Stärkungsmittel

Kundin:Ein Stärkungsmittel, bitte“

Drogistin:Was für eines wollen Sie? Haben sie etwas schon gehabt, das sie gut fanden?“

Kundin “Na, das in der Schachtel!“

(ok, das hilft auch nicht weiter).

Schliesslich holt die Kundin einen Zettel heraus auf dem steht:

Remy

das ist ein Stärkepulver um die Wäsche zu stärken….

an was hast Du gedacht?

Hausverbot

Es kommt (zum Glück) selten genug vor, dass wir jemandem Hausverbot erteilen müssen. Die letzte war Bierfläschchenfrau. Besagte Frau ist öfters schon am Morgen mit ihren Bierflaschen unterwegs und hat sich in Ihrer alkohol-induzierten Demenz schon einiges grenzwertiges* geleistet in der Apotheke.

Wüste Beschimpfungen wegen nichts gehörten praktisch zur Tagesordnung, wenn sie vorbeikam aber als sie eine meiner Mitarbeiterinnen anspuckte (!) war es fertig mit der Geduld.

„Jetzt ist fertig. Sie haben Hausverbot!“ und falls das noch nicht angekommen ist im alkoholvernebelten Gehirn: „Sie brauchen nicht mehr wiederzukommen, Sie werden nicht mehr bedient werden und falls sie trotzdem wieder in diesen Laden kommen, werde ich sie nach draussen begleiten lassen.“

Das Problem ist nur, dass sie das in ein paar Wochen wieder vergessen haben wird (dem Alkohol sei dank) – und dann fängt das Theater wieder an.

Im Moment darf sie nach halbjährigem Hausverbot wieder kommen – allerdings nur solange sie sich benimmt.

*zum Beispiel: Einmal wollte sie unbedingt Bepanthen Salbe für ihre Rückenschmerzen. Alles beteuern unsererseits, dass das garantiert nicht das Richtige ist und nicht gegen Schmerzen hilft war sinnlos. Sie will und kauft die Tube.

Ein paar Stunden später schickt sie die Nachbarin, damit sie die Tube zurückgibt.

Ich schau mir jedes Produkt das die Leute umtauschen / zurückgeben wollen an und: die Tube ist geöffnet worden. Sorry, aber dafür gibt es kein Geld zurück. Da hilft es auch nichts später den ganzen Laden zusammenzuschreien.

Das Apotheken-Quiz

Nachdem der Chefarzt angefangen hat und inzwischen 3 interessante und lehrreiche Quizs aus seinem Gebiet auf den Blog gestellt hat und dann sowohl merapi als auch earlmobile nachgezogen sind, kommt hier jetzt auch von mir ein (nicht sehr einfaches) Quiz mit Fragen, die in der Apotheke auftauchen können.

Die Antworten und den besten Quizzer gibt’s am nächsten Freitag.

1. Eine Frau kommt so (siehe Bild)

in die Apotheke. Im Beratungsgespräch kommt heraus, dass sie dieselbe Reaktion früher schon gehabt hat, nämlich wenn sie Muscheln gegessen hat. Dagegen ist sie allergisch. Sie hat aber in der letzten Zeit nichts derartiges gegessen. Die Vermutung liegt nahe, dass sie auf eines der folgenden Medikamente, die sie gegen ihre Gelenkprobleme nimmt reagiert. Welches vermute ich? Und: wieso?

A: Aspirin (Acetylsalicylsäure)

B: Voltaflex plus (Glucosamin, Chondroitinsulfat)

C: Epacaps (Omega-3 Fettsäuren)

D: Voltaren Gel (Diclofenac Natrium)

Als Hilfe: http://www.kompendium.ch/ da finden sich die Packungsbeilagen aller Schweizer Medikamente.

2. Ein Mann kommt in die Apotheke und erzählt eine Geschichte, wie er vorgestern vom Barhocker gefallen ist. Jetzt hat er das (siehe Bild) und Kopfschmerzen. Was geben sie ihm?

A: Ein blauer Fleck von Hinfallen und Kopfschmerzen. Ich gebe Dafalgan (Paracetamol 500mg) maximal 3 x täglich 1-2 Tabletten gegen die Schmerzen und Heparin-Salbe gegen den blauen Fleck.

B: Ich gebe ihm besser Saridon forte (Ibuprofen 400mg) für die Schmerzen – denn wenn er in der Bar vom Hocker gefallen ist, trinkt er wahrscheinlich auch sonst zu viel Alkohol und seine Leber ist schon beeinträchtigt. Da muss ich sie nicht noch zusätzlich belasten. Ausserdem ist Ibuprofen stärker.

C: Ach, die Kopfschmerzen kommen wohl von dem blauen Fleck hinter dem Ohr. Da reicht eine schmerzstillende Salbe zum auftragen, z.B. Traumalix gel.

D: Ich gebe ihm gar nichts sondern schicke ihn auf dem direkten Weg in den Notfall im Spital. Das sieht nach Schädelbruch aus (oder war das Blut aus dem Ohr statt hinter dem Ohr?)

3. Es kommt ein Telefon von einem jungen Mann der sagt, er habe vor wenigen Minuten einen Schlag ins Gesicht bekommen und dabei ist ein Schneidezahn (ganz) herausgekommen. Er will wissen, was der beste Weg ist den Zahn zu erhalten, dass man ihn wieder einsetzen kann.

Welches der folgenden Ratschläge ist der beste?

A: Legen Sie den Zahn in ein Taschentuch und gehen sie in den Notfall (oder zum Notfallzahnarzt)

B: Legen Sie den Zahn in ein Glas Wasser und gehen sie in den Notfall (oder zum Notfallzahnarzt)

C: Legen Sie den Zahn in ein Glas Bier und gehen sie in den Notfall (oder zum Notfallzahnarzt)

D: Giessen Sie etwas Wasser über den Zahn und setzen Sie ihn sofort wieder in den Sockel, wo er rausgebrochen ist und gehen sie in den Notfall (oder zum Notfallzahnarzt)

E: Legen Sie den Zahn in ein Glas Milch und gehen sie in den Notfall (oder zum Notfallzahnarzt)

4. Das ist ein Rezept das mir am Samstag vorgelegt wird. Die Patientin ist stark erkältet und braucht die Medikamente, die darauf stehen. Nur: Was genau steht denn da? 1 Punkt für jedes erkannte Medikament und die Dosierung. (Ich weiss, das Bild ist klein, aber glaubt mir, im Original war es nicht besser leserlich).

5. Eine aufgebrachte Mutter kommt mit ihrem Kind (5 Jahre)  und einem Pflanzenzweig (s. Bild) in die Apotheke. Sie berichtet, dass das Kind die knallroten Beeren der Pflanze gegessen hat. Jetzt fürchtet sie, dass es sich vergiftet hat. Was rate ich / mache ich?

A: Das ist doch bloss so ein gewöhnlicher Busch, wie er manchmal als Hecke verwendet wird. Das wäre ja nie erlaubt, wenn der giftig wäre. Darum beruhige ich die Mutter und schicke sie wieder heim.

B: Ich denken, dass das eine Giftpflanze sein könnte und rufe sofort das Tox-Zentrum an, um mich beraten zu lassen, was der nächste Schritt ist.

C: Ich befrage das Kind rasch: Was genau hat es gegessen? Wie lange ist es her? Es antwortet, es hat nur die äusseren Teile der Beeren gegessen und den Samen ausgespuckt. Ich beruhige die Mutter. Trotzdem rufe ich dem Toxzentrum an für die nächsten Schritte.

D: Ich warte gar nicht erst ab bis die Mutter ausgesprochen hat, sondern nehme sofort die Kohlesuspension aus dem Gegengift–vorrat den jede Apotheke haben muss. Endlich mal die Gelegenheit das Zeugs auch einzusetzen! Los, Mund aufmachen und schlucken!

E: Ich rufe den Notarzt: der wird’s schon richten.

Die falsche Anwendung (4)

Ziemlich gestresster Mann kommt in die Apotheke:

„Ähh. Meine Schwiegermutter hat ziemlich schweren Durchfall und ich hab gerade realisiert, dass ich ihr das Falsche gegeben habe. Also, wenn ich ihr eine doppelte Dosis Dulcolax gegeben habe, hilft dann eine 4fache Dosis Imodium dagegen?“

Uh, oh. Nein!

Erklärung für Patienten und andere Laien:

Dulcolax = Mittel gegen Verstopfung

Imodium = Mittel gegen Durchfall

Dann klappts auch mit dem Apotheker …

15 Tips für alle, damit auch Ihr Besuch in der Apotheke zum Erfolgserlebnis wird!

Ihr Apotheker wird sie dafür lieben.

1. Wenn sie ein Rezept einlösen, nehmen sie ihre Krankenkassenkarte mit. Wenn sie schon mal in der Apotheke gewesen sind, ist es möglich, dass wir ihre Versicherungsdaten noch haben, aber Wechsel sind immer möglich. Nehmen sie auch ihr Portmone mit, v.a. wenn sie Assura oder Supra versichert sind (oder die Prämien nicht bezahlt haben).

2. Kommen Sie nicht im letzten Moment. Sie wissen besser als ich wann sie in die Ferien fahren – planen sie entsprechend vor. Eventuell muss ich ein Medikament für sie bestellen und das geht im besten Fall 1/2 Tag, im schlechtesten ist es Wochenende, dann geht es bis Montag morgen. Ich kann auch nichts dafür wenn sie das Rezept vorher tagelang im Portmone herumgetragen haben.

3. Kommen Sie bitte nach Möglichkeit nicht 5 Minuten vor Ladenschluss mit 3 vollgeschriebenen Rezepten, die alle unbedingt heute noch eingelöst werden müssen. V.a. dann nicht, wenn sie nicht zur arbeitenden Bevölkerung gehören und eigentlich den ganzen Tag Zeit gehabt hätten zu kommen.

4. Wenn Sie ein Dauerrezept haben oder etwas abholen kommen, sagen sie nicht: „Ich brauche meine xyz“. Ich bin kein Gedankenleser und kann leider nicht alle Kundennamen merken – auch wenn ich es bei den Stammkunden sehr probiere. Sagen Sie: „Ich heisse … und habe hier ein Dauerrezept“ oder „Mein Name ist …, sie haben für mich Medikamente bestellt“– dann ist der Fall klar.

5. Dasselbe gilt für Bestellungen via Telefon: Sagen Sie ihren Namen und nicht einfach nur „Hallo, ich brauche meine Medikamente.“

6. Wenn Sie ein Dauerrezept für mehr als ein Medikament haben, wäre es gut, wenn sie auch den Namen des Medikaments wüssten, das sie brauchen. Es hilft schon etwas, wenn sie sagen – das Blutdruckmedikament, aber es kommt vor, dass man mehr als ein BD Medi auf dem Rezept hat. Ideal ist es auch, wenn sie z.B. die Verpackung mitnehmen von dem das sie brauchen. Ganz schlecht ist es zu sagen: „Ich brauche wieder die kleinen weissen Tabletten …“

7. Es macht gar keinen Sinn beim Apotheker über ihre Krankenkassenprämien zu schimpfen: meine sind genauso gestiegen wie ihre.  :-(

8. Wenn der Arzt ihnen etwas aufgeschrieben hat, das die Versicherung nicht zahlt – es bringt wenig, ihren Frust darüber an uns abzuladen. Versichern sie sich einfach das nächstemal, dass der Arzt wirklich möglichst nur Produkte von der SL Liste aufschreibt.

9. Wenn das Wetter draussen superschön ist – sagen sie es nicht ihrem Apotheker. Die Chancen, dass er den ganzen Tag im Geschäft ist und von Sonnenschein und warmem Windchen nichts mitbekommt sind ziemlich hoch – das frustriert ihn nur.

10. Wenn Sie sehen, dass alle Angestellten damit beschäftigt sind, Kunden zu bedienen und über ihre Gesundheit zu beraten (das machen wir normalerweise in der Apotheke), gehen sie nicht zu einem hin, unterbrechen das Beratungsgespräch und sagen „nur schnell eine Frage?“ Warten sie bitte und respektieren sie die Privatsphäre, die wir den Kunden zu geben versuchen. Merke: Es sind immer die schnellen Fragen, die zu längeren Antworten führen.

11. Bitte reklamieren sie nicht lautstark, dass das Medikament wieder aufgeschlagen hat ….ich kann nichts dafür und nichts dagegen …. aber sie dürfen jederzeit fragen, ob es auch eine günstigere Variante (ein Generikum) davon gibt.

12. Warten Sie nicht, bis der Apotheker alle 15 Medikamente auf ihrem Rezept herausgesucht, in den Computer eingegeben und mit Etiketten versehen hat bevor sie sagen: „Aber ich brauche das Glutril und das Sortis noch nicht.“

13. Sie sollten nie erwarten, dass der Apotheker männlich und über 40 ist. Das war einmal. Die meisten Apotheker heute sind weiblich und das Alter kann von 25 bis 65 variieren. Es ist auch nicht automatisch die ältere Person in der Apotheke die Apothekerin ..

14. Lassen sie ihr Natel in Ruhe während sie in der Apotheke sind. Wenn Sie während dem Beratungsgespräch einen Anruf annehmen, kann es gut sein, dass der Apotheker beschliesst, in der Zwischenzeit einen anderen Kunden zu bedienen.

15.  Grundsätzlich sind sie für sich und ihre Gesundheit selbst verantwortlich. Dazu gehört auch zum Arzt zu gehen und sich ein neues Rezept zu besorgen, wenn das alte Dauerrezept ausläuft. In Notfällen sind die Apotheker aber für sie da, wenn ihnen die Medikamente noch vor dem Arzttermin ausgehen. Das gilt vor allem für ihre Stammapotheke!

Danke vielmals!