Von Gift und Heilmittel

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casanovazitat

Um für einmal als Apotheker nicht Paracelsus zu zitieren, sondern … Casanova!

Gift in den Händen eines Weisen ist ein Heilmittel, Ein Heilmittel in den Händen eines Toren ist ein Gift…

Wahre Worte im Zusammenhang mit Medikamenten … die eben keine normalen „Konsumgüter“ sind, so gerne manch Detailhandel das im Sortiment sehen will (Ich schau‘ Dich an, Migros!). Was Medikamente im Supermarkt für Folgen haben können, sieht man gut in den USA:  Dort sind die Hälfte aller Dialysepatienten deshalb ebensolche, weil sie zu viele Schmerzmittel im Lauf ihres Lebens eingenommen haben. In Kalifornien brauchen 70 Kleinkinder jährlich eine neue Leber, weil die Eltern das Schmerzmittel zu hoch dosiert haben.

Ibuprofen und Paracetamol und Aspirin im Supermarktregal – womöglich auch noch in der günstigeren Grosspackung … und die Leute verlieren den Respekt vor diesen doch potentiell gefährlichen Mitteln. Die Dosis macht das Gift. Und die richtige Anwendung – im Zusammenhang mit dem dahinterstehenden fachlichem Wissen und Beratung in der Apotheke machen aus einem potentiellen Gift ein Heilmittel.

Medikamente gehören in die Apotheke und nicht in den Supermarkt.

Nur damit das auch mal wieder gesagt ist.

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5 comments on “Von Gift und Heilmittel

  1. Der Flo sagt:

    Es sind in Amerika aber nicht nur die freiverkäuflichen Analgetika, die zum Problem geworden sind.

    Ich war gerade vor einer Woche in den USA, da bin ich auch mehrfach über Aktionen gegen den zunehmenden Opiat-Missbrauch gestolpert: im Fernsehen, auf Plakaten, sogar bei einem Football-Match (dem eigentlichen Grund für meine Reise). Das hat dort anscheinend in den letzten 10-15 Jahren massiv zugenommen, weil diese Medikamenten-Hämmer von Ärzten immer unkritischer verschrieben werden („Dr. House“ lässt grüssen). Infolgedessen hat wohl auch der Heroin-Missbrauch stark zugenommen.

    (Nebenbei war auch die Medikamenten-Werbung im TV sehr erhellend – da werden inzwischen die vielen verschiedenen synthetischen Antikörper (also die, deren Wirkstoffnamen auf „-ab“ enden) umfangreich beworben (allen voran „Humira“, von dem ich in nur zwei Tagen 4 Spots gesehen habe). Dazu diverse hierzulande noch unbekannte Medis gegen Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis. Und die neuen Antidiabetika, die man heutzutage ja alle spritzen muss, anstatt sie als Tabletten einzunehmen. Ob das ein Trend ist, weg von der oralen Einnahme (mit all ihren Problemen wie Galenik, Resorptionsquote, First-Pass-Effekt usw.) zur parenteralen Applikation? Wenn es so läuft, wie sonst auch immer, werden wir die Antwort hier in Europa wohl in den nächsten 10 Jahren erhalten.)

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    • Der Flo sagt:

      Kleiner Nachtrag – hier einer der Spots der „Opioid Awareness Campaign“:

      Und hier einer der Medikamenten-Werbespots (sowas müsste man sich mal hierzulande vorstellen):

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    • Pharmama sagt:

      Jaja, die USA – die haben ein wirklich massives Opioidproblem. Ein ziemlich hausgemachtes in meinen Augen. Die Pharmafirmen machen Werbung für rezeptpflichtige Medikamente und die Ärzte werden auch durch die Patienten unter Druck gesetzt das zu verschreiben – selbst bei nicht so starken Schmerzen. Vor allem aus Angst vor schlechten Bewertungen (im Internet oder der Klinik) wegen „inadäquater Schmerzstillung“ haben sie die oft wie Bonbons rausgehauen. Selbst Zahnärzte verschreiben die dort nach normalen Zahnbehandlungen. Die Leute wurden abhängig … und jetzt kommen viele nicht mehr davon los.

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      • Pharmama sagt:

        Ah ja vor nicht allzu langer Zeit haben sie die Kombinationsmittel Opioid-Paracetamol (dort Acetaminophen) „entschärfen“ müssen – also weniger Paracetmol drin, da bei der Überdosierung von Opioiden (um high zu werden) das zusätzlich häufig die Leber kaputtgemacht hat …

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  2. B. Cottin sagt:

    Kl. Verschreiber im Rahmen: Es muss „Girolamo“ (die ital. Form von Hieronymus) heißen.

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