Vom wilden (füg‘ ein Tier ein) gebissen.

Heute war der Tag der Tierbisse. Normalerweise habe ich das ein, zwei Mal im Jahr, dass ich damit zu tun habe, aber heute hat sich die Reihe der Drei voll erfüllt.

Nummer 1:  Frau, in den 20ern: „Wie lange muss ich nach der Tollwutimpfung warten, bis ich wieder Sport treiben kann?“

Das ist … interessant. Ein bisschen Nachfragen bringt folgendes heraus: Sie wurde in den Ferien von einem Affen gebissen … worauf man ja dann gerade 24 Stunden Zeit hat, sich um die Tollwutimpfung zu kümmern, wenn man die nicht vorher schon gemacht hat. 24 Stunden … danach ist es meist zu spät. Tollwut, wenn man sie eingefangen hat, endet auch heute noch tödlich – man kann sich also die Odysee vorstellen, die man nach einem Biss vor sich hat: meist in einem Land, wo die Gesundheitsversorgung eher suboptimal ist, nach einer Klinik zu suchen, die den Tollwutimpfstoff auch wirklich an Lager hat, respektive den rechtzeitig besorgen kann.

Danach ist es mit einer Impfung auch nicht getan, man impft an den Tagen 0, 3, 7, 14, 30 … so auch bei ihr. Inzwischen ist sie aus den Ferien zurück und hat gerade die letzte Impfdosis hinter sich, aber es wurde ihr gesagt, dass sie danach kein Sport treiben soll – nur nicht für wie lange. Ich musste nachschauen. In der Packungsbeilage steht davon gar nichts. Im Internet findet man Empfehlungen, dass man für eine Woche danach auf Sport verzichten soll, weil für den Körper die Impfung eher anstrengend sei. So ganz sehe ich das nicht ein, aber – wenn sie sichergehen will: 1 Woche also.

Nummer 2: Wild aussehender Mann, der schon häufiger mit (amüsant-)bizarren Anfragen für Sachen gekommen ist, weil er ziemlich ausgefallene Hobbies hat – der wäre einen eigenen Blogpost wert. Offenbar arbeitet er auch in einem Aquarium. Denn heute zeigt er mir seinen verbundenen, noch ziemlich blutigen Daumen und will Verbandsmaterial, weil er „von einer Muräne gebissen“ worden ist.

Originalzitat: „Dafür hat sie heute nichts mehr zum Abendessen bekommen … man beisst nicht die Hand, die einen füttert.“

Mit ihm habe ich noch eine Weile diskutiert, da ich der Meinung bin, dass er zumindest die Tetanus-Impfung noch machen sollte, wenn er schon nicht weiss, wann die letzte war und er mit Tieren arbeitet.

Nummer 3: Zu Hause im Internet stosse ich noch auf das Bild:

orcabiss

Darin sieht man eine Liste von Fallnummern – die brauchen in den USA offenbar die Ärzte zum Abrechnen mit den Krankenkassen (ähnlich wie bei uns die Tarmed?)

… und da gibt es unglaublich bizarre darunter, wie die hier: durch Orca gebissen, Erstkontakt.

Orca ist ein Killerwal. Ich stelle mir vor, dass das nicht ganz einfach ist: erstens gebissen zu werden und zweitens so wenig, dass sich das noch lohnt, das zu behandeln … Und: würde es da nicht reichen: Tierbiss zu schreiben?

Tierbisse sind übrigens nicht ganz ungefährlich. Auch ein normaler Katzenbiss oder Hundebiss gehört zum Arzt, da das fast sicher Antibiotika braucht: gerade Katzen haben sehr spitze Zähne, wodurch Bakterien (anaerobe, also solche, die keinen Sauerstoff brauchen und oft hässlich sind) bis tief ins Gewebe kommen und sich dort vermehren. Und Menschenbisse sind nicht viel besser. Nur so.

Retax auf schweizerisch?

Die Krankenkasse schickt mir einen Brief im furchtbarsten Beamtendeutsch, worin sinngemäss steht:

Blutzuckerteststreifen sind Hilfsmittel, die gemäss der Mittel-und Gegenstände-Liste (MiGeL) abgegolten werden – sie sind aber auch auf der Liste 20, 21 (oder so etwas) und deshalb in der Pauschale enthalten, die das Altersheim von der Krankenkasse bekommt

… Und dass deshalb die  Apotheke von der Krankenkasse in diesem Fall kein Geld für die Abgabe dieses Mittels auf Rezept für Herrn Meier S.  bekomme.  Danke für die Kenntnissnahme. Tschüss.

Was? Nach mehrmaligem Lesen verstehe ich endlich das: Der Patient, Herr Meier S. wohnt im Altersheim und sollte alles via/über Altersheim beziehen, was dann in Form einer festen Pauschale abgegolten wird.

Das hat er aber nicht. Er war hier in der Apotheke mit gültigem aktuellem Rezept vom Arzt und aktueller Krankenkassenkarte.

Und ich soll jetzt wissen (wahrscheinlich anhand der Adresse, die auf der Karte gespeichert ist), dass diese Hausnummer ein Altersheim ist?!?

Entweder ich mache eine Liste aller Altersheime in der Umgebung oder der Schweiz, oder vielleicht sollte ich anfangen jeden ab einem gewissen Verdachtsalter zu fragen: „Entschuldigen Sie, wohnen Sie schon im Altersheim, denn dann kann ich Ihnen das nicht geben … ??“

Gaht’s no?!?

(Natürlich werde ich mich dagegen wehren – So was fangen wir gar nicht erst an!)

 

Die Freundin hat’s empfohlen

Der Lehrling kommt fragen, weil eine Kundin ein Produkt bestellen will, dass sie nicht im Computer findet.

Ich kenne den Namen (es ist dasselbe, wie dies hier) – am liebsten würde ich selber nach vorne kommen, aber ich bin beschäftigt – ich warte am Telefon auf die Antwort des Arztes und lasse mich mit Wartezimmer-Musik berieseln.

Deshalb informiere ich sie telegrammässig über das Produkt:

„Mittel aus China, bekommt man nur via Internet – Warte! (bevor sie wegläuft) „wenn ich mich recht erinnere, ist das Mittel sogar verboten.“

Ich höre immer noch Wartemusik, also googel ich es schnell nebendran und : „Ja, das ist immer noch so. Das Zeug zum abnehmen ist nicht pflanzlich, wie angegeben, es enthält einen Stoff, den sie vor ein paar Jahren wegen übler Nebenwirkungen aufs Herz ausser Handel genommen haben. Der Vertrieb ist verboten.“

Der Lehrling geht.

Nach dem Telefon sehe ich sie wieder. Sie grinst etwas.

„Ich habe ihr gesagt, dass ich das Mittel nicht bestellen kann und ob ich ihr etwas anderes anbieten darf.

Sie meinte, ihre Freundin hat es ihr empfohlen und sie will versuchen es woanders zu bekommen.

Dann habe ich ihr das gesagt mit dem gefährlichen Wirkstoff und dass es darum illegal sei, das zu importieren oder zu verkaufen. Darauf war sie wirklich entsetzt und meinte : ‚oh, na dann ist das wirklich nichts für mich… und das hat sie mir empfohlen? Also … so gut kenne ich sie auch wieder nicht …’ „

Lückenbüsser für den Postversand?

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„Meine Medikamente, die ich sonst per Post bekomme, sind nicht angekommen, wie sie sollten. Mein Arzt hat gesagt, ich kann einfach in der Apotheke eine Packung holen gehen.“

… Ja. Und ganz so einfach ist es dann auch nicht. Dann darf man das Rezept dafür besorgen und die Krankenkasse in Erfahrung bringen und das alles natürlich möglichst in kurzer Zeit, weil er die Medikamente jetzt gleich braucht  … sonst wäre er ja nicht bei uns!

Mitgehört: das Analgetikum

Mitgehört. 2 junge Männer im Zug:

Junger Mann 1: „Ich mag die Dafalgan nicht. Sie funktionieren nicht und sie machen, dass mein Hintern juckt!“

Junger Mann 2: „Was meinst Du damit, Dein Hintern juckt?“

Junger Mann 1: „Er beisst halt. Der Apotheker hat gesagt das ist ein Analgetikum.“

Junger Mann 2: „Weißt Du was das bedeutet?“

Junger Mann: „Ich weiss zumindest, was Anal heisst!“

:-)

Bei Medikamentennamen höre ich automatisch hin. Das ist auch eine Berufskrankheit. Und nach dem Austausch musste ich mich so zusammenreissen, damit ich nicht laut lache, dass ich den Rest nicht mehr mitbekommen habe.