Telefonitis an den Arzt

Gestern war so der Tag, wo ich das Gefühl hatte, dass ich wegen jedem zweiten Rezept dem Arzt anrufen musste um etwas abzuklären.

Das fing schon an mit einem Rezept vom Vortag, wo nicht sicher war, ob das „2“ beim Schlafmittel nicht nachträglich vom Kunden drübergekritzelt wurde – Nein, der Arzt war’s …

Das ging weiter mit einem unleserlichen Rezept (klassisch) …

Ein, Zwei Vorbezüge für Dauermedikationen von Stammkunden, die sich aber per Fax erledigen lassen …

Dann ein paar später mit einem wo eine schwere Wechselwirkung angezeigt wurde. Selegilin (neu) und Zoloft (auf einem alten Rezept), also die Kombination eines MAO-hemmers und eines Serotonin-Wiederaufnahmehemmers: (Parkinson Mittel und Mittel gegen Depression – Danke an drgeldgier für die Korrektur). In Kombination „können nach wenigen Stunden toxische Symptome eines Serotonin-Syndroms auftreten“, d.h. „in schweren Fällen kann es zu Blutdruckabfall, Koma, Schock und Exitus kommen.“ Kurz gesagt: diese beiden Medikamente zu mischen ist ganz schlecht. – In Absprache mit dem Arzt haben wir es dann so gemacht, dass der Kunde erst das eine stufenweise absetzen soll (das Zoloft das er schon hatte), dann 3 Wochen wartet und erst dann mit dem Selegilin anfängt. Er schaut dann wegen einem neuen Antidepressivum.

Noch später kommt ein Rezept wo der Namenskleber auf dem Rezept überhaupt nicht mit dem auf der Krankenkassenkarte des Kunden übereinstimmte: plus, es war ein „Er“, das Rezept war auf eine „Sie“ ausgestellt. Auch das gab ein Telefon …. Wer weiss denn sicher, ob ausser dem Namen nicht auch das Medikament falsch aufgeschrieben ist? -Nun, das Medikament stimmte wenigstens.

Obwohl ich wirklich nicht gerne ständig Telefone an den Arzt mache – gestern war es ein paarmal einfach dringend nötig. Und am Abend hatte ich das befriedigende Gefühl „Heute hat es meine Arbeit wirklich gebraucht“ – und das … ist doch auch schön, oder?

4 Kommentare zu „Telefonitis an den Arzt

  1. Als Arzt sitze ich ja sozusagen am anderen Ende der Leitung. In der Regel bin ich eigentlich immer sehr froh über derartige Anrufe, da es im Sinne des Patienten ja niemals schaden kann, wenn noch ein zweites kritisches Auge einen Blick auf die Verordnungen trifft.

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  2. Jetzt muss ich mal kleinlich sein:
    Selegilin ist zwar ein MAO-Hemmer (nämlich MAO-B), aber KEIN Antidepressivum, sondern ein Mittel gegen Parkinson.
    Die Problematik mit der Gefahr eines serotonergen Syndroms stimmt aber trotzdem und ich finde es toll, dass Du daran gedacht hast.
    Ich werde meine Meinung über Apotheker, die ich manchmal für überbezahlte akademische Verkäufer gehalten habe, revidieren müssen ;-)

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  3. Gestern hatte ich – in kleinerem Maßstab – selbst so ein Erlebnis in der Apotheke. Meine Frau wollte Vick MediNait (ich selbst mag weder Kombinationspräparate noch diesen wahrlich bescheuerten Markennamen), ich brauchte ein paar ASS. Prompt meldete die Apothekensoftware, dass beides nicht zusammen genommen werden sollte, und ich musste erklären, dass die Arzneimittel für unterschiedliche Personen sind. Diese Kontrolle ist m.E. eines der wichtigsten Argumente für die Apothekenpflicht der meisten frei verkäuflichen Arzneimittel.

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