Bitte gehen sie ins Spital. Gleich.

Folgend mein Teil der Unterhaltung mit einer älteren Frau, die im Kaufhaus auf der Rolltreppe gestürzt ist – und von der ich finde, dass sie untersucht und eventuell behandelt werden muss. Nur: Sie will nicht.

Pharmama:

„Ich verstehe ja, dass man nicht gerne ins Spital geht. Ich verstehe, dass man Verpflichtungen hat … ja, ihr Mann kann nicht gut alleine laufen, ja, die Einkäufe müssen nach Hause, ja … aber: Sie gehören ins Spital und zwar bald!

Sie sind auf Blutverdünner – das sehe ich an den Flecken auf ihren Armen und sie hatten einen heftigen Sturz. Sie haben eine Platzwunde auf der Stirn und auch im Auge blutet es …. Das kann ich sehen, ja. Jetzt gehen sie bitte abklären, ob es nur an der Oberfläche blutet oder auch tiefer, denn das wäre gar nicht gut .

Ja, sie haben mir gesagt, dass sie auf dem einen Auge nicht mehr gut sehen … sie wollen aber nicht noch das Augenlicht am anderen Auge verlieren, oder?

Eben. Und jetzt rufe ich ihnen ein Taxi, das sie beide, Sie und ihren Mann nach Hause bringt, wo sie die Einkäufe abstellen können und dann auf dem direkten Weg ins Spital.

Ok? GUT !“

Danke.

11 Kommentare zu „Bitte gehen sie ins Spital. Gleich.

  1. Ich bin froh, hat sie dann doch noch zugestimmt. Zwingen kann man ja niemanden. Ich hatte schon den Fall von einem, der den gerufenen Sanitätern tatsächlich von der Trage gehüpft ist, nachdem ich sie nach seinem Kreislaufkollaps gerufen habe. 2 Monate später hat er noch einen Kollaps gemacht. Davon ist er aber nicht mehr aufgestanden. Da denke ich immer daran: was wäre gewesen, wenn sie das im Spital hätten abklären können. Lebte er dann vielleicht noch?
    Darum war ich in dem Fall auch so eindringlich.

    Like

  2. HI,
    bisher war ich stille Mitleserin, aber zu diesem Artikel will ich doch meinen Senf dazu geben.
    Ich finde es super von dir, dass du nicht aufgegeben hast. Sondern dieser Frau eindringlich dazu geraten hast, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Natürlich möchte niemand ins Krankenhaus, aber was wäre wenn diese Frau abends oder nachts eine Hirnblutung bekommen hätte? Ihr Mann schläft und sie stirbt!
    Also Hut ab und weiter so.

    Like

  3. Ein Glück, dass die Dame auf eine Fachfrau getroffen ist. Der Dialog hätte auch anders laufen können: „Alles o.k.?“ „Jaja geht schon wieder.“ „Nadann alles Gute“ und tschüss…

    In der Apotheke lernt man, Patienten eindringlich zum Arztbesuch zu überzeugen (oder wenigstens überreden): „Ja, mit einem Blutdruck 200/120 empfehle ich dringend einen Arztbesuch. Und nein, Korodin Tropfen helfen da nicht. Nein, Iberogast Tropfen auch nicht, selbst wenn die Ihnen sonst gut tun. Die sind nur für den Magen“.

    Like

    1. Ich mache sonst den Leuten nicht gerne Angst, was ihre Gesundheit betrifft, aber in so Fällen greife ich dann doch zu den deutlicheren Worten: Wissen Sie, was passiert, wenn sie da nichts machen? …

      Like

  4. Ich bin auch ganz froh, das meine Nachbarin mich damals überredet hat, mit meinem Finger,den ich versucht hatte, abzuschneiden, in die Notaufnahme zu gehen. Ich dachte mir erst, ich mache da einen Verband drum, dann geht das schon. Aber der Schnitt klaffte schon recht weit auseinander und ist dann auch genäht worden. Besser so!

    Like

  5. pfingsten vor 6 jahren hat mir eine apothekerin mit einer solchen aktion wohl das leben gerettet.

    ich wolle samstags nachts schmerztabletten nehmen, hab mich aber nicht wirklich getraut – ich dachte, bei mir könnte vielleicht wieder eine nierenentzündung im anmarsch sein – nieren und schmerztabletten… öhm…

    und daher in der apotheke mit notdienst angerufen und nachgefragt, weil ich es kaum noch aushalten konnte. und die gute frau hat mich in einem eindringlichen gespräch dazu gebracht, zum nächsten krankenhaus zu fahren.

    als ich dort nach der dann folgenden op wach geworden bin, hat man mir von einem blindarm kurz vor dem durchbruch berichtet.

    ich war leider nicht auf zack und hab nicht mehr heraus bekommen, welche apotheke das war (zeitung mit der notdiensttelnr. war nach dem krankenhausaufenthalt bereits entsorgt und ich war zu bräsig, anders an die info zu kommen).

    also: vielen lieben dank an alle engagierten apotheker und apothekerinnen! vielleicht wisst ihr es nicht immer, aber ihr rettet leben.

    Like

    1. Oh, das ist spannend. Danke für die Rückmeldung (oder den Versuch davon) – ich bin in der Apotheke immer froh, wenn ich höre, wie es gegangen ist.
      Man hat ja (ich jedenfalls) gewisse Hemmungen ins Spital zu gehen – aber manchmal ist es einfach nötig. Gut hat sie dich überreden können.

      Like

  6. Ich hab’s noch nicht getan und gratuliere hiermit noch zum 2 jährigen Bestehen. Du machst das einfach gut und schreibst echt toll und sehr sympathisch =)

    Zum Thema Blutverdünnung hab ich ’ne Frage, denn mir wurde früher mal gesagt, dass man, nachdem man blutverdünnende Arzneien wie Aspirin genommen hat, das gefährlich wäre mit Sport machen danach. Nun hab ich von einem Internisten gehört, dass das nicht schlimm wäre und man die Blutungsgefahr vernachlässigen könnte, wenn da keine besonderen Erkrankungen bestehen.
    Was meinst du dazu?

    Like

    1. Also das habe ich noch nicht gehört. Immerhin ist etwas Sport (oder Bewegung) auch geeignet als Vorbeugung von Herzproblemen.
      Man könnte natürlich auch hier sagen, dass alles was übertrieben ist, schlecht ist. Und wenn es ein Sport ist mit viel Körperkontakt, gibt es sicher vermehrt blaue Flecken, aber sonst? Nein, gefährlich sicher nicht.

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu kartoffel Antwort abbrechen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..