Fragen sie nicht mich …

Beratung betreffend der Dosierung der Medikamente ist sehr wichtig. Manchmal frage ich zur Kontrolle auch die Patienten (speziell, wenn der Arzt die Dosierung nicht aufs Rezept geschrieben hat):

„Wie hat der Arzt Ihnen gesagt, dass Sie das nehmen sollen?“

Die Antwort hat mir gar nicht gefallen: „Was fragen Sie mich? Wissen Sie das nicht? Ich dachte Sie kleben die Dosierungsetikette auf die Schachtel.“

Ein einfaches „Ich weiss es nicht“ hätte mir gereicht.

Aus dem Pharmazie-Studium … der allererste Tag

Der allerersten Tag, die erste Stunde – und uns wird vom Chef der Pharmazie der Uni erklärt, wie das so abläuft.

In kurz: morgens Studium, mittags Labor – und wenn wir nach Hause kommen, gibt es je nachdem noch einiges nachzubearbeiten, oder zu lernen. Allein 42 Stunden sind mit Studium und Labor verplant …

Ich höre meinen ehemaliger Klassenkameraden der sich für dasselbe Studium entschlossen hat, laut und ungläubig sagen: „Waas?“ bevor er sich hinter einem Buch versteckt–das hat er wohl nicht erwartet.

Ich habe eigentlich ihn nicht hier erwartet. Keine Ahnung, was er sich dabei gedacht hat, als er sich für Pharmazie entschieden hat – ich wusste, was auf mich zukommt. Immerhin habe ich da schon einen Tag in der Apotheke, wo meine Mutter arbeitete geschnuppert und hatte die Möglichkeit die Apothekerin auszufragen.

Was sie mir damals sagte: Es ist ein hartes Studium, es bedeutet viel Arbeit, viel Lernen. Es braucht ein Interesse an Naturwissenschaften und Durchhaltevermögen. Aber es lohnt sich, auch weil man danach eine Menge Möglichkeiten hat, was man machen kann.

Sie hatte recht. Weshalb mein Schulkollege – nennen wir ihn Richard – fand, das wäre etwas für ihn, wenn sein (erklärter) Berufswunsch „Sportartikelverkäufer – nur bräuchte ich dafür keine Matur … ach ich weiss nicht …“  war …  ich weiss es auch nicht.

Er hat dann auch nur knapp 3 Wochen durchgehalten. Danach ging er (klassisch) Jus studieren.

In den ersten 2 Monaten hatten wir die höchste Ausfallquote – etwa 30 Prozent, danach blieb unsere Zahl durch das Studium durch konstant. Etwa 10% fielen jeweils durch die ersten Prüfungen. Ein Teil davon schaffte es im zweiten Versuch, ein Teil bekamen wir von anderen Unis oder von oberen Jahren wieder dazu.

Es waren anstrengende Zeiten. Es ist im Winter nicht speziell gut für’s Gemüt, wenn so etwa das einzige Mal, wenn man die Sonne wirklich sieht ist, wenn man von den Vorlesungen zum Mittagessen in der Mensa hastet und danach von der Mensa zum Labor. Morgens und Abends ist es noch/schon dunkel, wenn man unterwegs ist – und in den Vorlesungen und im Labor ist man oft zu beschäftigt um das überhaupt richtig wahrzunehmen.

Trotzdem waren es auch schöne Zeiten. Man lernt viel, entwickelt mit den anderen Mitstudierenden einen Zusammenhalt … speziell das Labor eignet sich sehr dafür … aber davon später mehr.

Ich glaub nicht, dass wir das waren …

Gestern hatte ich einen dieser frustrierenden Begegnungen, wenn ein Kunde davon überzeugt ist, dass er recht hat und ich Unrecht und keine Erklärung daran etwas ändert.

Es war ein älteres Pärchen, das eine Packung Calcimagon Kautabletten mitbrachte. Die Packung hatte noch das alte Design (das hat vor einigen Monaten gewechselt) und es war ein Etikett darauf von uns – mit dem Abgabedatum von vor über einem Jahr.

Die Box war voll von Tabletten – bräunlichen, die ganz sicher nicht Calcimagon waren. Die sind nämlich weiss.

Das Pärchen war davon überzeugt, dass das die Box Calcimagon war, die sie von uns vor ein paar Wochen bekommen hatten – und dass wir einen Fehler gemacht hätten / ihnen eine alte Box verkauft hätten / die Packung fehlerhaft war. (Such dir eins aus – vielleicht auch gleich mehreres)

Ich habe versucht, sie darauf hinzuweisen, dass diese Schachtel schon vor über einem Jahr abgegeben wurde … und dass sie die vielleicht in der Zwischenzeit als Aufbewahrungsort für diese braunen Tabletten benutzt haben. Das haben sie aber glatt abgestritten, da sie „keine anderen Schachteln Calcimagon im Haus hätten.“

Also … habe ich ihnen eine neue Schachtel gegeben (sie hatten sowieso ein Dauerrezept) und ihnen dringend geraten, diese alte Schachtel mit den unbekannten Tabletten wegzuwerfen.

Die Dinger kamen mir überhaupt nicht bekannt vor – vielleicht irgendein Nahrungsergänzungsmittel aus der Migros?

Apotheken aus aller Welt 329: Auxerre, Frankreich

Zur Abwechslung mal ein eigenes Fundstück (oder zwei): aus den Herbstferien in Frankreich. Gefunden in Auxerre.

Am besten Platz – zumindest touristisch gesehen – ist diese Apotheke gleich beim Uhrenturm:

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Einmal umgedreht und über die Strasse findet sich aber auch diese hier: mit schönem Fachwerk und hübschem Schild

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etwas weiter – und nicht ganz so spektakulär: am Place Charles Surugue:

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In begründeten Ausnahmefällen

Der Mann kommt mit einer leeren Packung Crestor und dem Wunsch „Davon hätte ich gerne wieder ein Pack.“ in die Apotheke.

Pharmama: „Sie haben sicher ein Rezept hier? Wie ist der Name?“

Mann: „Obermaier– Ich habe kein Rezept, aber ich habe von ihnen schon einmal eine Packung bekommen ohne.“

Das stimmt auch tatsächlich, wie ich dem Computerdossier entnehmen kann.

Pharmama: „Dann hat man sie sicher darauf hingewiesen, dass das eine Ausnahme war. Jetzt … wäre das keine mehr. Ich kann ihnen ohne Rezept nicht noch eine Packung geben.“

Mann: „Dann bekomme ich das hier nicht?“ (fuchtelt mit der leeren Packung)

Pharmama: „Mit Bestätigung vom Arzt schon.“

Mann: „Ich war beim Arzt. Im Juli.“

Pharmama: „Dann lassen sie ihn doch ein Dauer-Rezept faxen.“

Ich darf hier teilweise auch rezeptpflichtiges ohne Rezept abgeben. Die Zauberformel dafür heisst aber „in begründeten Ausnahmefällen“ – und wie immer gibt es dann Leute, die das ausnützen müssen, bis zum geht-nicht-mehr. Auch wenn das hier ein Cholesterin-Mittel ist und nichts was missbraucht wird: Ich finde das frustrierend. Ich hoffe, er besorgt sich jetzt auch wirklich ein Rezept … ich meine, immerhin gibt es hier auch die Option von Dauer-Rezepten, dann kann er 6 bis 12 Monate lang sein Medikament beziehen. Und hat die Sicherheit, dass alles in Ordnung ist, statt einfach selber weiterzubasteln.