Nur nicht in grün!

Herzige, ältere Frau mit Rezept in der Apotheke:

1 OP Perindopril Mepha 5 mg 30 Stück

Dauerrezept 6 Monate

Frau: „Aber geben Sie mir die weissen Tabletten, die grünen vertrage ich nicht!“

Pharmama: „Umm? Was passiert, wenn Sie die grünen nehmen?“

Frau: „Dann bekomme ich Husten.“

Pharmama: „Ah ja? Wann husten Sie denn?“

(Ich habe nämlich einen Verdacht)

Frau: „Meist abends. So ein trockenes Husten.“

Pharmama: „Das ist interessant. Und bei den weissen passiert das nicht?“

Frau: „Ich glaube nicht.“

Pharmama: „Weil – das Perindopril ist ein ACE Hemmer. Diese Wirkstoffklasse ist bekannt dafür, dass die Husten machen können als Nebenwirkung. Dann ist es egal, ob die Tabletten weiss oder grün sind.“

Frau: „Ah – aber ich hatte ursprünglich Coversum. Die haben keinen Husten gemacht. Dann hatte ich ein Generikum mit weissen Tabletten, das ging auch. Dann eines mit grünen – und seitdem ich die nehme, habe ich Husten.“

Ich sollte hier noch einschieben, dass sie bisher woanders wohnte und noch kein Rezept bei uns hatte – ich kann also nicht nachschauen, welche sie bisher gehabt hat und ständig zu wechseln finde ich auch nicht gerade förderlich. Aber … ich glaube ihr. Sie weiss was sie nimmt, Coversum ist das Original und es ist bei ihr nicht so, dass sie Generika grundsätzlich abgeneigt ist – tatsächlich will sie welche. Halt nur keine grünen.

Pharmama: „Nun – dann versuchen wir es mit den weissen Tabletten – aber wenn sie davon immer noch Husten, müssen Sie das dem Arzt melden, damit er ein anderes Blutdruckmedikament aufschreibt.“

Nach längerem Suchen habe ich dann weisse Perindopril Tabletten gefunden: Sandoz und Actavis. Interessanterweise sind die Orignal-Coversum auch grün – so wie die vom Arzt aufgeschriebenen von Mepha.

Mein Dank hier an die documed und compendium.ch mit der neuen Funktion, wo man auch die Tabletten gleich anschauen kann! Echt praktisch für so etwas.

Tabletten bestellt, erst mal eine kleine Packung zum schauen, und ihr gegeben … Und: anscheinend geht das mit den neuen (weissen) Tabletten.

Interessant.

So sieht das Rezept eines Selbst-dispensierenden Arztes aus

Rezept-SD-Arzt-2015

Da versteht man doch gleich viel mehr, weshalb die selbstdispensierenden Ärzte sich so gegen das Rezept-Ausstellen wehren: da müssten sie sich noch tatsächlich mal neue Rezeptblöcke anschaffen!

Ja, das Rezept ist auch so noch gültig – bei uns kann man das ja fast machen, wie man will, solange die nötigen Informationen drauf stehen und es Original-Unterschrieben ist. Aber echt jetzt: der braucht seine Rezeptformulare wirklich nie. Neue Telefonnummer! 1992??

Danke an Robert – der in einem SD Gebiet arbeiten muss – für’s einsenden!

Für wie lange genau?

Kommentar des Patienten: „Der Arzt hatte ein bisschen Mühe mit seinem Programm, das als Dauerrezept einzugeben …“

rpDauer

Ja, nein. Ist klar. Ich gebe das jetzt mal als ein Jahr bei mir ein.

Keine Ahnung, weshalb gerade 367 Tage. Nächstes Jahr ist wieder ein Schaltjahr, aber auch dann komme ich nur auf 366 Tage.

6 Monate scheint es in dem Programm auch nicht zu geben – dafür schreiben sie jetzt 180 Tage.

Wie genau muss ich das eigentlich befolgen?

So funktioniert das aber nicht

Patient: „Auf meinem Rezept steht Brufen, aber der Arzt hat dazu geschrieben „Substituieren ok“ – das heisst, ich kann auch das Tramadol stattdessen haben? Das hätte ich lieber!“

…

Ah. Nein.

Brufen = Ibuprofen

Tramal = Tramadol

und nein, die kann ich nicht austauschen. Mit substituieren meint der Arzt, dass ich das durch das Generikum ersetzen darf – also etwas mit dem gleichen Wirkstoff.

Ersatzangebot

Wenn der Arzt etwas verschreibt, das es nicht mehr gibt, oder das momentan nicht lieferbar ist, nehmen wir mit ihm Kontakt auf. Meist schon mit einem (oder mehrere) Ersatzvorschlägen. Im Normalfall passiert das telefonisch, aber da das Rezept hier per Fax gekommen ist, und ich keine grosse Zeit hatte, habe ich es auch einfach so zurückgefaxt – und die Antwort ebenfalls postwendend per Fax erhalten. Geht doch bestens :-)rpersatz

Ja, das verschriebene Florosan gibt es schon seit 2007 nicht mehr. Ich weiss nicht, ob er das vergessen hat, oder wie gedankenknick in einem Kommentar in einem vorigen Post erwähnte, es einfach mal aufgeschrieben hat, da er dachte, wir könnten das besser als er ersetzen:

Es gibt im Allgemeinen zwei Typen von Ärzten, wenn sowas (ein „falsch aufgeschriebenes Mittel“) zu Problemen führt:

a) Die, die es mit Humor nehmen und eine (gegebenenfalls seitens der Apotheke angebotene) Alternative in Betracht ziehen. Ein “alter” Arzt hier in der Gegend hat es so gehalten, wenn er grad nicht weiter wusste – ein Medi aus seiner “Anfangszeit” aufs Rezept, und mal abwarten, was die Apotheke so vorschlägt. Waren tatsächlich spaßige Telefonate.

b) Die Apotheke wird wegen der Störung beschimpft und es wird auf die Ausführung der unausführbaren Verordnung bestanden – schliesslich ist ja der Arzt das Mass der Dinge.

Dieser Arzt gehört definitiv (wie die meisten hier) zu Typ a, die dankbar sind – und ich bin dankbar für die freundliche Kommunikation :-)

(P.S. hinter dem Perenterol war noch ein Fragezeichen – das wurde bei der Rückantwort abgeschnitten, wie der Rest vom „ausser Handel“)

… oder so ähnlich

rpaehnlich

Ich weiss, ich weiss: Medikamentennamen sind schwierig. Trotzdem finde ich das nicht gerade vertrauenserweckend, wenn der verschreibende Arzt sie auch nicht kann. Was hat er gemacht? Einfach aufgeschrieben, was der Patient ihm gesagt hat?

Richtig wäre natürlich: Venlafaxin. Das ist der Wirkstoffname. Davon gibt es inzwischen sowohl Original (Efexor) als auch Generika (z.B. Venlafaxin Mepha).

Aber der Arzt befindet sich ja in bester Gesellschaft  – wie man hier nachlesen kann:

Medikamentennamen sind schwierig (1)

Medikamentennamen sind schwierig (2)

Medikamentennamen sind schwierig (3)

Medikamentennamen sind schwierig (4)

Medikamentennamen sind schwierig (5)

Medikamentennamen sind schwierig (6)