Ich bin doch keine Bank!

Samstag Mittag in der Apotheke:
Mann: „Ich brauche Imodium Kapseln und Buscopan Dragees.“
Ich hole beides, kläre ab, ob das die richtigen Medikamente sind, erkläre ihm die Anwendung, da er es bisher nicht gehabt hat, dann gehen wir zur Kasse, ich lese die Medikamente ein.
Er hält mir die Kundenkarte hin. Und dann sagt er: „Aber ich kann es erst Montag zahlen“.
Pharmama: „Dann … kann ich es ihnen auch erst Montag geben.“

Ein Stammkunde, bei dem ich das eventuell noch machen würde ist er nämlich – trotz Karte- nicht.
Und dann kann ich alles wieder rückgängig machen. Den Verkauf stornieren und die Medikamente versorgen.

Ah. Ähh, Iiih.

Junge Kundin kommt und drückt der Pharmaassistentin eine Packung Nuvaring in die Hand: „Ich brauche eine neue Packung von denen, mein Dauerrezept ist hier.“
Die Pharmaassistentin merkt, dass noch etwas drin ist: „Da ist aber noch ein Ring drin!“
Kundin (unbeeindruckt): „Ja, das ist mein alter.“

Ah, ja. (Iiiih). Kann ich den ihnen entsorgen?

Für diejenigen, die das nicht wissen sollten: der Nuvaring ist ein Silikonring, der als Verhütungsmethode in die Scheide eingeführt wird und während 3 Wochen dort bleibt, wobei er kontinuierlich niedrigdosiert Hormone abgibt. So einen zurückzugeben (und zwar nicht im Rahmen von „alte Medikamente zum entsorgen“) ist ein bisschen, wie wenn man ein gebrauchtes Kondom in der Schachtel gibt und sagt: „Ich hätte gerne wieder solche“

Aber doch nicht einfach so!

Kundin: „Ich habe da am Zeh plötzlich so einen schwarzen Fleck bekommen. Was könnte das sein?“
Pharmama: „Naja, es ist etwas schwierig zu beurteilen, wenn sie den Schuh nicht abziehen wollen und mir den Zeh zeigen, aber … im besten Fall ist es ein Bluterguss unter der Haut, weil man ihn angeschlagen hat … es könnte aber noch einiges anderes sein.“

Kundin: (im weiteren Gespräch) „Und morgen gehe ich zum Arzt …“
Pharmama: „Wenn sie zum Arzt gehen, können sie ihm den Zeh ja auch zeigen.“
Kundin: „Nein das will ich nicht.“
Pharmama:„Aber … dafür ist der Arzt doch da.“
Kundin: „Wissen sie, ich bin nicht jemand, der einfach dem Arzt etwas zeigt! Ich gehe dahin, weil ich einen Termin habe für die Kontrolle vom Herz und dem Blut, nicht um ihn meinen Zeh zu zeigen.“
Pharmama: „Und wie wollen sie dann wissen, was genau das ist?“

Übrigens: bevor das Diskussionen gibt: wir Apotheker in der Schweiz dürfen sagen, was wir vermuten, wenn wir einen Diagnose-Verdacht haben, allerdings ist das etwas schwierig, wenn ich es nicht einmal anschauen darf. – Da dürfte auch der Arzt noch Probleme bekommen …

Hopp und weg!

Anlässlich des Einfach … aufdringlich Posts ist Tatjana noch eine Begebenheit aus ihrer Apotheke eingefallen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Ich liiiebe diese Patienten!!!
Ich hatte mal eine Notfallpatientin, die nicht mehr aufrecht stehen konnte – ihr war übel und schwindlig. Nun, der Blutdruck war ok, also leg ich sie auf unsere Pritsche ins Büro- da schläft sie plötzlich ein! Erst dann (!!) sagt die Kollegin, die sie begleitet hat, dass sie ihr eine Tablette Stilnox gegeben hatte! Ach ja.
Soviel dazu: Nehmen Sie doch das! Das hat mir auch wunderbar geholfen!

Für medizinisch unbedarfte: Stilnox ist ein starkes Schlafmittel – kein Wunder ist ihr (immer noch? / neu?) schwindlig und sie schläft so überraschend ein. Gegen Schwindel und Übelkeit nutzt es natürlich nix … ausser vielleicht in dem Sinn, dass man nichts mehr merkt, wenn man schläft.

Auch ohne Orgasmus …

Von der letzten Beratung zur „Pille danach“:

Die wichtigste ‚take home message‘:
Ja, man kann auch schwanger werden, wenn man keinen Orgasmus hatte während dem ungeschützten Geschlechtsverkehr – das gilt für Männer und Frauen.“

Und: musste der Freund denn unbedingt dabei sein bei der Befragung? Damit er genau das mitbekommt?

 

Noch mehr Beratungen zur „Pille danach“:

Aber er hatte sooo schöne Augen.

Negativbeispiel

Noch nie …

Und im Notfall die Pille danach

 

Einfach … aufdringlich!

Es gibt Leute, die müssen einfach immer mitreden. Überall. Selbst wenn sie, wie man hier so sagt „Kei Ahnig vo‘ dr Botanik“ haben.

Leider gibt es die auch in der Apotheke.

So musste ich letzthin folgendes mitbekommen:

Meine freundliche Kollegin ist gerade daran Kunde A zu beraten, der offenbar Rückenschmerzen hat – vom Schneeschaufeln? Etwas daneben bin ich am Rezepte kontrollieren und Stammkundin B, die  unbedingt eine Kosmetikberatung von meiner Kollegin will und deshalb auf sie wartet.
Ja, wenn sie denn warten würde. Stattdessen steht sie direkt daneben und hört offensichtlich mit – jedenfalls, als meine Kollegin dem Herrn kurzfristig Ibuprofen und Schmerzpflaster empfiehlt, muss sie auch mitreden:

„Nehmen Sie doch Arthrotec, das hat mir sehr gutgetan, als ich Schmerzen hatte.“

Sowohl Kunde als auch Kollegin sehen sie etwas entsetzt an ob dem Dreinreden – wagen aber nichts zu sagen.

Kundin: „Das ist das Beste, da hat es ein Schmerzmittel drin und etwas für den Magen … und das Schmerzmittel ist nicht so aggressiv, nicht so wie Voltaren oder so…“

Arrrgh. Das Schmerzmittel in Arthrotec ist Diclofenac, das ist Voltaren!

Jetzt muss ich doch etwas sagen, bevor sie noch weitermacht.

Pharmama: „Entschuldigen sie, aber das kann er sowieso nicht einfach so nehmen, das ist rezeptpflichtig.“

Kundin: „Aber dann kann man doch ein Vorbezug machen!“

… für jemanden, der das noch nie hatte, einfach nur, weil sie das empfiehlt??

Jetzt meldet sich der Kunde doch noch zu Wort: „Besten Dank, aber ich glaube ich bleibe bei dem, was die Fachkraft mir geraten hat!“

Kundin B ist jetzt muffig, aber geht wenigstens auf Abstand und redet nicht weiter drein bis die beiden fertig sind.
Normalerweise versuchen wir Beratungen soweit möglich zu trennen – und es hätte auch mehr als genug Platz gehabt woanders zu stehen und zu warten …  aber bei der Kundin ist das schwierig, die hat irgendwie keinerlei Gefühl für Privatsphäre. Das haben wir schon früher merken müssen.