Ein normaler Samstag (das neue Normal)

Junge Frau in der Apotheke: „Machen Sie hier Covid-Tests?“ – die Art der Fragestellung zeigt mir schon, wo es hingeht.
Pharmama: „Machen nicht, wir geben Selbsttests ab, die sie zu Hause machen können.“
Junge Frau: „Was ist der Unterschied?“
Pharmama: „Einfacher, nicht so genau – die Selbsttests sollte man nicht machen, wenn man Beschwerden hat.“
Junge Frau: „Zählen die dann auch?“
Pharmama: „Für was?“
Junge Frau: „Nun, ich bin aus einem Risikoland zurückgekommen und es heisst, wenn ich nach 7 Tagen testen lasse, dann kann ich bei negativem Test früher aus der Quarantäne.“
(Notabene: sie hat sich eigentlich schon selber aus der Quarantäne entlassen, wenn sie hier bei mir in der Apotheke steht)
Pharmama: „Nein, das ist nicht der Selbsttest, das ist der Schnelltest oder der PCR in der Klinik. Es gibt ein paar Apotheken, die auch testen, aber sie müssen sich vorher anmelden – und nicht einfach hingehen. Hier sind die Kontaktdaten der nächsten Apotheken.“

Mittelalter Papa mit Mädchen (MiaPapamiMä) im Kindergartenalter -das ohne Maske- in der Apotheke: „Haben Sie etwas gegen Husten für mein Kind?“
Pharmama: „Wie alt ist das Kind? Hat es weitere Beschwerden?“
MiaPapamiMä: „Knapp 2 Jahre, er hustet jetzt schon 2 Tage und hat auch Fieber um die 38 Grad.“
(Also nicht das Kind, das hier steht, aber … Husten und Fieber?)
Pharmama: „Ich kann ihnen etwas gegen das Fieber geben, aber in dem Alter gehört Husten beim Arzt abgeklärt, damit er etwas verschreibt – momentan kann es ja auch Covid sein…“
MiaPapamiMä: „Huh? Das glaube ich eher nicht.“
(Weshalb? Hat er den Testblick? … natürlich kann es auch eine normale Erkältung sein, die sehen wir inzwischen auch wieder, aber wenn ich mich so umsehe, würde ich dem eine 50:50 Chance geben.)
Ich gebe ihm den Fiebersaft und den Rat, das am Montag beim Arzt abklären zu lassen – oder vorher, falls es schlechter wird. Und: „Brauchen sie noch ein paar Selbsttests? Damit können sie sich schon mal testen….“

Frau kommt in die Apotheke – ich stehe mit Maske hinter der Plexiglasscheibe. Als sie auf mich zukommt, muss sie niesen …. und zieht sich dafür die Maske von der Nase. Nicht nur das – sie niest auch nicht in ihre Ellbeuge, sondern in die Hand. Die Hand, mit der sie mir dann (Maske wieder hochgeschoben) das Rezept reicht.
Oh Mann. Wie lange haben wir jetzt diese Pandemie und „lernen“ die klassischen Hygienemassnahmen? Nicht in die Hände niesen, Hände häufig waschen, Maske tragen …? Mich wundert fast nix mehr. Man folgt vielleicht den Buchstaben, aber nicht dem Sinn der Vorschriften. Und im Supermarkt gegenüber steht die Flasche zum desinfizieren der Griffe von Einkaufswagen oder Korb weitgehend unbeachtet da und ich bezweifle stark, dass sie tatsächlich täglich mehrmals von den Angestellten desinfiziert werden.
Ich dafür lege nach der Begegnung gleich noch einmal eine Extrarunde alle Oberflächen vorne desinfizieren ein.

Mann: „Kriegt man bei ihnen die Selbststests?“
Pharmama: „Ja – haben Sie mir die Krankenkassenkarte?“
Mann: „Hier ist meine. Für meine Frau und 5 Kinder nehme ich auch gleich mit.“
Pharmama: „Die Krankenkassenkarten?“
Mann: „Für die habe ich sie nicht dabei. Können sie ja nachschauen, es sollte dieselbe Kasse sein.“
Pharmama: „Nein, bringen sie einfach das nächste Mal die Karten mit, dann können sie die Selbststests für sie holen.“
Mann: „Was für ein mieser Service.“
(Kein Stammkunde, die Apotheke am aktuellen Maximalfüllstand mit anderen wartenden Patienten, überall wird informiert, dass man die Karte dabei haben soll …. mein Gewissen ist rein.)

Abends wird es laut gegenüber im Supermarkt: die junge Frau wirft dem alten Mann mit Rollator vor, dass er doch bitte auch eine Maske anziehen soll.
Er: „Ich kann keine Maske tragen und ich will auch nicht!“
(Ich kenne ihn. Er ist ein Sturkopf und kann recht aggressiv werden, wenn ihm etwas nicht passt. Einen echten medizinischen Grund keine Maske zu tragen hat er allerdings nicht.)
Sie echauffiert sich – „Genau wegen Leuten wie Ihnen muss ich seit Monaten und jetzt immer noch eine Maske tragen. Da können Sie auch eine für mich anziehen!“
Wie’s genau weiterging habe ich nicht mitbekommen, aber anscheinend wurden die beiden am Schluss noch handgreiflich. Die Nerven liegen blank – auf allen Seiten.

9 Kommentare zu „Ein normaler Samstag (das neue Normal)

  1. Ich desinfiziere die Griffe des Einkaufswagens beim Einkaufen immer selbst. Nur eine Drogeriekette hat Personal (unter der Woche eine Angestellte, am Wochenende jemand von einem Sicherheitsdienst) abgestellt, welche die Körbe und Einkaufswägen desinfiziert.

    Über die Menschen, die die Maske nicht oder nicht richtig tragen, rege ich mich nicht mehr auf. „Am Tragen der Maske erkennt man die Intelligenz der Menschen“. Stimmt auch 2021 noch

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    1. „“ „Am Tragen der Maske erkennt man die Intelligenz der Menschen“. Stimmt auch 2021 noch „“

      Oh ja. Stimmt genauso wie die Aussage, das die Leute zwar dem Buchstaben – wenn überhaupt – aber nicht dem Sinn folgen. Besonders oft sehe ich jetzt in Geschäften und sonst wo Leute, die ihre Maske herunterziehen, wenn sie Telefonieren.

      Als ich letztens einen Fahrlehrer in einem Fahrschulauto gesehen habe, der mit heruntergezogener Maske telefonierte, dachte ich nur, was bin ich froh, dass ich aus dem Alter, in dem ich den Führerschein machen musste, raus bin. Als ich in dem Alter war, hätte ich mich sicher nicht getraut, einfach rechts ranzufahren und ihm zu sagen, das er die verdammte Maske anziehen soll.
      Ich meine, wie bescheuert ist das? Wo ist die Ansteckungsgefahr größer als bei jemandem, der den ganzen Tag mit vielen fremden Leuten in einem winzigkleinen, unbelüfteten Raum wie einem Auto sitzt?

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  2. Definitiv hier Off-Topic. Geht an den Kommentator „Gedankenknick“:

    Gedankenknick, wir hatten uns letztens bei Pharmamas Topic „Gratis Selbsttests aus der Apotheke – so geht’s“ darüber unterhalten, dass in Deutschland die Selbststests nicht ausgeinzelt werden dürfen. Ich hatte grob mit der These argumentiert: „Komm, egal, wen interessiert das? Es ist zwar nicht erlaubt, aber es gibt auch keine Strafe dafür.“ Du hattest den Einwand vorgebracht, dass Dir eine Quelle vorlegen würde, dass ein deutscher Apotheker hier mit 25.000 Euro Strafe belegt werden könne, wenn er das dennoch machen würde.

    Ich hatte gestern in der Online-Ausgabe der DAZ folgenden Bericht gelesen: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/04/20/hat-es-nie-ein-auseinzelverbot-fuer-apotheken-gegeben

    Lies es Dir bitte kurz durch.

    Das ist kein Satz von mir, dass ich hier irgendwie Recht habe. Die Kritik, dass man diese Aussage des BfArM ja auch schon vor 1 1/2 Monaten hätte äußern können, teile ich durchaus.

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  3. „Ich kann ihnen etwas gegen das Fieber geben, aber in dem Alter gehört Husten beim Arzt abgeklärt, damit er etwas verschreibt – momentan kann es ja auch COVID sein …“
    Warum muss Husten seit 2 Tagen mit 38° Temperatur vom Arzt abgeklärt werden? Man darf eigentlich gerne unterstützen, dass – wenn halbwegs fit – wohl wahrscheinlich keine wilde Erkrankung dahinter steckt und man das ruhig erstmal zuhause auskurieren darf. 2 Tage sind ja nun nicht wirklich lang.

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    1. @ Max Roder:

      „Warum muss Husten seit 2 Tagen mit 38° Temperatur vom Arzt abgeklärt werden? Man darf eigentlich gerne unterstützen, dass – wenn halbwegs fit – wohl wahrscheinlich keine wilde Erkrankung dahinter steckt und man das ruhig erstmal zuhause auskurieren darf. 2 Tage sind ja nun nicht wirklich lang.“

      Und wie schliesst Du mal eben eine Lungenentzündung aus?

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    2. @Max Roder: „Warum muss Husten seit 2 Tagen mit 38° Temperatur vom Arzt abgeklärt werden?“ Muss es nicht … genauso wenig, wie man bei Husten etwas geben muss. Die Evidenz für die meisten Hustenmittel ist nicht gut, Honig kann man genauso versuchen, über’s Wochenende geht der eh nicht zum Arzt, aber wenn er etwas gegen den Husten will – dann soll er zum Arzt gehen.

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  4. Die schließe ich gar nicht sicher aus! Und genau darum geht es. Die wird auch nicht mit dem Besuch beim Arzt ausgeschlossen, denn nur in den wenigsten Fällen wird man direkt ein Röntgenbild machen (erst recht nicht bei erst 2 Tagen Husten und 38° Temperatur). Und nur damit könnte man sicher sagen, dass es sich nicht um eine Lungenentzündung handelt. Ich habe schon öfter Kinder in der Ambulanz gehabt, die ich ein oder zwei Tage nach Erkrankungsbeginn gesehen habe (z.b. Freitag Nachmittag) und dann Sonntag nochmal, erst dann habe ich Rasselgeräusche gehört und die Diagnose war klar.
    Davor gibts die Empfehlung: Fieber bei Bedarf senken (muss aber nicht!), gut beobachten, schlafen lassen, auf Trinken achten. Warten. In 90% gehts von selber weg.

    Was ich sagen will: Es ist Überversorgung, bei 2 Tagen Husten und 38° Temperatur bei einem nicht ganz kleinen Kind (über 1 Jahr) direkt ärztlich vorzustellen, wenn nicht ungewöhnlich schwer krank (dann wäre das Kind ja vermutlich vorgestellt worden und nicht nur ein Fiebermittel erfragt worden).
    Und weil das Absicherungsbedürfnis immer größer wird und auch die Unsicherheit in das eigene Urteilsvermögen im Sinne des gesunden Menschenverstandes immer größer, nehmen die Vorstellungen, in pädiatrischen aber auch Erwachsenen-Notfallambulanzen, immer mehr zu. Darüber redet man ja schon seit Jahren, und auch darüber wie man dem entgegen wirken will.

    Daher würde ich mir wünschen, dass auch hier (ich lese das Blog gerne!) eher die Fähigkeit der Eltern oder eben auch Erwachsenen für sich selbst bestärkt wird, banale Symptome erst einmal mit den normalen Mittel selbst zu behandeln. Natürlich gehört dann der Fahrplan dazu: Arztvorstellung wenn Temperatur höher, wenn Trinken abgelehnt wird, wenns deutlich schlechter geht selbst mit Ibuprofen/Paracetamol.
    Aber nicht automatisch weil Kind und etwas erhöhte Temperatur (und Luftwegsinfekt-Symptome).

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