Restenverwertung?

Erster Patient des Tages:

Patient:  „Ich habe da zuhause noch diese Tabletten gefunden …“

(Blick auf die Packung: eine ziemlich mitgenommen aussehende Schachtel Cipralex. Laut Dosierungsetikette vor 3 Jahren verschrieben).

„… Ich denke es ist ein Mittel gegen Depressionen. Ich habe vorgestern angefangend das zu nehmen und jetzt fühle ich mich irgendwie nicht so wohl …“

Bitte nicht. So etwas geht über die normale Selbstmedikation heraus und gehört in erster Linie zum Arzt. Das sind Medikamente, die auf unseren „Hirnhaushalt“ wirken … die nimmt man nicht mal „einfach so“. Wenigstens nimmt er es erst seit vorgestern, da dürfte zumindest hier das wieder absetzen noch kein Problem sein. Und das habe ich ihm geraten:

„Dann nehmen Sie das jetzt bitte nicht mehr und gehen erst Mal zum Arzt.“

8 Kommentare zu „Restenverwertung?

    1. Ich kann es mir nur als klassichen Zirkelschluss erklären: Der Arzt verschreibt Medikamente damit man gesund wird -> Wenn man von den Medikamenten krank werden könnte, würde der Arzt sie nicht verschreiben.

      Und das sind dann die Leute die „sicherheitshalber“ mal irgendwas schlucken wenn sie sich unwohl fühlen.

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  1. Naja, aber mal angenommen, sie hätte es nach Verordnung genommen. Gerade bei AD sind Nebenwirkungen in den ersten Tagen nichts unübliches. Wobei ich nie etwas auf eigene Faust nehmen würde, was mir mal verschrieben wurde….

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  2. Und ich dachte noch „Cipralex? Das sagt mir doch was? Hatte ich die nicht mal?“ – aber meine Reste habe ich entsorgt (ich durfte recht bald wieder ausschleichen, nachdem die Schilddrüse als Ursache der Depressionen entlarvt war).
    Wenn er bemerkt hat, dass er wieder in eine Depression rutscht, ist es irgendwie nachvollziehbar, dass er wieder auf die Tabletten von „damals“ zurückgreift. Ich finde es schon positiv, dass er sich aufgerafft hat, eine Fachperson um Rat zu fragen.
    Vielleicht „darf“ er sie nach dem Arztbesuch sogar weiterhin nehmen, aber mit angepasster Dosis.

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  3. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sorglos viele Patienten Psychopharmaka und andere Medikamente einnehmen (und Ärzte diese verschreiben)! Vor allem wenn man bedenkt, wie wenig man doch immer noch über die Funktionsweise unseres Körpers und im Besonderen über unser Hirn weiss – und damit auch über die diversen Auswirkungen von diversen Medikamenten…

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    1. Über den Hirnstoffwechsel und die Wirkung von Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern wie Cipralex gab es sehr viele Informationen, sowohl vom Arzt als auch in der Literatur. An dem Tag, an dem du frisch verheiratet und eigentlich ein glückliches, sorgloses Leben führend an einem Fluss stehst und darüber nachdenkst, wie schön es wäre, da einfach hineinzugehen und alles hinter dir zu lassen – an dem Tag reden wir wieder über die Sorglosigkeit der Psychopharmaka-Verschreibung.

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      1. Auch wenn ich mich diesbezüglich eigentlich nicht rechtfertigen mag: Solche Tage kenne ich zu genüge. 2. Ich habe nie gesagt (und bin auch nicht der Meinung), Psychopharmaka und andere Medikamente seien allesamt schlecht und böse und sollten nie angewendet werden. 3. Die wissenschaftliche Grundlage für die ausgedehnte Anwendung von SSRIs ist längst nicht so klar wie manche einem weiss machen wollen.

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