Voll zu.

Was macht man mit der Patientin, die so betrunken in die Apotheke kommt, dass sie kaum laufen kann?

Das Problem scheint zu Hause bekannt, denn sie hatte die beiden Male, als das so war einen Verwandten dabei.

Am Anfang wusste ich gar nicht, was da los ist. Sie war freundlich genug, wollte ein Pflaster für ihre Wunde am Finger und dazu ein Rezept einlösen. Aber … sie wirkte nicht ganz ansprechbar. Um es direkt zu sagen: die Frau hat gelallt beim reden, einmal musste ich sie festhalten, weil sie sonst umgefallen wäre. Darauf sie bis zum Beratungsraum laufen zu lassen für das Pflaster, das ich ihr rasch wechseln musste, habe ich verzichtet aus Angst, dass sie mir sonst stürzt. Ich habe das Pflaster grad an der Theke gewechselt.

Echt übel!

Mein erster Gedanke, als ich sie so gesehen und bedient habe, war, ob das vielleicht eine üble Nebenwirkung oder Wechselwirkung ist? Aber sie und ihr Begleiter haben sich die ganze Zeit verhalten, als sei das nichts besonderes …

Ein rascher Check ihres Patienten-Dossiers mit den (hier) bisher abgegebenen Medikamenten zeigt, dass das wohl doch nicht eine Wechselwirkung zwischen einem vielleicht neuen mit einem alten Medikament ist und auch nicht zwischen zwei alten …

Nur wenn man Alkohol zu ihren regelmässigen Medikamenten nimmt, dann verstärkt das deren zentraldämpfenden Nebenwirkungen … gegenseitig. Das muss einfahren.

Es war dann nicht wirklich möglich so etwas wie ein Beratungsgespräch mit ihr zu führen. Ich habe alles sehr sorgfältig angeschrieben und die Begleitung involviert, in der Hoffnung, dass das dann richtig genommen / gemacht wird.

Am nächsten Tag kam sie dann bei meiner Kollegin noch einmal (mit anderer Begleitung), weil sie das Pflaster noch einmal gewechselt haben wollte – Das, obwohl ich ihr am Vortag eigentlich erklärt habe, dass sie das zu Hause auch gut selber kann: es war wirklich nur eine kleine Wunde am Finger, das ausser Pflasterwechsel mit Desinfektion nicht mehr brauchte.

Meine Kollegin hatte die gleichen Probleme mit ihr. Sie war wieder kaum ansprechbar. Immerhin hatte sie den Vorteil, dass die Pharmaassistentin ihr sagen konnte, dass das schon mal so war – und warum wahrscheinlich.

Auch sie hat ziemlich deutlich darauf hingewiesen, was für eine schlechte Idee es ist, mit ihren Medikamenten Alkohol (und sei es auch nur wenig) zu trinken.

Mehr können wir nicht wirklich machen – oder?

Auch wenn ich mich frage, ob der Arzt das wohl weiss. Einfach so kann ich ihm das nicht stecken.

Stress mich nicht!

Eine Frau kommt am Morgen in die Apotheke. Die Pharmaassistentin gibt sie gleich an mich weiter, weil sie ein rezeptpflichtiges Medikament ohne Rezept verlangt.

Die Frau ist in meinem Alter und sehr chick – businessmässig angezogen. Dazu passt auch der Stress, den sie anfängt zu machen, kaum dass sie mich als Apothekerin erkennt:
„Ich habe wieder einmal eine Blasenentzündung. Geben Sie mir ein Antibiotikum, das hatte ich auch schon öfter ohne Rezept bekommen. Ich bin nur auf Geschäftsbesuch hier und habe keine Apotheke!“

„In Ordnung“ sage ich. „Was sind denn genau Ihre Beschwerden?“

„Muss das sein?“ fragt die Frau – „Ich weiss ja, was ich habe und was ich brauche — und mein Taxi wartet draussen. Ich hab’s eilig!“

Ich gehe einen halben Schritt zurück und hole Luft. Ich mag Leute, die mich unter Druck setzen, damit sie eher das bekommen, was sie grad wollen gar nicht. Ob ich ein rezeptpflichtiges Medikament abgebe oder nicht liegt in meiner Verantwortung. Und genau deshalb kläre ich das auch zu meiner Sicherheit individuell vorher ab.

Pharmama: „In dem Fall würde ich vorschlagen, Sie nehmen Ihr Taxi und versuchen das später noch einmal, wenn Sie genug Zeit haben ein paar Fragen zu beantworten.“

Jetzt habe ich sie wohl überrascht. Jedenfals schaut sie mich etwas erstaunt- ungläubig an.

„Ich bekomme das nicht?“

Pharmama: „Sie können das vielleicht hier bekommen, wenn ich das richtig abklären kann. Dafür brauche ich ein paar Minuten. Aber das ist Ihre Entscheidung.“

Am Ende hatte sie dann doch genug Zeit für die paar Fragen.
Ich reagiere nicht gut unter Druck. Tatsächlich neige ich dazu dann noch etwas langsamer und genauer zu werden, weil ich weiss, dass auch mir dann eher Fehler passieren. Und freundlicher werde ich dabei wohl auch nicht ….

Kein Ausnahmefall

Nach dem neuen Heilmittelgesetz, das in der Schweiz in … wie nennt man das … Vernehmlassung(?) Revision(?) ist, sollen die Apotheken vermehrt Liste B Medikamente (also eigentlich rezeptpflichtige) abgeben können, ohne dass sie dafür ein Rezept brauchen. In der Presse ist das teils jetzt schon drin mit sehr irreführenden Titeln wie: „Apotheker sollen mehr Medikamente verschreiben dürfen“ (Quelle)

Umm … wir verschreiben gar keine Medikamente. Das dürfen und machen nur Ärzte. Wenn die Krankenkasse ein Medikament übernehmen soll, dann muss es vorher auch auf einem Rezept stehen.

Was stimmt ist: wir dürfen (schon jetzt) „in begründeten Ausnahmefällen“ rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept abgeben. Dass das hier dann auch nur gemacht wird, wenn sich der verantwortliche (!) Apotheker der Sache sicher ist, dürfte einigermassen klar sein. Es ist dabei immer eine Einzelfall-Entscheidung, ein Abwägen von Nutzen und Risiko, oder anders gesagt: Was kann passieren, wenn ich das gebe geben was kann passieren, wenn ich das nicht gebe?

Was es sicher nicht ist, ist ein „Recht“, das der Patient da hat, dass er das Medikament auch von mir bekommt. Er kann immer noch (jederzeit) zum Arzt und es sich verschreiben lassen – wenn der das für Sinnvoll erachtet.

Trotzdem kommt es gelegentlich zu solchen Diskussionen:

Frau um die 50 in der Apotheke: „Weshalb bekomme ich in anderen Apotheken auch rezeptpflichtige Sachen ohne Rezept und hier nicht?“

Pharmama: „Hmmm. Vielleicht weil Sie dieses spezielle Medikament noch nie in einer anderen Apotheke verlangt haben, weder auf Rezept noch ohne. Aber es ist so: Ich kann ihnen das Paspertin nicht geben.“

Frau: „Warum?“

Pharmama: „Ich erkläre es Ihnen gerne: Sie hatten es noch nie. Die Empfehlung Ihrer Freundin genügt da nicht. Es gibt rezeptfreie Alternativen, die auch gut sind für Ihre Magenprobleme.“

Frau:Weshalb bekomme ich das von ihnen nicht?“

Pharmama: (Noch einmal) „Weil dieses Medikament rezeptpflichtig ist. Das hat seinen Grund. Ausserdem steht das hier momentan unter verstärkter Beobachtung, da schon öfters üble Nebenwirkungen aufgetreten sind. In Deutschland haben sie letztes Jahr sogar die Tropfen vom Markt zurück gezogen und nach den neuen Richtlinien in Europa soll das auch nur jeweils wenige Tage angewendet werden.“

Frau: „Aber das ist Europa – wir sind hier in der Schweiz!“

(Man sollte denken, die Leute wären dankbar, dass man ein Auge hat auf die Sicherheit von Wirkstoffen auch ausserhalb unseres kleinen Gärtchens Schweiz, aber: Neeeinn…)

Pharmama: „Ja. Wenn Sie vom Arzt ein Rezept dafür besorgen dann kann ich es Ihnen geben … vorher nicht.“

Frau: „Aber woanders habe ich auch schon rezeptpflichtiges ohne Rezept bekommen!“

(Seufz)

Pharmama: „Ich mache das gelegentlich auch. Aber in Ihrem Fall ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis einfach nicht so, dass ich dafür die Verantwortung übernehmen möchte. Wenn Ihnen etwas passiert, bin ich schuld, weil sie es von mir haben. Es gibt sichere und wirksame Alternativen, die sie von mir bekommen können. Das hier jetzt nicht.“

War das jetzt klar genug?

Danke Dr. Google

mittelalter Mann in der Apotheke: „Meine Drüsen schmerzen. Ich bin echt beunruhigt!“

Pharmama: „Welche Drüsen?“

Mann: „Die hier -„ (hält sich die Finger rechts und links unter das Kinn). „Ich bin voll verstopft in der Nase und es schmerzt, wenn ich schlucke!“

Pharmama: „Das sind ihre Lymphknoten.“

Mann: „Ja, meine Lymphdrüsen!“

Pharmama: „Sie sind erkältet. Nehmen Sie ein Schmerz/Fiebermittel und schauen Sie, wie sie sich dann fühlen.“

Mann: „Also … Sie denken nicht, es ist ein Lymphom?“

Pharmama: „Nein.“

Mann: „Oder Krebs?“

Pharmama: „Nein!“

(In Wahrheit war die Konversation noch etwas länger, aber das ist die Essenz von dem. Echt jetzt. Symptome googeln bringt einen auf ganz üble Dinge.)

Nicht nur bei uns … eher unangenehme Begegnungen mit Körperflüssigkeiten in der Apotheke

aktueller Ausruf eines Apothekers auf Facebook:

So langsam verliere ich den Glauben an die Menschheit:
 Kunde kommt rein, knallt mir nen benutzten! Silikon-Katheter auf den Tisch und fragt: „Welche Firma ist das? Ich soll das fragen damit der Arzt das aufschreiben kann“

Ich kann gar nicht beschreiben welche Sinneseindrücke da gerade durch meinen Kopf gingen. Das Ding war tropfnass und hat gestunken wie ein benutztes Katzenklo….

Gabs bei euch auch schon solche „Vorfälle“?

und er ist nicht alleine wie man an den folgenden Kommentaren (auch von Facebook) sieht:

Blutverschmierte Messgeräte oder schmierige Hämorrhoidensalben-Tuben gehören ja fast schon zum Alltag….

Bei uns kam früher mal ein älterer Herr zur Anprobe von Inkontinenzvorlagen…..

Wir hatten mal benutztes pessar auf dem hv….

In einem Gebiß aufm Trensen hing noch die halbe Leberkässemmel……

„Können sie mal schauen, ob das Läuse sind?“

  • Ja, der ist klassisch. Das kennen fast alle:

Das hatte ich im notdienst! Die waren in einer tupperdose und waren vorher mehre Stunden im tiefkühler! Adulte quitschfiedele und sehr bewegliche Läuse. Die Dose habe ich nicht geöffnet. Erschreckend fand ich den Vorsatz mit der Planung und dem einfrieren. ….

Hatte schon mehrere Varianten. Tupperdosen auf Tesa aufgeklebt oder live auf dem Kopf. Auch Kompressionsstrümpfe anmessen würde man gerne öfters mit Gasmaske und Schutzkleidung.

Auch unschön:

„Ich habe da was am Sack, der ist feuerrot, wollen Sie mal sehen?“ so ein älterer Herr, so daß die Mitarbeiterin sagte: „Den bediehn ich nicht mehr!“

und nicht ganz alleine:

Den Fall „Ich hab da was am Sack“ hatte ich auch schon. Der junge Mann hat sich dann vor der Notdienstklappe untenrum komplett entblößt. Die ältere Dame hinter ihm hats nicht gestört

herr kommt rein und legt benutzte tena pants auf den hv-tisch, „welche größe ist das?“

Ich hatte einen der mit nasser Hose rein kam und Zahnreinigungstabletten wollte. Als er ging war eine Pfütze vor dem HV.

Abgesehen davon bin ich jedes Mal erstaunt, wie ungeniert sich die Leute in der Apotheke ausziehen, um irgendwelche ekligen Ausschlaege zu zeigen. Wozu haben wir denn ein Beratungszimmer einrichten muessen? Ausserdem: wenn ich Spass an sowas haette, waer ich Arzt geworden

Wir hatten mal einen benutzten Irrigator der zurück kam, weil er angeblich nicht dicht war.

Om- wir hatten Jumbo-kondome, sterile Gefäße für eine Spermaprobe und wieviel ml Wasser in den Irrigator soll, weil Microlax den Darm nicht so frei macht für Analsex so genau möchte ich es nicht wissen!!! 

Spontan…so von gaaanz früher…da gab es Gummiringe, damit die Prothese hält…ich fragte…welche Größe?…und die Oma packte das Gebiss auf den Tresen und meinte…na gucken Sie selbst….

Herr Apotheker, ich hätte gerne neue Windelhosen. Sorte weiß ich nicht, aber waren sie, hier, gucken Sie mal. Ich das ist meine letzte, die muss ich schon seit gestern tragen… 😧

„Mir sind alle Kondome zu klein. Sie haben doch sicher so ein Beratungszimmer, dann kann ich es Ihnen mal zeigen“ : HALLOOO das ist ein Beratungszimmer, und kein Separee oder gar ein Dark Room…

Ach und noch länger her, gut 20 Jahre (da war ich noch jung und knackig und nicht nur die Gelenke..), wollte sich ein Typ mit Bodybuilderfigur von mir den Blutdruck messen lassen. Als ich vom Gerät aufschaute, bemerkte ich, dass der mit seiner anderen Hand selbst gerade beschäftigt war. Zum K.tzen…

Verschmalztes,stinkendes Hörgerät wird auf den Hv-Tisch gelegt,können sie mal bitte die Batterie rausnehmen und eine neue reintun?

und ein weiterer Fall:ich komme so schlecht an meine Fussnägel,könnten sie mir die schneiden?

Im Rahmen einer Darmkrebs-Früherkennungs-Kampagne hat eine Kundin es angeblich nicht geschafft, die Stuhlprobe auf den Teststreifen aufzutragen. Sie hat meiner Kollegin eine Plastiktüte mit gesammelten Exkrementen vorbeigebracht….

Eine ältere Dame hat mir einen Becher unter die Nase gehalten mit der Frage:“Was meinen Sie, sieht das gut aus?“ „Das“ war das gesammelte grün-gelbe Sputum der letzten Tage..

Vor Jahren wurde mir ein 10 Liter Eimer ohne Deckel auf den HV Tisch gestellt. Gefüllt bis oben mit PIPI . „Ich sollte über das Wochenende Urin sammeln ….. “ Ich habe ihr dann gezeigt das sie das im Rinnstein vernichten kann. Bäbä sag ich da nur.

Ich sag’s mal so: langweilig ist es grundsätzlich nie in der Apotheke. Das oben sind allerdings „Highlights“ (oder sollte ich schreiben Lowlights) die man noch seinen Enkeln erzählt. Kennt Ihr das auch?

Noch so ein dringender Fall

Die Patientin verlangt etwas von einem schon lange abgelaufenen Dauerrezept. Da wir schon das letzte Mal bei ihr eine Ausnahme-abgabe gemacht haben – erkläre ich ihr (noch einmal), dass sie für diese jetzt vor der Abgabe ein neues Rezept braucht, und dass der Arzt sie vielleicht dafür vorher sehen muss.

Die Frau ruft in der Folge alle Stunde an, um nachzufragen, ob der Arzt das verlangte Rezept schon gefaxt hat – und das auch weiterhin, nachdem ich ihr sage, dass wir uns melden, sobald wir vom Arzt etwas gehört haben.

Und was war so wahnsinnig wichtig?

Eine Packung Losartan, ein Blutdruckmittel, das sie – wenn sie es regelmässig nehmen würde, wie vorgeschrieben – vor 2 Monaten schon hätte verlangen müssen …