Reine Verschwendung?

Der Arzt verschreibt dem Patienten Lisinopril 40mg Tabletten. Ein paar Tage später reklamiert der Patient beim Arzt, dass die Tabletten „seiner Speiseröhre weh tun“. Offensichtlich hat er die Packungsbeilage gelesen, da steht nämlich drin, dass es Magenbeschwerden wie Sodbrennen auslösen kann.

Jedenfalls schreibt der Arzt ihm ein neues Rezept – für Lisinopril 20 mg, das er uns in die Apotheke faxt.

Weil wir sehen, dass der Patient erst vor ein paar Tagen eine Packung zu 40mg bezogen hat, denken wir, dass er wohl intelligent genug ist, sie einfach zu teilen (was bei denen problemlos geht), bis sie ihm ausgehen. Darum nehmen wir das neue Rezept einfach ins Patientendossier auf, führen es aber nicht aus.

Am nächsten Tag steht der Patient in der Apotheke. Wir erklären ihm das mit dem Tablettenteilen, dass er dann die richtige Dosierung hat, die Tabletten kleiner sind und seine Speiseröhre sicher. Er will aber eine neue Packung. Gleich.

Ok. Kann er haben.

Ich finde das ist trotzdem eine nette Verschwendung von Resourcen und Geld.

Von allen Seiten …

Okay, okay, ich glaube ich hab’s verstanden, dass Sie das brauchen!

Wir haben gerade für denselben Patienten eine Medikamentenbestellung per email, ein Fax vom Arzt mit dem Rezept und auch noch ein Telefon vom Patienten selber bekommen. Innert weniger Minuten.

Ich fühle mich von allen Seiten attackiert.

:-)

Auch Ärztemuster haben ein Verfallsdatum

Eine unserer Kundinnen kommt mit einem Muster Sonnencreme in die Apotheke.

Kundin: „Das habe ich vom Arzt bekommen. Davon hätte ich gerne eine Packung.“

Daylong 16 steht auf der Packung – was etwas seltsam ist, denn wir haben Daylong 15 an Lager.

Die Pharmaassistentin schaut auf das Verfalldatum. Dezember 1999 !!

Wow.

Das Teil ist seit über 10 Jahren abgelaufen.

PA: „Wir haben nur Daylong 15, nicht 16. Die 16er gibt es nicht mehr. Das Muster ist auch etwas älter …“

Kundin: „Was? Der Arzt hat mir das beim Besuch letzte Woche gegeben. Und er hat noch ein ganzes Regal voll mit diesen Mustern … Na, dem werde ich was erzählen!“

…

Lieber Arzt. Es tut mir leid, falls eine etwas aufgebrachte Kundin die Praxis gestürmt hat und verlangt hat, dass sie ihre Muster entsorgen. Ich bin sicher, sie haben es nur gut gemeint.

Aber auch für sie gilt, dass eine Verfalldatumskontrolle gemacht werden muss.

 

Ich sehe gar nicht ein, warum ich damit zum Arzt muss …

Besten Dank an Sascha für seinen Gastbeitrag:

Mal ein deutsches Beispiel zum Thema: „Kunden, die nicht zuhören“

Ein Patient kommt in die Apotheke mit einer alten, verschmierten Medizinflasche und hält es mir vor die Nase: Ich gehe ein Stück zurück und lese das Etikett. Prednisolon, Clioquinol, Grundlage

Patient: „Ich möchte genau das noch einmal haben.“

Ich: „Ja, das kann ich Ihnen leider so nicht herstellen, da Prednisolon in Deutschland verschreibungspflichtig ist.“

Patient: „Aber ich bin privatversichert – ich bezahle es ja sowieso selber.“

Ich: „Das macht keinen Unterschied … solange mir kein Rezept von einem Arzt vorliegt, kann ich Ihnen das nicht noch mal herstellen. Gehen Sie bitte zum Arzt und lassen sich ein Privatrezept darüber ausstellen.“

Patient: „Das macht für mich keinen Sinn: Ich hole mir einen Zettel und dann muss ichs ja doch selber bezahlen. Füllen sie’s doch jetzt einfach so ab und ich bezahls…“

(Hmmm…wie kann ich das ihm noch genauer sagen?)

„Es gibt Substanzen in Deutschland, die nur auf ärztliche Verordnung abgegeben werden dürfen, ganz egal ob der Patient es selbst bezahlt oder die Kasse. Und ihre Rezeptur fällt unter diese Reglementierung.“

Nachdem er es immernoch nicht begriffen hatte, fing ich an mit den Begriffen frei verkäuflich, apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig zu argumentieren – erfolglos. Er erörterte weiterhin, dass er es sinnlos findet, als PRIVATPATIENT zum Arzt zu gehen (er hielt sich eindeutig für privilegiert :) ). Unter lautem Schimpfen verließ er nach gefühlten 10 min die Apotheke …

Tja, was soll man da machen – manche Leute verstehens einfach nicht :)

…

Die Argumentation kenne ich. Ersatzweise bei uns noch: „ich sehe gar nicht ein, warum ich dafür zum Arzt muss – der verlangt immer etwas für das Rezept-ausstellen!“

Ja, das ist ja auch seine Arbeit.

Ärzte-Font

Hmmm …. das *könnte* der Grund sein, warum ich so viele Rezepte in letzter Zeit nicht lesen kann. Das oder den Ärzten haben die Sommerferien nicht gut getan.

Vielleicht sollte ich das in der Apotheke aufhängen als Übersetzungshilfe?

 

Quelle: imgur.com

Besten Dank an Björn für den Link!

Hauptsache nicht schlucken.

Telefon kurz vor Mittag in die Apotheke:

„Hallo, hier ist Dr. Haeno. Ich brauche Ihre Hilfe. Ich habe da eine Patientin, der muss ich ein Antibiotikum verschreiben – Amoxicillin. Sie kann ganz schlecht Tabletten schlucken – und im Moment sowieso, da sie eine schwere Halsentzündung hat. Sie möchte darum Lutschtabletten – und sie behauptet, sie habe schon einmal gehabt. Ich finde aber nichts. Wissen Sie vielleicht etwas davon?“

(Erst mal: wow. Ein Arzt, der sich nicht zu schade ist, bei uns nachzufragen. Ich bin beeindruckt und werde natürlich alles tun, um zu helfen!)

Pharmama: „Mir ist da auch nicht gerade etwas bekannt, aber ich schaue mal, was es da an Amoxicillin-Mitteln noch alles gibt. Moment …“

…“Nein, da gibt es nur Tabletten. Hmmm. Wie heisst die Patientin? Vielleicht finde ich etwas in ihrem Dossier, wenn sie bei uns war.“

Dr. Haeno: „Es ist Frau Trachea. Sie meinte, sie hatte das schon einmal von ihnen.“

Pharmama: „Ich schaue mal in ihr Dossier. … Ah. Sie hatte noch nie Amoxicillin … aber Co-Amoxicillin. Davon gibt es zwar such keine Lutschtabletten, aber … das letzte Mal hatte sie dispergierbare Tabletten, also solche, die man in Wasser einrühren kann.“

Dr. Haeno: „Ah, das ist gut, das geht auch. Ich schicke sie mit dem Rezept rüber. Besten Dank für die Hilfe!“

…

Ich habe dann Frau Trachea noch gefragt, als sie bei uns gewesen ist – ich wollte doch wissen, WAS sie jetzt mit den Tabletten genau gemacht hat.

Sie hat sie tatsächlich weder geschluckt noch in Wasser eingerührt getrunken, sondern gelutscht.

(Angeschrieben waren sie übrigens mit „einnehmen“)

Was ich doch einigermassen erstaunlich finde – gut schmecken tun die Dinger nämlich üüüberhaupt nicht. Und dann noch so lange im Mund behalten, würde ich sie auch nicht wollen.