Die falsche Anwendung (19)

Nicht von uns, aber … bemerkenswert:

Als die Scopolamin Pflaster vor ein paar Jahren ausser Handel gingen war da ein Patient, der fragte, was er sonst benutzen kann auf seiner Kreuzfahrt. Die Apothekerin empfahl ihm Kapseln mit Doxylamin. Als sie den Patienten nach den Ferien wieder sieht und ihn fragt, wie es gegangen ist, sagt der: „Schrecklich. Die Kapseln haben nicht gewirkt.“

Stellt sich heraus, dass er sie hinter das Ohr geklebt hat – wie vorher die Pflaster.

Mehr nicht wirklich korrekte Anwendungen?  (die meisten kürzer …)

Die falsche Anwendung 1Die falsche Anwendung 2Die falsche Anwendung 3,

Die falsche Anwendung 4Die falsche Anwendung 5Die falsche Anwendung 6,

Die falsche Anwendung 7,  Die falsche Anwendung 8,  Die falsche Anwendung 9,

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Die falsche Anwendung 16Die falsche Anwendung 17, Die falsche Anwendung 18

Apotheken aus aller Welt, 523: Ürümqui und Xiahe, China

Danke an Nadya, die inzwischen aus China zurück sein sollte – meine Eltern sind übrigens im Moment grad dort, drum passt das hier gut – auch wenn sie wegen der Zensur das wohl erst nach ihren Ferien sehen werden …

letztes Jahr schickte ich dir ein Apotheken-Bild aus der Stadt, in der ich gerade meinen Freiwilligendienst absolviere (Jiuquan, Gansu-Provinz, Nordwestchina). Ich weiß also, dass du schon Bilder aus China hast, liefere Dir heute aber dennoch zwei weitere:

Eins aus Ürümqi, Hauptstadt der autonomen Provinz Xinjiang; eins aus Xiahe, heute Gansu-Provinz.

ueruemqui

Ürümqi dürfte durch die dort lebende Minderheit, den Uiguren, und zahlreichen Anschlägen auf öffentliche Plätze bzw. Bahnhöfe, wie z.B. auf dem Platz des Himmlischen Friedens, in Kunming, Guangzhou oder Ürümqi selber, bekannt sein.
Der obere Schriftzug ist Uigurisch, einer türkisch-stämmigen Sprache, und der untere Chinesisch (Mandarin).

ueruemqi1

Xiahe ist eine Klosterstadt, in der viele Tibeter leben, und ein bedeutender Pilgerort für tibetische Buddhisten. Der rote Schriftzug ist Tibetisch, der mittlere Mandarin. Unten steht pinyin.

Wieso die beiden Bilder? Ürümqi gehört zu China, Xiahe auch, aber dennoch taucht man dort in ganz anderen Kulturen und Sprachen unter. Das Bild des Chinesen, das man in Deutschland hat, ist das eines Han-Chinesen. Die Uiguren und Tibeter sind beides Minderheiten, die per Definition auch Chinesen sind, sich aber selber selten als solche definieren. In beiden Orten musste ich feststellen, dass viele Leute kein Mandarin sprechen – dabei war ich doch immer noch in China.

Angewandte Wechselwirkung

Die ältere Kundin kommt beunruhigt mit den Ovestin Ovula zurück, die der Arzt auf dem letzten Rezept verschrieben hat.

„Ich habe die Packungsbeilage gelesen“ fängt sie an …

Oh weh. Eigentlich ist das ja etwas Gutes, zeigt es doch Eigenverantwortung … nur finde ich, sind inzwischen die Packungsbeilagen derart kompliziert (mal abgesehen von: winzig geschrieben, unübersichtlich, ein Origami-Kunstwerk), dass sie der Interpretation eines Fachmanns (oder – frau) bedürfen. So auch hier.

Frau: „Da drin steht unter Wechselwirkungen…“

Und sie holt die Packungsbeilage hervor, in der das zu lesen ist:

Gewisse Krankheiten können sich unter der HRT verschlechtern: Epilepsie,… Teilen Sie Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin mit, wenn sich etwas an Ihrem Zustand ändert während Sie Ovestin Ovula anwenden …

„Und da!:“

Anwendung anderer Arzneimittel

Andere Arzneimittel können die Wirkungen von Ovestin beeinflussen oder Ovestin kann sich auf andere Arzneimittel auswirken. Sie müssen Ihren Arzt oder Apotheker bzw. Ihre Ärztin oder Apothekerin informieren, wenn Sie andere Arzneimittel anwenden oder beabsichtigen anzuwenden, wie z.B.:

Arzneimittel gegen Epilepsie (z.B. Barbiturate, Hydantoine und Carbamazepin),

 „Ich nehme doch Tegretol, das ist doch auch ein Antiepileptikum, oder?“

Pharmama: „Ja, das ist das Carbamazepin. ABER … schauen Sie, ich habe noch ein bisschen mehr Information zu den Medikamenten in der Fachinformation dazu. Und da steht drin:“

Die meisten hier erwähnten Risiken wurden mit Präparaten zur Hormonersatztherapie festgestellt, welche auf den ganzen Körper wirken, z.B. zur Behandlung von Hitzewallungen. Das Risiko bei der Anwendung von meist lokal wirkenden Präparaten wie Ovestin Ovula bzw. für den Wirkstoff Estriol ist weniger gut bekannt. Eine sorgfältige Abwägung des Nutzens und der Risiken und eine ärztliche Überwachung vor bzw. im Laufe der Therapie sind unerlässlich.

Pharmama: „Das bedeutet, dass das Problem mit den Wechselwirkungen vor allem mit den Hormonen, die man einnimmt auftritt. Sie bekommen sie aber als Vaginalzäpfchen – da wirken sie mehr lokal … am Ort. Und dann sollten wir auch noch schauen, worum es sich bei der möglichen Wechselwirkung hier handelt. Da steht:“

Der Metabolismus der Östrogene kann erhöht sein, wenn gleichzeitig Induktoren des Cytochroms 3A4 verabreicht werden. Dies gilt beispielsweise für Antiepileptika (z.B. Hydantoine, Barbiturate, Carbamazepin) und bestimmte Antiinfektiva (z.B. Griseofulvin, Rifamycine, die antiretroviralen Wirkstoffe Nevirapine und Efavirenz).

Pharmama: „Da haben die Antiepileptika wohl einen grösseren Einfluss auf die Hormone als umgekehrt– Tegretol (Carbamazepin) ist ein Enzyminduktor … also werden die Hormone schneller abgebaut. Das ist nicht so schlimm.“

Ich konnte sie also beruhigen und ihr versichern, dass sie das Medikament anwenden kann. Sie solle es dem Arzt nur melden, falls sie doch eine Veränderung feststellen würde.

Verwirrenderweise steht in der Fachinformation dann noch dieses (das habe ich bei der Besprechung aber auf der Seite gelassen, sie war schon beunruhigt genug):

In der klinischen Praxis gibt es keine Beispiele von Interaktionen zwischen Ovestin und anderen Arzneimitteln. Obwohl nur limitierte Daten vorliegen, sind Interaktionen zwischen Ovestin und anderen Arzneimitteln möglich.

Möglich, Wahrscheinlich, Falls, Konjunktive noch und noch. Man sichert sich als Medikamentenhersteller ab gegen Wahrscheinlichkeiten. Auch kleine.

Sie verträgt die Ovestin übrigens gut.

Wie kommt’s an?

bookcovereinmalInzwischen haben diejenigen von Euch, die mein Buch schon bestellt haben, es sicher bekommen und die Gelegenheit gehabt, es anzuschauen.

Und ich bin immer noch gespannt: Wie kommt’s an?

Die erste Rückmeldung habe ich schon: Von Psychiatrie to go – über die Kindle Version („Einmal täglich – Essentials. Für Kindle“) Danke sehr!

Und PharmOma hat diesmal die Erstausgabe des Taschenbuchs „Einmal täglich“ bekommen – und konnte die paar Tage bis zu ihrem Geburtstag nicht warten :-). Ihr Bescheid: „Heh, das ist gut! Bestellst Du mir noch ein paar? Die eignen sich gut zum verschenken!“ Mach ich.

Aber auf Rezensionen bei Amazon warte ich noch.

Um das ein bisschen anzukurbeln, hier ein Angebot:

Für jede Rezension des Buches (egal welche Version) bei Amazon bekommt der Schreiber oder die Schreiberin von mir eine persönliche Postkarte (samt handgemaltem Bild). Einfach Bewertung abgeben, etwas dazu schreiben … es ist Euch überlassen, was. So wie ihr das Buch halt findet … Und mir per mail an Pharmama08(at)gmail.com den Link zur Bewertung und die Adresse schicken, an die die Postkarte soll.

Wer keine Rezension bei Amazon schreiben will, aber vielleicht eine auf seinem Blog etc. veröffentlicht, darf das natürlich auch – und ich bringe /verlinke das gerne hier.

Kochen (Backen) mit Junior: Brownies

Es ist Sonntag, wir nähern uns rasant den Festtagen und hier kommt ein Rezept, das man auch unterhalb des Jahres gut machen kann – als Mitbringsel zu Parties etc. Ich habe das Rezept vor einigen Jahren von Drogistin Sabine bekommen, nachdem sie es als „bestes Brownie-Rezept überhaupt“ betitelt hat … und gleich noch den Beweis dafür in Form eines Bleches zum Geburtstag nachgeliefert hat.

Hier also: das beste Brownie Rezept überhaupt

reicht für: ein grosses Blech und eine Menge Personen

nicht geeignet für Leute auf Diät.

Man braucht:

brownies1

  • grosse Pfanne,   Backblech eingefettet
  • 200 g Margarine
  • 800 g Blockschokolade
  • 500g Zucker
  • 8 Eier
  • 2 Prisen Salz
  • 8 Esslöffel Wasser
  • 2 Päckli Vanillezucker
  • 300g Mehl
  • 1-2 Päckli Haselnüsse (oder Mandeln, oder Baumnüsse etc.) ganz oder gehackt

In der Pfanne schmilzt man Margarine und Blockschokolade, dann Pfanne vom heissen Herd nehmen

gibt den Zucker dazu und mischt

gibt die Eier, das Salz, das Wasser und die Vanillezucker dazu, mischt

gibt das Mehl dazu (jetzt wird’s zäh und Junior braucht Hilfe) und mischt

gibt die Nüsse dazu, untermischen

brownies2

 

Jeglichen Versuchungen das Zeug gleich aus dem Topf zu essen widerstehen …

Die Masse verteilt man gleichmässig im gefetteten Backblech und backt es im vorgeheizten Ofen bei 200-220°C auf der 2.untersten Rille während ca. 30 bis 40 Minuten.

Die Zeit hängt dabei sehr von der Blechhöhe und dem Backofen ab – also zwischenzeitlich kontrollieren! Die Brownes sollten innen immer noch feucht sein. Eventuell empfiehlt es sich, die letzten 10 Minuten nur auf Unterhitze zu stellen.

Die noch warmen Brownies schneidet man in Würfel (wichtig, da sie nachhärten, dann wird es später schwierig). Abkühlen lassen (wenn man kann – Junior konnte fast nicht, aber sie sind auch warm sehr fein!)

brownies3

Fertig!

Ebola und das Patientengeheimnis

Das Thema ist bei mir aktuell … das Patientengeheimnis. Ich habe darüber schon verschiedentlich geschrieben.

Was mir bei der Ebola-Berichterstattung auffällt: Da schreiben viele Medien nicht nur Krankenschwester neuster Ebola Fall in XY, oder Hilfsarbeiter hat sich in ABC angesteckt, wird in DEF behandelt … sondern da wird gleich noch ein Name dazu geliefert und in einigen Fällen sehen wir sogar Fotos von der erkrankten Person.

Was ist damit? Fallen diese Fälle auf einmal, weil Ebola eine „gefährliche Krankheit mit Pandemierisiko“ ist nicht mehr unter das Patientengeheimnis?

Es gibt eine Liste von Krankheiten, die gemeldet werden müssen (siehe Wikipedia Artikel hier, da ist auch Ebola drauf). Aber das gilt für Meldungen an Behörden (Gesundheitsamt) – bis auf die statistischen Auswertungen und eventuell getroffenen Massnahmen wie Information über einen erneuten Masernausbruch oder neueingeführte Hygienerichtlinien in den Spitälern bekommt die Öffentlichkeit das nicht mit.

Und jetzt? Eine neue (naja, nicht wirklich, aber lassen wir das mal so stehen) schreckliche Erkrankung hat die Chance sich auszubreiten und da hat die Öffentlichkeit und einfach jeder auf einmal ein Recht auf die Namen der betroffenen Personen?

Mir stösst das sauer auf.

Natürlich tritt das jetzt auf, weil es einzelne Fälle sind. In Ländern, wo das eingeschleppt wird. Von den paar Tausend schon Erkrankten (und  man rechnet demnächst mit 1000 pro Woche mehr) in den bisher betroffenen Ländern hört man dafür immer weniger.

Trotzdem? Was soll daran gut sein? Das ist eine zusätzliche Belastung für die betroffenen Erkrankten – und ihre Familien, auf die sich die Medien teils stürzen. Es hilft niemandem – es geht nicht (mehr) darum, die Kontaktpersonen und eventuellen Neuinfizierten zu finden. Das kann man auch durch Befragen des Patienten und indem man die Wege nachvollzieht, die er gemacht hat.

Ist das reine Öffentlichkeitsarbeit für eine Pandemievorsorge um der Erkrankung ein „Gesicht“ zu geben? Auch wenn – das passiert auf dem unwilligen Rücken der betroffenen Personen, die auch nichts für ihre Ansteckung können und hoffentlich wieder genesen.

Ich weiss es nicht, aber … ich finde das bedenklich.