenz erwerben…

Mit kopftuchlosen Grüßen

Xxxxxxxxx

Darauf hat er dann geantwortet – und zwar nicht in den sonst vielleicht üblichen Floskeln, sondern aus dem Bauch heraus und sehr direkt:

Sehr geehrte Frau Xxxxxxx,

ich glaube zwar, dass wir uns noch aus gemeinsamen Schultagen an der Xxxxx-Schule (Sie noch als Xxxxxxxxx) kennen, allerdings ist es mir doch lieber, beim „Sie“ zu bleiben. Das geehrte hätte ich mir auch sparen können, aber mir fiel keine passende Anrede ein.
Normalerweise erwarten Sie jetzt, dass ich als Geschäftsmann einen floskelhaften Brief schreibe, Sie um Verständnis bitte oder mich für irgendetwas entschuldige, die Mitarbeiterin kündige oder Ihnen anbiete, zukünftig von jemand anderem bedient zu werden. Das ist aber nicht der Fall!!!
Das Leben ist zu kurz, um andere zu kritisieren, Druck auszuüben u.ä.
Ich beschäftige Christen, Muslime und Atheisten,
dicke, dünne, große und kleine Frauen und Männer, von jung bis alt, blond bis schwarzhaarig, lange, kurze und auch ohne Haare! Wir haben Autofahrer/innen, Motorradfahrer/innen und nichtmotorisierte Mitarbeiter/innen, tättowierte, gepiercte, hellhäutige und Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Außerdem haben wir Mitarbeiter/innen, die Fleisch essen, Vegetarier und Veganer. Fußballfans vom VfL 1848, S04 und BVB 09 und nichtinteressierte! Ein Querschnitt aus der Bevölkerung!
Ich freue mich sehr, daß Sie selbst einsehen, beim nächsten mal in eine andere Apotheke zu gehen, da Sie bei uns definitiv nicht erwünscht sind. Da wir aber einen gesetzlichen Auftrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln haben, werden wir Sie im Notfall trotzdem fachgerecht und freundlich als Patientin begrüßen! Ist das nicht geil???
Ihr bestelltes Medikament dürfen Sie gerne bei uns abholen, wir erstatten Ihnen aber auch gerne den Betrag und geben Ihnen das Rezept zurück, falls Sie das Medikament lieber in einer „kopftuchlosen“ Apotheke erwerben wollen. Und ja, Integration läuft anders, zumindest als Sie denken! Aber vielleicht möchten Sie sich ja noch selbst in Zukunft in die Gesellschaft integrieren und damit aufhören zu intrigieren!
Mit Ihrem Einverständnis schicke ich Ihren Brief und meine Antwort sehr gerne zusätzlich über facebook, dann kann sich jede/r Leserin/Leser ihre/seine eigene Meinung bilden!!!

P.S.: was ist eigentlich ein muslisches Kopftuch???

Jens Beuth e.K.
farma-plus Apotheke Beuth im Ruhrpark, Bochum

Das hat er dann – in halber Erwartung eines Shit-Storms auf facebook veröffentlicht … und wurde ob der positiven Rückmeldungen und den vielen Likes sehr überrascht. Ich find’s toll (ausser auf das „geil“ hätte ich verzichtet) und wurde von diversen Seiten (Danke!) auch darauf aufmerksam gemacht. Inzwischen ist die Kundin übrigens zurückgekrebst … sie fand die Antwort auch ganz toll … und wird weiterhin Kundin bleiben.

Dann war da Bloggerin Tolla, die sich Luft gemacht hat, als sie die Pille, für die sie nicht rechtzeitig ein Rezept besorgt hat, nicht bekommen hat: erst in ihrer Stammapotheke nicht (hauptsächlich, weil sie nicht warten wollte, bis die Kontakt hatten mit dem Arzt nach der Mittagspause) und dann auch nicht in einer weiteren Apotheke. Erst die dritte Apotheke, die mit dem Arzt Rücksprache nehmen konnte und die von ihm die Bestätigung über das Rezept erhielt konnte ihr die Pille dann abgeben.

Der Artikel wurde inzwischen (mehrmals) abgeändert, nachdem die kommentierenden Apotheker sie deutlich auf die Lage hingewiesen haben … und dass sie gar nicht anders handeln konnten.

Ganz offensichtlich ist es in Deutschland immer noch nicht in der Bevölkerung bekannt, dass die Abgabe einer rezeptpflichtigen Medikamentes ohne ein Rezept einfach nicht möglich ist. Man macht sich tatsächlich strafbar und riskiert seine Lizenz – und sonstige beträchtliche Strafen. Da hilft es auch wenig, wenn man es schon öfter hatte und auch nicht, wenn man es bezahlt und auch nicht, wenn man nur einen Teil der Tabletten mitnimmt. Es geht nicht.

Es wurde im Anschluss daran auch darüber diskutiert, ob so ein Antrag nicht schon als „Aufforderung zur Straftat“ verstanden werden könnte … interessant, aber meiner Meinung nach der völlig falsche Ansatz. Besser wäre es doch, anhand solcher Beispiele die Öffentlichkeit über bestehende Tatsachen zu informieren und wie Patientenunfreundlich (und Apothekenfeindlich) die sind – und vielleicht mit Hilfe von derartigen Blogs und Facebook und weiteren Medien darauf hinzuarbeiten, dass das in Zukunft gelockert wird.

In anderen Ländern geht das auch – ich nenne hier jetzt die Schweiz, wo „im Ausnahmefall“ die Abgabe eines rezeptpflichtigen Medikamentes erlaubt ist. In so einem Fall – wo man sogar im Computer sehen konnte, dass sie es vorher regelmässig hatte, wo schon ein Arzt-Kontakt stattgefunden hat und das Rezept de fakto unterwegs war, sollte das doch auch in Deutschland möglich sein? Das hilft doch eigentlich allen, wenn man da den Apothekern ein bisschen mehr Rechte und Kompetenzen gibt.

Also liebe deutsche Kollegen: Macht was. Diskutiert mit, teilt und verbreitet positive Meldungen, reagiert auf negative mit Erklärungen, die verstanden werden. Das sind kleine Dinge, aber viele kleine Dinge summieren sich. Das Ziel ist Veränderung zum besseren.

Ein Artikel zieht (weite) Kreise …

Man hat das vielleicht hier auf dem Blog nicht ganz so mitbekommen, aber der Post Liebes Kind, wie zufrieden bist Du mit Deiner Figur? hat ziemlich Aufmerksamkeit bekommen!

Alles fing damit an, dass Apothekerin Kossendey am 30. Dezember auf facebook einen Post veröffentlicht hat, worin sie angibt, die Januar-Auflage des Kinder-Magazins medizini nicht aufzulegen. Darin ist nämlich so ein … ich weiss noch immer nicht genau, wie ich das nennen soll … Körper-Selbstanschauungs-Test der auf Kinder abzielt mit (auch in meinen Augen) sehr suggestiven Fragen.

Ich habe das dann aufgegriffen und am 2. Januar hier im Blog gebracht und vorher hat der Apotheker Thomas Luft von der Postapotheke hat auf der Homepage seiner Apotheke veröffentlicht, weshalb es bei ihnen im Januar das medizini nicht gibt.

Und dann ging’s ab. Da hat sich nämlich auch die öffentliche Presse des Themas angenommen.

Am 3. Januar fand sich ein Artikel darüber im Kölner Stadtanzeiger
in der Mitteldeutschen Zeitung, und in der Berliner Zeitung, – alle von der gleichen Autorin (Claudia Bleier).

Am selben Tag noch kam es im Stern

und auch die Apotheken-spezifischen Zeitungen fingen an sich dafür zu interessieren: wie die Deutsche Apotheker-Zeitung, die am 4. Januar dazu etwas brachte  und die Apotheke Ad-hoc.

Ebenfalls am 4. Januar folgte ein Artikel in der der Huffington Post:
sowie rpr1
und Welt.de

Der Wort und Bild Verlag, der das medizini herausbringt, hat dann eine offizielle Stellungsnahme veröffentlicht. Auzugsweise:

Unter dem Oberbegriff „Wunderwerk Mensch“ fragt medizini seine zehn- bis zwölfjährigen Leserinnen und Leser „Wie zufrieden bist du mit deiner Figur?“ In der anschließenden Auswertung sollen diese älteren Schulkinder, für die Themen wie Aussehen, Körper, Unter- oder Übergewicht und Ernährung bereits eine Rolle spielen, sich kritisch mit ihrer Selbstwahrnehmung auseinandersetzen.

Der Beitrag will damit das Bewusstsein dafür schaffen, dass zu viel Beschäftigung mit dem eigenen Körper schädlich sein und zum Beispiel Krankheiten wie Magersucht begünstigen kann.

… Die Medizini-Redaktion ist der Meinung, dass sich Kindergartenkinder oder Schulanfänger am besten noch gar nicht mit der eigenen Figur beschäftigen sollten.

Sie rudern also ziemlich zurück, und relativieren ihre eigene Werbung für das medizini, das sie als Magazin für Kinder von 5 bis 12 anpreisen. Allzu fest beklagen können sie sich nicht – wie Oskar Wilde sagte: „The only thing worse than being talked about is not being talked about.“

Damit war aber noch nicht Schluss … wenn etwas mal am laufen ist, ist das sehr schwer aufzuhalten.

So kam die Geschichte sogar in die Bild (zum Glück will ich fast sagen ohne Link auf den Blog hier)

Es folgten (am 5. Januar?) das Naumburger Tageblatt,
Brigitte Mom
und n-tv.de

und am 6.Januar  die NWZ.

Am 8. Januar kommt das ganze dann auch noch ins Fernsehen: im SAT1 Frühstücksfernsehen wird ein ganz ordentlicher Beitrag gebracht.

Das war wirklich erstaunlich mitanzusehen – einen Teil habe ich direkt mitbekommen, weil die Medien teils zum Blog hier zurückverlinkt haben. Auf andere Links wurde ich aufmerksam gemacht … wahrscheinlich gibt es inzwischen noch einige mehr. Man könnte fast sagen, der Artikel ist viral gegangen.

Das ist schön – und gibt den Apothekern in Deutschland ein bisschen (nötige) Popularität. Und es zeigt, dass das möglich ist!

Noch schöner wäre es, wenn das auch mal bei einem wichtigen Thema wie den unsäglichen Null-Retaxationen wegen den „Rabattverträgen“, Hilfsmittelverträgen und derartigem passieren würde. Aber … wer weiss? Vielleicht mit dem richtigen Ansatzpunkt …? Ich stehe hier dafür jedenfalls zur Verfügung:-)

Liebes Kind … bist Du zufrieden mit Deiner Figur?

Das „Medizini“ ist die Zeitschrift, die in Deutschlands Apotheken für Kinder. Das „pfiffige monatliche Postermagazin für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren … klärt Kinder auf spielerische, altersgerechte Art über ihren Körper und ihre Gesundheit auf. – bei uns in der Schweiz ist das die Junior. Normalerweise ein herziges Heftchen mit Tierpostern … aber diesen Januar werden sich wohl einige Apotheken weigern, es aufzulegen.

Apothekerin und Ernährungsberaterin Kossendey hat etwas losgetreten, als sie auf ihrer Facebook-Seite auf einen Artikel in der Januar-Ausgabe aufmerksam gemacht hat. Diesen hier:

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… habe ich heute morgen mit dem Chefredakteur der Medizini telefoniert, dem Herrn Harald Lorenz. Er erklärte mir, dass dieser Test helfen soll, dass die Kinder ihr Selbstbild besser verstehen und man versuche, mit diesem Test gefährdete Kinder vor der Magersucht zu retten. Das Thema sei längst in der Schule und man versuche, die Kinder da abzuholen.
Ich habe selber drei Töchter und zwei sind in der zweiten Klasse der Grundschule. Das Thema „Abnehmen“ ist leider schon im Kindergarten präsent, eine meiner Töchter kam mit 4 Jahren nach Hause und fragte mich, wie sie Diät machen könne, ein Kind habe zu ihr gesagt, sie sei zu dick. Aber ist es nicht unsere Aufgabe als Eltern und Erwachsene, den Kindern klar zu machen, dass gesunde Ernährung wichtig ist, aber die Figur keine zentrale Rolle spielt? Gerade bei Kindern, deren Körper sich noch ständig durch Wachstumsschübe verändert? Wie kann ich als Kindermagazin mit dieser Zielgruppe diesem Thema so viel Raum geben?

Natürlich sollte man das Gewicht im Auge behalten und gegebenenfalls eingreifen können … egal in welche Richtung das geht. Als Eltern – denn in dem Alter hängt das Ernährungsverhalten noch hauptsächlich von denen ab. Aber in einem Heft, als „Test“ so etwas zu thematisieren halte ich auch für bedenklich. Viele haben schon ein eher unsicheres Bild von sich selber – und so Suggestiv-Fragen halte ich da auch für bedenklich. Ich hatte selber eher das andere Problem, mich schimpfte man einen „Sprenzel“, da sehr dünn – aber auch da: derartiges zu der Zeit zu lesen … umm, nein.

So wundert es nicht, dass sich andere Apotheken Frau Kossendey angeschlossen haben und diese Ausgabe nicht auflegen werden.

was haltet ihr davon?

 

Ein Verpackungsfehler und 113 schwangere Frauen

Darum geht es in einer Sammelklage in den USA (Quelle: abc). Gut … die sind dort etwas klagewütig, aber hier sehe ich einen Grund.

113 Frauen aus 28 Staaten sind schwanger geworden, obwohl sie die Pille genommen haben. Laut der Klage wahrscheinlich, weil die Pille falsch abgepackt wurde. Das war so ein Präparat, wo man 3 Wochen lang die Pille mit Hormonen hat und 1 Woche lang die Placebo-Tabletten in der Packung nimmt. Dabei hat man dann die Abbruchblutung und fährt gleich anschliessend mit der neuen Packung weiter. In den Packungen der Frauen sollen diese Placebo Tabletten nun falsch abgepackt worden sein – nämlich am Anfang der Packung eingefüllt. Die Frauen hätten demnach eine zu lange Pause gemacht – die verhütende Wirkung der Pille ist dadurch nicht mehr gegeben, deshalb wurden sie schwanger. Die Firma selbst sagt, die Frauen seien aufgrund eigener Einnahmefehler schwanger geworden.

2011 hat die Firma Qualitest Millionen Packungen von 8 ihrer Pillen freiwillig zurückgezogen, nachdem herauskam, dass Pillen in umgekehrter Reihenfolge in die Packungen gefüllt wurden. Laut Firma:

„Our commitment is to patient safety and we take product quality very seriously. … There is no new or recent product recall. The recall that forms the basis of this suit was entirely voluntary and occurred more than four years ago in September 2011. The voluntary recall occurred based on an extremely small number of pill packs that were manufactured by an external contract manufacturer. Endo has been able to confirm only one blister pack that manifested a defect and was sold to a patient. Additionally, courts have dismissed cases arising out of the recall because the plaintiff could not establish that she purchased a defective package.“

Oder auf deutsch: „Wir sind sehr auf Patientensicherheit bedacht und nehmen Produktqualität ernst … Es gibt keinen neuen oder kürzlichen Produkterückruf. Der Rückruf der die Basis dieses Falles bildet war absolut freiwillig und hat sich mehr als 4 Jahre zuvor im September 2011 abgespielt. Der freiwillige Rückruf basierte auf einer extrem kleinen Zahl Pillenpackungen, die von einem externen Vertrags-Hersteller produziert wurde. Endo konnte nur eine Blisterpackung identifizieren, die einen Defekt aufwies und die an einen Patienten verkauft wurde. Zusätzlich haben Gerichte schon Fälle zurückgewiesen, die auf diesem Rückruf beruhen, weil der Ankläger nicht beweisen konnte, dass sie eine defekte Packung gekauft hat.“

Ich sehe das so: Wenn eine Packung falsch abgefüllt war, dann waren das sehr wahrscheinlich andere auch – immerhin füllt man das nicht von Hand ab, da war wohl eine Maschineneinstellung falsch … und die Qualitätskontrolle hat versagt.

Andererseits: die Placebo-Tabletten (7 Stück) und die Hormontabletten (21 Stück) haben unterschiedliche Farben. Das sollte / könnte eigentlich der Anwenderin auffallen … Bei uns gibt es übrigens noch kaum die 28er Packungen, die meisten sind 21 Tabletten und dann muss man selber an die Pause denken und daran rechtzeitig wieder anzufangen.

Auf jeden Fall ist sowas ein Alptraum. Für die Herstellerfirma und auch für die Frauen, die wohl nicht schwanger werden wollten. Die verklagen jetzt die Firma auf unterschiedliche Leistungen: von Schadenersatz bis Unterhalt des Kindes bis zur Volljährigkeit (inklusive Ausbildungskosten)…

Ein Apotheker ist nicht Erfüllungsgehilfe des Arztes

ein Apotheker ist „nicht der Erfüllungsgehilfe des Arztes“, der sich auf seine ärztliche Therapiehoheit berufen könne. Arzt und Apotheker bildeten vielmehr eine „Behandlungsgemeinschaft“, woraus sich für den Apotheker eine formale und auch eine inhaltliche Prüfungspflicht ergibt, bevor ein Apotheker ärztlich verordnete Rezepte bedienen darf.

Ja – derartiges habe ich auch schon geschrieben – zuletzt in der Umfrage auf dem Blog, ob man bei einem Rezept mit Unklarheit in der Diagnose den Arzt anrufen und nachfragen sollte.

Obiges Zitat stammt übrigens aus einer aktuellen Urteilsverkündung aus einem deutschen Fall. Im langjährigen Gerichtsfall wurde ein Apotheker angeklagt und jetzt auch verurteilt

Ich finde den Fall etwas unglücklich und sympathisiere mit dem Apotheker, dem selbst das Gericht ein recht mildes Urteil auferlegt hat –

Verurteilt wurde er wegen unerlaubten Handelstreibens durch Abgabe von Betäubungsmitteln, Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Rezept zu drei Jahren Haftstrafe. Er behält aber seine Berufsbewilligung und kann danach weiter arbeiten.

Das hört sich jetzt reichlich übel an, aber man sollte den Hintergrund der Geschichte mit einbeziehen:

Der Apotheker (übrigens in meinem Alter) hat vor etwa 15 Jahren die Apotheke seines Vaters übernommen (das muss dem Fall sehr bald nach dem Studium passiert sein). Im selben Haus ist eine Arztpraxis mit einer Genehmigung für die Substitutionsbehandlung von bis zu 100 Patienten. Der Arzt hat Betäubungsmittelrezepte ausgestellt – und der Apotheker hat sie beliefert. Auch nachdem ihm mit der Zeit auffallen musste, dass da einiges nicht stimmte: die Höchstmengen wurden ohne entsprechende Kennzeichnung überschritten, die vorgeschriebenen Einnahmehinweise für den Sichtbezug gab es nicht. Auf Privatrezepten wurden für Erwachsene (noch vor der Zulassung dafür) grosse Mengen Ritalin verordnet. Die Medikamente wurden direkt in die Praxis geliefert – die neben der Substitutionsbehandlung einen florierenden Schwarzmarkthandel für die Medikamente aufzog.

Während der polizeilichen Vernehmung hat der Apotheker übrigens ausgesagt, mehrfach den Kontakt zum Arzt gesucht zu haben, von diesem jedoch äußerst herrisch abgewiesen worden zu sein.

Offenbar war er dadurch derart eingeschüchtert, dass er dann einfach weiter die Rezepte belieferte – und das macht ihm das Gericht zum Vorwurf: er hätte den Arzt melden müssen … oder zumindest die Abgabe verweigern.

Zum Verhängnis wurde ihm bei dem Gerichtsfall aber noch etwas anderes: eine PTA in der Apotheker, deren Mann offenbar ein bekannter Drogenhändler war, bestellte und lieferte diesem kilogrammweise Lidocain. Die Mitarbeiterin will ihren Chef um Erlaubnis gebeten haben – mit Verweis auf einen angeblichen Schwager, der in Bosnien als Arzt arbeitet. Insgesamt gingen 350 kg Lidocain über den Ladentisch – die dann zum Strecken von Cocain verwendet wurden. Lidocain selber darf eigentlich verkauft werden, aber nicht, wenn das danach zum Herstellen (oder hier Strecken) von Drogen verwendet wird. Die Menge Lidocain ist denn auch den Behörden aufgefallen, die daraufhin die Apotheke überwachte und dem Apotheker wurde schliesslich zum Verhängnis, dass er in Ferienabwesenheit der PTA selber 20kg Lidocain bestellt und verkauft hat – zum Einkaufspreis.

Überhaupt … der Apotheker war alles andere als geschäftstüchtig: während der Arzt (gegen den ein separates Verfahren am laufen ist) einen luxuriösen Lebensstil führte, soll dieser die Medikamente nach vorläufigem Kenntnisstand nie bezahlt haben. Ein sechsstelliger Betrag wäre dann noch offen.

In der mündlichen Urteilsbegründung wurde festgestellt, die Initiative sei nicht von dem Apotheker ausgegangen und er habe auch keinen persönlichen Vorteil gehabt, sondern sogar „draufgezahlt“. Das Gericht gehe davon aus, dass keine Wiederholungsgefahr vorliegt und der Verurteilte bereits seit langem alle Gesetze und Vorschriften exakt einhält.

„Wert“ war es das ganze sicherlich nicht. Aber (um etwas positives darüber zu sagen) zumindest zeigt es, dass wir Apotheker unseren Beruf (und die damit verbundenen Kontroll-Aufgaben) wirklich ernst nehmen sollten und dafür einstehen, wenn uns bei einem Rezept etwas seltsam vorkommt. Wir sind eben nicht bloss die Erfüllungsgehilfen des Arztes … schön, dass das hier so deutlich gesagt wird.

Quellen: Husumer Nachrichten: 3 Jahre Haftstrafe für Apotheker und Apotheke-ad-hoc: Apotheker hätte Arzt stoppen müssen

Ein Grund mehr rechtzeitig zu schliessen ….

… man wird sonst verklagt.

Am 20. Dezember 2014 lief der Weihnachtsverkauf auf Hochtouren. So befanden sich in einem Luzerner Kosmetikgeschäft um 16 Uhr, als die Filialleiterin die Ladentür schloss, noch einige Kunden im Laden, welche ihre Einkäufe bezahlen wollten. Zwei Polizisten in Zivil, die um 16.15 Uhr um Zutritt in den Laden baten, kannten keine Gnade, wiesen das Personal zurecht und verzeigten das Geschäft.

Nett.

Gefunden unter den Kandidaten für den Rostigen Paragraphen – wo das unnötigste Gesetz oder der ärgerlichste Entscheid  gesucht wird. (Zu finden und abzustimmen hier).

Kosmetikgeschäft steht da – aber irgendwo habe ich gelesen, das war eine Drogerie. Wie auch immer: Ich mach jetzt zu, bitte gehen Sie, ich will keine Strafe zahlen müssen … Ich versuch‘ das mal morgen Abend.

Pharmama in den Medien (6)

Am Wochenende wurde der Blog in der NZZ am Sonntag erwähnt:

nzzaspharmama “

Vom Bloggen leben titelt die Infobox im Segment Unterhaltung S. 10/11.

300’000 mehr oder minder aktive Blogs gibt es laut der Kommunikationsagentur Xeit schweizweit.

und weiter unten:

Blogger, die dank ihrem Engagement Buchverträge ergattern konnten, gibt es auch vereinzelt. Die Apothekerin „Pharmama“ veröffentlichte im Rowohlt Verlag „Gibt es diese Pille auch in grün?“. Das Buch basiert auf Alltagsgeschichten aus der Apotheke, von denen sie seit sechs Jahren auf ihrem Blog schreibt.

Cool. Die Überschrift suggeriert da allerdings etwas, das nicht auf meinen Blog zutrifft, der wirklich nur ein Hobby ist. Leben könnte ich vom Blog nicht. Im Gegensatz zu Mode-Blogs kann ich ja nicht guten Gewissens von Pharmafirmen gesponsert werden:-) und auch mit anderer Werbung will ich den Blog nicht überladen.

Danke an Vanessa Sadeky, die den Artikel geschrieben hat, an Peter, der mir den Ausschnitt geschickt hat, und an McCloud, dank dem ich den ganzen Artikel (und den Rest der Ausgabe)  gekauft und auf den Kindle geladen habe. Dort ist die Formatierung etwas -einfacher. Leider ist die Ausgabe sonst nicht online einsichtlich.

Pharmama in den Medien (5)

Ich blogge jetzt seit über 6 Jahren und man findet mich, meinen Blog oder Links dazu an vielen Stellen im Internet (was mich freut!). Aber nicht nur im Internet: ich bin auch gelegentlich in den Medien vertreten:

In Heften:

Astrea-Apotheke – die offizielle Kundenzeitschrift der Schweizer Apotheken, 2012: mehrere Ausgaben mit meinen Cartoons.

Pharmarundschau vom März 2011,  ein Heft für Apothekenangestellte in Deutschland, Artikel “Blogs in der Apotheke – Infotainment für Kunden” als Blog-Beispiel.

“Apotheke + Marketing” vom Springer Verlag, Herbst 2010: „Apotheken im Netz – bloggen für Image und Kundengewinn“ 

Apothekenmanager, September-Ausgabe 2010 ein kurzer Absatz.

In Büchern:

„Online Marketing für die erfolgreiche Apotheke“ – vom Springer Verlag, 2013, als Beispiel für einen (Apotheken-) Blog.

„Haben Sie diese Pille auch in grün?“ -Mein erstes Buch: September 2013, Geschichten um die Apotheke, vom Rowohlt Verlag

„Einmal täglich“ – Mein neues Buch: Oktober 2014, im Eigenverlag bei Createspace

 

… und jetzt eine Erwähnung im Radio:

Nachdem ich vom Radio SRF 1 angefragt wurde betreffend meines Blogposts über den Rückzug von Migräne Kranit und ich ihnen bei der Recherche (etwas) behilflich sein konnte, erwähnen sie mich morgen, 26.11.2014  (08:13 Uhr) in der Sendung Espresso auf SRF 1:

srf1espresso

 

Wer will und kann hört da rein – ansonsten ist die Sendung später im Netz abrufbar. (Link zum Artikel  – Klick auf das Dreieck zum anhören – in Schwyzerdütsch)

Auf dem Blog einer erfahrenen Apothekerin im Internet beschweren sich ebenfalls Kundinnen und Kunden über das plötzliche Verschwinden des Medikaments.

Pharmama, deren echter Name «Espresso» bekannt ist, rät den Kundinnen und Kunden Alternativen zu prüfen, etwa eine Kombination aus Paracetamol und Coffein. Und die Pharmafirma Lubapharm hat angekündigt, demnächst eine Alternative auf den Markt zu bringen mit genau diesen beiden Wirkstoffen.

Wie werden Apotheker im Film und Fernsehen porträtiert?

… Yup, so werden wir Apotheker im Film und Fernsehen präsentiert.😦

Und das ist beileibe keine Ausnahme, wie ein Studienprojekt gefunden hat. Da gibt es noch einige mehr.

Die Daten zu der Untersuchung wurden inzwischen veröffentlicht.  Ein paar Auszüge:

Apotheker kommen in Film und Fernsehen nicht gut weg. Das mal vorweg.

Das gilt aber teils auch für Ärzte: während sie früher gerne als Kleinstadt-Helden dargestellt wurden, sind doch schon die Hälfte aller Darstellungen in den 80er und 90er Jahren negativ. Bei den Krankenschwestern gibt es einen Wechsel weg von der selbstaufopfernden Helferin zu mehr sinistren Charakteren – und in einem Drittel der Filme ist sie auf der Suche nach einer romantischen Affäre (Stereotypenbildung par Excellence).

Aber zu den Apothekern. Wichtige Rollen spielten sie in diesen Filmen:

  • The Pharmacist – von W.C. Fields (1933)
  • On Old California (1942) – das war John Wayne
  • It’s a wonderful Life (1946)
  • The Andy Griffith Show (1960-1967) – darüber hatte ich es schon hier.

Danach wird es … unschön. Einerseits gibt es kaum grosse Rollen für sie – dafür ist die Anzahl der Darstellungen allgemein steigend (zusammen mit den Filmen selber). Die Studie wollte schauen, wie die Apotheker in Film und Fernsehen porträtiert wurden in der Zeit zwischen Januar 1970 bis Juli 2013: positiv, neutral oder negativ?

213 Filme wurden gefunden mit 230 Auftritten von Apothekern.

  • Total Negativ: 144 (47 Kino, 97 Fernsehshows) = 62%
  • Total Neutral: 56 (19 Kino, 37 Fernsehshows) = 24%
  • Total Positiv: 30 (14 Kino, 16 Fernsehshows) = 14%

Apotheker werden demnach gerne so charakterisiert: Drogenhändler, Grossmaul, Faul, Arrogant, Opfer, übertritt persönliche Grenzen, Schwächling, Schnorrer, Psychotisch, übertritt Regeln, Bösewicht – aber auch: Hilfsbereit, Held (teils mit gemischten Motiven).

Der Apotheker wird als Medikations-Experte dargestellt, allerdings oft so, dass er das Wissen einsetzt für einen bösen Plan – oder aber sein Rat wird nicht ernst genommen.

9 Fernsehshows hatten einen Apotheker als Charakter mit einer Rolle, die wiederholt auftrat. Keine davon war weiblich.

8 von 60 Medizinischen Fernsehshows enthielten einen Apotheker. (Nur!) Nur in 2 davon, trat der Apotheker mehr als einmal auf.

Und dann eben die 62% negativen Darstellungen😦

Das ist ziemlich enttäuschend – aber vielleicht auch eine Chance für die Zukunft: Wie wäre es mal zur Abwechslung mit einem wirklichen Apotheker-Helden? So schlecht stehen wir im Ansehen der Öffentlichkeit ja nicht da – sagt auch die jährliche Abstimmung von Readers Digest zu den vertrauenswürdigsten Berufen.

Damit das auch weiterhin so bleibt ist also ein bisschen mehr positive Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Und (hoffentlich) ein paar realistischere und positive Charaktere im Film und Fernsehen. … vielleicht auch mal mit einer weiblichen Apothekerin? (Nur damit der aktuellen Situation etwas mehr Rechnung getragen ist).

Bekomme ich ein bisschen Unterstützung für die Apotheken?

Jammern auf hohem Niveau – so bezeichnet es der Blick. Es geht um eine letzthin gemachte Umfrage der Pharmasuisse (das ist der Schweizer Apothekerverband) unter den Apotheken.

Dabei ist herausgekommen, dass jede 5. Apotheke grössere Probleme hat. Die Ursachen sind unterschiedlich – eine davon sind aber sicher auch die Medikamentenpreise … und zwar die gesetzlich geregelten für die rezeptpflichtigen Sachen, die stetig sinken.

Dafür möchte ich hier ein aktuelles Beispiel bringen. Für eine Packung Tabletten mit Paracetamol 20 Stück dürfen wir nur noch 2.55 Franken verlangen. Wir sehen häufig (!) Rezepte auf denen nichts anderes drauf steht. Der Patient ist dafür zum Arzt gegangen. Der Arzt hat das Rezept ausgestellt (und: ja, er bekommt etwas für’s Ausstellen des Rezeptes, egal, was da drauf steht) und ich als Apotheke darf das dann abgeben und der Krankenkasse einsenden für die Rückerstattung. Man kann sich vorstellen, dass bei nicht mal 3 Franken nichts mehr für die Apotheke hängenbleibt. Allein der Bürokram um das ganze frisst das schon auf und dabei ist unsere wirkliche  Arbeit (das ganze Hintendran mit Lagerhaltung, Wechselwirkungs- und Dosierungskontrolle und Pipapo) noch nicht mal drin. Natürlich haben wir noch anderes auf Rezept – aber dank der stetig sinkenden Preise und unserer sowieso schon Mini-Marge …  ich will es kurz sagen: Es wird immer schwieriger, damit eine Apotheke rentiert.

Die LOA … also, dass wir per Pauschalen abgegolten werden konnte eventuell da noch etwas auffangen und herauszögern. ABER – die Zahlen zeigen auch deutlich, dass unser Einkommen maximal stabil geblieben ist. Dagegen nehmen die Ausgaben rapide zu: Lohnkosten, Mieten, Einkauf, Anschaffungen … alles steigend. Zusammengenommen nimmt der Umsatz ab und wer wirklich Gewinn macht, kann sich glücklich schätzen.

Aber ich jammere ja „auf hohem Niveau“.

Die Frage, die der Blick jetzt stellt (und nein, der Blick ist keine Zeitung, die für unvoreingenommenen Journalismus steht) ist:

Fänden Sie ein Apotheken-Sterben schlimm?

Ich schon – denn (das ist sicher): die Apotheken, die da sterben werden, das sind zuerst die Apotheken in der Peripherie … in den Dörfern, auf dem Land. Dann die kleinen Quartierapotheken. Die grossen Ketten, die erwischt das nicht. Die ausgesprochene Strategie der Galenika (faktisch die grosse Kette mit mehrere Unterteilungen: Amavita, Sunstore und Coop Vitality) ist denn auch: „Wir kaufen Apotheken um sie zu schliessen.“ Ja, die auf dem Land. Dafür machen sie in den Ballungszentren wieder neue auf. Und Apotheken kaufen können die auch nur, wenn sie vom Besitzer verkauft werden … dann, wenn sie nicht mehr rentieren. Und diese Apotheken sind wichtig für unser Gesundheitssystem – als erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen: niederschwellig, erreichbar und die (professionelle) Beratung ist gratis.

Also bitte ich um Eure Mithilfe und um Eure Zeit, an der Abstimmung teilzunehmen  -und den typischen Blick-Lesern, die so ähnlich motiviert sind, wie die Bild-Leser in Deutschland etwas entgegenzusetzen.

Also: gegen (nur) Essigsocken und Apothekensterben!

Hier abstimmenhttp://www.blick.ch/news/wirtschaft/wegen-sinkender-medikamenten-preisen-jede-5-apotheke-ist-in-gefahr-id3016938.html

Pharmama sagt Danke. Auch für mich.

Verweigerte Epi-Pen Abgabe und der Tod eines Mädchens durch eine Erdnussallergie

Tragisch: in Dublin in Irland stirbt ein 14jähriges Mädchen an einer Erdnuss-Allergie

… und die Medien klagen einen Apotheker an, dass er daran schuld sei. So wie hier:

http://www.dailymail.co.uk/news/article-2527512/Teenager-14-dies-street-allergic-reaction-peanuts-Chinese-buffet-pharmacy-refused-life-saving-adrenaline-injection-didnt-prescription.html oder hier:

http://www.independent.ie/irish-news/mothers-agony-as-teenage-girl-dies-from-peanut-allergy-on-city-street-29854519.html

Was ist passiert?

Die 14 jährige Emma Sloan ging mit Mutter und 2 Schwestern aus essen. Es ist der 20. Dezember, Vorweihnachtszeit und die Mutter hat sie in ein chinesisches „All you can eat“ Restaurant eingeladen.

Emma hat eine starke Erdnussallergie und sie erwischt im Restaurant – obwohl sie nach Aussage der Mutter sonst immer sehr vorsichtig war, was Essen anging – eine Satay Sauce.

Die besteht aus Erdnüssen – und die war auch so angeschrieben: „Contains nuts“.

Als Emma ziemlich bald danach anfängt Atemprobleme zu bekommen, rennt die Familie auf der Suche nach Hilfe aus dem Restaurant und auf die Strasse. Denn den Epi-Pen, den Emma eigentlich hätte, hat sie zuhause vergessen.

Die Mutter findet eine nahe Apotheke und verlangt vom Apotheker einen Epi-Pen gegen die allergische Reaktion.

Und der Apotheker gibt ihr keinen: „Ich darf Ihnen das nicht ohne Rezept geben. Gehen Sie mit ihr in den Notfall!“

Die Mutter hat das dann versucht und sich mit ihrer Tochter auf den Weg ins nahe Spital gemacht. Aber Emma ist kollabiert und noch auf dem Trottoir verstorben.

Jetzt wird die Sache untersucht.

Wie die Medien darüber berichten ist in meinen Augen allerdings sehr … unfair gegenüber dem Apotheker. Ihm wird praktisch die Schuld am Tod von Emma alleine angelastet.

 

Erdnussallergien sind häufig und sie können sehr schwer sein. In Amerika sind sie deshalb sogar dazu übergegangen Erdnussprodukte total aus Schulen zu verbannen.

Aber wer als Allergiker auswärts essen geht, weiss (oder sollte wissen), dass er aufpassen muss. Und fragen muss. Und lesen.

Gerade asiatische Restaurants kochen noch gerne mit Nüssen. Das ist alles andere als ungewöhnlich. Und Satay … ja. Mir wäre das auch ohne Schild klar, dass das Erdnusssauce ist.

Als so schwerer Allergiker sollte man zwingend (!) sein Notfallset und den Epi-Pen dabei haben. Immer! Und wenn sie als Teenager dazu noch nicht verantwortungsbewusst genug ist: die Mutter hätte auch einen dabei haben sollen.

Statt bei den ersten Anzeichen von Problemen (und Atemprobleme sind ernste Zeichen!) die Sanität zu rufen, rennt die Familie auf die Strasse. Wieso?

Selbst wenn die Familie Panik hatte – wenn sie das im Restaurant erwähnt hätten mit der Erdnussallergie und den Atemproblemen – das Restaurant hätte da auch reagieren können.

Die Mutter geht offenbar alleine in die Apotheke um dort panisch nach einem Epi-Pen zu fragen.

Der Apotheker darf vom irischen Gesetz her den Epi-Pen nur gegen Rezept herausgeben. Das ist in Deutschland genau so.

In der Schweiz könnte man noch sn eine Notfall-Abgabe denken. Aber – dafür müsste der Apotheker die Patientin direkt sehen. Ich bezweifle, dass hier (oder auch dort) ein Apotheker den Epi-Pen NICHT anwenden würde, wenn er eine nach Atem ringende, rote und schwitzende Frau mit bekannter Erdnussallergie und Allergenkontakt vor sich hat.

Aber … wenn nicht? Wenn nur jemand vor ihm steht, der sagt, dass … ?

Es ist dort wie hier ja so, dass der Apotheker von Gesetz wegen die Apotheke während der Öffnungszeit nicht verlassen darf – er kann also auch nicht einfach auf die Strasse rennen.

So ein Epi-pen (kostet ja auch nicht nichts) einfach einer wildfremden Frau auf Verlangen in die Hand zu drücken? Die Apotheke ist eine 24Stunden Apotheke und liegt in einem Viertel mit offener Drogenszene …

Doch nicht ganz so einfach und klar, die Sache, oder?

Die Lösung hier wäre aber auch für den Apotheker gewesen: sofort die Ambulanz kommen zu lassen.

Und die Mutter hätte die Tochter wenn schon besser in die Apotheke bringen sollen, statt sie irgendwo draussen zu lassen – auch wenn die eine erwachsene Schwester bei ihr war.

Stattdessen macht sich die Mutter mit den Töchtern weiter auf den Weg ins Spital.

Und die Tochter stirbt auf dem Gehweg. Trotz der Bemühungen eines Arztes und der dann doch noch aufgebotenen Sanität.

Ich bin sicher, dass der Apotheker sich die übelsten Vorwürfe macht. Und: Ja, es wäre gut gewesen, hätte er ihn abgegeben – auch wenn selbst dann nicht sicher ist, dass sie überlebt hätte.

Aber: Ist sie wirklich wegen unterlassener Hilfeleistung gestorben? Oder doch eher wegen von Anfang an schlecht getroffenen Entscheidungen?

Der Mutter hilft die Diskussion nicht mehr – ausser vielleicht ihr eigenes Gewissen zu beruhigen.

Was meint ihr dazu?

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