Vom Asbest in Talk – Frauen und Babies in Gefahr?

JuJAktie

Interessant, wie so Veröffentlichungen einen Einfluss auf den Wert einer Firma haben können. Der „Abbruch“ der Aktie von Johnson & Johnson am Mittwoch 12. Dezember wurde ziemlich sicher durch den Artikel der Reuters (danach Blick und anderen angehängten Medien) verursacht.

Der US-Pharmariese soll seit Jahrzehnten davon wissen, dass sein ­Babypuder Spuren von Asbest enthalte. Dieser wird auch in der Schweiz vermarktet.

und in der 20 Minuten:

Das grösste Apothekennetzwerk der Schweiz nimmt das Babypuder von Johnson & Johnson aus den Regalen. Das Produkt soll Spuren von Asbest enthalten.

Sowas macht mir keine Freude als Apothekerin. Nehme ich das jetzt auch aus dem Regal? Ich habe keinen offiziellen Rückruf und bisher keine Beanstandungen durch die swissmedic oder durch Kunden hier. Und … es ist mit Abstand das günstigste Talcum-Puder, das wir haben. Nicht, dass wir das wahnsinnig oft brauchen.

Hierzulande wird kaum noch ein Baby damit eingepudert – das macht auch wenig Sinn: sobald das Puder dann feucht wird (unweigerlich in der Windel) verpappt es ziemlich unangenehm. Ausserdem bietet es nie den Hautschutz von Salben, die auch Talk und/oder Zinkoxid enthalten können. Als Puder hat es noch ein Problem: wenn es in die Luft gelangt (verstäubt), kann es in der Lunge landen. Das ist als Fremdkörper auch schon ohne Asbest nicht gut. Dass Talkumpuder mit Asbest verunreinigt sein kann ist tatsächlich schon lange bekannt, das hat mit der Gewinnung des „natürlichen“ Materials zu tun. Deshalb gibt es seit langem Vorschriften und Grenzwerte. Medizinisch verwendetes Talk muss frei von Asbest sein.

Interessanterweise ist Lungenkrebs nicht mal die Ursache für die Anklagen, die Johnson&Johnson in den USA wegen dem (angeblichen) Asbest im Talkpuder betreffen. Die klagenden Frauen sind an Eierstockkrebs erkrankt. Sie haben auch nicht zwingend Babies: sie haben über Jahre und Jahrzehnte ihren eigenen Intimbereich mit Talkumpuder gepflegt – etwas, das bei uns noch unüblicher ist als das Baby-pudern.

Aber was mache ich jetzt mit dem Babypuder von J&J nach dem negativen Medienrummel (vielleicht auch gut für etwas Eigenwerbung ausgenützt durch „das grösste Apothekennetz der Schweiz“ (hustGalenica-Vitalis-Amavitahust)?

Mal direkt bei der Firma anfragen für eine Stellungsnahme und Unterlagen.

Und es gibt Entwarnung:  Die zugestellten Unterlagen inklusive Prüfprotokolle bestätigen die Asbestfreiheit eindeutig. Die Unterlagen zeigen auf, dass der Hersteller seit Jahren eine minutiöse Qualitätskontrolle etabliert hat und regelmässig auf Asbestfreiheit prüft. Tatsächlich belegt es, dass es sich beim verwendeten Talk um eine geprüfte Arzneibuchqualität handelt, welche frei von Asbest ist und das regelmässig überprüft wird.

Das ist schön. Also bleibt das bei uns drin. Ich frage mich, ob „das grösste Apothekennetzwerk“ das auch nachgefragt hat und ob es da auch wieder im Regal steht. DAS geht dann natürlich nicht so gross durch die Medien.

Nachtrag: Wie das früher gewesen ist von wegen Asbest im Babypuder (sicher nicht nur J&J) ist ziemlich sicher eine andere Geschichte und durchaus möglich – auch mit den Folgeschäden, mit denen die Firma jetzt im klagefreudigen USA betroffen ist.

Eine Antwort auf „Vom Asbest in Talk – Frauen und Babies in Gefahr?

  1. „Früher“ war es normal, dass ein Baby im Windelbereich gepudert wird. Meine Kinder (Jahrgang 1995 und 1998) habe ich nicht gepudert. Auf die Idee, meinen Intimbereich zu pudern, wäre ich nie gekommen.

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