Apothekengeflüster

Apothekengeflüster hat mich angefragt, ob ich ihr Produkt vielleicht einmal testen möchte … und weil ich das wirklich interessant finde, habe ich zugesagt.

Es hat vielleicht etwas länger gedauert, bis das hier im Blog erscheint, aber ich wollte sehen, wie das bei unseren Patienten ankommt. „Das“ sind diese Sticker in Form von Sprechblasen (haften wie Post- its):

gefluester1

Die sind einerseits direkt herzig, andererseits übermitteln sie dem Patienten wichtige Informationen.

Sie bewähren sich auch im Praxistest, allerdings habe ich da ein paar Anmerkungen – zum Teil allgemeiner Art, zum Teil eventuell Schweiz-spezifisch.

Man kann das unterschiedlich handhaben: man kann die Packungen vor-kleben und so abgeben. Oder man macht das erst kurz vor der Abgabe. Beides hat Vor- und Nachteile. Die Vorgeklebten erinnern einen (und auch Pharmaassistenten) daran, was da noch erwähnenswertes ist, allerdings kann es bei Patienten, die das schon länger nehmen (und eigentlich wissen sollten) tatsächlich für Unsicherheiten sorgen. Wir hatten da einen Fall eines älteren Patienten, der schon lange Sirdalud nehmen musste und der ob dem Aufkleber, dass das müde machen kann sehr irritiert war:

gefluester2

In so einem Fall (Daueranwendung) ist es vielleicht sogar sinnvoll die Sticker nach der ersten Abgabe vorher zu entfernen.

Dagegen muss man, wenn man das nicht vor-klebt bei der Abgabe jeweils daran denken und das machen … und manchmal hat man dafür gefühlt einfach nicht auch noch die Zeit.

Dann zu ein paar unterschiedlichen Stickern:

Die mit der Dosierungsangabe (X Stück / Tropfen / ml / Esslöffel am …) sind nötig – allerdings übernimmt diese Aufgabe bei uns die Dosierungsetikette, die noch einiges besser klebt und wo nicht ein Multiple-Choice-Auswahl drauf ist, sondern neben der Dosierung noch der Patientenname und die abgebende Apotheke (Ja, ich weiss – ihr macht auch Stempel/Aufdrucke dafür).

Einnahmeabbruch verhindern: „.. und brauchen Sie – auch bei vorzeitiger Besserung – unbedingt den gesamten Packungsinhalt auf.“ Sehr wichtig, nur … bei uns kommt es bei Antibiotika (wo das ja hauptsächlich gebraucht wird) häufig vor, dass man das nicht in der genauen Menge Tabletten abgeben kann, wie es gebraucht wird. Co-Amoxicillin gibt es z.Bsp als 10er und 20er Packungen – und wenn dass dann 2x täglich für 7 Tage genommen werden soll … dann kann ich den Sticker so nicht brauchen. Besser wäre hier: “ -unbedingt (mindestens) so lange, wie der Arzt verschrieben hat.“

„Dieses Medikament ist das Gleiche…“: Rabattvertragsarzneimittel: die gibt es bei uns zwar nicht, aber die Sticker passen auch für Generika allgemein. Um jemanden, den man überzeugt hat das Generikum zu wählen in seiner Entscheidung zu bestärken finde ich die gut.

gefluester3

Kühlschranklagerung: Bei uns heisst es eigentlich: dort, wo man die Eier aufbewahrt. Das Gemüsefach könnte etwas zu feucht werden … dann sehen die Packungen bald nicht mehr gut aus. Und die Eier sind auch besser sichtbar im Kühlschrank, da denkt man vielleicht eher dran. Aber … das ist vielleicht wirklich spezifisch für die Schweiz :-)

Grundsätzlich: Finde ich eine tolle Idee! Wen das auch interessiert, findet mehr Infos darüber auf Apothekengeflüster.de

6 Antworten auf „Apothekengeflüster

  1. Danke für diesen Beitrag. So sind wir auf Apothekengeflüster aufmerksam geworden und in der nächsten Teamsitzung sprechen wir darüber. :-)

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  2. Die Idee finde ich grundsätzlich gut, die Umsetzung weniger.
    Die Schrift ist teilweise schwer lesbar und solche Postit neigen dazu die Schachtel zu wechseln, wenn diese aneinander verschoben werden.
    Daneben fehlen mir einige wichtige Zettel: Abruptes Absetzen/Einsetzen ist gefährlich, CYP 3A4 Interaktionen, Schädlich für Ungeborene/Niere oder Leber, kann abhängig machen.
    Zudem besteht die Gefahr, dass es z B. bei Antibiotikasirup (Dosis, Generika, Kühlschrank, Einnahmeabbruch, Kontrazeption, Sonne) Unübersichtlich wird oder dass man nicht alle Zettel aufklebt und deshalb etwas Wichtiges vergsst.

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  3. Aufkleber Kühlschranklagerung:
    Die Sichtbarkeit der „Eierablage“ ist nicht Schweizspezifisch sondern küchenspezifisch…..
    Ich kann bei unserem Kühlschrank überhaupt nicht in dieses Fach sehen, es ist eindeutig über meiner Augenlinie ;-)

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  4. Übrigens ist es in der Eierablage (sofern sie auch in der Schweiz in der Türe ist) üblicherweise zu warm für 2°-8°C Arzneimittel

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    1. @ApoMi: Leicht zu warm ist aber im Zweifelsfall besser als zu kalt. Haushaltskühlschränke neigen leider dazu, eine schlechte Temperierbarkeit zu haben, sprich: Ein Teil friert bereits ein, der andere ist noch zu warm.
      Die Pharmaindustrie hat regulär Stabilitätsdaten bis 20 °C Lagerung (für gekühlte Produkte), in der Regel sorgt eine Lagerung bei 10°C statt bei 8°C nur zu einer leichten Verkürzung der Laufzeit, während bei zu kalter Lagerung tw. der Wirkstoff komplett in die Binsen geht (besonders proteinhaltige flüssige AM wie Insulin, Impfstoffe oder Hyposensibilisierungslösungen).

      Grüße aus der Pharmaindustrie ;-)

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  5. Ist jemandem aufgefallen, dass die auf ihrer Homepage mit Gerd Glaeske, Gesundheitsökonom Werbung machen? Der Typ fällt normalerweise in der Presselandschaft durch deutlich apothekenkritische Äußerungen auf.
    Der Grundtenor von ihm ist normalerweise: Öffentliche Apotheken sind nicht so toll, das Internet ist der heilige Gral.

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