Tag der seltsamen Kundenwünsche

Das hatten wir letzthin. An einem Tag gleich mehrere Anfragen von … ungewöhnlichem.

Dass die Kunden zur Weihnachtszeit nach Kerzen in der Drogerie fragen, kenne ich schon – das liegt daran, dass das früher mal so üblich war. Genauso wie manche noch fragen, ob wir Fotos entwickeln, oder Holzbeize haben …

Aber eben, letzthin an einem Tag gleich drei seltsame Anfragen.

Frau: „Könnten sie mir die Adresse von jemandem anhand der Telefonnumer heraussuchen?“

Naja, ich könnte im Internet nachschauen, ob ich etwas finde. Aber, wenn Sie die Nummer oder den Namen haben, können Sie auch selbst beim Auskunftsdienst anrufen. Ich habe nämlich im Moment keine Zeit für derartige Recherchen.

Frau: „Ich brauche homöopathische Placebo-Globuli“ – Ja. Ernsthaft, Mit gar nichts drin (nicht mal Vakuum :-)

Wofür: Ihre Katze bekommt demnächst homöopathische Medikamente und sie will sie jetzt schon daran gewöhnen, die zu nehmen. Katzen sind nur schwierig dazu zu bringen Medikamente zu nehmen – und mit dem Essen soll man homöopathische Mittel ja auch nicht nehmen … Das haben wir ihr übrigens besorgen können. Hier der Beweis.

Mann: „Ich hätte gerne Kräuter Zigaretten aber ohne Tabak … – zum aufhören rauchen.“

Hmmm. Es gab tatsächlich einmal Zigaretten ohne Tabak, die wir bestellen konnten. Die sind inzwischen ausser Handel. Im Internet fand ich ein paar Vertreiber für so „Kräuterzigaretten“ – mit den absonderlichsten Geschmacksrichtungen. Menthol und Schokolade sind da noch die normalsten. Aber erstens kann ich die nicht bestellen und zweitens … widerspricht das Rauchen von Kräuterzigaretten nicht der Aussage „aufhören rauchen“?

Was hattet ihr bei Euch schon für seltsame Anfragen?

Ethanol-Mepha ?

Mann: „Ich brauche etwas von meinem Dauerrezept.“

Pharmama: „Was brauchen sie?“

Mann: „Mein Etanol-Mepha“

Pharmama: …? denke: Etanol – Ethanol – Alkohol??

ich schaue etwas sparsam und suche in seinem Computerdossier.

Mann: „Die für meinen Blutdruck!“

Pharmama: (der Groschen fällt) „Aah, sie meinen die Atenolol.“

Mann: „Das habe ich ja gesagt.“


Naja, Atenolol und Ethanol ist nicht ganz dasselbe – und dass es Alkohol auf Rezept gibt habe ich auch noch nicht gesehen – ausser vielleicht in Haut-Rezepturen.

Molekular Küche?

Kunde in der Apotheke: „Ich bräuchte etwas Salzsäure.“

Pharmama: „Ok, und für was brauchen sie das?“

Kunde: „Zum Kochen.“

Ähhh … sicher? Ich habe ja schon einiges Seltsames von der Molekularküche gehört, aber Salzsäure fände ich jetzt sehr …. wäääh. Also fragte ich dreimal nach und ging schliesslich mit ihm im Internet nachsehen.

Im Endeffekt meinte er Zitronensäure …

Aber weil es mich interessiert, habe ich mich ein bisschen Schlau gemacht über das Thema. In der molekularen Küche stehen die biochemischen und physikalisch-chemischen Prozesse im Vordergrund. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse hieraus werden bei der Lebensmittelherstellung und -zubereitung umgesetzt. Das Ergebnis sind dann Sachen wie „Campari-Kaviar“, „Weisse Tomatensuppe“ und „flüssige Oliven“…

Hier eine Liste der Mittel, die in der Molekular Küche gebraucht werden (kein Anspruch auf Vollständigkeit). Die meisten davon kann man auch via Apotheke bestellen – auch wenn ich nicht denke, dass das viele gleich an Lager haben:

  • Agar-Agar E 406
  • Alginat E 400
  • Calciumlactat E 327
  • Calciumchlorid E 509
  • Calciumgluconat E 578
  • Carrageen E 407
  • Gellan  E 418
  • Glycerin E 422
  • Guarkernmehhl E 412
  • Johannisbrotkernmehl E 410
  • Lecithin E 322
  • Maltodextrin
  • Methylcellulose E 461
  • Natriumalginat E 401
  • Natriumcitrat E 331
  • Sojalecithin E322
  • flüssiger Stickstoff (nein, ich habe keine Ahnung, wie man daran kommt)
  • Xanthan E 415
  • Zitronensäure E 330
  • Zuckerester Sucro E 473

Wie man sieht, sind die auch als Zusatzstoffe für Lebensmittel gebraucht. Die E-Nummern sind eine Art der Kennzeichnung.

Das E steht dabei für Europa. Die E-Nummer ist im Grunde das Zeichen dafür, dass für den betreffenden Stoff im Rahmen des Zulassungsverfahrens der Europäischen Union nachgewiesen wurde, dass er auf seine gesundheitliche Unbedenklichkeit überprüft wurde, technologisch notwendig ist und festgelegten Reinheitsanforderungen entsprechen muss.

Wen es interessiert, der findet hier eine Liste der E-Nummern und Zusatzstoffe mit Beschreibung: was, warum, Probleme ..

Und da kommen wir zur Kritik an der Molekularen Küche. Die verwenden diese „Zusatzstoffe“ nämlich in wesentlich höheren Mengen und Konzentrationen, für die sie weder zugelassen noch getestet wurden. Und das kann dann Probleme geben – wenn z.B. das Geliermittel den Darm verklebt und die Aufnahme von anderen Stoffen behindert, oder Calciumlactat, das für Erwachsene zwar unbedenklich ist, bei Kleinkindern aber (weil sie die Milchsäure nicht gleich abbauen) eine Übersäuerung des Blutes bewirken kann.

Mehr darüber hier.

Wen das nicht abschreckt, kann sich ja selbst mal daran versuchen. Rezepte wie der Lachstartar mit Campari-Kaviar sehen recht gut nachkochbar aus.

Ich denke, ich werde das mal versuchen. Wie sieht es bei Euch aus? Habt ihr schon einmal molekular gekocht – oder gegessen? Und was? Wie war es?

Totgesagte leben länger?

Ich habe hier im Blog erst vor kurzem das Verschwinden der Mottenkugeln aus dem Handel beklagt.

Scheint, ich war etwas voreilig, denn … was sehe ich in der Chemikalien- und Drogen-Bestellung gestern?

Dies hier:

 

Für einen Kunden wurde Naphtalinum in globulis bestellt. Auf gut deutsch: die wirklich klassischen Mottenkugeln! Es gibt sie doch noch!

Und ich durfte kontrollieren, ob auch wirklich das richtige gekommen ist. Bei den Chemikalien und Drogen bedeutet das: aufmachen, anschauen, dran riechen und ev. noch ein paar Tests zur Sicherheit. Weitere Tests waren bei den Dingern aber nicht nötig – Aussehen und Geruch lassen eine Bestimmung doch eindeutig zu. Die hier riechen nicht nach Veilchen wie die Chloro Kampfer.

Und was für ein Geruch!  Baaaah! Einmal aufgemacht, angeschaut, (fotografiert), wieder zugemacht und ins Bestellregal gestellt – und jetzt stinkt die Büchse den ganzen hinteren Teil der Apotheke voll.

Nachtrag Oktober 2012: Wir haben inzwischen regelmässig Mottenkugeln gebraucht – eben, weil es die anderen Dinger nicht mehr gibt. Es gibt tatsächlich Leute, die das lieber haben als zum Beispiel die Gesal Mottenpapiere oder die Dinger, die man in den Schrank hängt … obwohl die bei weitem (oder gar nicht) so stinken wie die Mottenkugeln. Jetzt haben wir aber die neuste Revision des Chemikaliengesetzes- im Zuge einer weltweiten Vereinheitlichung. Und da drin steht unter anderem, dass Biozidprodukte (als alles, was zum schädigen, abhalten etc. von Insekten oder anderen Tierchen und auch Bakterien gedacht ist) eine spezielle Kennzeichnung braucht, sonst darf man es nicht verkaufen. Da fallen auch verschiedene ätherische Öle drunter, die zum abhalten von Mücken gedacht sind … und eben Mottenkugeln. Die darf ich also nicht mehr verkaufen. Oder … zumindest nicht als Mottenkugeln – als Naphtalin zum „beduften“ oder so :-/ schon. Oder?

Nachtrag 2013: Jetzt ist endgültig fertig mit Mottenkugeln – auch zum „beduften“. Der Grund war eine Reklamation … und die endgültige Reaktion des Gesetzgebers, Nachzulesen hier: Fertig Mottenkugeln.