In der Warteschleife …

Ein Kunde kommt mit einem Rezept. Er hat die Krankenkassenkarte nicht dabei, aber ich muss das Mittel sowieso bestellen, also sage ich ihm, er soll die Karte mitbringen, wenn er es abholen kommt, ansonsten muss er es selbst bezahlen.

Als er am nächsten Tag nachmittags kommt … hat er die Karte nicht dabei.
Kunde: „Könnten sie nicht der Kasse anrufen?“
Pharmama: „Ich kann es versuchen, aber es ist nach 5 Uhr – die meisten Kassen haben schon zu.“

Erstaunlicherweise scheint noch jemand da zu sein, aber ich werde in die Warteschleife versetzt.

Kennt ihr das? „Im Moment sind alle Leitungen besetzt. Der nächste Mitarbeiter ist gleich für sie verfügbar. Sie sind in Warteposition ..5.., bitte haben Sie noch einen Moment Geduld!“

Offensichtlich dauert das dem Herrn zu lange, denn er drängt bei meiner Kollegin, dass er jetzt weitermuss.
Sie meint (zu Recht) dass sie das nicht beschleunigen kann.

Kunde: „Ok, dann zahle ich es halt jetzt.“

Machts und geht.

… und in der Zwischenzeit hätte ich die Nummer und Deckung …

Apotheken in aller Welt, 66: Tinos, Griechenland

Im Sommer waren wir ja auf Tinos, einer griechischen Insel, etwa 4 Stunden mit der Fähre von Athen entfernt (2 mit der Schnellfähre) und auf der Insel hat es natürlich auch Apotheken. Eine davon, in Tinos Stadt ist diese:

von aussen eher unauffällig hat sie innen eine klassische (wenn auch nicht so alte) Einrichtung, die ich sogar fotographieren durfte:

Von den 2 Sachen, die ich brauchte hatten sie eine nicht …. was mich natürlich zum Nachdenken anregte. Ok, eine griechische Insel ist nicht das Ende der Welt und ich bin sicher, dass sie auch regelmässige Lieferungen bekommen – aber wohl kaum so wie bei uns 2-3 x täglich. Vielleicht 1 x täglich? Oder vielleicht 3 x pro Woche?

Und dann muss ich denken: eigentlich sind wir ja schön verwöhnt – und uns das nicht einmal bewusst. Das ist einfach „normal“, dass alles entweder da ist – oder sofort besorgt werden kann.

Aller Anfang ist schwer …

Eine Geschichte noch aus meiner Anfangszeit als Apothekerin. Das war kurz nach dem Studium, das ich mit Ende 24 beendet habe. Damals sah ich natürlich auch noch einiges jünger aus als heute – so jung, dass ich beim Alkohol kaufen gelegentlich die ID zeigen musste …

Kundin: „Sind sie die Apothekerin?“
Pharmama „Ja, bin ich.“
Kundin: „Aber … sie sehen so jung aus?“
Pharmama: „Danke für das Kompliment, kann ich ihnen irgendwie helfen?“
Kundin: „Ich brauche einen Apotheker mit mehr Erfahrung. Kann ich mit jemand anderem sprechen?“
Pharmama: „Ich bin im Moment die einzige Apothekerin hier – aber kommen sie doch in ein paar Jahren zurück, wenn sie wollen.“

…

Nein, natürlich habe ich sie dann noch darauf hingewiesen, dass mein Kollege am nächsten Tag arbeiten würde.
Heute passiert mir derartiges eher weniger. … Das finde ich aber auch ok. :-)

Für das neue Jahr

Ich wünsche dir fürs neue Jahr

Ich wünsche dir fürs neue Jahr
das große Glück in kleinen Dosen.
Das alte lässt sich ohnehin
nicht über Nacht verstoßen.

Was du in ihm begonnen hast
mit Mut und rechter Müh’,
das bleibt dir auch noch Glück und Last
in neuer Szenerie.

Erwarte nicht vom ersten Tag
des neuen Jahres gleich zuviel!
Du weißt nicht, wie er’s treiben mag,
es bleibt beim alten Spiel.

Ob gute Zeit, ob schlechte Zeit,
wie sie von Gott gegeben,
so nimm sie an und steh bereit
und mach daraus dein Leben!

Elli Michler, * 1923, Dir zugedacht

In dem Sinne allen meinen Lesern ein herzliches Dankeschön für das letzte Jahr und die besten Wünsche für das neue!

Pharmama

Apotheken in aller Welt, 65: Malmoe, Schweden

Leser Robert schickt uns diese (alte und berühmte) Apotheke

Sommer 09 war ich in Schweden und habe gerade beim durchsehen der Fotos bemerkt, dass ich ja eine wunderschöne Apotheke in der Innenstadt von Malmö abgelichtet habe.  Leider kann man nicht allzu viel erkennen, nur die schöne Fassade. Die Inneneinrichtung war noch original, angeblich ist es die älteste Apotheke Schwedens!

gegründet 1571 hat diese Apotheke eine wunderbare Fassade im deutschen Rennaissancestil. Ganz toll wäre auch eine Innenansicht, da sie auch eine der besterhaltenen Einrichtung hat …. für Interessierte: Apotheke Lejonet googeln! Z.B. hier

Der Vorteil der Hausapotheke

Nein, nicht von der Zuhause, die man im Apothekenschrank hat, sondern die Apotheke, wo man nach Möglichkeit alle seine Medikamente holt …

Telefon von der Frau eines unserer Patienten. Sie ist beunruhigt, weil ihr Mann sich nicht wie er selbst benimmt und irgendwie „neben sich steht“.
Sie will wissen, ob das neue Antibiotikum, das er bekommen hat die Ursache dafür ist.

Ich schaue sein Dossier an.
Er nimmt Tegretol, ein Antiepileptikum (Carbamazepin)– und ist damit seit einigen Jahren stabil.

Das Antibiotikum das er neu nimmt? Erythromycin.
Das Problem ist, dass das Antibiotikum den Abbau von Tegretol in seinem Körper drastisch reduziert – was dann praktisch eine Überdosierung von Tegretol für ihn bedeutet. Kein Wunder benimmt er sich so seltsam, wegen der geringen Therapeutischen Breite (dem Bereich zwischen der noch wirksamen Dosis und der Grenze zur Vergiftung) müssen Antiepileptika genau eingestellt werden und bei Änderungen irgendwelcher Art muss man gut aufpassen.

Warum wir das nicht bemerkt haben?
Weil er das Antibiotikum nicht bei uns, sondern in einer anderen Apotheke eingelöst hat. Und verschrieben wurde es ihm nicht vom Hausarzt – der Ferien hatte – sondern im Notfall im Spital.
…
Was macht man in so einem Fall? Ich habe hier geraten das Antibiotikum zu stoppen und mit dem Arzt Kontakt aufzunehmen wegen einem Ersatz. … und es das nächstemal entweder bei uns beziehen und unbedingt zu sagen, dass er Antiepileptika nimmt.