Die andere Apotheke

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Samstag Nachmittag. Im Moment läuft viel, dieses Jahr ist die Grippe früher gekommen und wer nicht die Grippe hat, hat im Moment den Norovirus. Ich bin an der Kasse dabei mit einem Kunden den Verkauf abzuschliessen.

Drogist Urs übergibt mir sehr kurz seine Kundin: „Pharmama, könntest Du bei ihr schauen, ich übernehme deinen Kunden.“

Das … ist kein Problem – bei meinem muss ich sowieso nur noch einkassieren, trotzdem wundert mich die doch sehr knappe Übergabe. Sehr untypisch für Urs.

Seine Kundin verzieht schon bevor sie etwas sagt das Gesicht. Dann legt sie los, als ich sie fragend anschaue.

„Sie sind die Apothekerin? Na gut. Ich bin Ärztin. Ich würde gerne das hier für mein Kind haben!“ (hält mir einen freiverkäulichen, homöopathischen Hustensirup unter die Nase) …

Ich: „Oh, gut. Wenn sie Ärztin sind, bekommen sie bei uns auch dafür 10% …“

(deshalb hat sie Urs aber nicht abgegeben, oder …?)

Frau: „Ich will das aber nicht zahlen. Bei den anderen Apotheken geht das so, dass ich das bekomme und sie dann dem Kinderarzt faxen, um ein Rezept zu bekommen.“

Ah. Sie will also einen Vorbezug machen. Für einen Sirup, der gerade mal 15 Franken kostet. Weniger für sie als Ärztin.

Ich: „Hmm. Ich mache das gelegentlich. Bei bekannten Kunden. Waren Sie oder das Kind schon einmal hier und haben etwas auf Rezept bekommen?“

Jetzt verzieht sie wirklich das Gesicht: „Wenn das nicht geht, gehe ich in eine andere Apotheke!“

Oh. Bitte. Ist das eine Drohung? Dann verliere ich den Wahnsinnsumsatz für den ich auch noch extra herumtelefonieren darf? Ruhig bleiben, Pharmama.

Freundlich lächelnd: „Wie ist denn der Name?“

Sie gibt mir eine Krankenkassenkarte (aus dem übrigens gut gefüllten Portemone) und ich schaue im Computer nach. Sie war noch nie hier mit einem Rezept. Weder das Kind (für das sie die Karte nicht dabei hat), noch sie selber.

Zum Rekapitulieren – Praktisch ist es das was sie will: Nicht zahlen, Sirup nehmen und einfach gehen. Für uns bedeutet das aber das: Ich muss das Kind neu im Computer als Patient aufnehmen. Ich muss die Deckung kontrollieren – kann ich auch erst am Montag, da sie die Karte nicht hat und die Kasse jetzt am Wochenende nicht erreichbar ist. Dann muss ichdas Rezept vom Arzt verlangen – und hoffen, dass der das Rezept auch wirklich schickt. Ich muss das Mittel dann der Krankenkasse einschicken zum abrechnen. Die Krankenkasse wird ihr dann (weil die Franchise wahrscheinlich noch nicht erreicht ist) die Rechnung für die 15 Franken schicken.

Ich treffe eine Entscheidung.

Pharmama: „Tut mir leid, aber sie habe ich noch nicht drin. Wie gesagt, mache ich das bei bekannten Kunden, aber so … Nein. Sie können das haben – mit einem Rabatt von 10%, aber sie müssten es jetzt bezahlen.“

Frau: „Dann halt nicht! Dann gehe ich in die andere Apotheke, dort geht das!“

Pharmama: „Sicher. Schönes Wochenende!“ wünsche ich noch – und denke bei mir: viel Spass dabei, jetzt am Samstag nachmittag ist die Chance noch gross, dass „die andere Apotheke“ schon zu hat.

Aber speziell schön fand ich ihre Aussage/Behauptung, dass sie Ärztin ist. Ich bin ziemlich sicher, sie hätte als solche (mit Praxis) keine grosse Freude, wenn ihre Patient(inn)en einfach so in allen Apotheken Vorbezüge verlangen gehen. Für Sachen, die man auch ohne Rezept bekommen kann.

Ich nachher so zu Urs in einer ruhigen Minute: „Du, Urs … Ich muss dir leider sagen … sie hat das auch von mir nicht so bekommen.“

Urs: „Finde ich super.“

Ja. Die andere Apotheke ist aber besser – oder?

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45 comments on “Die andere Apotheke

  1. heutmalanonym sagt:

    Wie, für ca 8,50 Franken Rohumsatz (geschätz) willst Du nicht ca 1 Stunde arbeiten?!?!einself…ironieoff
    Auch pädagogisch die richtige Entscheidung, nicht nur betriebswirtschaftlich!
    Und ob sie Ärztin ist oder nicht, ist völlig nebensächlich, da der Saft ja eh kein Rezept erforderte, oder?

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    • Pharmama sagt:

      Nee, will ich nicht. Das ist nicht wirtschaftlich.
      Oft genug mache ich es aber trotzdem: Wenn Not am Mann oder an der Frau ist. Bei Stammkunden als Service. Oder bei vielen Rezepten sowieso. Das ist so.
      Aber in dem Fall habe ich das einfach nicht eingesehen.

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      • sechseckiges Sterndingsbums sagt:

        Ich glaube, ich hätte der Kundin beim Satz „Wenn das nicht geht, gehe ich in eine andere Apotheke!“ gesagt, dass das in dem Fall wohl wirklich besser sie. Dort scheint sie ja dann schon bekannt zu sein.
        Andererseits sol ein zufriedener Kunde drei weitere mitbringen, ein unzufriedener zehn weitere mitnehmen – oder so ähnlich. Gerade als Ärztin kann man die Kunden ja schon beeinflussen. Daher finde ich Dein Verhalten in dem Fall nicht gut. Mag sein, dass es in Wirklichkeit von Deiner Seite freundlicher ablief als ich es mir gerade vorstelle, dann nehme ich es teilweise zurück.

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        • turtle of doom sagt:

          Die Frage ist, an welche Kunden sie Pharmamas Apotheke weiter empfiehlt, wäre sie mit ihren Sonderwünschen durchgekommen.

          Wenn Pharmama den Ruf bekommt, dass bei ihr Ausnahmen die Regel sind…

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        • Pharmama sagt:

          Ich war (auch wenn sich das vielleicht nicht so liest) durchgehen freundlich und geduldig. Ich habe meine Entscheidung erklärt. Sie war ganz offensichtlich auch nicht unsere Kundin, und wenn es nicht Samstag mittag gewesen wäre, hätte ich sie vielleicht nicht einmal in der Apotheke gehabt – noch glaube ich, dass sie wiedergekommen wäre wenn ich denn in dem Fall die ganze Mühe und Risiko auf mich genommen hätte. Und wenn sie Ärztin war (Ausweis hat sie mir ja nicht gezeigt), denke ich, ist sie momentan nicht praktizierend. Aber natürlich hast Du recht: es ist wichtig, dass man den Kunden Service bietet. Und Freundlichkeit. Und Beratung. Eigentlich denke ich sind wir hier in der Apotheke in allen drei Dingen sehr gut.
          Nur halt mit Grenzen.

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  2. Elawen sagt:

    Hihi… Wahrscheinlich seid ihr schon die andere Apotheke gewesen 😂, wer weiß wo und wie oft sie das schon an dem Tag probiert hat…. Und alle waren so gemein, und haben es ihr nicht für lau gegeben. Böse Apotheke! Ironie off

    PS: es war ein homöopathisches Mittel? Ne Tüte Zucker und ein Sack Zwiebeln kommt günstiger und Zwiebelsaft hilft tatsächlich bei Halsschmerzen 😉

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    • Pharmama sagt:

      Ja. irgendsoetwas habe ich mir auch noch gedacht. Gereizt genug war sie dafür.
      Ja, es war ein homöopathisches Mittel. Aber ich denke nicht mal, dass es ihr um „günstiger“ ging, sondern nur um weniger Aufwand (für sich) oder so. Von daher wären Zwiebelsaft herstellen für sie sicher keine Option. Ausser wir würden das machen. Und dann noch der Kasse verrechnen?

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  3. samybee sagt:

    Muss man eigentlich nachweisen, dass man Arzt ist? Oder reicht es, mit entsprechenden Auftreten zu sagen: „Ich bin Arzt!“?

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  4. @samybee:
    „Ich bin Arzt!“ reicht nicht als Legitimation. Vorher muss man sagen „Lassen Sie mich durch!“ 😉 In D gibt es einen Arztausweis, den der Arzt bei der KV beantragen kann. Kostet auf 5 (oder 10?) Jahre ca. 10€. Haben die allerwenigsten Ärzte, braucht man ja nie! Ohne Worte…

    @Pharmama:
    Jaja, die „andere Apotheke“. Die am Ortsrand gibt dann noch eine zweite Flasche Hustensaft geschenkt dazu. Und die hinter den sieben Bergen rechnet mit der Kasse den Hustensaft fürs Kind ab, gibt dem Vortragenden aber die so bitter dringend benötigten Schlaftabletten. Und wirklich ALLE Apotheker beliefern auf ein Sovaldi-Rezept eine Schrankwand, und für ein zweites gibts ein topaktuelles Fernsehgerät Marke Rembrandt sowie ein HDMI-Kabel mit vergoldeten Kontakten. http://www.hts-homepage.de/DDR/OSWFernseher.html

    Achja: Dieser Kommentar kann eventuell Spuren von Ironie enthalten!
    @TurtleOfDoom: Diese Warnung kann eventuell Spuren von Sarkasmus enthalten!

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    • Pharmama sagt:

      Bei uns gibt es Arztausweise vom BAG. Die neuen sind schick in hellgrau/weiss, eine Plastikkarte. Die alten sind gelb gewesen. Wir nehmen die „an“ und auch Diplomkopien und teils ausländische Ausweise.

      Die „andere Apotheke“ ist ein mystisches Gebilde. Irgendwann mache ich mich mal auf die Suche nach ihr.

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    • turtle of doom sagt:

      Ich habe deine Beschreibung für bare Münze genommen, werter Herr Knick. Und jetzt mache ich mit Mungo Park eine Forschungsreise in dieses verwunderliche Land der Apotheker!

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  5. Dominikus sagt:

    homöopathischen Hustensirup<

    OK. Ich muss das jetzt einfach mal eine Apothekerin fragen.

    Liebe Pharmama:

    Warum wird sowas im 21. Jahrhundert eigentlich überhaupt noch in einer seriösen Apotheke angeboten? Ich habe aufgrund der bisherigen Blogartikel hier nicht den Eindruck, dass du viel von der Irrlehre der Homöopathie und Konsorten hältst (und wohl genau aus diesem Grund verkauft ihr vermultlich auch keine Voodoopuppen, Nashornpulver und Opferziegen – oder? 😉 )

    Also warum bitte kann man heute Scharlatan-Pseudomedizin in jeder Apotheke bekommen (ich habe hierzulande wirklich noch nie eine Apotheke betreten, in der sich nicht mindestens ein Regal voll von Schüssler-Salzen und ähnlichem Unsinn gefunden hätte.

    Eine Apothekerin in „meiner“ Apotheke trägt stolz einen Button „fragen Sie mich zu Schüssler-Salzen (und irgendwas von spezieller Ausbildung auf dem Gebiet). Ich kann solchen Leuten fachlich schlicht und ergreifend nicht vertrauen. Entweder sie hat die grundlegenden Zusammenhänge der Medizin im speziellen und der Naturwissenschaften im Allgemeinen nicht begriffen (und dann ist sie aus meiner sicht nicht kompetent) oder es ist alleine der finanzielle Anreiz, dieses Zeug zu verkaufen (und dann ist sie aus meiner Sicht nicht ehrlich).

    Dass dieses Zeug dann auch noch teilweise von den Krankenkassen übernommen wird, ist aus meiner Sicht ebenfalls skandalös, aber nochmals ein ganz anderes Thema.

    Würde mich über eine erleuchtende Antwort zu dieser Thematik aus der Sicht Pharmamas sehr freuen 🙂

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    • Pharmama sagt:

      Die kurze Antwort (wenn Du nicht hören willst, dass der Placeboeffekt zumindest auch eine Wirkung zeigt) ist die: Angebot und Nachfrage. Und ja: in der Schweiz wird das (nach Volkswillen) sogar von den Krankenkassen bezahlt. Und von Ärzten verschrieben. Da kann man das nicht einfach nicht führen.
      Die lange Antwort findest Du hier: https://pharmama.ch/2015/09/27/die-homoeopathiefreie-apotheke/

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    • Delilah sagt:

      ich als Apothekerin kann dazu nur sagen:
      Ich weiß es wirklich nicht. Prinzipiell gehört das Wissen über Homöopathie (zumindest in D) für Apotheker zum Lehrplan dazu, da es hier das „Homöopathische Arzneibuch“ gibt, es also streng genommen zu unser „Gesetzessammlung“ gehört. Also müssen wir darüber Bescheid wissen.
      Einige Kommilitonen glauben diesen Unfug leider…besonders anfällig ist meiner Meinung nach die „Auswendiglern-Fraktion“ (verstehen wenig, lernen alles auswendig und kommen so mehr oder weniger durch die Prüfungen). Diese verkaufen das hinterher.
      Dann gibt es noch die Spezialisten, die eigene homöopathische Apotheken betreiben…ich hatte hier im Ort (Großstadt) mal gemeinsam mit einer Notdienst (wenn einer ein Produkt nicht hat, ruft der die anderen Notdienstapotheken an, um dem Kunden sinnloses Rumfahren zu ersparen)…die erzählte mir dann, dass sie Antibiotika nur für den Notdienst überhaupt da hat, weil sie so ein chemisches Giftzeug (sic!!!) sonst ja niemals verkaufen würde….da kann ich dann auch nichts mehr zu sagen.

      Und dann gibt es da noch Apotheker wie mich: Die Homöopathie-Fans nicht ihren Placebo-Effekt kaputt machen wollen. D.h. wenn einer für Befindlichkeitsstörungen Homöopathie will, darf er sie gerne ohne Belehrung haben(nach Abchecken, ob es nicht doch was ernstes is)t. Und ganz selten empfehle ich sogar mal welche, z.b. bei Wechseljahresbeschwerden, wo die Patientin alle anderen Methoden (inkl. Arztbesuch) abgelehnt hat.

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      • Pharmama sagt:

        Dass es Apotheken gibt, die Antibiotika „so Giftzeug“ nenen, ist wirklich erstaunlich. Nein. Falsches Wort. Bedenklich passt besser. :-O
        Ich halte es so wie Du. Nur dass ich noch den Vorteil habe, das an die „Spezialisten“ bei uns dafür abgeben zu können: die Drogisten. Es ist ja wichtig für die Wirkung, dass das mit genug Überzeugung rüberkommt.

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    • Dominikus sagt:

      Ich danke euch!

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      • Dominikus sagt:

        BTW, Ad Antibiotika und „so Giftzeug“: doppelt kurios ist die Aussage ja, wenn man bedenkt, dass es sich bei vielen Antibiotika um natürliche Stoffe handelt, die z.B. von Schimmelpilzen und Pflanzen gebildet werden 🙂
        Dasselbe gilt übrigens auch für viele Chemotherapeutika. Aber ich schweife ab…

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    • s'gramselet sagt:

      Auch wenn der Satz etwas abgedroschen ist: Es ist ein freies Land, und der Patient hat ein Recht darauf, Homöopathie zu erhalten, wenn er sie wünscht. Homöopathie hat durchaus seine (begrenzte) Daseinsberechtigung – wenns dem Patienten hilft, warum nicht? Zum Beispiel in der Onkologie wird Alternativmedizin parallel zur Chemo, Bestrahlung etc eingesetzt, weil sich der Patient damit einfach besser fühlt. Sowas dann nichts anzubieten, wäre für mich das Äquivalent zur Zensur oder so.
      Weiter: Es ist ja nicht so, dass es absolut garnichts wirkt. Ein Placebo-Effekt ist auch ein Effekt. Und abgesehen davon sind manche „echten Medikamente“auch nicht viel mehr als Placebos hust Diclofenac-Gel hust.

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  6. Irene sagt:

    Besonders schön wird es dann, wenn etwas „Handfestes“ gegen die Abgabe spricht (also: gesetzeswidrig, oder gegen die Anweisungen der Direktion, man das auch so der Kundin mitteilt und die empört sagt „Das ist nicht wahr, Sie lügen, ich WEISS, dass Sie mir das geben dürfen!“
    Mir in der Bibliothek mal so passiert. Da kann ich nur raten: lächeln und winken…

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  7. almandor sagt:

    Brr. Bei Homöopathie sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Einen Arzt der mir das verschreibt suche ich nie wieder auf.

    Erst letztens gehabt: Augenprobleme. Mit Augenarzt telefoniert und Symptome beschrieben. Empfehlung bekommen mir einen Augenarzt zu suchen der kurzfristig noch was frei machen kann oder sofort in die Augenklinik zu fahren. Durch Rumtelefonieren zum Glück noch einen Augenarzt gefunden der morgens immer Notsprechstunde für unangemeldete Patienten hat und passend erschienen. Untersuchung und Verdacht auf Entzündung der Netzhaut. Ab in die Augenklinik. Dort Entwarnung, nur altersbedingte Verschlechterung einer Augenverletzung aus meiner Kindheit. Zurück zum Augenarzt zwecks AU da die Klinik das nicht mehr ausstellt. Augenärztin zu mir: „Ja da ist aktuell die Schulmedizin am Ende. Hier, ich schreibe ihnen noch zwei Sorten Kügelchen und ein Pulver auf. Nehmen sie das und kommen sie in zwei Monaten zur Nachkontrolle.“

    Ich habe sie ungläubig angesehen und beim Gehen die Telefonnummer aus dem Handy gelöscht.

    Die hat sich nicht mal die Mühe gemacht den Namen von dem Zucker zu lernen den sie da anpreist.

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    • Kathy sagt:

      Köingt nach meiner ehemaligen Hausärztin/Gyn. Ich hatte in der Jugend abartige Menstruationsschmerzen, quälte mich aber damit in die Schule. (Laut meiner Mama ist das kein Grund zum abwesend sein!) Wir wollten es erst auf die „sanfte Tour“ versuchen, eine Lösung zu finden, denn die Jugendgynäkologen hatten schon am Telefon eine passende Antwort: Die Pille. Ne danke.
      Also ging ich zu ihr. Keine Untersuchung, kein Ultraschall. Durch das Gespräch kam sie zu der einsicht: Vegan leben jeweils 2 Wochen vor der Periode. Und dann Homöopathie gegen die Schmerzen. Ersteres war in einer Mensa ohne Mikrowelle vor über 10 Jahren nicht möglich (ausser Salat und Pommes täglich, aber davon wird man ja auch nicht satt für weitere 5 Stunden Unterricht) und zweiteres: ich hatte mich gekrümmt vor Schmerzen! Sie hatte mir kein gutes Argument, warum Zucker da nun helfen sollte. Ausser, dass sie mich für 10 Stunden verpflichten könnte (so lange bräuchte das) à 250.-

      In der 2. Sprechstunde rannte sie wutentbrannt raus, als ich meine Meinung kund tat. Und drückte mir die böse Pille in die Hand. Sie sah mich nie mehr wieder, die Pille nahm ich dann auf anraten meiner Gyn. Ob die Depressionen dann davon kamen, weiss ich nicht. Aber immerhin wusdte ich nach dem Untersuch und Ultraschall, dass da alles ok war. (Nach Absetzen der Hormone gings mir lustigerweise besser, auch schmerztechnisch).

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      • Pharmama sagt:

        Das mit der üblen Periode hatte (habe) ich auch. Samt Mama, die mir erklärt hat, ich soll mich nicht so anstellen, da das keine Krankheit sei. Erst später habe ich herausgefunden, dass sie mindestens so gelitten hat wie ich. Auch bei ihr (und mir) hat die Pille dann Besserung gebracht. Inzwischen nehme ich sie auch nicht mehr (bin jetzt auch über 40) und nachdem es Anfangs nach dem Absetzen noch eine Zeitlang besser war, leide ich wieder wie am Anfang. Premens (pflanzliches Mittel) funktioniert bei mir .. jedenfalls so lange ich es nehme. Homöopathie brachte gar nichts. Aber ohne Schmerztabletten geht es nicht – ansonsten wäre ich während den ersten 2 Tagen schlicht nicht arbeitsfähig.

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        • s'gramselet sagt:

          Dann singe ich hier mal ein Loblied auf meine Mama 🙂 sie selbst hat auch immer unter sehr starken Mensbeschwerden gelitten, und so kams dann halt nicht so überraschend, als auch ich und später meine Schwester uns nur noch krümmten die ersten zwei, drei Tage. Nicht nur hatte meine Mutter dafür immer sehr viel Verständnis (und Schmerzmittel im Haus), auch den ersten Gyn-Besuch hat sie mir organisiert bei ihrer Gynäkologin, damit ich die Pille bekam (mit 16 oder 17, sweit ich mich erinnern mag.) Danke Mama ❤

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  8. Dominikus sagt:

    Nachdem ich jetzt den von Pharmama verlinkten Artikel nochmals gelesen und etwas darüber nachgedacht habe: es scheint sich demnach um eine Art „Catch-22“ zu handeln. Ich verstehe durchaus die marktwirtschaftlichen Argumente („Angebot und Nachfrage“) der Apotheke dahinter, die Zuckerkügelchen im Sortiment zu haben und sie anzupreisen bzw. zu bewerben.
    Auf der anderen Seite erhalten durch diese Omnipräsenz in den Apotheken diese Scheinmedikamente auch eine unverdiente implizierte Legitimation im Sinne von „das gibt es in der Apotheke (und nur dort), also muss das ja auch wirken, sonst gäbe es das dort bestimmt nicht zu kaufen“). Auf diese Weise wird beim Konsumenten/Patienten also auch Nachfrage gebildet oder zumindest gefördert.

    Von dem her finde ich den Beschluss der Amerikanischen Handelsbehörde FTC begrüssenswert, wonach Homöopathika gekennzeichnet werden müssen, dass deren Wirksamkeit nicht wissenschaftlich belegt ist.
    Zumindest hier haben uns die Amerikaner etwas voraus.

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    • Coffee sagt:

      Wow, das find ich ne super Idee!
      Wenn auf allem Homöopathischen usw. ein fetter Aufdruck drauf müsste, dass dafür keine Wirkung nachgewiesen werden konnte, würds vll. dem ein oder anderen klar, was er da nimmt… ich denk da an diese Rauchen löst Lungenkrebs aus/ erhöht die Herzinfarktrate um x% etc. Warnungen, von mir aus muss es nicht so viel von der Packung einnehmen, aber schon so, dass es einem ins Auge fällt, wenn man die Packung ansieht… meines Wissens steht ja schon was drauf a la „hat keine med. Indikation weil…“, aber das ist zum einen so formuliert, dass wohl viele garnicht wissen, was das heißt und zudem ists so klein und unauffällig platziert, dass die meisten das garnicht sehen :/
      ich find so ein Aufdruck ist eine gute Idee, man überlässt dem Kunden die Wahl, ob ers ohne objektiven Wirkungsbeweis trotzdem probieren will, dennoch kann einem nichtmehr so leicht was homöopathisches untergeschoben werden, man zerstört damit aber auch nicht direkt den Placeboeffekt…

      Liebe Grüße

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      • Biene sagt:

        Naja, den Hinweis gibt es schon, nur kleingedruckt irgendwo auf dem entfaltbaren Etikett. Da muss laut AMG stehen: „Registriertes homöopathisches Arzneimittel, daher ohne Angabe einer therapeutischen Indikation“.
        Wenn ein „Arzneimittel“ keine Indikation (Anwendungsgebiet) hat, wirkt es dann?

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      • samybee sagt:

        Letztendlich würde es als Verschwörung der Pharmalobby hingestellt werden. Denn schließlich kennt ja jemand mindestens einen Fall, wo es geholfen hat!

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  9. comicfreak sagt:

    ..mir hat unser Kinderarzt für mein Kleinkind mit Fieber Ibuprofensaft aufgeschrieben und der Apotheker hat mir dringend abgeraten, den kindlichen Organismus gleich mit si viel Chemie zu belasten, er hätte da was homöopathisches..
    Ich hab so in dem Laden rumgeschrieen, dass der Saft ruckzuck auf dem Tresen lag und auch das kassieren ging sehr zügig

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    • Coffee sagt:

      haha ich stells mir grad lebhaft vor^^
      am Ende bist du bei den hinterm-Tresen-Gesprächen natürlich die Böse Mama die ihr Kind vergiftet, aber das kann dir ja egal sein 😀

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    • elawen sagt:

      oooch.. das hätt ich auch gemacht 😀 Je nach Laune/Gemütszustand/Müdigkeits-und Stresslevel hätt ich ihn noch gefragt, wann er denn in seine völlig natürlich-chemischen Apfel zu beißen gedenkt oder ob er seine chemische Präsenz jetzt doch mal in Schwung bringt und mir diesen Saft gibt 😀

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    • Pharmama sagt:

      also: rumschreien ist nicht nett, allerdings würde ich auch nicht sehr wohlwollend auf so einen Rat reagieren.
      Ibuprofensaft ist was gutes – natürlich man *muss“ Fieber meist nicht zwingend senken. Wenn es dem Kind sonst gut geht, kann man gut auch zuwarten.

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  10. turtle of doom sagt:

    So irritierend. Hast du dann auch gleich mit Urs – als Kunden – einen Vorbezug über ihre Praxis abwickeln lassen? 🙂

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  11. Biene sagt:

    Leute gibt es! kopfschüttel
    Mit Ärzten hatte ich auch so meinen Spaß in der öffentlichen Apotheke. Am liebsten waren mir immer die männlichen Zahnärzte, die die Pille für ihre Freundin holen wollten. Das gab immer Diskussionen!
    Jetzt in der Klinik gibt es nur noch die Diskussionen darüber, ob sie jetzt alles im Personalverkauf bekommen, was der Markt so her gibt, oder sich doch auf das beschränken müssen, was wir vorrätig haben.

    Zur Homöopathie hab ich auch so ein gespaltenes Verhältnis. Mittlerweile habe ich die Haltung, wenn es nicht schadet und der Patient/Kunde der Meinung ist, es hilft, dann soll er es nehmen. (Wir haben inzwischen Traumeel Salbe für die Hebammen vorrätig grml)
    Unsere Krankenpflegeschüler fragten mich neulich tatsächlich, warum denn Nacktschnecken-Schleim so toll bei Warzen hilft. Ich musste mir wirklich das Lachen verkneifen.

    Vor Jahren, als ich in der öffentlichen Apotheke Pharmaziepraktikantin war, habe ich mal den Notarzt wegen einer Homöopathie-Versessenen Mutter gerufen. Die kam mit einem apathischen und wimmernden Kleinkind rein, das seit 3 Tagen 40°C Fieber und nix getrunken hatte. Das wollte sie unbedingt mit Globulis behandeln. Nach 30 Minuten Diskussion, hab ich den Notarzt gerufen. Der war glücklicherweise irre schnell da und hat das Kind einfach mitgenommen. Die Mutter ist dann zeternd hinterher.

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    • Pharmama sagt:

      Nacktschneckenschleim wirkt toll bei Warzen? Ooookay? Ich dachte, die braucht man bei Magengeschwüren?

      Oh – das mit dem Notarzt bei Kind das apathisch ist und schon nichts mehr trinkt war absolut richtig. Hier auch gegen den Willen der Mutter.

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      • Biene sagt:

        Nackschnecken bei Magengeschwüren? Cool. Wie geht das denn? Essen, oder über den Bauch kriechen lassen? 😉
        Ein toller Tipp der Nachwuchs-Pfleger war auch, dass man für jede Warze einen Knoten in ein Seil macht und dieses vergräbt. Hat wohl geholfen. 🙂

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    • nickel sagt:

      Ohweh, die Story mit dem apathischen Kleinkind geht mir direkt nahe. Wie kann man nur so sturköpfig sein, wenn das eigene Kind schon so deutlich leidet? Absolut richtig gehandelt. Und gut, dass der Notarzt das Kind einfach mitnehmen konnte. Das war ja schon Kindsgefährdung. :/

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