Ist das ansteckend?

In die Apotheke kommt ein Mann mit beunruhigtem Gesichtsausdruck. Er erzählt mir, dass er sich gestochen hat an einer der Nadeln, die sein alter Vater benutzt hat. Die zum Blutzucker testen. Und er fragt: „Kann ich davon Diabetes bekommen?“

Nein. Nein, Diabetes nicht. Das ist nicht ansteckend.

(Aber andere Sachen wären eventuell möglich: HIV, Hepatitis …)

 

Auf dem Gewissen

Das alte Frauchen (nicht abwertend gemeint, die war echt herzig) zeigt mir ihren Hals, an dem sich offenbar ein Kropf bildet. Jodmangel – wahrscheinlich, eventuell aber auch etwas anderes.

Pharmama: „Ich denke, das ist die Schilddrüse. Vielleicht ein Kropf wegen Jodmangel, aber Sie sollten damit zum Arzt gehen, damit der sich das genau ansieht.“

Altes Frauchen: „Das will ich nicht. Geben Sie mir halt etwas mit Jod drin, wenn ich einen Mangel habe.“

Pharmama: „Es könnte auch etwas anderes sein. Von einer einfachen Entzündung bis zum Geschwür. Also, ich möchte, dass Sie mit diesem Problem zu einem Arzt gehen.“

Altes Frauchen: „Ich bin nicht mehr zu einem Arzt gegangen, seit mein Mann vor 10 Jahren von einem Arzt so mies behandelt wurde, dass der wahrscheinlich meinen Mann auf dem Gewissen hat“.

Pharmama: „Das tut mir leid zu hören … Aber trotz ihrer schlechten Erfahrung: damit brauchen Sie einen Arzt. Suchen Sie einen neuen und gehen Sie zu ihm. Ich helfe Ihnen auch dabei, denn ich … möchte nicht Sie auf dem Gewissen haben.“

Da draussen gibt es sicher das eine oder andere schwarze Schaf unter den Ärzten. Letztlich sind das auch nur Menschen. Aber: da draussen gibt es auch ganz wunderbare Ärzte, die sich wirklich kümmern. Man sollte nach einer schlechten Erfahrung nicht einfach alle aufgeben. Manchmal muss man auch im Hinterkopf behalten: der Arzt kann noch so gut sein. Manchmal ist die Infektion oder der Krebs oder was es ist einfach nicht zu bekämpfen. Manchmal lässt sich nichts mehr machen. Manchmal ist es wirklich so, dass es wichtig ist früh genug zu reagieren, wenn man etwas hat.

Auch darum schicke ich die Leute zum Arzt.

Und vielleicht ist das gar nicht schlecht, auch wenn es nichts sein sollte – dann hat sie doch wieder jemanden, falls mal akut etwas sein sollte. Auch ich hab‘ einen Hausarzt. Der sieht mich zwar so alle 5 Jahre Mal, aber: ich habe einen Hausarzt :-)

Häppchen-weise

Vor einiger Zeit habe ich spezielle Kundentypen in der Apotheke gesammelt (siehe Zusammenstellung hier). Mir ist noch einer aufgefallen: der Häppchenweise Erklärer.

Um das richtig zu lesen, muss man jedesmal nach einer seiner Antworten eine längere Pause machen – bis ich die nächste Frage stelle, weil von ihm selber nichts kommt.

Pharmama: „Grüetzi“

Mann: „Grüetzi. Ich habe da ein Problem.“

Pharmama: „Ja? Was für ein Problem?“

Mann: „Ein Problem mit meinem Bauch.“

Pharmama: „Und was ist das Problem mit ihrem Bauch? Schmerzt er?“

Mann: „Nein. Das Problem liegt mehr im Darm.“

Pharmama: „Im Darm? Was sind denn die Beschwerden?“

Mann: “Das Problem mit meinem Darm ist, dass er nicht richtig arbeitet.“

Pharmama: „Wie … arbeitet er nicht richtig?“

Mann: „Ich kann nicht mehr auf die Toilette.“

(Ah.)

Pharmama: „Und seit wann sind sie verstopft?“

Mann: „Seit ich vor etwa 1 Woche 2 Schüsseln Weizenzkleie pur aufs Mal gegessen habe.“

Wenn er das gleich gesagt hätte ….

Kein „grosser Bruder“ mehr

Das soll als Warnung dienen für andere Schweizer Apotheker, dass sie da auch ein Auge drauf haben können.

Früher war es so (und ist es heute meist noch), dass es für Medikamente kleine Packungen gibt und auch grosse Packungen. Die grossen Packungen sind vergleichsweise meist günstiger im Preis,

Oder waren.

Zum Beispiel Lioresal 10mg 50 Stück und Lioresal 10mg 200 Stück. Oder Leponex 50mg 50 Stück und Leponex 50mg 500 Stück.

Die kleine Packung ist in der SL, die grosse Packung dagegen auf der NLP. Das bedeutet eigentlich, dass die Krankenkasse die grosse Packung nicht in ganz zahlen müsste, da sie nicht in der Grundversicherung ist. Sie hat es dann aber (doch) getan, weil der Preis von einer grossen Packung kleiner war, als der Preis von X kleinen Packungen. Die grosse Packung nannte sich deshalb im Apothekenjargon „Grand frère“ (also grosser Bruder).

Als Grand-Frères Produkte werden alle grösseren Handelseinheiten einer SL-Packung bezeichnet, deren Preis tiefer ist als ein entsprechendes Mehrfaches der SL-Packung

Und jetzt Achtung: Inzwischen gibt es (aufgrund Preissenkungen bei den SL Medikamenten?) einige Produkte, wo das nicht mehr stimmt!

Also wo mehrere kleine Packungen weniger kosten als eine grosse Packung mit derselben Menge Tabletten. Ich habe das mal mit unserem Computerprogramm gegenübergestellt, damit man das sieht:

grandfrere

Wenn ich jetzt nicht wirklich gut aufpasse und die Preise jeweils vergleiche, gebe ich eine Grosspackung ab (die war ja bisher immer günstiger, also …), der Computer reklamiert überhaupt nicht – vor allem, wenn der Patient auch eine Zusatzversicherung hat … und der Patient bekommt am Ende von seiner Krankenkasse eine Rechnung.

Weil das via Zusatzversicherung läuft, bestimmt die Kasse wie viel sie am Medikament zahlt. In einem Fall mit Leponex, den ich selber mitbekommen habe sind das 50% gewesen (und nicht nur der Preis, den dieselben kleinen Packungen gehabt hätten). Das waren dann grad etwa 300 Franken (!) – anstatt dem normalen Selbstbehalt von 10% um die 50 Franken.

Das war eine mehr als unangenehme Überraschung … und mir nirgends recht.

Darum hier ein „Achtung“ an alle Apotheker in der Schweiz: das ändert! Bleibt aufmerksam!

Kennt ihr noch mehr so Beispiele?

Aber mein Arzt hat gesagt …

Kundin, mit der es immer wieder Diskussionen gibt, wegen ihrem übermässigen Beruhigungsmittelgerbrauch:„Mein Arzt hat ‚gesagt’, ich kann mehr (Temesta) holen kommen, wenn ich brauche!“

Pharmama: „Nun, Ihr letztes Rezept war ein einmaliges Rezept, auf das er auch noch speziell NR (nicht repetieren) geschrieben hat – Also, bis er uns das ‚sagt’, bekommen sie nicht noch eine Packung.“

Oh und bevor Sie auf die Idee kommen: Nein, es reicht nicht, wenn er uns von einer unbekannten Handynummer anruft um das zu ‚sagen’. Ich brauche ein Rezept.