Ausgeflippt in der Apotheke

In einer deutschen Apotheke ist ein Kunde vollkommen ausgeflippt, nachdem der Apotheker das gekaufte Thermometer nicht zurücknehmen wollte. Ganzer Artikel hier zu lesen.

Dazu ein paar Gedanken:

1.  Das war ein Ohr-Thermometer. Die werden im Normalfall mit Hygieneaufsätzen verwendet, von daher begreife ich nicht ganz das Argument des Apothekers, dass man es als gebrauchter Hygieneartikel nicht zurücknehmen könnte.

2.  Eines der ersten Dinge, die der Apotheker hätte abklären sollen als der Kunde mit dem Thermometer kam wäre gewesen abzuklären, ob der Kunde es auch richtig verwendet, also ihn seine Anwendung demonstrieren zu lassen. Es gibt so viele Leute, die ihre Geräte falsch verwenden! Der Kunde hat es übrigens falsch verwendet: er hat die Temperatur statt im Ohr unter dem Arm gemessen.

3.  Der Kunde kam mit der Erwartung: ‚ich bekomme jetzt mein Geld zurück‘ in die Apotheke – und als seine Erwartung nicht erfüllt wurde, wurde er erst laut, dann sehr laut und schliesslich ausfällig und gewalttätig. Es geben zwar manche Leute bei lautstarken Angriffen nach, aber meinee Erfahrung nach erreicht man mit diesem Verhalten in der Apotheke gar nichts. Mein Gedanke dabei ist meist: Je lauter einer schreit, desto weniger hat er recht und desto weniger bekommt er, was er will. Lautstärke ersetzt keine Argumente!

4.  Das meiner Meinung nach schlimmste ist, dass die Tochter mit hineinbezogen wurde und vom Pfefferspray, den der angegriffene Apotheker eingesetzt hat etwas abbekommen hat. Auf der anderen Seite: etwas derartiges mitzubekommen, nämlich wie der eigene Papa derart ausflippt, ist sowieso traumatisiserend, oder?

Missverständnis (4)

Eine Kundin begreift überhaupt nicht, was das „3 x täglich einnehmen“ beim Antibiotikasirup für ihr Kind bedeutet.

Es war etwa 6 Uhr abends.

Kundin: „Muss ich sie mitten in der Nacht wecken, um ihr die Medizin zu geben?“

Apothekerin: „Nein, geben sie ihr jetzt eine Dosis und die nächste morgen früh, dann am Mittag wieder, dann vor dem Schlafen … usw“

Die Kundin schaut drein, wie wenn sie kein Wort glaubt, aber sie geht.

10 Minuten später klingelt das Telefon.

selbe Kundin „Ich habe gerade das Antibiotikum für mein Kind abgeholt und darauf steht: ‚Alle 3 Stunden geben’ was bedeutet das?“

Aaaargh!

Hormone für den Mann?

Frau kommt in die Drogerie: „Mein Bruder braucht Tabletten gegen zu wenig Hormone“

Drogistin: „? Ich kenne da nur Homöopathische Sachen, warten sie, ich hole Ihnen jemand von der Apotheke“.

Pharmama: „Hormone für den Mann? Was für Probleme hat er denn genau?“ (Ich denke an Haarausfall, Bodybuilder … aber die haben eher Probleme mit zuviel Hormonen)

Kundin: „Nun, er hat mir nur gesagt, ich solle ihm die Tabletten besorgen, ich bin mir jetzt aber nicht mehr ganz sicher, was er gesagt hat, Viagra oder so …“

Pharmama (denkt: Aha!): „Viagra, nun, dafür braucht man aber ein Rezept vom Arzt.“

Kundin: „ja wissen Sie, er war beim Arzt weil er da Probleme hat. Der meinte, er könne die gut nehmen.“

Pharmama: „Na in dem Fall … können Sie dem Arzt ja nochmal rasch anrufen und sagen er hat vergessen ihnen das Rezept mitzugeben…“

Das ist eine Begegnung noch ganz aus der Anfangszeit von Viagra – es war ein Medikament das einen nie für einen selber interessierte, sondern immer nur für einen „Freund“. In dem Fall war ich etwas verwirrt, weil eine Frau fragte – hat wirklich ihr Bruder sie vorgeschickt?

Und noch was ist nicht korrekt: bei Viagra handelt es sich nicht um Hormone.

Geschenkezeit

Weihnachten ist Geschenkezeit und manch Kunde sucht auch bei uns etwas passendes – wenn auch eher in der Drogerie als der Apotheke.

Kundin: „Ich suche ein Geschenk für meine Tochter, eigentlich dachte ich an ein gutriechendes Duschgel, aber jetzt habe ich gesehen, was für eine schlechte Haut sie hat, darum nehme ich lieber das:“

Das ist ein Leucen Waschgel, Hautcreme und Tupfer – eine ganze Aknelinie.

Aus Interesse frage ich nach wie alt die Tochter ist: 28.

Ich hab dann auf sie eingewirkt, doch das Duschgel zu nehmen.

Vielleicht gehe ich ja von falschen Annahmen aus, aber ich hätte in dem Alter (und je nachdem vorher auch) nicht gerade viel Freude daran gehabt Aknemittel geschenkt zu bekommen. Oder wie seht ihr das?

Säure-Base Reaktion?

Ein Kunde bekommt neu ein Medikament.

Eine Stunde später ruft er an:

„Ich habe vorher eine Tablette genommen und mir dann die Zähne geputzt. Und jetzt habe ich so schaumiges Zeug um den Mund. Ich frage mich, ob das vielleicht davon kommt, dass ich mit den Tabletten jetzt eine Säure-Base Reaktion habe?“

Antwort der Apothekerin:

„Nein, ich denke eher, der Schaum kommt von der Zahnpasta.“

Sehr geehrte Frau Ärgerlich,

Vielen Dank für Ihren Brief, gerne nehme ich dazu Stellung.

Sie haben bei uns in der Apotheke am …. ein Rezept eingelöst für Dermovate, eine Rezeptpflichtige Salbe, Liste SL.

Seit dem Jahr 2000, in dem von den Krankenkassen und den Apothekern die LOA, die Leistungsorientierten Abgabe eingeführt wurde, wird die Arbeit des Apothekers getrennt vom Medikamentenpreis abgerechnet. Diese sogenannten Checks gelten nur für Rezeptpflichtige Medikamente, die auf der Spezialitätenliste (SL) stehen. Ihr Medikament fällt unter diese Kategorie. Praktisch gesehen gibt es 2 Checks, von denen eine pro Abgabe(-tag) verrechnet wird, die andere gilt pro rezeptpflichtiges SL Medikament.

Mit den Checks wird die Leistung und Arbeit in der Apotheke abgegolten, dazu gehört:

Bedienung durch Fachpersonen, ständige Weiterbildung derselben,

Führen eines Patientendossiers, Überprüfung von Wechselwirkungen auch bei Medikamenten von verschiedenen Ärzten, Überprüfung der Dosierung, Beratung bei der Anwendung der Medikamente

Ersetzen von Originalmedikamenten durch Generika, Gegebenfalls Rücksprache mit dem Arzt

Ständige Qualitätskontrolle, korrekte Lagerhaltung, und – Bewirtschaftung, rasche Bestellung,

Abrechnung direkt mit der Krankenkasse (ausser Supra und Assura) ohne zusätzliche Kosten und abzüglich 3.2% Kostenstabilisierungsbeitrag auf die Rechnung für die Krankenkasse…. usw.

Ohne Einbussen in der Qualität der Apotheke und ihrer Leistungen können diese Pauschalen nicht gestrichen werden. Die meisten dieser Leistungen sind im Übrigen gesetzlich festgehalten und es kann daher auch nicht im Einzelfall darauf verzichtet werden.

Ausserdem: seit Einführung der LOA ist das Einkommen des Apothekers stabil geblieben – im Gegensatz zu der Zunahme der Einnahmen der Industrie (steigende Medikamentenpreise) der Zunahme der Spitalkosten sowie der starken Zunahme beim Einkommen der selbstdispensierenden Ärzte. Dank der LOA und den Apotheken wurde seit 2000 dem Gesundheitssystem an die 700 Mio CHF gespart! Und genau aus diesem Grund wurde das neue Abgeltungssystem eingeführt.

Uns ist klar, dass Sie als Selbstzahlender Patient, der nur selten ein Medikament braucht, vom neuen System nicht profitieren. Wir wissen auch, dass es Apotheken gibt, die auf die Checks verzichten. Diese können das tun, weil sie weniger Apotheken als Medikamentenhändler sind, die meisten Angestellten werden schlecht bezahlt, sind schlechter ausgebildet und das ist auch der Grund, weshalb diese Ketten regelmässig bei Tests schlecht abschneiden.

Um die Qualität der Beratung in unserer Apotheke aufrechtzuerhalten und wirtschaftlich zu bleiben, werden wir auch in Zukunft nicht auf die Checks verzichten.

Ich hoffe Ihnen mit dieser Auskunft gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüssen

Pharmama

Das war meine Antwort auf einen ärgerlichen Brief, bei dem sich eine Kundin im Nachhinein bitterlichst darüber beklagt, dass sie nicht nur den Preis bezahlt hat, der auf der Packung steht, sondern zusätzlich noch die sogenannten „Checks“

Ich hätte es auch einfacher sagen können, nämlich: „Das ist meine Arbeit und mein Einkommen dafür – nein, darauf kann ich nicht einfach verzichten!“ Aber heutzutage scheinen viele der Meinung zu sein, dass gute Leistung seinen Preis hat /haben darf – nur im Gesundheitssystem nicht, das hat möglichst gratis zu sein.

Ich bin kein grosser Fan der LOA. Sie bringt dem Gesundheitssystem zwar die erwarteten Einsparungen – nur weiss das kaum jemand. Dafür dürfen wir ständige Diskussionen führen mit Leuten, die denken sie zahlen was drauf. Ich bin so dafür unsere Leistung wieder im Medikamentenpreis selbst anzuzeigen – dann steht nicht auf dem Medikament ein Preis und zahlen muss man was anderes.

Aber wer weiss? Vielleicht kommt das noch? Im Moment haben wir die LOAIII, die LOA IV kommt spätestens April 09 …. März 10