Verweigert

Vorausschickend: Ich sage nicht gerne nein. Aber manchmal muss es sein. Aus gesetzlichen Gründen, aus Vernunftsgründen und manchmal auch nur für meinen Seelenfrieden.

Telefon Kundin: „Ich bräuchte da eine Auskunft vom Arzt – ich erreiche ihn aber nicht. Könnten Sie ihm nicht anrufen, dass er mir zurückrufen soll?“
Pharmama: „Äh, nein, das können sie direkt selbst machen, dafür brauchen sie mich nicht.“
Kundin: „Nein, rufen sie ihm an, das geht schneller.“
Pharmama: „Das macht keinen Unterschied, ob sie oder ich es sind, die ihm telefonieren, nur dass es nochmals eine Verzögerung gibt, weil er dann sie ja noch zurückrufen muss.“
Kundin: „Aber bei ihnen nimmt er eher ab, als wenn ich anrufe.“
Pharmama: „Das glaube ich nicht. Ausserdem bin ich hier ziemlich beschäftigt. Das müssen sie wirklich selber machen, ich habe hier keine Zeit  für sie herumzutelefonieren.“
Kundin: „Aber ihre Kollegin hat das schon gemacht, und dann hat er nach einer Stunde zurückgerufen!“
Pharmama: „Ich mache es aber nicht. Ausserdem muss ich jetzt, da warten schon wieder ein paar Kunden …“ (Ja, ehrlich!)

Kommt noch dazu: wenn ich jetzt einwillige die Sekretärin zu spielen, bin ich wirklich ständig am Telefon nur um zu schauen, ob ich jetzt vielleicht durchkomme und dann ruft die Kundin wahrscheinlich noch 10 x zurück, ob ich den Arzt jetzt schon erreicht habe. Das kann ich beides jetzt wirklich nicht brauchen. Plus: mach so etwas einmal, dann kommt sie immer wieder mit solchen Anliegen.

Darum: Nein.

Das musste ich so lernen. Fällt es Euch einfach, „Nein“ zu sagen?

19 Kommentare zu „Verweigert

  1. Vielleicht hat die Kundin lediglich schon so oft bei dem Arzt angerufen, dass keiner mehr abhebt, wenn ihre Nummer erscheint ;-) Und dann ist es doch ganz praktisch, wenn man jemand anderen vorschickt :lol:

    (Nein sagen fällt mir in vielen Fällen auch nicht leicht… Aber manchmal muss das einfach sein.)

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  2. Irgendwie hab ich grad ein dèja vu. Hast Du nicht schon mal was ähnliches geschrieben?

    Ja, manchmal fällt es mir schwer „nein“ zu sagen. Arbeite aber an mir.

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  3. Wir, die ein Gewissen haben, machen es uns oftmals extrem schwer „Nein“ zu sagen.
    Aber ich habe gelernt, dies auch öfters zu tun, weil „die andern“ oft einfach versuchen, ob sie ihr Problem einem andern aufladen können.
    Und meistens ist es nach dem „Nein“-sagen so, dass
    – die Erleichterung stark geblieben zu sein und mir nicht eines andern Problem aufgehalst zu habe gross ist (vor allem wenn es so etwas nichtiges war wie „rufen sie doch mal an“
    – ich irgendwann erfahre, dass das, was ich abgelehnt habe tatsächlich auf der Basis „ich versuchs mal einem andern aufzuhalsen“ geschah und sogar für den Probleminhaber rel. nichtig war. Also hätte ich mich ganz vergebens bemüht.

    Gut gemacht Pharmama!

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    1. Apotheken gelten – zurecht wie ich finde – als freundliche serviceorientierte Dienstleister (gerade frisch bestätigt: http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Apothekenpraxis/2787.html ). In fast keinen anderen Geschäft heutzutage gibt es so schnelle Liefermöglichkeiten, Botendienste und Kinder und auch die Erwachsenen bekommen eine Kleinigkeit dazu (Taschentücher, Traubenzucker). Stammkunden werden mit dem Namen begrüßt: Wo gibt es das noch?
      Da gibt es dann leider immer mehr mal wieder Kunden, die über das Ziel hinaus schiessen.

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  4. Manchmal frage ich mich wirklich, was sich gewisse Leute denken. Das ist wie wenn ich meiner Grossmutter anrufe, sie soll mich auf der Arbeit krank melden, oder dem Vater meiner Ex-Freundin, er soll bitte einen Coiffeurtermin für mich machen. Respekt für’s ruhig blieben, ich glaube nicht, dass ich mich da immer beherrschen könnte.

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  5. Falls die Kundin die Befürchtung hat, dass bei ihr keiner ans Telefon geht, soll sie mal herausfinden, mit welcher Vorwahl die Rufnummer selektiv unterdrückt werden kann.
    In deutschen Telefonnetzen ist es *31#, ich weiß aber nicht, ob das international standardisiert ist.

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  6. Ganz einfach: Wenn das nächste mal jemand mit so einem Anliegen kommt, sagst „Kein Problem, ich schicke Ihnen dann die Rechnung über XXX Franken für diese Dienstleistung zu.“ Ich würde mal sagen… etwa eine halbe Stunde Arbeitszeit plus Telefonkosten sollten passen. Was für einen Stundenlohn hat man als Apothekerin eigentlich?

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  7. Das musste ich ganz schnell lernen. Als gerichtlich bestellter Betreuer, früher Vormund, gibt es sicher auch in der Schweiz, habe ich an sich klar umrissene Aufgaben und Vorgaben. Unklar ist das interessanterweise meist bei Institutionen, die der Meinung sind, ich könne die Leute doch ruhig durch die Gegend kutschieren, müsse bei jedem Arztgespräch oder Termin beim Arbeitsamt dabeisein oder könne doch mal mein privates Bankkonto benutzen, um für Klienten was zu bezahlen, damit die die Einzahlgebühr sparen. Yesses, Sachen gibts… Da hilft nur ein klares Nein und ein dickes Fell.

    Ich finde deine Haltung in Ordnung. Besonders wenn Leute etwas selbst erledigen können, ist es wichtig, dass sie es auch machen, sonst ertrinkt man dann selbst in Arbeit, die einen nur von der eigentlichen Arbeit abhält.

    Liebe Grüße aus dem Urlaub
    Heike

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  8. Wie gefällt euch der? Ist vor ca. 10 Tagen hier bei uns passiert:
    Telefon einer Nicht-Kundin: „Guten Tag, hier Meier. Sie sind doch die Apotheke gleich neben dem Coop?“
    Ph-ass: „Ja, da sind Sie hier richtig!“
    Nicht-Kundin: „Könnten Sie mir dann also 2 Avocados kaufen und sie mir vorbeibringen?“
    Ph-ass:“?!“

    Und, ja, ich bin mir ziemich sicher, dass das sehr ernst gemeint war! Leider!

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    1. Es gibt schon komsiche Leute.
      Und irgenwie habe ich den Eindruck, die treten zur Zeit mal wieder im Rudel auf.

      für Menschen die des Englischen einigermaßen mächtig sind, gibt es im großen, weiten Internet eine wunderbare Seite, die genau solche abstrusen Kundenbegenungen sammelt und sehr zur allgemeinen Belustigung anonymisiert veröffentlicht: http://notalwaysright.com/
      (falls es ok ist, den link hier zu veröffentlichen liebe Pharmama)

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  9. Nein;-) das Nein-Sagen fällt mir nicht wirlich leicht – aber irgendwann ist Schluss. Ich helfe anderen gern, aber im Büro immer die Aufgaben für die Kollegen mitmachen oder Aufgaben erledigen, die Kunden selbst (besser) machen können, das mache ich nicht mehr. Meine Aufgaben muss ich ja auch noch irgendwann erledigen.

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