Ah Bäh.

Der Kunde hält meiner Kollegin die Hand hin zur Begrüssung.

Die Drogistin nimmt die Hand (etwas erstaunt) und schüttelt sie – es ist bei uns nicht üblich, sich in der Apotheke zur Begrüssung die Hand zu geben – höchstens noch macht man das bei gut bekannten Kunden.

Der Kunde sagt dann: „Und, haben Sie mir etwas dagegen?“

Drogistin: „Gegen?“

Kunde: „Das …! „ und zeigt ihr noch einmal die Hand, die ein ziemlich übles Ekzem drauf hat.

Drogistin (leicht angeekelt): „Das schaut sich lieber die Apothekerin an.“

… ich bediene ihn dann weiter, während meine Kollegin sich nicht allzu diskret die Hände desinfizieren geht. Und ich verstehe sie gut – der Mann hat ihr die Hand nicht hingehalten wie ‚schauen Sie das mal an’ – sondern wirklich so, wie man jemandem die Hand hinhält. Ich würde sagen er hat sie reinlaufen lassen – und das war … sehr unfein.

Viel besser ging es auch bei mir nicht weiter. Wie es aussieht, war er damit schon bei verschiedenen Ärzten, keiner weiss genau, was es ist (zum Glück aber wohl nichts ansteckendes), ausprobiert hat er schon „Alles“ (Eigenaussage) – und wahrscheinlich läuft er nur darum damit von Apotheke zu Apotheke um zu schauen, was ihm empfohlen wird.

Schwarzteewickel in meinem Fall – wenn er sonst schon alles ausprobiert hat.

(Wie das geht poste ich heute mittag- für die Interessierten).

Lassen Sie mich durch, ich muss zum Gemüse!

Vom Einkaufszentrum nebenan kommt eine Mitarbeiterin in die Apotheke gerannt:

„Kommen sie schnell, da ist eine Frau vor der Gemüseabteilung umgefallen!“ 

Ich packe Handschuhe und Traubenzucker (die zwei Sachen brauche ich meistens) und spurte los. Als ich ankomme, ist schon eine Ärztin vor Ort, die wohl auch einkaufen war und bereits dabei ist, die bewusstlos am Boden liegende ältere Frau zu untersuchen. Aufgrund deren Leibesfülle hat sie ziemlich Mühe damit:

„Ich kann keinen Puls finden!“ sagt sie zu mir.

Zuerst ist unklar ob wegen der Fettschichten oder ob keiner vorhanden ist, aber als die Frau aufhört zu atmen wird die Frage überflüssig. Wir drehen sie auf den Rücken. Sie beginnt mit der Herzmassage und fragt nach Unterstützung:

„Haben Sie keine Beatmungsmasken oder einen Defibrillator?“

Doch! Rennen und holen.

Wir schliessen den Defibrillator an die Frau an. Das Ding ist wirklich super, auch wenn ich es noch nicht brauchen musste bisher. Es redet einen durch den Prozess: „Kleben Sie die Elektroden an die bezeichneten Stellen“„Kein Herzschlag vorhanden“. „Bitte zurücktreten, Schock wird ausgelöst“. „Jetzt Schockknopf drücken“ Bzzzzt! Und nochmal „Bzzzt!“

Während wir uns abmühen und die Mitarbeiter vom Kaufhaus mit Tüchern einen Sichtschutz um uns erstellen, bekomme ich nur im Hintergrund mit, wie die Kunden reagieren. Da wird natürlich versucht etwas zu sehen und herumgestanden – es passiert ja so selten etwas aufregendes. Noch mehr, als die Sanität eintrifft und einen grösseren Defibrillator mitbringt.

Und dann gibt es diesen einen Mann im Anzug, den nur eines interessiert (und das bekommen auch wir hinter dem Tuch mit): „Lassen Sie mich durch! Ich muss zu meinem Gemüse da hinten!“

Leider hat es die Frau trotz aller Bemühungen nicht geschafft. Und der Mann auch nicht – jedenfalls nicht an dem Tag zum Gemüse.

Wheee -haaa … Wheee -haaaa

„Hört sich an wie Darth Vader“ – meint mein Kuschelbär zu mir, als ich neben ihm den Inhalator auspacke (eines dieser Heisswasserdinger) und anfange.

Hat was.

Ich bin immer noch erkältet – tollerweise hat sich das offenbar von normaler Virus-Infektion zu bakterieller Nasenenebenhöhlenentzündung verschoben. Aber ich mache alle, das jetzt weg zu bekommen. Alles.

Auch wenn ich mich dann zeitenweise anhöre, wie Darth Vader.

 

Wenn Apothekenmitarbeiter Montag morgens noch nicht denken können …

Es folgt ein Gastbeitrag von der Streunern, die nicht in einer Apotheke arbeitet, aber Erfahrungen im Kundenservice hat und deshalb mitleiden kann. … und manchmal bekommt man auch Einblicke von der anderen Seite der Theke.

Zur Geschichte: es ist zwar nicht Montag, sondern Freitag, aber … das kann durchaus auch an einem anderen Tag passieren und in einer anderen Apotheke – und im schlimmsten Fall mir selber. Ganz wichtig (immer) erst Hirn einschalten, dann reden.

Heute morgen musste ich in eine unserer Ortsansässigen Apotheken um die Hausapotheke wieder aufzufüllen. Die dortige Situation die mir geboten wurde möchte ich dir gerne hier schreiben.

Ich fand es erschreckend wie wenig Apothekenmitarbeiter nachdenken manchmal! Schön wenn sie versuchen an den Geldbeutel eines Kunden zu denken. Aber doch nicht „um jeden Preis“?

Montag morgen in der Apotheke:

Ein älterer Herr (deutlich höheres Alter) kommt mit einem grünen Rezept in die Apotheke.
Er reicht der Dame hinter dem Tresen den Zettel. Sie liest vor: ACC 200 – 3-4 mal täglich aufgelöst in einem großen Glas Wasser.

Apothekendame: „Warum hat ihnen denn der Arzt nicht gleich die 600er aufgeschrieben? Das kommt doch günstiger dann für Sie?“

Herr: „Weiß ich nicht, hat der Arzt gesagt soll ich so nehmen. Is ja auch ganz schön viel was ich dann trinken muss!“

(Sollte da nicht ein AHA – Effekt auftreten bei der Dame? Schleimlöser + ältererer Herr + 3 mal täglich mit VIEL Wasser laut Arzt + Aussage dass das ja ganz schön viel zu trinken ist? )

Leider nicht….

Apothekendame: „Wenn ihnen das zu viel ist an Trinkmenge nehmen sie doch die 600er, die sind günstiger und es  reicht auch wenn Sie es in einem halben Glas Wasser auflösen!“

Ich aus dem „Off“: „Vielleicht hatte der Arzt einen Grund warum er ausdrücklich sagte 3 mal täglich mit VIEL Wasser?“
(Wie ja bekannt ist trinken grade Menschen älteren Semesters meist zu wenig und bei Verschleimungen in den Atemwegen sollte man eh viel trinken?)

Die Apothekendame schaut mich irritiert an und meint sie würde mal kurz telefonisch Rücksprache mit dem Arzt halten.
Nach wenigen Minuten kommt sie zurück und bestätigt dem Kunden das der Arzt ausdrücklich wünscht er solle die 200er 3 mal täglich mit einem großen Glas  Wasser nehmen.

Bingo!