Versicherungslos

Da kam letzthin eine Frau in die Apotheke und beklagte sich, dass sie sehr erkältet sei, viel huste (so dass es schmerzt) und Blut im Auswurf gefunden hat.
Pharmama: „Das bedeutet: Verdacht auf Lungenentzündung. Dafür müssen sie zum Arzt!“
Frau: „Aber ich habe keine Versicherung!“
Oh, schlecht, aber.. umm, was erwartet sie? Das ich ihr ein Antibiotikum verkaufe, so rein auf Verdacht?
Pharmama: „Nun, dann werden sie den Arztbesuch halt selbst bezahlen müssen. Ich rate ihnen aber, es nicht aufzuschieben.“

Ja, das ist ist nicht gut. Ich habe dann ein bisschen mit ihr geredet, auch wegen dem „keine Versicherung“ – in der Schweiz muss man zwingend eine Krankenversicherung haben – sie meinte dazu nur, sie „wohne nicht hier.“

Aber: da hat sie eventuell Jahrelang gespart, indem sie sich nicht versicherte und dann braucht sie es einmal und will dann auch das nicht zahlen? Ich schreibe jetzt „will“, weil sie wirklich nicht so ausgesehen hat, als ob sie kein Geld hätte.

 

Im Moment muss man auch gut schauen, dass man die Krankenkassendeckung gleich validieren kann, denn offensichtlich ist die Zahlungsmoral reichlich schlecht – gestern hatte ich gleich 2 Personen, bei denen es geheissen hat: „Karte gesperrt.“ Das heisst es dann, wenn die Krankenkassenprämien nicht bezahlt wurden, dann sistiert die Versicherung die Übernahme der Medikamente und anderer Leistungen, bis die Schulden bezahlt sind.

Übrigens: Wer Schulden bei einer Krankenkasse hat, der kann die Kasse nicht wechseln, bis die bezahlt sind. Und eine Krankenversicherung muss man haben – die ist obligatorisch und vom Gesetz vorgeschrieben. Wer finanziell nicht in der Lage ist, die Prämien zu zahlen, kann eine Prämienverbilligung beantragen – oder gar eine Prämienübernahme durch die Sozialversicherung.

Trotzdem: Gegen 400’000 Personen in der Schweiz haben Schulden bei den Krankenkassen und gegen 150’000 Personen haben einen Leistungsstop. Die Spitäler sitzen wegen diesen auf Schuldenbergen und auch wir in der Apotheke haben zu kämpfen mit säumigen Zahlern.

Wenn trotz Betreibung kein Geld kommt, müssen die Kantone 85% der Kosten und die Krankenkasse 15% der Kosten von Spital und Medikamenten übernehmen. Das heisst: das zahlt der Steuerzahler. Kann die Krankenkasse später doch noch das Geld eintreiben, bekommen die Kantone die Hälfte des Geldes wieder zurückbezahlt.

Personen mit einem Leistungsaufschub haben aber nur noch Anspruch auf Notfallversorgung.

21 Kommentare zu „Versicherungslos

  1. Also wer zahlt am Ende? Der Staat.
    Wer ist der Staat? Das Volk ist der Staat!
    Wer ist das Volk? Wir: Pharmama, ich, alle andern…

    Also: Warum die Gesundheitsvorsoger nicht einfach verstaatlichen, eine „Volksgesundheitsfinanzierung“ sozusagen? Weil am Ende zahlen immer WIR!

    Was soll denn der ganze Blödsinn mit Kassenwahlfreiheit, „obligatorischen“ Versicherungen, dieser pseudo-Marktwirtschaft, die dann doch von Bern gesteuert wird, weil sie selbstständig nicht überlebensfähig ist?

    Denn am Ende zahlen immer WIR. Ob über „Prämien“, direkt selber für die erhaltenen Leistung, Staats-, Bundes- oder Gemeindesteuern, Fürsorge- und Sozialabgaben…
    Immer WIR, WIR, WIR…

    Einzig jetzt habe wir noch zus. immer Ende Jahr diese Prämien-, Offerten- und Kassenwechsel-Theater. Viel Aufwand für was? Am Ende Zahlen immer WIR. Und genau soviel, wie es nun halt mal gekostet hat, inkl. dem ganzen „Theater-Aufwand“.

    Nochmal: Wer zahlt? WIR, WIR und wieder WIR.

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  2. Das ist jetzt ausnahmsweise mal in D besser geregelt.
    Jeder Arbeitnehmer ist Pflichtmitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse. Der Beitragssatz beträgt ca. 15% des Bruttolohns, das zahlen jeweils Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu 50%. In D ist der ArbeitGEBER verpflichtet, das Geld an die Kassen abzuführen, der Arbeitnehmer sieht das Geld also gar nicht erst auf seinem Konto und kann mit der Zahlung an die Krankenkasse gar nicht erst säumig werden.
    Wenn der Arbeitnehmer einen Kassenwechsel möchte, kann er dies nur machen, wenn er seiner ehemaligen Kasse nachweist, dass er eine neue Krankenkasse hat, bei der er anschliessend versichert ist.

    Arbeitnehmer, die über ca. 3800 Euro verdienen, sind nicht mehr pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenkasse und können sich privat versichern oder wahlweise freiwillig gesetzlich versichern. Dieser Personenteil sollte allerdings finanziell so gut gepolstert sein, dass Zahlungsprobleme weniger häufig auftreten können.

    Anders ist die Situation bei Selbstständigen. Diese sind nicht pflichtversichert, können sich aber wahlweise ebenfalls privat oder freiwillig gesetzlich versichern und führen dann selbst ab.
    Auch dieser Personenkreis sollte finanziell so gut gestellt sein, dass Liquiditätsprobleme eher weniger befürchten sind.

    Wobei man noch sagen muss, dass in D die Beiträge bei den privaten Versicherern in der Jugend sehr günstig sind, aber im Alter sehr teuer werden. Daher gilt in D der Grundsatz: Einmal privat, immer privat! Die gesetzlichen Versicherungen nehmen einen einmal privat versicherten Kunden nur noch seltenst wieder auf.

    Fazit: Für den normalen Arbeitnehmer finde ich es gut, dass dieser zwangsweise versichert sein muss und der Arbeitgeber verpfpflichtet ist, das Geld abzuführen. Somit ist in D der Geringverdiener immer versichert und kann gar nicht erst auf die Idee kommen, Geld zu sparen indem er seine Versicherung kündigt, weil: geht nicht…

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    1. Das tönt wirklich besser – und jetzt verstehe ich auch, woher die Frau wohl gekommen ist: Ich vermute sie wohnt in Deutschland und ist tatsächlich nicht versichert …

      Äh, wie sieht das eigentlich aus mit Hausfrauen? Die haben ja keinen Arbeitgeber und verdienen auch nicht als selbständige Geld?

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      1. Ist jemand in der gesetzlichen KV, dann ist seine/ihre Familie (Kinder und nicht-erwerbstätige Eheanhängsel) mitversichert (mit einem Beitrag!).
        Wenn der/die FamilienernährerIn in der privaten KV ist, dann muß jedes Familienmitglied einzeln versichert werden. Letzteres kann teuer werden ;-)

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        1. Wobei „nicht erwerbstätig“ eigentlich heißt „weniger als 355€/Monat eigenes Einkommen oder Minijob (bis 400€)“

          Das heißt, Partner können in geringfügigem Umfang beim Supermarkt Regale einräumen (o.ä.), ohne gleich was in die Krankenversicherung zahlen zu müssen.

          Ich kann mich lorem42 nur anschließen, dass der Zirkus um die freie Kassenwahl ein viel zu teurer Spaß ist, und es besser wäre, eine Leistung, die der Staat sowieso _jedem_ zur Verfügung stellen will (wir haben auch in Deutschland eine Versicherungspflicht) ohne dieses Imitat eines freien Marktes abzuwickeln.

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        2. @PG: Mit dem Unterschied (etwa zu Frankreich), daß die KV auch bei gesetzlicher Versicherung mit Unternehmen des freien Marktes abgeschlossen wird. Es ist wie eine Haftpflicht fürs Auto: du mußt sie zwar abschließen, aber nicht beim Staat, sondern bei einem Unternehmen deiner Wahl. Damit IST der Markt frei – nur kannst du nicht wählen, OB du sowas abschließen willst, aber es ist ganz dir überlassen, ob es nun die BEK oder die AOK oder die ZVK sein soll…

          Ich sehe jetzt auch nicht, was an dem „Zirkus“ so teuer sein soll. In Frankreich ist die GKV ein Staatsunternehmen, anders gesagt eine Behörde, an die man Beiträge abführt und die dann je nach Thema 60%, 65% oder 70% der Auslagen trägt. Das System ist wenig billiger als in Deutschland, genauso wenn nicht noch defizitärer – und funktioniert prinzipiell als Erstattungskasse.

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        3. @Wolfram:
          Der Markt ist auch in D nicht frei. Der deutsche Bürger hat zwar die Wahl, bei welcher Krankenkasse er versichert sein möchte, aber das ist seit etwa 2 Jahren nur noch Augenwischerei.

          Grund: Vor 2 Jahren waren die Beiträge zu den Krankenkassen noch unterschiedlich, man konnte sich die günstigste (und die am rentabel arbeitende) raussuchen. Seit 2 Jahren sind die Beiträge für alle Kassen verpflichtend bei (ich glaube) 14,9 % des Bruttolohns.
          Die Kassenleistungen sind bei jeder Kasse gleich.

          Und bevor der Aufschrei kommt: Ja, ein paar Kassen zahlen auch freiwillig so einen Sch… wie alternative Behandlungen und Pseudomedizin, aber selbst wenn ich jetzt ein Freund von Homöopathie und Co. wäre: Ich brauche eine Krankenkasse für ernsthafte und chronische Erkrankungen, die richtig ins Geld gehen werden und nicht dafür, dass mir der Schleimlöser oder die Globuli für 3,50 Euro auf Rezept bezahlt werden. Und da unterscheiden sich AOK, Barmer, Techniker, DAK und Co. nun mal (gesetzlich vorgeschrieben!) nicht.

          Der weitere Grund warum Kassen in D nicht mehr frei sind: Finanziell schlecht arbeitende Kassen oder die eine Kasse, bei der jeder Geringverdiener, der sich nicht informiert hat, dass man die Kasse auch wechseln kann, versichert ist (=also Kassen mit ungünstiger Kundenstruktur), erhalten von den finanziell vorteilhaft arbeitenden Kassen Ausgleichszahlungen. Damit werden auch unrentabel arbeitende Kassen in D durchgeschleppt.

          Der Grund, warum ich z.B. vor einem Jahr die Kasse gewechselt habe, hatte auch nur damit zu tun, dass ich umgezogen bin, bei meiner alten Kasse (die mit der schlechten Kundenstruktur, bei der jeder erstmal versichert ist) eine neue Geschäftsstelle zugewiesen bekommen habe, die sich auch nach mehrmaligen Rückfragen nicht rühren wollte und ich nicht wissen wollte, ob diese Ignoranz auch bei einer ernsthaften Erkrankung anhält.
          Ich hab bei der neuen Kasse weder bessere Leistungen noch komme ich preiswerter weg.

          Fazit: In D gibt es keinen Wettbewerb unter den Kassen!

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      2. Die sind, so sie denn einen berufstätigen oder freiwillig versicherten Ehemann haben meistens „familienversichert“ genau wie die Kinder. Wenn es sich um eine arbeitslose Hausfrau handelt, die keine Stütze vom Amt beantragt hat, kann es auch sein, dass sie nicht versichert ist. Arbeitslosengeld-/Hartz IV-Bezieher sind meines Wissens übers Amt versichert.

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      3. Wenn die Hausfrauen verheiratet sind, dann läuft das als Familienversicherung über die Versicherung des Mannes.
        Trotz dieses Systems gibt es aber auch in Deutschland Leute die durch die Maschen fallen…..
        Ok nicht häufig aber trotzdem kommt das vor.
        LG

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        1. Ein Beispiel sind z.B. SELBSTSTÄNDIGE Ladenbesitzer, die um Geld zu sparen, ihre Krankenkasse kündigen.
          Wenn da mal ein Krebs kommt, ist das Eigenheim weg…

          Das sind aber – gottseidank – in D Einzelfälle!

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        2. @Steven:
          Durch die Maschen fallen wird immer schwieriger, seit 2007 gibt es in .de den Versicherungszwang, und der läuft rückwirkend.
          Wenn man einmal im Versicherungssystem drin ist, kommt man nur noch von einer Kasse in die andere, wenn man der alten nachweist, das man bei einer anderen genommen ist (auch bei privaten)

          Wenn man noch _nicht_ drin ist, muss man rückwirkend nachzahlen seit Beginn der Pflicht. Wenn jemand mit festem Wohnsitz auf der Parkbank 16 in Köln dann erstmals zum Arzt muss, muss dann erstmal irgendwo das Geld für (derzeit) 3.5 Jahre Versicherungsbeitrag aufgetrieben werden, bevor die Kasse die Leistungen übernimmt. Toll, nicht?
          Das kommt dann nach viel Telefoniererei durch die Sozialdienste dann irgendwann vom Sozialamt, wenn der Patient bis dahin überlebt hat.

          Der Strukturausgleich (weiter oben erwähnt), der früher die AOKs (überwiegend Bauarbeiter mit kaputtem Rücken mit Mitte 40) mit Zahlungen der Barmer und einiger BKKs (überwiegend gesunde Büroangestellte) über Wasser gehalten wurde, wurde meines Wissens komplett durch den Gesundheitsfond ersetzt.
          Durch den müssen jetzt alle gesetzlich Versicherten erstmal ihre Kasse mit einheitlichen Betrag bedenken, dieser wird dann an den Fond weitergeleitet und dann in anderer Zusammensetzung (gemäß „morbiditätsorientiertem Risikostrukturausgleich“ – tolles Wort, der das Maß der Krankheit der Kunden der verschiedenen KVen quantifizert) zurückverteilt wird.

          Wo ist das ein freier Markt?

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      4. @Pharmama: Du schreibst, dass Du denkst, dass es eine Deutsche war.

        Aber wenn eine Deutsche als Grenzgängerin in der Schweiz arbeitet, muss sie sich doch bei Euch eigentlich ebenfalls versichern, oder?

        Anders würde die Sache natürlich aussehen, wenn es sich um eine Urlauberin handeln würde, da weiss ich nicht, ob die deutsche Krankenkasse das in der CH einfach so übernimmt (kein EU-Land).
        Aber irgendwie hoffe ich doch, dass jeder Urlauber bei einem Auslandsaufenthalt doch so vernünftig ist und eine Auslandsreisekrankenversicherung abschliesst (hab selbst eine für 8 Euro/Jahr – renomiertes Unternehmen).

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        1. Ich weiss ja nicht, ob sie hier arbeitet oder nur auf Besuch war. Aber wenn sie in der Schweiz arbeitet, müsste sie sich entweder hier versichern, oder es gibt die Möglichkeit, dass sie nachweist, dass sie in Deutschland versichert ist. — Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass sie in Deutschland versichert gewesen ist … und dann die Versicherung gekündet hat. Ich glaube kaum, dass das jedes Jahr nachgeprüft wird. Von wem auch?

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        2. Kleiner Nachtrag:
          Wobei ich mir einbilde, dass die gesetzliche Kasse Krankheitskosten bei einem Urlaub in einem Nicht-EU-Land auch übernehmen müsste.
          Das müsste dann so ablaufen, dass man als Deutscher zwar die Arztkosten und Medikamentenkosten zunächst (anders als in D) vollkommen selber zahlen muss, dann aber die Quittungen des Arztes und der Apotheke (keine selbstständig gekauften Medis, nur die verschriebenen) selber bei der Kasse einreicht und man erhält dann – ohne Auslandskrankenversicherung – das Geld, was in D für das Medi oder den Arzt gezahlt worden wäre. Auf dem Rest bleibt man aber sitzen…
          Ohne Gewähr!

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        3. Da kam Dein Kommentar vor meinem:
          Ich glaube auch nicht, dass das nachgeprüft wird.

          Aber um ehrlich zu sein: Irgendwie ist dann die Kundin selbst schuld, auch wenn sich das jetzt hart anhört.
          Sich nicht um seine Krankenversicherung zu kümmern und es zuzulassen, dass man – wenn auch nur einen Tag – nicht krankenversichert ist, ist echt grob fahrlässig.

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  3. ähmm die schweiz ist sowas wien quasi EU Land, sie übernimmt vieles aus der EU ohne aber selbst EU Mitglied zu sein. Es existieren Sozialversicherungsabkommen mit der EG/EU UND mit Deutschland. Heißt meistens das sich deutsche solange keine überproportionalen Mehrkosten anfallen genauso wie Schweizer behandeln lassen können. Ohne das ding jetzt genau gelesen zu haben aber die sind meist gleich :p
    Im Prinzip ist es nichts anderes in der Schweiz zu sein wie im EU-Raum. Manches ist anders aber nicht viel.

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