Bester Anruf an den Arzt bisher …

Ein Patient gibt mir ein Rezept ab, das so etwas von unleserlich ist, dass ich wohl nicht einmal den Patienten herausgefunden hätte, wenn er nicht selber da gewesen wäre und ich ihn fragen konnte.

Der Patient weiss in etwa, für was das Medikament auf dem Rezept ist, aber nicht den Namen.

Ich rufe in die Praxis an.

Die Praxisassistentin erklärt mir, dass der Arzt gerade in einer Sitzung ist. Sie will aber nachschauen.

Blöd nur, wenn im Dossier nichts steht – der Arzt hat das Dossier des Patienten (noch?) nicht überholt – und die Praxisassistentin kann ihn nicht fragen, weil er nicht da ist.

Lustig ist, wenn sie das Telefon nicht in Pausenmodus gestellt hat und ich sie- während sie sucht und sucht- murmeln höre: „Ich bring ihn um !…Na, der hört noch etwas von mir! …“

War wohl nicht das erste Mal?

Unausstehliche Nebenwirkung

Mutter in der Apotheke: „Ich habe da eine Frage. Sind sie die Apothekerin?“

Pharmama: „Ja.“

Mutter: „Also, mein 7 Jahre alter Sohn hat eine Halsentzündung – Streptokokken … und er muss zuhause bleiben. Im Moment ist er wirklich anstrengend und unausstehlich …. Ich denke, das liegt daran, dass der Arzt das Antibiotikum falsch dosiert hat.“

Pharmama: „Ich bin ziemlich sicher, es liegt daran, dass er krank ist, dass er gereizter reagiert.“

Mutter: „Denken sie?“

Pharmama: „Ja. … macht meiner auch, wenn er krank ist.“

Mutter: „Oh, gut. Danke vielmals.“

… Tatsächlich kann ich mich erinnern, dass ich selber auch so war. Ich weiss nicht mehr, was ich hatte … ziemlich sicher etwas mit Fieber, das hatte bei mir den Effekt, dass ich einfach gar nichts mehr machen wollte ausser rumzuhängen und schlecht gelaunt zu sein. Und dann gibt es so Momente, da hat man als Kranke/r zum Beispiel etwas im Kopf, das man will (noch einen Film anschauen, etwas spezielles zu trinken, dass Mama nicht jetzt gerade rausgeht zum Einkaufen). Und das will man dann nicht nur, das WILL man, Muss man haben. Jetzt. Gleich. … und wenn man in einem klarerem Moment zurückblickt, denkt man: „Das war jetzt irgendwie total unrational und übertrieben so zu reagieren.“

Also .. verstehe ich den Jungen.

Nicht alles ist ein Problem von den Medikamenten.

Alle Patienten lügen (rerun)

(rerun vom 17. Januar 2009)

„Everybody lies.“

Dr. House

Offensichtlich ist nicht nur der oberzynische Dr. House der Meinung, dass Patienten ihre Ärzte anlügen, sondern auch etwa 2/3 der Mediziner in Deutschland, wie es sich bei einer Umfrage herausstellte. Ich vermute mal auch in der Schweiz ist die Situation ähnlich.

Ich selbst hatte ja auch schon die Situation, dass der Arzt der Patientin partout nicht glauben wollte, dass sie keinen Alkohol trinkt – die Leberwerte waren schlecht.

Ich bin überzeugt, dass die Patienten den Ärzten nicht alles sagen. Es liegt in der Natur des Menschen Dinge, die ihn selbst betreffen, zu beschönigen und negatives auszulassen oder gar zu schwindeln, wenn jemand anderes / autoritärereres / der Arzt sie nach den Lebensumständen fragt.

Sagst Du dem Arzt denn die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, wenn er Dich fragt, wie es denn ums Essen und wie es um Deine körperliche Fitness steht? Zum Beispiel:

– Wie ist das mit den 5x Früchten und Gemüse pro Tag? „Jaja, ich esse abwechslungsreich …“ (also eigentlich ernähre ich mich abwechselnd von Pizza und Hamburgern …)

– und trinken? Trinkst Du auch Deine 2-3 l Wasser täglich? „Ich bemühe mich ….“ (aber meistens klappt das nicht)

– Nimmst Du die Treppe statt dem Lift?… „Ääähhh… klar.“ (so einmal im Monat).

Dasselbe gilt auch für die Einnahme von Medikamenten: Nimmst Du sie wirklich regelmässig?

Es kommt natürlich vor, dass man mal eine Tablette vergisst – das ist meistens auch nicht so tragisch und kein Grund zu lügen. Aber wenn man das Medikament nicht (mehr) nimmt, dann ist es wichtig, dass der Arzt das auch weiss. Ansonsten denkt er nämlich das Medikament wirke nicht und sucht -vergebens- nach einem Grund für den Therapieversager, macht eine Menge Abklärungen, steigert die Dosis – dann nimmt man es erst recht nicht … und das Grundproblem löst man dadurch auch nicht.

Im Endeffekt stört man mit Lügen beim Arzt das Vertrauensverhältnis Arzt -Patient. V.a. wenn der Arzt schliesslich herausfindet, dass man ihn angelogen hat … und man gefährdet dadurch seine Gesundheit.

Generikum gefällig?

In der Schweiz ist es so, dass es, wenn es für ein Medikament, ein (einiges) günstigeres Medikament gibt, man für das verschriebene 20% Selbstbehalt zahlt, statt den normalen 10%.

Wenn ein Patient also so eines auf Rezept hat, wird er von uns in die Richtung informiert: „Von dem Medikament existiert ein günstigeres Generikum. Darf ich ihnen das abgeben? Es ist gleichwertig wie das aufgeschriebene und sie zahlen weniger Selbstbehalt.“

und was bekommen wir zu hören?

Einige Male: „Ja? Oh, gut, gerne.“

Aber mindestens so häufig:

  • „Nein, ich will das, was der Arzt verordnet hat.“
  • „Nein, ich will das richtige Medikament!“
  • „Welches ist besser?“ (Keines, gleichwertig bedeutet nicht anders)
  • „Nein, ich vertrage keine Generika.“ (Sicher. Nicht.)
  • „Nein, ich bin allergisch gegen Generika!“ (alle ? Blödsinn)
  • „Nein, das letzte Generikum habe ich auch nicht vertragen.“
  • „Ist das auch sicher dasselbe?“

Der Kommentar hier, auf den ich beim Rezepte kontrollieren gestossen bin, hat mich zum lachen gebracht:

Wahrscheinlich hält eher sie selber nichts von Generika – und dass die Apothekerin, die das aufschreibt so auch vermutet, sieht man am smiley dahinter.

Wenn der Arzt nicht will, dass etwas ersetzt wird, kann er nämlich auf’s Rezept schreiben: „sic“ oder besser „aus medizinischen Gründen nicht ersetzen“ – und dann steht bei uns im PC „Substitution abgelehnt durch Arzt“.

Auch wir in der Apotheke haben die Möglichkeit Substitutionen abzulehnen – zum Beispiel bei kritischen Wirkstoffen. Dann kann auch ich einen Austausch ablehnen. Dann ist es im Sinne des Patienten. Wenn ich allerdings frage und ein Generikum anbiete, dann geht das im Normalfall ohne Probleme.

Mehr Infos zu Generika:

Generika – eine Betrachtung (1)

Generika – eine Betrachtung (2)

Generika – eine Betrachtung (3)

Reine Verschwendung?

Der Arzt verschreibt dem Patienten Lisinopril 40mg Tabletten. Ein paar Tage später reklamiert der Patient beim Arzt, dass die Tabletten „seiner Speiseröhre weh tun“. Offensichtlich hat er die Packungsbeilage gelesen, da steht nämlich drin, dass es Magenbeschwerden wie Sodbrennen auslösen kann.

Jedenfalls schreibt der Arzt ihm ein neues Rezept – für Lisinopril 20 mg, das er uns in die Apotheke faxt.

Weil wir sehen, dass der Patient erst vor ein paar Tagen eine Packung zu 40mg bezogen hat, denken wir, dass er wohl intelligent genug ist, sie einfach zu teilen (was bei denen problemlos geht), bis sie ihm ausgehen. Darum nehmen wir das neue Rezept einfach ins Patientendossier auf, führen es aber nicht aus.

Am nächsten Tag steht der Patient in der Apotheke. Wir erklären ihm das mit dem Tablettenteilen, dass er dann die richtige Dosierung hat, die Tabletten kleiner sind und seine Speiseröhre sicher. Er will aber eine neue Packung. Gleich.

Ok. Kann er haben.

Ich finde das ist trotzdem eine nette Verschwendung von Resourcen und Geld.

Von allen Seiten …

Okay, okay, ich glaube ich hab’s verstanden, dass Sie das brauchen!

Wir haben gerade für denselben Patienten eine Medikamentenbestellung per email, ein Fax vom Arzt mit dem Rezept und auch noch ein Telefon vom Patienten selber bekommen. Innert weniger Minuten.

Ich fühle mich von allen Seiten attackiert.

:-)