Die „falsche“ Frage …

„Können Sie herausfinden, wieviel Prozentig die Salpetersäure noch ist?“

Die Frau um die 50 stellt mir eine Flasche Acidum nitricum 65% auf den Tisch und fährt gleich weiter:

„Ich benutze die zur Schmuck-herstellung und in der letzten Zeit ist sie nicht mehr gleich … wirksam wie auch schon.“

Pharmama: „Ja. – Wieviel wollen Sie denn dafür zahlen?“

Frau: „Wie meinen Sie?“

Pharmama: „Ich kann es herausfinden. Dazu müsste ich wohl eine Säuretitration machen. Das braucht diverses an Material und viel von meiner Zeit, ist aber theoretisch möglich. … Günstiger wäre es allerdings wohl, einfach eine neue Flasche zu kaufen und uns diese hier entsorgen zu lassen.“

Frau: „Wieviel kostet 1 Liter?“

Pharmama: „Etwa 22 Franken.*“

Frau: „Ui. Und was verlangen Sie für die Analyse?“

Pharmama: „Hmmm … angesichts der Tatsache, dass ich da ein paar Stunden beschäftigt bin – mindestens 40 Franken. Dazu kommen aber noch die Analyse-Chemikalien … “

Frau: „Ich nehme eine neue Flasche!“

Gute Entscheidung.

(*hängt mich nicht an den Preisen auf – das sind hier Schätzwerte)

Frag‘ nicht.

Kundin zur etwas molligeren Kollegin: „Kann ich Sie was fragen?“

Drogistin: „Sicher.“

Kundin: „Sind sie schwanger?“

Drogistin: „Nein.“

Kundin: „Oh, keine Sorge, Fräulein. Mein Bauch sieht manchmal auch so aus.“

(Und es wäre gut gewesen, wenn sie damit gestoppt hätte, aber – nein.)

Kundin: „Ich werde dafür beten, dass sie Schwanger werden.“

Drogistin: „Oh, Nein. Bitte nicht.“

verschrumpeltes Etwas

Beim abstauben fällt meiner Drogistin diese Deo-Packung auf. Irgendwie findet sie sie zu leicht, also öffnet sie sie. Und findet das hier:deodry

Was ist da passiert?

Ausgetrocknet, würde ich sagen. Allerdings nicht von der langen Lagerung bei uns: der Stift wurde erst einen knappen Monat vorher das letzte Mal bestellt beim Grossisten. Blöd, dass das beim Wareneingang nicht aufgefallen ist. Den neuen werden wir auf jeden Fall genau anschauen. :-(

Überschäumende … Freude?

Soda Stream macht im Moment wieder viel Werbung hier. Ich bin nicht mehr so ein Fan von dem System. Die Idee ist gut: man nehme gewöhnliches Wasser und füge Kohlensäure hinzu, so dass man Blöterliwasser bekommt. Spart einem die Schlepperei von Flaschen nach Hause, speziell, wenn das Hahnenwasser doch qualitativ recht gut ist.

Man kauft das Gerät und die erste Flasche Gas relativ teuer (faktisch bezahlt man für die Gasflasche ein Depot) und bekommt die nächsten Flaschen im Umtausch günstiger.

Inzwischen ist es allerdings so, dass man das Depot nicht mehr zurückbekommt. Also wenn man irgendwann mal das nicht mehr will und die letzte Flasche zurückbringt. *Das* Geld ist verloren. Selbst die Firma gibt einem das nicht mehr.

Dann ist das Material dafür auch für uns recht schwierig zu beschaffen. Es muss fast alles direkt bestellt werden. Das dauert dann immer ziemlich lange und die Sirupe die es dazu gibt haben wir aus Mangel an Nachfrage aus dem Sortiment genommen, ein paar Monate nachdem wir auch entschlossen haben keine Geräte mehr zu führen.

Jedenfalls kommt ein Mann mit so einem Soda-Gerät zu uns. Ein ziemlich älteres Modell -10 Jahre vielleicht?… und er selber (auch ein älteres Modell) ist reichlich ungehalten.

„Vor ein paar Monaten schon habe ich via Euch das Gerät einschicken lassen, weil es kaputt war. Und jetzt geht es wieder nicht!“

Pharmama: „Was geht denn nicht?“

Mann: „Es geht halt nicht!“

Pharmama: „Hmmm – ich kenne mich nicht so aus mit den Geräten, könnten Sie es mir zeigen, was sie machen?“

Mann: „Grrr. Klar.“

Er baut das Gerät vor mir auf und zieht eine der Gasflaschen aus der Tasche. Ich nehme sie in die Hand, während er das Gerät hinten öffnet.

Ich wiege die Flasche in der Hand. Mit den Geräten kenne ich mich wirklich nicht sehr aus, aber die Flaschen habe ich noch ab- und zu in den Händen …. und diese hier….

„Die Flasche ist leer, glaube ich.“

Mann: Was? Nein! Das kann nicht sein. Die ist erst ein paar Wochen alt.“

Ich drücke oben auf das Ventil. Das mache ich noch ab und zu bei den Flaschen, die retourniert werden, das „pfüpft“ dann immer ein bisschen, weil meist noch Reste Gas drin sind. Bei der hier: gar nichts.

Pharmama: „Doch, ich glaube, die ist leer.“

Mann: „Geben Sie die her!“

Er baut sie ein. Wir füllen eine Flasche mit Wasser, spannen sie ein. Drücken den Knopf oben und es passiert – nichts.

Eben.

Pharmama: „Ich denke wirklich, die ist leer.“

Mann: „Dann machen Sie halt eine von ihren auf zum schauen.“

Klar. Ich öffne eine. Er dreht sie rein. Drückt den Knopf.

Pfschschhschhtt!

Es funktioniert.

Der Mann kann das gar nicht glauben. Und drückt gleich noch ein paar Mal drauf.

Pfschschhschhtt! Pfschschhschhtt! Pfschschhschhtt!

Wasser sprudelt auf und über … und läuft quer über unseren Tisch, was ihn dazu veranlasst zu reklamieren:

„Da läuft unten an der Maschine Wasser raus!“

(No shit Sherlock!)

Pharmama: „Jaa – ich glaube die Flasche war etwas voll …  und wenn man mehrmals drückt …“

Ich hole Papierhandtücher zum aufwischen der Sauerei.

Pharmama: „Mit der neuen Patrone scheint das zu funktionieren. Ich würde es mal damit versuchen. Falls das nicht weiter klappen sollte, kommen sie noch einmal zurück, dann müssen wir das Gerät halt doch noch einschicken.“

Mann: „Dann geben sie mir eine neue Gasflasche“

Pharmama: „Ich denke, mit derjenigen, die ich grad vorher aufgemacht habe für Sie geht es.“

Er bezahlt sie (noch mehr grummelnd) und zieht wieder ab.

Bitte! Ich bin froh, konnte ich helfen!

Entscheidungsunfreudig

Laaang – ich will, dass ihr meinen Schmerz fühlt.

Herein kommt eine alte Frau mit einem Rollator und mit ihrer – ich nehme jetzt mal an Betreuerin. Anstatt dass sie zur Kasse vorgeht – wo wir Stühle auf der Seite haben, richtet sie sich mit ihrer Tasche vorne ein. Ja – diese Rollatoren sind noch praktisch, da hat man überall auch einen Sitz mit.

Zuerst hat sie Donna, die Pharmaassistentin, bis die mich holen kommt, weil sie unbedingt eine Apothekerin will.

Alte Frau (aF): „Parla italiano?“

„Nein,“ sage ich. „Scusi.“ Wenn sie das wollte, hätte sie bei Donna bleiben sollen.

(aF): „Ich hätte gerne Vitamine.“ – sagt sie. In gutem Deutsch übrigens.

Ich zeige ihr, was wir haben.

(aF): „Sind die von Dr. Irgendwas?“

Pharmama: „Nein. Der Name sagt mir auch nichts.“

Die Frau schaut mich an – die Betreeuerin „übersetzt“ für mich. Tatsächlich sagt sie dasselbe einfach in lauter … die Frau scheint etwas schwerhörig zu sein. Von jetzt an wiederholt die Betreeuerin, auch wenn ich lauter werde alles, was ich sage …

(aF): „Ah, Ich möchte die, weil die natürlich sind.“

Ich zeige ihr andere, ebenfalls auf natürlichen Quellen basierende Vitaminpräparate. Dabei hilft mir die Betreeuerin beim Erklären (hauptsächlich beim Wiederholen desselben).

Inzwischen kommen andere Kunden herein. Jetzt sind alle beschäftigt mit Beraten.

(aF): „Die da, wieviel kosten sie?“

Pharmama: „57.10 – für 100 Stück.“

„57.10“ sagt die Betreeuerin „– für 100 Stück.“

(aF):  „Oh, das ist viel. Gibt es die nicht kleiner?“

„Schon“, sage ich „aber die habe ich nur in der Grösse da. Wenn sie wollen, kann ich ihnen die kleine Packung bestellen. 50 Stück kosten da 29 Franken.“

Betreuerin: „Sie haben nur diese Grösse hier – die kleine Packung kann sie bestellen, die kostet 29 Franken.“

(aF):  „Oh, bestellen? Nein, das will ich nicht.“

Ein weiterer Kunde kommt herein.

Betreeuerin: „Dann wollen sie die Grosse Packung zu 57 Franken?“

(aF):  „Ja, die grosse Packung.“

Ich gehe nach Hinten zur Kasse, lese sie ein. Gehe wieder nach vorne. Die Frau ist dabei im Geldbeutel nach Geld zu knübeln. Sie hält mir 20 Franken hin.

Pharmama: „Nein, die grosse Packung kostet 57 Franken.“

Die Frau wühlt in ihrem Geldbeutel (in dem auch eine Tausendernote schwimmt) und mehr. Zögert aber.

Eine weitere Kundin gesellt sich zu den bereits wartenden.

(aF): „Nicht 27 Franken?“

Pharmama: „Nein, das ist für die kleine Packung. „Wollen sie lieber, dass ich die bestelle?“

Betreeuerin: „Soll sie ihnen die kleine Packung bestellen?“

(aF): „Ja.“

Ich gehe nach hinten, storniere den Verkauf, mache eine Bestellung, muss wieder nach vorne:

Pharmama: „Wie ist ihr Name und die Telefonnummer?“

Betreeuerin: „Sie braucht ihren Namen und die Telefonnummer.“

(aF): „Belli – aber sie sollen mich nicht anrufen.“

Pharmama: „Kein Problem, aber dann müssen sie es jetzt gleich bezahlen, wenn ich das bestellen soll.“

(aF): „Bestellen? Haben sie die nicht hier?“

Ich bin jetzt bald am Verzweifeln. Noch ein Kunde kommt herein, meine Kolleginnen haben ihre Kunden verabschiedet und übernehmen die nächsten, aber es warten immer mehr …

Betreeuerin: „Nein, nur die grosse Packung. Wollen sie doch lieber jetzt die grosse?“

(aF): „Ja …“

– ich nehme sie in die Hand zum zeigen.

(aF): „Nein …“

ich stelle sie wieder hin …

Betreeuerin: „Die grosse Packung kostet 57 Franken – diese hier. Die kleine Packung ist nicht hier, die müssen sie bestellen, die kostet 27 Franken.“

Die Frau schaut uns nur an.

Inzwischen sind sowohl die Betreeuerin als auch ich am Verzweifeln, auch weil inzwischen 8 Personen da stehen, 4 mit Rezepten – die bedient werden wollten … die kontrolliert werden müssen – von mir … wenn sich Frau Belli nur entscheiden würde.

Nur die rührt sich nicht.

Die Betreeuerin erlöst mich: „Ich glaube, sie will im Moment doch nichts.“

Pharmama: „Okay. Danke vielmals für ihren Besuch – auf Wiedersehen!“

Und dann bin ich geflüchtet um rasch den anstehenden Haufen ab zu arbeiten.

Ich brauch‘ Ferien!

Shopping List

 

von enormer Wichtigkeit, wenn man den Mann losschickt, etwas besorgen ist, es deutlich aufzuschreiben, damit er auch das richtige nach Hause bringt.

Zum Beispiel so:einkaufsliste

 

Gut, ich weiss, was da alles gemeint ist.

Du auch?

(Ausser vielleicht bei dem hochkant geschriebenen … heisst das Ectoplasma? :-) )