Das harte Leben eines Rezeptes

„Was ist denn da passiert?“ denke ich, als die Pharmaassistentin mir ein Rezept reicht. Es ist teilweise zerrissen und fast am zerfallen. Ok, vielleicht nicht das, aber ein paar Teile fehlten schon. Zumindest ist die wichtige Info noch drauf, so dass ich es ausführen kann..

Aber manchmal fragt man sich schon, was mit diesen kleinen Papierblättern passiert zwischen dem Zeitpunkt, wo der Patient es vom Arzt bekommt und dem Moment, wo es in der Apotheke überreicht wird. Manche sind in fast unglaublichem Zustand. Man könnte denken, dass in den paar Stunden (oder Tagen) nicht so viel passieren sollte, aber … Rezepte scheinen ein hartes Leben zu haben.

Ich hatte schon Rezepte die voller Blut waren, solche, die die Waschmaschine knapp überlebten, solche die so nass waren, dass wir sie auf ein anderes Blatt legen mussten zum trocknen – sonst wäre es uns in der Hand zerfallen. Ich habe Rezepte gesehen mit Buntstiftzeichnungen drauf – offensichtlich hatte da ein Kind gleichzeitig Zugriff auf Rezept und eine Schachtel Farbstifte … und ich hatte Rezepte die rochen wie eine ganze Küche. Eines war angeblich in die Fritteuse gefallen – da konnte man durchschauen, so fett war das, aber noch nicht knusprig.Ich hatte auch schon eines das angebrannt war …

Ja, man könnte wohl eine Realityshow draus machen: das Leben eines Rezeptes. Da draussen sind ein paar gute Geschichten, was mit ihnen passiert ist!

Also: wenn Du als Patient beim Arzt ein Rezept bekommst, bring es an einem sicheren Platz unter. Dinge scheinen diesen kleinen Blättern einfach zu passieren. Und es macht unsere Arbeit in der Apotheke nicht gerade einfacher, wenn wir nicht nur das Geschreibsel des Arztes entziffern sondern es erst noch zusammenpuzzeln müssen …

Schwangerschaftstests (4)

Aus Amerika:

Pharmaassistentin: „Wie kann ich ihnen helfen?“
Kundin (laut): „Diese Schwangerschaftstests (wirft 4 auf die Theke) die ich bei ihnen gekauft habe sind alle kaputt. Ich will mein Geld zurück!“
Pharmaassistentin: „Moment, ich hole die Apothekerin.“
Apothekerin: „Ok. Was genau ist denn kaputt? Waren sie zerbrochen? Hat der Kontrollstreifen nicht angegeben?“
Kundin: „Nein. Die zeigen nur immer positiv an. Ich kann nicht schwanger sein!
Apothekerin: „Hmmm. Aber wenn sie nicht denken, dass sie schwanger sind, warum haben sie sie dann gekauft?“
….
Es stellte sich heraus, dass die Dame einfach ihr Geld zurück wollte. Natürlich war sie schwanger. 4 verschiedene Tests können einfach nicht fehlerhaft sein.

Die Apothekerin hat ihr dann gesagt, wenn sie zur Frauenärztin geht und den Testbericht von einem negativen Test von dort bringen würde, dann könnte man über eine Geldrückgabe reden.

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Mehr Erlebnisse mit Schwangerschaftstests hier.

Originalrezept gebraucht

Gefunden:

Es macht sonst keinen großen Spass, wenn man ein Rezept in die Apotheke tragen muss; aber vor langen Jahren war es doch einmal sehr lustig. Da hielt ein Mann von einem entlegenen Hof eines Tages mit einem Wagen und zwei Ochsen vor der Stadtapotheke. Sorgsam lud er eine große Stubentür aus Tannenholz ab und trug sie hinein.

Der Apotheker machte grosse Augen und sagte: „Was wollt ihr da, guter Freund, mit eurer Stubentür? Der Schreiner wohnt zwei Häuser weiter links.“

Darauf sagte der Mann: „Der Doktor ist bei meiner kranken Frau gewesen und hat ihr eine Medizin verordnen wollen. Im ganzen Haus war aber keine Feder, keine Tinte und kein Papier gewesen, nur eine Kreide. Da hat der Herr Doktor das Rezept an die Stubentür geschrieben, und nun soll der Herr Apotheker so gut sein und die Medizin kochen.“

Richtig so, wenn die Medizin nur gutgetan hat. Wohl dem, der sich in der Not zu helfen weiss.

Johann Peter Hebel

Also entweder war es damals schon wichtig, dass man das Originalrezept in die Apotheke brachte … oder der arme Kerl konnte  das Gekritzel auf der Stubentür nicht selbst entziffern und abschreiben :-)

Damals war die Arbeit der Apotheke auch noch echte Handarbeit: „… Medizin kochen“. Also mir gefällt das.

Gegen Verständigungsprobleme: Icoon

Das hat wohl jeder schon mal erlebt: irgendwann kommt man mit der Sprache nicht weiter, wenn das Gegenüber nicht diesselbe spricht wie man selbst. Ich kann zwar Deutsch, Französisch, Englisch und die Pharmaassistentin noch Italienisch und Spanisch, aber manchmal hilft einfach nichts anderes als den Stift hervorzuholen und rasch etwas zu skizzieren.

– so habe ich mal jemandem zeigen müssen, wo die Vaginalovula hinkommen: ich habe eine Geburt gemalt …

Aber jetzt muss man das nicht mehr selbst: icoon nimmt einem das ab. Ursprünglich entwickelt für Reisende in fremden Ländern, kann diese iPhone Applikation auch umgekehrt für fremdsprachige Kunden in Apotheke und Drogerie benutzt werden.

Für alle erdenklichen Gelegenheiten gibt es einfache schwarz/weiss Symbole. Aufgeteilt sind sie in 12 Rubriken, rund 500 Icons von Essen über Mittel gegen Heuschnupfen bis zur Tankstelle. Jedes Symbol lässt sich formatfüllend anklicken. Und wer kein iPhone hat: das gibt es auch als Buch.

Hier aus der Kategorie „Health“:

Das Bild für Durchfall sieht … etwas explosiv aus :-)

Unleserlich – eine Lösung

Ein Patient hat vom Arzt ein besonders unleserliches Rezept bekommen. Er
geht damit zum Apotheker, stark zweifelnd, ob der damit etwas anfangen
kann.
Doch der wirft nur einen kurzen Blick darauf, greift ins oberste Regal,
holt eine geheimnisvolle, große Flasche herunter und füllt dem Patient
davon was in ein Fläschchen.

Mißtrauisch nimmt der es mit nach Haus; das Zeug ist dunkelbraun und riecht
widerlich. Zuerst nippt er nur ein bißchen daran. Aber am nächsten Tag
geht’s ihm schon besser. Nach einer Woche ist er völlig gesund.

Neugierig geht er zum Apotheker und fragt: „Wie heisst denn diese Tinktur,
die sie mir da letzte Woche gegeben haben?“- „Was….Ach so, sie meinen das aus der großen Flasche ganz oben?“ Der Patient nickte.
Der Apotheker zuckt mit den Schultern: „Das geben wir immer, wenn wir ein
Rezept überhaupt nicht lesen können!“

– sowas bräuchte ich bei uns in der Apotheke auch :-)

Wirkung verschlafen

Pharmaassistentin: „Da ist ein Kunde, der jeden Morgen ein Fluctine nimmt und das macht ihn müde.“

Apothekerin: „Sag ihm, er soll das Medikament in dem Fall am Abend versuchen zu nehmen.“

Pharmaassistentin: „Oh, nein, dann würde er ja schlafen, wenn das Medikament wirkt“

…  Offenbar hat da jemand nicht aufgepasst, als das Prinzip vom steady state erklärt wurde.

Kleine Erklärung für den medizinischen Laien: Steady state nennt man in Medizin und Pharmazie das Erreichen eines konstanten Plasmaspiegels eines Wirkstoffs nach mehreren Gaben.  Dabei ist die Elimination des Wirkstoffes aus dem Körper etwa gleich wie das, was man neu zuführt. Das Medikament wirkt dementsprechend idealerweise auch durchgehend. Weil es aber trotzdem kleine Konzentrationsspitzen gibt, hilft es eventuell das Mittel statt am Morgen immer am Abend einzunehmen (oder umgekehrt).