Ein nicht genommenes Medikament wirkt auch nicht

Es gibt eine Epidemie in den USA, die ausser Kontrolle ist und die mehr kostet und mehr Leute betrifft als jegliche Krankheit, über die die Amerikaner sich aktuell Sorgen machen.

So fängt der Artikel in der NY Times an. Und es betrifft nicht nur Amerikaner – das ist ein weltweites Problem, auch wenn es sich dabei nicht um eine Krankheit handelt, sondern „nur“ darum, dass die Leute ihre Medikamente nicht richtig nehmen.

Studien in den USA zeigen, dass 20 bis 30 Prozent der verschriebenen Medikamente nicht bezogen werden und dass ungefähr 50% der Medikamente vor allem für chronische Krankheiten nicht genommen werden, wie sie verschrieben wurden. Das betrifft auch schwerwiegende Sachen: Ein Drittel der Nierentransplantierten nehmen ihre Medikamente zur Verhinderung der Organabstossung nicht, 41% der Patienten mit einer Herzattacke nehmen danach ihr Blutdruckmedikament nicht und die Hälfte der Kinder mit Asthma benutzen ihr Inhalationsgerät entweder gar nicht oder nicht regelmässig.

Und die Leute, welche die Medikamente nehmen, egal ob für eine einfache Infektion oder eine lebensbedrohliche Krankheit nehmen typischerweise nur etwa die Hälfte der Dosis ein.

In den USA folgen daraus nach Schätzungen etwa 125‘000 Tote und mindestens 10% der Leute sind deswegen im Spital. Die Kosten für das Gesundheitssystem bewegen sich jährlich in Milliardenhöhe.

Wir haben in Europa genau dasselbe Problem.

Grob gesagt: Medikamente die nicht genommen werden, wirken auch nicht.

Das mag teils auch erklären, weshalb manch neues Medikament, das in Studien zur Zulassung (wo die Patienten unter Aufsicht stehen und die Einnahme kontrolliert wird) spektakulär gut gewirkt hat, nach der Zulassung und auf dem Markt nicht mehr so gut funktionieren.

Non-Adherence (oder non-Compliance) wie das nicht-richtige Einnehmen der Medikamente genannt wird ist ein grosses Problem und es gibt nicht EINE richtige Lösung dafür, da die Gründe für diese Non-Adherence sehr unterschiedlich sind:

Eltern stoppen zum Beispiel gerne die Asthma-Medikation des Kindes, weil sie „die Idee nicht mögen, dass ihr Kind auf unbestimmte Zeit ständig Medikamente nimmt“. Dabei braucht ein Kind mit Asthma auch ohne offensichtliche Symptome eine Behandlung der zugrundeliegenden Entzündung des Lungengewebes. Wenn so ein Kind eine Erkältung bekommt, ist es das dann einfach 6 Wochen krank, statt nur einer.

Weitere Gründe und Aussagen, weshalb Medikamente nicht richtig genommen werden – und ich bin sicher, dass die jeder, der in einer Apotheke oder beim Arzt oder im Spital arbeitet auch schon gehört hat.

„Ich bin da Altmodisch, ich nehme nicht einfach Medikamente, wenn ich etwas habe.“ Das von einem Mann mit Niereninsuffizienz, Diabetes und einer Thrombose im Herz.

Auch typisch: „Ich mag Medikamente nicht.“

Das Problem mag damit zusammenhängen, dass die Medikamente die Leute daran erinnern, dass sie krank sind. Wer will schon krank sein?

Die Grossmutter weigert sich die ihr für ihr Herzproblem verschriebenen Medikamente zu nehmen, aber Vitamintabletten nimmt sie, da sie glaubt, dass sie das gesund erhält. Also … sagt ihr die Enkelin, die ihr die Tabletten abends gibt, das seien Vitamine (und nicht Betablocker). Das ist eine Lösung … wenn auch nicht wirklich eine gute.

Viele Patienten nehmen die Medikamente nicht, da sie sie als „chemisch“ ansehen, als „unnatürlich“. Das Fischöl wird genommen – aber das Statin, das des Arzt gegen das hohe Cholesterin verschrieben hat – nicht. Das ist auch eine Richtung, in die die Gesellschaft heute geht: die Gewichtung geht in Richtung Diät (anders Essen) und Sport. Was ja an sich gut wäre, wenn das manche Leute nicht überzeugen würde, dass das (auch) bei ihnen ausreicht und sie die Medikamente nicht mehr nehmen müssen.

Häufig experimentieren die Leute auch selber – sie stoppen die Einnahme ihrer Medikamente für ein paar Wochen und wenn sie sich nicht schlechter fühlen, dann nehmen sie die auch nachher nicht mehr. Das Verhalten sieht man häufig bei solch „stillen“ Konditionen, die einem kaum Beschwerden machen wie hohem Blutdruck, und Herzinsuffizienz.

Die Kosten der Medikamente spielen ebenfalls mit hinein: Das vielleicht mehr in den USA mit dem schlechten Versicherungssystem als bei uns. Wenn über 50 Dollar selber für das Medikament bezahlt werden müssen, sinkt die Adherenz. Oder wenn etwas sehr teuer ist, nimmt man weniger als die verschriebene Dosis, um das zu „strecken“. Andererseitd fallen bei einer Kosten-Nutzen Analyse auch Statine, die eigentlich günstig sind und von denen Studien zeigen, dass sie Herzinfarkte vorbeugen unter den Tisch, weil die Leute eben nicht die möglichen Folgen des Nicht-nehmens sehen.

Oder wenn die Patienten andere über die Nebenwirkungen reden hören, werden die Medikamente eher abgesetzt.

Es gibt also viele Gründe, weshalb der Patient nicht adhärent ist. Die Verschreibung ist zu kompliziert, sie haben keine Beschwerden, sie mögen die Nebenwirkungen nicht, sie können das Medikament nicht bezahlen, oder sie denken, es sei ein Zeichen von Schwäche, dass sie Medikamente nehmen müssen.

Aber es gibt auch Lösungen für eine bessere Einnahme:

  • Man kann statt 3 Tabletten nur noch eine nehmen, in der die Wirkstoffe kombiniert sind.
  • Die Dosierung oder das Einnahmeschema kann vereinfacht werden.
  • Es gibt Hilfsmittel wie Dosette und Apps.
  • Apotheker und Ärzte sollten unsichere Patienten unterstützen und sie aufklären über die wichtigsten Nebenwirkungen.
  • Man kann die Medikamente dorthin legen, wo man sie sicher sieht und nimmt – zum Beispiel neben die Zahnbürste (Ja, auch wenn das Badezimmer nicht der beste Ort zur Aufbewahrung der Medikamente ist).
  • Der Partner kann mit einbezogen werden, damit sie richtig genommen werden.

Welche Erfahrungen habt ihr schon mit Non-Compliance / Non-Adhärenz gemacht?

53 Antworten auf „Ein nicht genommenes Medikament wirkt auch nicht

  1. „Ich nehme nicht einfach Medikamente, wenn ich etwas habe“ unterschreibe ich so. Allerdings bezogen auf die Selbstmedikation mit frei verkäuflichen Sachen. Bei ärztlich verschriebenen Medikamenten sieht die Sache allerdings anders aus.
    „Der Partner kann mit einbezogen werden, damit sie richtig genommen werden“ ist z.B. bei Depression unabdingbar, sonst hält die Krankheit den Patienten schnell davon ab, etwas gegen sie zu nehmen.

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  2. „Aber wenn ich nur eine Tablette am Tag nehme, anstatt 3, reicht die Packung 3x länger!“

    Bzw. auch im näheren Umfeld gerne bei der Antibiotikaeinnahme: „Nö, wenns mir besser geht, nehme ich die nicht mehr. Dann hab ich noch welche fürs nächste Mal und muss nicht immer zum Arzt.“

    Es gibt so viele verdrehte Gründe, warum die empfohlene Einnahme zu Hause nicht umgesetzt wird. Und leider ist meine Erfahrung aus meiner Zeit als Beraterin, dass es meist damit zu tun hat, dass der Patient – auch ohne jeglichen tatsächlichen entsprechenden Hintergrund – sich für schlauer oder aufgeklärter hält, als er es dem Arzt oder Apotheker zutraut.

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  3. Das habe ich vor ca. 15 Jahren auch mal so betrieben, weil ich mich mit meinem Bluthochdruck nicht zu meiner Ärztin getraut habe, da die mir ja wieder mit neuen Untersuchungen (schlimm) und Mahnungen (noch schlimmer) hätte kommen können. Da wurde dann halt nur alle drei Tage, oder so, eine der Blutdrucktabletten genommen. Schadet ja nicht, oder!?

    Doch, tut es und habe ich auch irgendwann eingesehen. Und meine Ärztin tut auch gar nicht mehr weh ;-) .

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  4. Auf einer längeren Wanderung. Mein jüngerer Bruder (damals 12) bekommt ziemliche Schmerzen. Ich habe aber Dafalgan dabei. Schon seit jeher bin ich auf Wanderungen etwas besser vorbereitet als mein Vater.

    Mein Vater: „Gib ihm nichts! Mach ihn nicht medikamentengläubig!“

    Ich: ganz baff

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    1. Medikamentengläubig? Eins der schlimmsten und, mit Verlaub, blödesten Wörter der deutschen Sprache. Als müsste man daran glauben. Dabei ist das doch nur so bei Glaubuli!

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  5. Da fragt man sich, warum man überhaupt zum Arzt geht, wenn verschriebene Medikation dann doch nicht geholt wird oder einfach in der Schublade landet. Leider verstehen die meisten Patienten leider nicht, wie sehr sie sich und damit am Ende meistens auch der Allgemeinheit schaden, wenn sie wegen nicht-Einnahme schlussendlich im Spital landen oder Endorgan-Schäden davon tragen.

    Bei Eltern, die ihren Kindern die Medikation vorenthalten, werde ich nur noch ärgerlich.
    Leider sind Medikamente (ausser z.B. Antibiotika) ja meist keine Heilung, sondern nur eine Behandlung. Das in die Köpfe der Patienten zu bekommen, ist manchmal schwierig.

    Wer keine Schmerzmittel nehmen will, tut mir allerdings nicht leid. Ist ja nicht mein Kopf, der weh tut.

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    1. Ich verstehe die Leute nicht die ständig Kopfschmerz Tableten nehmen und nicht auf den Grund gehen warum die Kopfschmerzen haben.
      Wenn ich Kopfschmerzen habe weiß ich zu 99% warum und sorge dafür das die Ursache verschwindet.

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      1. Beides ist doof: zu viele Tabletten zu nehmen führt schließlich dann auch irgendwann zu medikamenteninduzierten Kopfschmerzen. Zu wenige zu nehmen -oder eben gar keine- ist eine unnötige Qual.
        In schlimmen Migränezeiten habe ich dann aber auch ab und an lieber einen Tag ohne Schmerztabletten durchgestanden und stattdessen viel Wasser getrunken, fettiger gegessen und Kaffee quasi inhaliert. Der Magenschleimhaut bekommen massenweise Ibu nämlich auch nicht so toll.

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      2. Oh, gerade Kopfschmerzen sind so ein Thema für sich.
        Als Kind hatte ich die erste Arzt- & Klinikodyssee durch, weil meine Eltern aufgrund immer wiederkehrender starker Kopfschmerzen die Befürchtung hatten, ich hätte einen Tumor. Gott sei Dank hat sich das nicht bestätigt, aber letztlich konnte damals keiner zu einem Schluss kommen, was denn mein Problem sei. Und diese Kopfschmerzen hatte ich seit der frühesten Kindheit. Mit 20 hat mich das Ganze dann doch nochmal so genervt, dass ich mir nochmal eine Wanderschaft von Arzt zu Arzt angetan habe, um der Sache auf den Grund zu gehen. Nach mehreren Ärzten diverser Fachrichtungen bin ich genau so schlau:
        Wenn ich „nur“ 1x in der Woche Ibuprofen 400mg nehme, ist das alles gar nicht so schlimm (2 Ärzte)
        Auch wenn ich jede Menge migräneähnliche Symptome zeige, ist es wohl keine Migräne (2 andere Ärzte)
        Weder der Neurologe, noch der Augenarzt, noch der HNO können sich erklären, wo das her kommt
        Die versuchte Aufmunterung: vielleicht ist es hormonell. Dann haben Sie bei jeder Schwangerschaft und dann nochmal in den Wechseljahre eine Chance, dass es weg geht.
        Yey.

        Nein, ich werde nicht weiter forschen. Nach mindestens 30 Jahren mit regelmäßigen Kopfschmerzen, die ohne Tabletten kaum ertragbar sind (Ja, hat zu wirklich schweren Tagen in der Schwangerschaft geführt, weil ich wirklich versucht habe, diese medikamentenfrei durchzuziehen), 2x dem wirklich intensiven Versuch, dem auf den Grund zu gehen, vielen Stunden in verschiedenen Wartezimmern und immer wieder nur hilflosem Schulterzucken habe ich es aufgegeben und achte darauf meinen ibuprofenvorrat einfach immer auf einem gewesen Niveau zu halten. Ich weiß, was meine Kopfschmerzen begünstigt. Aber dem kann ich nicht immer entgehen. Unter anderem nämlich starke Wetterumschwünge. Und manchmal kommen sie auch „einfach so“.

        Und wie sagte meine Gynäkologin letztens: allein die Tatsache, dass es über 100 Arten von Kopfschmerzen gibt, hat sie davon abgehalten, Neurologin zu werden.

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  6. Ich bin Krankenschwester. Und was man nach einer Entlassung der Patienten an Tabletten aus Nachtschränkchen holt ist beachtlich. Dabei werden die bei uns passend zugeteilt bzw in Dosetten verteilt. Und trotzdem klappt es nicht.

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  7. Nicht zu vergessen die älteren Ehepaare, die gerne mal untereinander ihre Pillen tauschen – man wundert sich als Hausarzt ja so manches Mal, woher nun wieder die neue UAW kommt, obwohl die doch für keines der verordneten Medis bekannt ist.

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  8. Schönes Beispiel aus der Offizin:
    „Die Pille ist so teuer! Ich nehme die nur an den Tagen, an denen ich auch Sex gehabt habe…“

    Aber ich muss ja gestehen, dass ich selber eine katastrophale Adherenz habe! Für mich ist es immer ein kleiner Weltuntergang, wenn ich ein Medikament regelmässig einnehmen muss. Ohne Wecker und „Strichliste“ schaffe ich es nicht, ein Antibiotikum eine Woche lang richtig einzunehmen. Ich staune manchmal, wie gut manche meiner Patienten dies im Griff zu haben scheinen…

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    1. Nirmalerweise habe ich solche Probleme eher nicht, ausser es geht um ungewöhnliche EInnahmezyklen. Ich hatte vor Kurzem mal einen Zoster an der Hüfte, da bin ich am Acyclovir regelrecht verzweifelt: wie bringt man die 5 Einnahmezeitpunkte so unter, dass sie ungefähr in 24 Stunden passen und man auch noch keinen vergisst?

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      1. Ich sag meinen Patienten immer 6 Uhr 10:30 15 Uhr 19:30 24 Uhr…. ist m. E. die beste Lösung… über Nacht nicht zuuu lange Pause, aber noch (relativ viel) Schlaf.

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        1. Oh ja, ich wollt gerade meinen: ich war der Ärztin damals so dankbar dass sie mir nicht Aciclovir sondern Brivudin verordnet hat.
          Ist halt aber auch deutlich teurer…

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          1. Naja, 120 versus 80 Franken, das geht ja noch.

            Aber die Indikationsänderung vor 17 Jahren ist tatsächlich an mir vorbeigegangen (wozu mache ich eigentlich jedes Jahr so viele Fortbildungen mit?), danke für den Hinweis!

            Glücklicherweise ging es bei mir recht glimpflich ab, dank des Umstandes, dass ich vor 4 Jahren, als ich mir die 2. Dosis MMR-Impfstoff habe geben lassen, aus purem Luxus gleich die MMR+V-Variante gewählt habe.

            (Formell war es nur bei MM die zweite Dosis, bei R die erste, aber Rubella ist in diesem Kontext eher das kleinere Problem. Bei Varizellen war ich halt unsicher, ob ich sie jemals hatte (meine Mutter wusste das auch nicht mehr so genau) – da wäre Zostervax sicherlich sinnvoller gewesen, wie ich nun herausgefunden habe.)

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            1. Und nun schauen wir mal auf die „ach so teuren“ deutschen Preise:
              Aciclovir 800mg 35 St. -> ca. 25€; Zuzahlung 5€ (9Hersteller auf dem Markt)
              Brinudin 125mg 7 St. -> 90-100€; Zuzahlung 9-10€ (zwei Hersteller auf dem Markt)

              Ach ja, lieber Gott, bitte lasse allen Deutschen ihre Vorurteile bezüglich der deutschen Arzneimittelpreise! :)

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            2. Mein Handy mag dem gedankenknick nicht antworten. Daher so:
              Der Preisunterschied zwischen Aciclovir und Brivudin ist mir als GKV-Versicherten relativ wurscht. Wenn ich 5€ mehr zuzahle und damit eine einfachere Compliance habe, zahle ich die mit Freude.

              Das Problem ist eher, dass der Preisunterschied offenbar als Argument im Rahmen des Budgets der Ärzte genannt wird.
              Auf dem Gebiet kenne ich mich persönlich zu wenig aus, um das beurteilen zu können (Also auf dem Gebiet Budgets und deren Auslastung, überhaupt nicht mein Metier).

              Ich hatte damals nach einer Falschdiagnose bei Hautarzt Nr. 1 Hautarzt Nr. 2 gefragt, ob es die Möglichkeit gibt, mir etwas zu verschreiben, was man nicht im 6-Stunden-Rhythmus nehmen muss.

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          2. @Luci (14/12/2018) (die andere Antwort)

            Ich sag dazu mal „Eindeutig Jain!“.

            Die Kosten hab ich nicht wegen der Zuzahlung hier reingenommen, sondern weil mir ca. 1x pro Tag gesagt wird, dass Deutschland die teuersten Arzneimittel der Welt hat (einself)! Wenn ich das mit den Kosten in der Schweiz vergleiche, die @DerFloh freundlicher Weise veröffentlicht hat, grinse ich da immer nur in mich hinein.

            Zu dem Verordnungsverhalten eines Arztes kann ich relativ wenig sagen, aber ich kann mutmaßen, dass nicht nur das Budget eine ROle spielt, sondern auch persönliche Erfahrungen. Wenn ein Arzt 1x erlebt hat, dass ein Patent sich eben nicht an eine 5-Fluorouracil-Behandlung erinnern kann oder will, wird ihm Zostex nicht mehr so fluffig aus der Feder fließen. Auch machst Zostex (zwar selten, aber schwerwigend) Hepatitis. Imsomnie, Angststörungen, Granulozytopenie, Eosinophilie, Anämie, Lymphozytose, Monozytose, Fettleber, Erhöhung der Leberenzyme – alles nicht SO wahrscheinlich, aber ausreichend häufig beobachtet. Also wird ein Arzt schon abwägen, was er Dir in welchem Fall zumuten will und was nicht. Eine pups-normale Nutzen-Risiko-Abwägung halt. Ich kann den Ärzten nicht wirklich verdenken, Zostex nicht SO häufig aufszuschreiben – auch ganz ohne Blick auf die Kosten…

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  9. Ich bin jemand, der leider viele Medikamente nehmen muss und ich habe in der Anfangszeit der Behandlung meines Asthmas bei Besserung auch einfach mal eigenmächtig die Dosis reduziert oder ganz aufgehört das Spray zu inhalieren. Da ich aber schmerzhaft erfahren musste, dass das keine gute Idee ist, nehme ich jetzt die Medikamente, so wie verordnet, wobei mir mein Lungenfacharzt allerdings einen gewissen Spielraum lässt. So reduziere ich mein Spray eigenmächtig, wenn ich über eine gewisse Zeit mein Notfallspray nicht gebraucht habe, dafür darf ich auch bei Verschlechterung eigenmächtig erhöhen. Habe aber dafür auch eine ausführliche Asthmaschulung in der Reha gehabt.
    Allgemein finde ich, dass die Compliance auch viel von Arzt und Apotheke beeinflusst wird. Ich finde es z.B. wichtig, dass der Arzt mir zumindest kurz erklärt, warum ich dieses und jenes Medikament nehmen soll und finde es kontraproduktiv, wenn das Personal in der Apotheke mich mitleidig anschaut und sagt, sie nehmen aber ganz schön viele Medikamente. Meine jetzige Stammapotheke ist da anders. Die freuen sich mit mir, wenn ich ein Medikament reduzieren darf, aber machen keine dummen Sprüche.
    Wenn ein Medikament für mich mehr Nebenwirkung als Wirkung hat, kontaktiere ich den Arzt und bitte um eine Alternative. Es gibt aber auch Ärzte, die sagen, dass müssen Sie so nehmen, da gibt es keine Alternative. Bei mir ist es z.B. so, dass ich aus irgendwelchen Gründen, kein Kortison aus einem Novolizer inhalieren kann, da ich dann immer einen Würgereflex bekomme. Mein alter Lungenfacharzt meinte dann, er stellt mir jetzt kein neues Rezept aus, da muss ich durch.
    Außerdem finde ich teilweise den ständigen Wechsel von Herstellern kontraproduktiv. Ich bin noch jung, aber nehme schon seit einigen Jahren Montelukast. Anfangs das Original, was so einen komischen Orangeton hat und viereckig ist, dann unterschiedlichste Generika, die alle aber ungefähr so aussahen. Als ich dann ein Generikum bekam, was blau und rund war, war ich erst mal extrem verwirrt und bitte jetzt meine Stammapotheke immer, wenn möglich mir ein Generikum auszurauchen, was zumindest annähernd die gleiche Farbe oder Form hat, obwohl das eigentlich bescheuert ist, aber ich fühle mich damit wohler.
    Wenn ich mir vorstelle, dass dies bei Leuten mit beginnender Demenz oder ähnlichen passiert, kann ich sehr gut verstehen, warum diese Leute dann plötzlich aufhören ihre Medikamente zu nehmen.

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    1. Außerdem finde ich teilweise den ständigen Wechsel von Herstellern kontraproduktiv.
      Das sehe ich als Apotheker auch so, jedoch ist es politisch in D so gewollt. Gedroht wird mir mit der Höchststrafe (komplette Selbstübernahme meinerseits der Behandlungskosten des Patienten), wenn ich das nicht mit Gewalt umsetze. Spaß geht anders.

      Herr Dr. Hermann – der Urvater der Rabattvertragsproblematik und Chef der AOK Baden-Württemberg – sieht das dann so: „Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit müssen in einem ausbalancierten Verhältnis zueinander stehen. Zielführend sind Regelungen, die ausgewogen sind und allen dienen, nicht einseitig den Profitinteressen der großen Pharmakonzerne.“ Nachzulesen hier: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/politik/aok-haende-weg-von-rabattvertraegen-gesundheitsministerkonferenz/?tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1 Ich übersetze das mal so: Wichtig ist nur das Geld, was die Industrie an die Krankenkassen (zurück) zahlt! Außerdem hat er mal sinngemäß von sich gegeben, dass gerade die Rabattverträge dafür sorgen, dass die Patienten immer mit dem selben Arzneimittel versorgt werden würden. Ich finde gerade die Quelle nicht. Vergessen hatte re dabei aus versehen, dass sich die Rabattverträge alle Nase lang ändern, und dass die Rabattvertragshersteller regelmäßig nicht liefern können, was dann bei den Apotheken wieder zu Austausch-Orgien unter Androhnung von Voll-Retaxierungen führt, wenn man nicht peinlichst auf höchst unsinnige Preisregelungen dabei achtet…

      Es ist halt alles eine Interpretaionsfrage. Wenn so ein gKV-Vorstand sagt Der Patient ist Mittelpunkt. Dann meint er damit höchstwahrscheinlich <Der Patient ist Mittel. Punkt.; wenn er hingegen sagt Der Patient ist der Mittelpunkt. meint er damit höchstwahrscheinlich Wie man es auch versucht, der Patient steht IMMER im Weg.

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      1. Tja, dieser ganze Generika-Wahn in Düütschland wäre eigentlich auch mal einen Blogartikel wert. Zumal es zuletzt Anzeichen gab, dass Herr Berset diese Idee ganz toll findet… das wäre dann natürlich das Ende der ärztlichen Selbstdispensation (denn welcher Arzt kann es sich schon leisten, sämtliche Generika eines Wirkstoffes vorrätig zu haben)… die Verlierer wären selbstverständlich wieder die Patienten… aber wen interessiert das schon?

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  10. Wenn die Hälfte der Patienten eine fünfminütige Google-Recherche über die Meinung eines Facharztes setzt, brauchen wir uns doch nicht wundern wenn auch die Medikamente nicht vernünftig eingenommen werden.

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  11. Mein Schwiegervater hat einen sehr üppigen Hypertonus. Die Tabletten weigert sich zu nehmen, da er sie ausgependelt hat und dabei rauskam, die würden ihm nur schaden…Außerdem hätte er doch eigentlich gaaar keinen Hypertonus (die letzten Jahre keine Messung unter 160/110)…mittlerweile hat er Schäden am Sehnerv davongetragen und ist halb blind. Aber Schuld ist natürlich der Stress und nicht der unbehandelte Hochdruck…

    Mein Vater, schwer dement, weigert sich Tabletten zu nehmen, da er denkt, man will ihn damit vergiften (PSychose durch die Demenz). Also muss man die Tabletten immer gut im Essen verstecken oder simulieren, man würde auch eine der Tabletten nehmen…trotzdem findet man überall in der Wohnung auf dem Boden heimlich ausgespuckte Tablettenfragmente. Daher wurden zumindest die wichtigsten Präparate auf Schmelztablette oder Tropfen/Saft umgestellt.

    Amüsanter: Das Mädel, das dachte, dass die Pille nur direkt vor dem Geschlechtsverkehr von beiden Partnern eingenommen werden muss…
    Und die, die immer nur die Pille genommen hat, wenn ihr Freund gerade bei ihr war und sonst nicht…weil so teuer.

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    1. Ja, der letzte Absatz erinnert mich an eine Touristin, die bei mir die „Pille Danach“ haben wollte.
      1) Beschwerde – viel zu teuer, in Dänemark kostet die (angeblich) nur ca. 5€.
      2) Beschwerde – was soll denn irgendeine Beratung dazu, sie ist 20<x<30, da kennt Frau sich doch aus! Und in Dänemark gibt es die (angeblich) im Supermarkt, da brauchts doch keine Beratung!
      3) Beratung angefangen.
      4) Beratung abgebrochen, da
      4.1) schwere, empfindliche Brüste;
      4.2) letzte Regel war schwächer und kürzer als üblich
      4.3) einen ungeschützten GV gabs auch im Monat davor, allerdings war nicht mehr evaluierbar, ob damals auch mit der „Pille danach“ oder mit irgend einer anderen Methode überhaupt verhütet wurde.
      Glücklicher Weise übernnahm den Hinweis auf die höchstwahrscheinlich aktuell bereits bestehende Schwangerschaft die als moralische Unterstützung fungierende Freundin; so ging zumindest dieser Kelch an mir vorüber. Ich verwies dann an den Frauenarzt und wünschte alles Gute, wobei ich mir nicht verkneifen konnte darauf hinzuweisen, dass genau DESWEGEN in D diese „Pflichtberatung“ durchgeführt wird.

      Letzthin denke ich – auch wenn sie gegenteiliges behauptete – dass sie immer einfach mit der „Pille danach“ verhütet hat, da GV scheinbar max. 1x pro Monat stattfand. Andere Verhütungsmethoden waren ihr scheinbar einfach zu teuer (bei der Pille ihre eigene Aussage), zu aufwendig / kompliziert in der Anwendung (Nuvaring-Systeme) und/oder zu unangenehm und eventuell gerade nicht griffbereit (z.b. Kondome). Nun ja, ich zitiere da immer gerne die Binden-Werbung Die Geschichte der Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Scheinbar nicht unbedingt nur auf einer Seite.

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  12. Augentropfen (1x/d) neben Zahnbürste klappt so gut, dass der Augenarzt immer tadelt, dass die Tropfen bei keinem anderen Patienten so schnell leer werden…. Naja, ich nehme sie eben wirklich jeden! Abend. Und wenn ich für einen Urlaub die Zahnbürste einpacke, dann packe ich die Tropfen direkt dazu.

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  13. Mein Euthyrox steckt im Zahnputzbecher, so denke ich jeden Morgen daran. Da ich auch noch zwei verschiedene Dosierungen im Wechsel nehmen muss, ist immer die zu nehmende vorn, nach der Einnahme wird sie hinten eingeräumt.
    Gehe ich mal ausnahmsweise nach der Einnahme noch mal zu Bett, wird der Blister, aus dem ich die Tablette eingenommen habe neben das Waschbecken gelegt, um versehentliche Doppel-Einnahme zu vermeiden.
    Ausserdem steht im Jahreskalender jeden Sonntag die jeweilige Dosis bis zum nächsten Arztbesuch, falls ich unsicher bin, wie die Blister jetzt richtig eingeräumt sein müssen kann ich dort nachrechnen.
    Meine Mutter, Jg. 36, nimmt erfreulicherweise fast alle Medikamente nach Verschreibung, sie füllt sich ihr Tagesdosett für den nächsten Tag jeden Nachmittag selber nach Liste ab. Lediglich die Entwässerungstabletten reduziert sie oft, das kann ich aber verstehen, denn wenn sie diese genommen hat hält sie kaum 15-20 Minuten ohne Toilettengang durch, Einkaufen oder Arztbesuch sind dann nicht bewältigbar für sie. Und leider sagt sie den Ärzten auch nicht, welche frei verkäuflichen Präparate (Vitamin D und Seefischöl mit Omega 3) sie zusätzlich nimmt „das interessiert den Dr. XY doch nicht!“, ich hoffe einfach, dass sich das alles verträgt.

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  14. Ein Problem, welches ich auch aus eigener Erfahrung gut kenne, ist die Einnahme von Tabletten am Abend. Morgens ist das für viele Patienten viel unproblematischer. Und vor allem bei denjenigen Patienten, die täglich Statine einnehmen müssen, merke ich das immer schnell bei Laborkontrollen.

    Da sage ich mir dann: lieber Einnahme am Morgen mit schlechterer Wirkung als Einnahme jeden 2. bis 3. Abend mit noch schlechterer Wirkung. Ist irgendwie ein Kompromiss, aber für den Patienten oftmals die bessere Alternative.

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  15. Meine über 70 Jahre alte Mutter:

    „Ich brauche das Medikament nicht mehr, mir geht’s ja gerade gut.“
    „Als ich das Medikament genommen habe, ist es mir schlecht gegangen.“ (Es muss also am Medikament liegen.)
    „Die Krankheit ist weniger schlimm als die Nebenwirkungen, die man von dem Medikament bekommt“ (Das da jeder einzelne Fall unter hunderttausend draufsteht, ist ihr nicht klarzumachen.)
    „Natur ist gut, Chemie ist böse.“ (Aaaargh! Und Natur ist nicht Chemie, oder was?)
    „Wirkstoff ist Wirkstoff.“ (Ist ihr nicht klar zu machen, dass das Medikament mit hochdosiertem, hochkonzentriertem Hagebuttenextrakt wirken könnte, wenn sie es denn nähme, aber die Tasse Hagebuttentee nicht!) „Warum? Ist doch auch Hagebutte, ist das das selbe.“
    „Cortison ist böse. Cortison ist böse. Cortison ist böse.“ (Da es Anfang letzten Jahrhunderts ja viele Fälle mit zu hoher/falscher Dosierung gegeben hat.)

    Dazu kommt unabsichtliches Vergessen der Einnahme.

    Und das sie mal ein Zytostatika gegen ihr Rheuma bekommen hat, das tatsächlich ekelige Nebenwirkungen hatte, das zementierte ihre Ansichten natürlich.

    Seuuuuufz!

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  16. Sehr schöner Artikel. Ist mir zur genüge aus der täglichen Praxis bekannt. Zu diesem Punkt habe ich jedoch einen Einwand:
    „Aber es gibt auch Lösungen für eine bessere Einnahme:

    Man kann statt 3 Tabletten nur noch eine nehmen, in der die Wirkstoffe kombiniert sind."
    

    In einer deutschen Fachzeitschrift, entweder DAZ oder PZ genau kann ich das nicht mehr sagen, wurde über Blutdrucksenkende Medikamente berichtet.
    Im Artikel wurde beschrieben, wie sich der Therapieerfolg verhält, wenn drei einzeln eingenommeneTabletten mit einer kombinierten Tablette verglichen wird.
    Wie zu erwarten ging in beiden Fällen die Adhärenz über die beobachtete Zeit zurück. Jedoch wurde bei den Patienten, die mehrere Tabletten eingenommen hatten beobachtet, dass diese nur eine oder zwei Tabletten wegließen statt alle drei. In der anderen Gruppe jedoch wurde mit Absetzen der Kombitablette die gesamte Therapie abgebrochen.
    Demnach muss man überlegen, ob nicht doch das Einnehmen von nicht-kombinierten Präparaten sinnvoller ist, als die Kombitablette wegen oben genannter Adhärenz Probleme.

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  17. Guten Morgen !

    (mein Browser sagt, diese Seite sei nicht sicher…)
    Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion. Eine Nachbarin hat doch tatsächlich zu mir gesagt, ich solle die Tabletten besser nicht nehmen, sonst täte die Schilddrüse bald gar nichts mehr !

    Auch ich: Mir wurden mal Betablocker verschrieben. Ich kam nicht mal die Treppe hoch ohne dass mir schwarz vor Augen wurde. Ärztin meinte, ich hätte halt keine Kondition. Als Konsequenz habe ich die Tabletten abgesetzt. Später bei einer anderen Ärztin bekam ich ein Sartan verschrieben. Das hat keine Nebenwirkungen.

    Aber dieses „ich nehme meine Blutdrucktabletten nur wenn es mir schlecht geht“ kenne ich von älteren Leuten zur genüge :-(

    Oder: Antidepressiva haben ja soo viele Nebenwirkungen gerne erwähnt von Leuten die Antidepressiva nur aus berichten aus dem TV kennen. Aber Johanniskraut, das ist ok…

    Aber es liegt auch viel am Arzt. Wenn die Nebenwirkungen zu krass sind sollte er bereit sein, ein anderes Medikament zu verschreiben.

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  18. Dieser Blogartikel steht jetzt auch bei DocCheck – und der Kommentarbereich wurde sofort von einer Horde Heilpraktiker und anderen Nicht-Fachpersonen gekapert, die über die pöhse Chemie schimpfen und ganz klar wissen, dass der Artikel von einem Pharma-Lobbyisten geschrieben wurde. Parallel dazu wird das Hohelied auf das Heilpraktikerunwesen gesungen, in dem ja alles sanft ist und mehr GEFÜHLT wird als in der pöhsen Schulmedizin.

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    1. In diesem speziellen Fall ging es um „Zostex“, und da gibt es derzeit keine Festbetrags-Aufzahlungen. Weder beim Original, noch beim einzig alternativen Generikum von Aristo.

      Des weiteren gibt es sehr wenige Arzneimittel, wo eis keine mehrkostenfreien Alternativen gibt. „Protaxon forte“ (Proglumetacin) würde mir da einfallen. Oder einige L-Thyroxin-Präparate, aber da sind mir aufgrund des gesetzlichen Aut-Idem-Verbots die Hände gebunden. Aber da könnte der Arzt eine Firma verordnen, wo man nicht die 0,70€ Mehrkosten auf 3 Monate Behandlung tragen muss.

      Des weiteren regeln die Festbetragsobegrenzen (sowie deren regelmäßige Absenkung) und die damit entstehenden Mehrkosten allein die gKV und der G-BA, und im Nachgang dann die Industrie (durch Anpassung der Preise an den Festbetrag oder eben auch nicht). Und entschuldigung, wenn auf 10ml Säuglings-Nasentropfen 0,025% Xylometazolin (2,24€) die gKV maximal 1,18€ bezahlt werden mit der Begründung, dass die 0,05%-Nasentropfen ja auch für 1,94€ zu bekommen seinen, dann fällt mir dazu langsam nichts mehr ein. Es ist genau diese „Höchste-Qualität will ich zum geizig-geilsten Preis!“-Mentalität gepaart mit der Marktmacht des „Spitzenverbands der gKV“, die so leidige Probleme wie das komplette Verschwinden von WIrkstoffen aus Wirtschaftlichkeitsgründen oder auch das Valsartan-Debakel entscheidend mitverursacht haben.

      Andererseits kann ich die gKV auch verstehen, die sagt, dass wenn „Candesartan 16mg 98Tabl.“ für <22€ zu bekommen sind, warum sollte man dann für „Atacand 16mg 98Tabl. AstraZeneca“ schlappe 103€ auf die Theke legen?

      Ich bitte doch schwer, bei der Festbetrags-Mehrkosten-Diskussion nicht einfach die Worte „Festbetrag“ und „Mehrkosten“ in den Ring zu werfen, sondern sehr konkrete Beispiele mit sehr konkreten Preisen zu benennen. Sonst werfe ich mal in den Raum, dass 100 Digitoxin-0,07mg-Tabletten in den USA derzeit >100$ kosten, in Deutschland aber für <16€ zu bekommen sind trotz wahnsinnigem 200%-Aufschlag der Apotheke (Beratungsgebühr) und 19% MwSt seitens des Staates. Und ganz ohne Festbetrag. und mit 5€ Zuzahlung – also sage und schreibe 1/3 der Gesamtkosten. Dafür zahle ich bei einer Packung „Harvoni 28 Filmtabl.“ eben nicht 5.000€ dazu, sondern eben nur 10€. Und auch keine Mehrkosten.

      Und nun erkläre mir bitte niemand, dieses System sei „logisch“. Es ist politisch, in ALLEN seinen Facetten.

      Übrigends habe ich bei der Festbetragsrunde zum 15.12.2018 locker mal 250€ Lagerwertverlust organisiert, weil ich mich mit „Forxiga 10mg“ und „Komboglyce“ – zwei chronisch unterversorgte Präparate – bevorratet hatte, als ich sie bekam. Dann senkte AstraZeneca den Preis, und einen Lagervertverlustausgleich gibs von AstraZeneca seit länger als einem Jahrzehnt nicht mehr. Ich beliefere also mal wieder zum Einkaufspreis ohne Aufschlag. Schön zu wissen, wer das Geld zahlt, wenn es nicht der Patient via Mehrkosten ist, nicht? Nix für ungut, aber immer schon die Medaille von beiden Seiten betrachten. Und dann den Rand genau anschauen. Sonst ist man unfair.

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      1. „Des weiteren gibt es sehr wenige Arzneimittel, wo eis keine mehrkostenfreien Alternativen gibt.“
        Den Eindruck habe ich nicht. Gibt es dazu eine offizielle Statistik des DIMDI?

        „Oder einige L-Thyroxin-Präparate, aber da sind mir aufgrund des gesetzlichen Aut-Idem-Verbots die Hände gebunden.“
        Dem Patienten damit auch. Einerseits behauptet der Gesetzgeber die Präperate sind wirkidentisch und der mündige Patient soll entscheiden, was er will und dann natürlich entsprechende Mehrkosten tragen. Andererseits verhindert er, dass er das kann durch das Aut-Idem-Verbot.

        „Aber da könnte der Arzt eine Firma verordnen, …“
        Das kann der Patient aber nicht erzwingen. Die Therapiefreiheit liegt beim Arzt. der Patient kann nur ja oder nein dazu sagen, wenn ihm der Arzt nur eine Therapie anbietet.

        „Es ist genau diese „Höchste-Qualität will ich zum geizig-geilsten Preis!“-Mentalität ….“
        Wenn der Patient Sozialhilfe, Grundsicherung. Hartz iV oder dergleichen bezieht, ist ihm diese Mentalität vorgeschrieben. Sie heißt dort natürlich nicht „geiz-geil“ sondern hat wohlklingende Bezeichnungen wie „Selbstverantwortung“ und „Freiheit“. Der Hilfebedürftige kann sich sich den Regelbedarf frei einteilen, er hat dabei besondere Bedarfe zu berücksichtigen. Er kann selbstverantwortlich entscheiden teurere Medikamente zu erwerben, wenn er dies durch Einsparungen in anderen Bereichen ausgleicht. Sooo easy.

        Die Leistung der Krankenkasse ist immer ausreichend. Das wissen die Gericht schon lange einfach so, ohne das ermitteln zu müssen.

        „Soweit hier zusätzlicher, über den gesetzlich vorgesehen hinausgehender Krankenversicherungsschutz als einkommensmindernd berücksichtigt werden soll, besteht hierfür schon deshalb keine Notwendigkeit, weil der gesetzliche Schutz vom BSG als ausreichend anerkannt und darüber hinausgehender Schutz nicht mehr angemessen ist.“ Bayerisches Landessozialgericht, L 7 AS 476/11 B PKH vom 06.10.2011

        „… die so leidige Probleme wie das komplette Verschwinden von WIrkstoffen aus Wirtschaftlichkeitsgründen oder auch das Valsartan-Debakel entscheidend mitverursacht haben.“

        Wie soll ich das verstehen? Das arme Unternehmen hatte gar keine andere Chance als verunreinigte Medikamente herzustellen?

        Hier mal was zur Illustration, wie mit Armen umgegangen wird, die Straftaten mit Not rechtfertigen.

        „Der Fall hatte sich am 11. März des vergangenen Jahren, gegen 14.50 Uhr im Aldi in Artern zugetragen. Die 33jährige Frau hatte dort Kochhinterschinken, Fleischsalat und Käsescheiben im Werte von 9,86 Euro entwendet. …

        Und dann kam die Einlassung der Angeklagten, welche alle Verfahrensbeteiligte vor Gericht erstaunte: Sie haben stehlen müssen, da die Arge das Hartz-IV-Geld immer später auszahle.

        …. Das Gericht konnte ihre Einlassung nicht widerlegen, dass die Behörde mit der Zahlung im Verzug sei. …

        Im Ergebnis würde sie zu einer Geldstrafe von 990 Euro verurteilt. „Sie sind noch einmal ganz knapp an einer Freiheitsstrafe vorbeigekommen“ so der Richter zur Angeklagten. Nach Ansicht des Gerichtes besteht in Deutschland ein so dichtes soziales und vor allem karitatives Netz, dass niemand zum Stehlen gezwungen sei.“

        https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=70786

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        1. Ich denke, hier existiert ein prinzipielles Missverständnis zur gKV: Die deutschen gesetzlichen Krankenversicherungen (gKV) sind seit längerem schon keine gelebten „Körperschafften öffentlichen Rechts“ mehr, wie es das Gesetz und der Staat vorsieht, sondern gewinnorientierte Marktteilnehmer unter dem Protektorat des Sozialgesetzbuchenes. Des weiteren ist der „Spitzenverband der gKV“ ein Monopolist sonder Gleichen, der allen Anbietern die (Verkaufs)Preise diktieren darf (via „Festbetragsregelung“) und dies auch macht. Diese „Festbetragsrunden“, die IMMER in einer Senkung der zu zahlenenden Gesamtsumme resultiert, findet je nach Wirkstoffgruppe alle 1-2 Jahre statt.

          Des weiteren hat KEIN Leistungserbringer eine Chance, sich dagegen zu wehren. Dies führt z.B. dazu, dass „Xylometazolin-Nasentropfen für Säuglinge 0,025% 10ml“ einen Festbetrag von 1,18€ haben. Das hat in letzter Konsequenz dazu geführt, dass von zwei verbliebenen Herstellern (J&J; GSK) einer sein Produkt zum 01.04.2017 vom Markt genommen hat, weil er die erforderliche Qualität für diesen Endpreis einfach nicht mehr realisieren kann. Eine Preisgestaltung über „Angebot und Nachfrage, der Merkt regelt das“ ist völlig außen vor. Einfach mal so zum Vergleich, wenn ich diese Nasentropfen jetzt zum offiziellen Einkaufspreis einkaufe und dann die 19%(!) MwSt. drauflege, muss ich schon Festbetragsaufzahlung verlangen, weil hiermit er Festbetrag schon überschritten ist. Das ist POLITISCH so gewollt.

          Bei L-Thyroxin (und anderen aut-idem-Austauschverbot-Arzneimittel): Es ist eben nicht so, dass diese Produkte immer gleich gut vertragen werden und damit austauschbar sind. Deswegen haben sich die Apotheker vor Jahren dafür stark gemacht, dass der Austausch ALLEIN in den Händen der Apotheker liegen soll (ohne anschließende Retaxationsmöglichkeit seitens der gKV). Der Gesetzgeber hat dann – unter Einflüsterung der gKV – ins Gesetz geschrieben, dass die Verordnungshoheit allein beim Arzt liegt. Das ist POLITISCH so gewollt. Ich hätte mir eine andere Regelung SEHR gewünscht. Zu aufzahlungsfreien Präparaten einfach die Apotheke fragen, und dann beim Arzt bitten, dass DIESE aufs Rezept geschrieben werden. Macht er das nicht, bitte nicht die Apotheker dafür verantwortlich machen.

          Zum Thema „Mehrkostenfreie Generika-Alternativen“: Ich stehe jetzt seit fast 18 Jahren in Apotheken. Glaub mir bitte, ich habe einen täglichen Eindruck (und berate auch täglich dazu) was geht und was nicht. Ich versuche für Patienten, die NUR das Original haben wollen (aus welchen Gründen auch immer) auch den aktuell am wenigsten festbetrags-lastigen Reimport zu finden. Wer mich fragt, bekommt Antwort, wer mich allerdings nicht fragt, den kaue ich nur begrenzt ein Ohr ab. Auch das sagt mir meine Lebenserfahrung.

          Das arme Unternehmen hatte gar keine andere Chance als verunreinigte Medikamente herzustellen? Nö. Das arme Unternehmen hat sich dem wirtschaftlichen Druck gebeugt, sein Produkt so günstig herzustellen, dass es den von der gKV festgelegten Festbetrag nicht überschreitet. Dazu agiert es wirtschaftlich und kauft den (durch 3 Behörden – Chinesische Gesundheitsbehörde, Europäische Gesundheitsbehörde, Deutsche Gesundheitsbehörte) abgegneten zertifizierten billigsten Rohstoff (=Wirkstoff) ein. Anschließend wird festgestellt, dass 3 Behörden BOCKMIST gebaut haben. Ist doch klar, wer Schuld ist…Nicht die gKV mit ihren fast unmöglichen Preisvorgaben. Auch nicht 3 verschiedene Behörden, wo hochbezahlte Beamte die Augen mit den eigenen Ohren zuhalten, statt ihren Job zu machen. Nein, es ist natürlich das (wirtschaftlich agierende!) Unternehmen, welches unter anderem auch in Deutschland Steuern zahlt, und so die Jobs der Beamten in mindestens zwei der Gesundheitsbehördenm finanziert, die den verunreinigten Wirkstoff als „gut“ durchgewunken haben. Dass bei den derzeitigen Preisvorgaben eine sinnvolle Wirkstoffproduktion in Deutschland unter Berücksichtigung aller arbeits- und umweltschutzrechlichen Aspekte im Generika-Bereich wohl kaum noch möglich ist steht wohl außer Frage. Nur so kann ein Mangel bei „Ibuprofen-Tabletten“, wie er seit ca. 1 Jahr in Deutschland zu verzeichnen ist, zu erklären sein.

          „Geiz-Ist-Geil!-Mentalität: Ich habe bewußt NUR von der gKV geredet. Und da hat sich das jetzt durchgesetzt. Wie soll ich bitte inen Patienten für 12,00€ incl. MwSt. Monatspausche mit Inkontinenz-Produkten versorgen? Das schaffe ich nicht mal bei einem Säugling! Der Festbetrag auf Nebivolol wurde innerhalb 15 Jahren auf den Preis von Metoprolol abgesenkt (welcher seinerseits in den letzten 15 Jahren abgesenkt wurde), unabhängig vom besseren Nebenwirkungsprofil. Usw.Usw. Es geht nicht um die GUTE Versorgung des Versicherten, es geht um die möglichst billige Versorgung.

          Die Leistung der Krankenkasse ist immer ausreichend. Das wissen die Gericht schon lange einfach so, ohne das ermitteln zu müssen. Geht uns Apotheken nicht anders. Die Sozialgerichte entscheiden regelmäßig GEGEN die Apotheken, wenn es mal wieder um eine (seitens der gKV nicht bezahlte) Leistungserbringung geht. Einfach mal auf dem „Deutschen Apotheken Portal“ die frei zugänglichen „Retax“-Fälle lesen, und sich dann erstaunt die Augen reiben. Wenn eine Apotheke z.B. wegen eines angeblich fehlerhaften Arztstempels bei einem teuren Medikament um mehrere tausend €uro retaxiert wird (bei einem Urspungsverdienst von ca. 200€uro andiesem bereist belieferten UND aufgebrauchten Medikament).

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        2. Hier übrigends mal ein hübsches Beispiel, wie schnell man als deutscher Apotheker 500€ los ist, wenn man die Verordnung des Arztes bei Aut-Idem-Verbot umsetzt und eben nicht die Wünsche der gKV befolgt: https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/500eur-retax-kasse-muss-keine-auskunft-erteilen-rabattvertraege/

          Interessant in dem Zusammenhang ist, dass die WIRKLICHEN Kosten, als der Preis abzüglich des (geheimen) vom Hersteller gewährten Rabattes, auch weiterhin geheim bleiben dürfen. Aus „wirtschaftlichen“ Gründen. So wird er Apotheker nicht nur um das Geld gebracht, was er der Krankenkasse „zu viel“ in Rechnung gestellt hat – nämlich die Summe der Rabatt-Rückzahlung des Herstellers an die gKV – sondern sozusagen die gesamten Behandlungskosten des Patienten übernehmen darf. An so einer 500€-Packung „Prograf 1mg 100St.“ bleiben beim Apotheker übrigends sage und schreibe 18,84€ hängen – VOR Steuern. Das entspricht einer Gewinnspanne von 4,5%. Wer hätte DAS gedacht?!

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  19. @Annette Ga
    Diese freundlichen Tippgeber kennt leider wohl jeder chronisch Kranke. Die haben tolle Ideen wie man alles viel besser machen kann und ihnen selbst oder Verwandten/Bekannten/Freunden hat das so toll geholfen und das Wundermittel ist auch noch ganz billig, da kann man doch mal einen Versuch machen. Die Reaktion, wenn man das ablehnt reicht oft von völligem Unverständnis bis zu leichter Aggression, wie man nur so verbohrt sein könne, das nicht wenigstens mal auszuprobieren und dem Vorwurf, man wolle wohl nicht gesund werden.

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  20. Meine Erfahrung aus der Zeit als es noch Noncompliance hieß, ist, dass ich einmal mit einem Arzt diskutierten wollzte, warum er das in seinem Arztbrief über mich schrieb, da ich seine Verordnung in der Situation für kontraproduktiv hielt. Der hat mich in Nullkommanix eingesackt gehabt. Pschyrembel auf. Nachgeschlagen. Noncompliance ist definiert als den Anweisungen des Arztes nicht Folge zu leisten. Dass die sinnvoll sein müssen, steht da nicht. Nun, wo der Doc Recht hat, hat er Recht. Danke für die Info. Seitdem sehe ich das entsprechend locker, als noncompliant bezeichnet zu werden.

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  21. @gedankenknick
    „Die Kosten hab ich nicht wegen der Zuzahlung hier reingenommen, sondern weil mir ca. 1x pro Tag gesagt wird, dass Deutschland die teuersten Arzneimittel der Welt hat (einself)! Wenn ich das mit den Kosten in der Schweiz vergleiche, die @DerFloh freundlicher Weise veröffentlicht hat, grinse ich da immer nur in mich hinein.“
    Schon klar, aber was zahlt in der Schweiz ein Versicherter letztlich?

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    1. Das kann ich nicht sagen, denn ich kenne mich im schweizer System nicht aus.

      Im deutschen System bleibt primär die Zuzahlung von 5 bis 10€ pro Medikamentenpackung am Patienten hängen (plus gegebenenfalls dei Festbetragsaufzahlung), gedeckelt auf 2% Bruttojahreseinkommen bzw. 1% Bruttojahreseinkommen bei chronisch kranken Patienten. Letztere greift aber nur, wenn man SELBER als Versicherter einen Antrag auf Befreiung von der Zuzahlung (bzw. rückwirkend) einen Antrag auf Rückerstattung zuviel bezahlter Zuzahlung an seine gKV stellt.

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      1. „Im deutschen System bleibt primär die Zuzahlung von 5 bis 10€ pro Medikamentenpackung am Patienten hängen (plus gegebenenfalls dei Festbetragsaufzahlung), gedeckelt auf 2% Bruttojahreseinkommen bzw. 1% Bruttojahreseinkommen bei chronisch kranken Patienten.“
        Der Satz könnte leicht missverstanden werden. Gedeckelt ist nur die Zuzahlung, nicht die Aufzahlung. Die ist bestenfalls von der Einkommensteuer absetzbar, was natürlich voraussetzt, dass man überhaupt über genügend Einkommen verfügt, eine solche zu zahlen.

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    2. Was zahlt in der Schweiz ein Versicherter letztlich?
      In der Apotheke (sofern er nicht eine Krankenkasse wie die Assura hat und alles mal vorzahlen muss) nichts. Wir treiben für die Kassen kein Geld ein – auch weil wir verschiedenes nicht wissen (können).
      Ich kenne die Versicherungsdeckung – weiss, ob der Patient nur Grund, oder auch Zusatz-versichert ist. Was von der Zusatzversicherung allerdings übernommen wird und wieviel, weiss ich nicht.
      Bevor die Krankenkasse etwas übernimmt, gibt es einen (selbst gewählten) Betrag, den der Patient erst mal selber bezahlt: die Franchise. Da ich in der Apotheke nicht weiss, wie hoch die ist, rechne ich die Medikamente der Krankenkasse ab und die verlangt das Geld bei nicht erreichter Franchise vom Patienten zurück.
      Von den Medikamenten, die die Kasse übernimmt, bezahlt der Patient 10% (den sogenannten Selbstbehalt) selber. Der Selbstbehalt kann 20% sein für teure Medikamente, bei denen Generika existieren. In der Apotheke muss ich darauf hinweisen und den Patienten in Richtung Generika steuern. Ob und welche er nimmt, ist dann aber ihm überlassen (mit freundlicher Hilfe bei der Wahl durch die Apotheke). – Das ist übrigens etwas, das die Kassen auch gerne ändern wollten, dass nur noch das günstigste übernommen werden soll.
      Was der Patient selber bezahlen muss an Selbstbehalt ist übrigens auch gedeckelt (bei 750 Franken im Jahr oder so).
      Was aber teuer ist, sind die monatlichen Krankenkassenprämien. Beispiel: Ich und Junior zahlen zusammen pro Monat über 500 Franken. Die Prämien sind nicht lohnabhängig …

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      1. Danke für die Erläuterung.

        „Von den Medikamenten, die die Kasse übernimmt, bezahlt der Patient 10% (den sogenannten Selbstbehalt) selber. Der Selbstbehalt kann 20% sein für teure Medikamente, bei denen Generika existieren. In der Apotheke muss ich darauf hinweisen und den Patienten in Richtung Generika steuern.“

        Ergänzungsfrage an Pharmamama. Gibt es in D eine solche Pflicht? Wo steht sie ggf.? Mir ist schon mehrmals passiert, dass ich erst, als man mich Abkassieren wollte auf Nachfrage etwas Günstigere erhielt.

        „Ob und welche er nimmt, ist dann aber ihm überlassen (mit freundlicher Hilfe bei der Wahl durch die Apotheke). – Das ist übrigens etwas, das die Kassen auch gerne ändern wollten, dass nur noch das günstigste übernommen werden soll.“

        Ein Festbetrag existiert gar nicht?

        „Was der Patient selber bezahlen muss an Selbstbehalt ist übrigens auch gedeckelt (bei 750 Franken im Jahr oder so).“

        Hier auch; § 61 SGB V.

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    1. Zuzahlungsdeckel:Zur Schweiz kann ich wie gesagt nichts sagen.

      Zu Deutschland ist die Deckelung der Zuzahlung (abgesehen von Festbeträgen und anderen Selbstbehalten wie des 50%-Selbstbehalts bei Verordnung im Rahmen einer künstlichen Befruchtung §27a SGB V u.ä.) mit den 2% bzw. 1% Bruttojahreseinkommen gedeckelt. Dies sagte ich bereits. Dort werden auch Zuzahlungen zu Krankenhausaufenthalten (bis 280€/a), Hilfsmitteln, Reha-Maßnahmen etc. berücksichtigt.

      Eine andere Deckelung existiert nicht, wenn man davon absieht, dass Hilfsmittel EINER Indikation mit 10€ Zuzahlzung pro Monat gedeckelt sind. Bekommt man aber Hilfsmittel für UNTERSCHIEDLICHE Indikationen, sind jeweils bis zu 10€ Zuzahlung pro Monat fällig.

      Mir ist schon mehrmals passiert, dass ich erst, als man mich Abkassieren wollte auf Nachfrage etwas Günstigere erhielt.
      Hier ist jetzt die Frage – Deutschland oder Schweiz. In Deutschland gibt es da zwei spannende Regelungen für:
      1) Kassenrezept
      1a) Es existiert mehr mehr als EIN Rabattvertrag. Dann hat der Apotheker die „freie Auswahl“, gegebenenfalls gibt es einen zuzahlungsbefreiten (weil GEsamtkosten max. 70% vom Festbetrag) und einen zuzahlungspflichtigen Artikel (weil Gesamtkosten 71-100% vom Festbetrag). Meistens ist der zuzahlungsbefreite Artikel dann aber nicht mal lieferbar.
      1b) Es existiert KEIN Rabattvertrag: Hier darf der Apotheker das verordnete oder eines der drei preiswertesten Medikamente abgeben. Die drei Preiswertesten sind allerdings oft nicht lieferbar, haben oft dei gleiche Zuzahlung oder haben z.b. weniger Tabletten Inhalt bei gleicher Packungsgrößenzuordnung (Normgröße N1; N2 oder N3).
      2) Privatrezept: Der Apotheker hat zu liefern, was der Arzt verordnet. Auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten kann auf ein Aut-Idem-Produkt ausgewichen werden, dies kann aber Haftungskonsequenzen für den Apotheker nach sich ziehen. Deswegen machen das viele Apotheker ungern.

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      1. „Hier ist jetzt die Frage – Deutschland oder Schweiz.“

        D

        „1a) Es existiert mehr mehr als EIN Rabattvertrag. Dann hat der Apotheker die „freie Auswahl“, gegebenenfalls gibt es einen zuzahlungsbefreiten (weil GEsamtkosten max. 70% vom Festbetrag) und einen zuzahlungspflichtigen Artikel (weil Gesamtkosten 71-100% vom Festbetrag). Meistens ist der zuzahlungsbefreite Artikel dann aber nicht mal lieferbar.“

        Wenn das so kommuniziert wird, hab ich damit kein Problem.

        „1b) Es existiert KEIN Rabattvertrag: Hier darf der Apotheker das verordnete oder eines der drei preiswertesten Medikamente abgeben. Die drei Preiswertesten sind allerdings oft nicht lieferbar, haben oft dei gleiche Zuzahlung oder haben z.b. weniger Tabletten Inhalt bei gleicher Packungsgrößenzuordnung (Normgröße N1; N2 oder N3).“

        „… darf der Apotheker das verordnete …“ verstehe ich dann schon richtig: er muss wenn ein Aufzahlungspflichtiges verordnet wurde nicht darauf hinweisen, dass es auch austauschbare gibt?

        Dies N-Ziffern sagen nichts über die Anzahl der Tabletten beim selben Wirkstoff? Das hätte ich jetzt nicht erwartet.

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        1. Die Packungs-Normgrößen-Zuordnungen (N1 = kurzer Behandlungszeitraum; N2 = Einstellung der Medikation; N3 = Dauermedikationsverordnung) ist definiert in der „Packungsgrößenverordnung“, die alle paar Monate angeasst wird. Dabei hat ein einzelner Hersteller bewirkt dass Normgrößen untereinander austauschbar sind, wenn sie
          N1 +-20% um den Norminhalt
          N2 +-10% um den Norminhalt
          N3 -5% um den Norminhalt
          abweichen.

          Daß heißt, ist eine Packung „Pantoprazol Firma XY 20mg N1 30St.“ verordnet, darf mir die Krankenkasse als Austausch auch andere Firmen mit Inhalt 24St. bis 36St. verlangen. Dabei kanndie verordnete 30St.-Packung durchaus zuzahlungsbefreit (aufgrund 30% Unterschreitung des Festbetrags) sein, die von der Krankenkasse vorgeschriebene 25St.-Packung allerdinsg zuzahlungspflichtig sein. Einen „pharmazeutischen Einspruch gegen den Austausch aufgrund abweichender Zuzahlung“ gibt es allerdings nicht.

          Die Packungsgrößenverordnung ist ein bürokratisches Monster und findet sich hier: https://www.deutschesapothekenportal.de/fileadmin/user_upload/download/arbeitshilfen/dap_arbeitshilfe_packungsv.pdf

          Lustig z.B., wenn ein Kinderarzt „Ibuprofen 200mg akut Tabletten 10St. N1 2,50€“ verordnet auf Kassenrezept, die Apotheke dann aber auf „Ibuprofex Rx 200mg 20St. N1 14€“ austauschen muss, denn N1 ist schließlich N1! Aber für Kinder würde in diesen beiden Fällen keine zuzahlung fällig werden.

          Noch nicht kompliziert genug? Es gibt Packungen, die nicht der Packungsgrößenverordnung entsprechen, die aber beliefert werden dürfen. Andere dürfen nicht (z.B. Jumbopackung) beliefert werden bei Null-Retax-Garantie, auch wenn 1x200St. (> N3) der Kasse preiswerter kommen würde als 2x 100St.N3. So der Arzt aber kein Vermerkt „Menge ärztlich erforderlich“ auf das Rezept aufbringt, dürfte der Apotheker bei der 1x200St. Verordnung nicht mal 1x100St.N3 beliefern, sondern nur 1x20St.N1, weil „der Wille des Arztes unklar ist“. Alles klar?

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