Bingbong

Spätabends. Zeit zum schliessen und meine Pharmaassistentin räumt das Strassenschild hinein, fährt die Computer nach unten, räumt die Kassen nach hinten … Normalerweise helfe ich ihr dabei, aber heute bin ich noch an einem wichtigen Telefon im Büro.

„Ich mach das Licht aus!“ sagt sie und schliesst auch die Türe. Nur zu, nicht ab – denn in ein paar Minuten gehen wir sowieso beide raus.

„In Ordnung!“ rufe ich – „ich bin noch ein paar Minuten hier am Telefon“

Sie geht nach hinten, sich umziehen.

„Bingbong!“ macht es nach kurzer Zeit.

Das ist die Türe.

Ich schaue um die Bürotür herum nach vorne in den dunklen Laden und sehe nur knapp die Türe noch zuschwingen, aber sonst niemanden.

Seltsam. Meine Kollegin wird doch nicht gehen ohne mir noch mal ‚Tschüss’ zu sagen? Ich bin immer noch am Telefon, momentan in der Warteschleife.

Da höre ich meine Pharmaassistentin:

„Hallo?!? Wir haben geschlossen!“

… (die Antwort höre ich nicht, nur wieder sie)

„Nein. Jetzt kann ich ihnen nichts mehr verkaufen. Die Kassen sind weggeschlossen, die Computer unten …“

…(unverständliches von weiter weg)

„Nein! Auch „nur kurz“ nicht. Es geht jetzt nicht. Morgen wieder. Bitte gehen Sie!“

„Bingbong.“

Sie kommt zu mir ins Büro.

„Hast Du das mitbekommen? Die ist in den stockdunklen Laden gelaufen, fast noch über den Strassensteller gestolpert, den ich extra hinter der Tür platziert habe. Hat sich in Ruhe umgeschaut und als ich aufgetaucht bin, umgezogen, in Strassenkleidern … wollte sie eine Nachtcreme ….“

Wir schütteln beide den Kopf. Leute.

Aber von jetzt an wird die Türe ganz geschlossen. Schon vorher.

9 Kommentare zu „Bingbong

    1. Ich habe neben dem Studium in einem kleinen Süssigkeitenladen gearbeitet. Abgesehen von der miesen Bezahlung und den bis zu 8h langen Schichten (ohne Pause, weil man ja allein im Laden ist) fiel nach Ladenschluss natürlich das Abrechnen der Kasse und die Reinigung, Boden feucht aufnehmen etc, an. Die musste in 15min erledigt sein, denn mehr Zeit bekam man dafür nicht bezahlt. Wenn dann 5min nach Ladenschluss noch Leute mit Unverständnis reagieren, dass sie jetzt wirklich keine Süssigkeiten – Luxusartikel, sicher nichts Dringendes – kaufen können… Hach ja.

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  1. Ich finde es immer fürchterlich unangenehm, in einen Laden zu stolpern kurz bevor er schließt. In einen Laden zu gehen, der schon das Licht aus hat, ist für mich ein absolutes No-Go.

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  2. Sowas kapier ich nicht.
    Also, ich bin auch schonmal in einen bereits „geschlossenen“ Laden reingestolpert. War eine Bäckerei, am Samstagmittag (da hätten die auch noch offen haben können theoretisch), die Tür sperrangelweit offen, jemand hinter der Theke unterhielt sich mit jemandem vor der Theke … war wohl eine Kollegin, aber von draußen hätte ichs für eine Kundin gehalten.
    War mir recht peinlich, aber es ist auch blöd, wenn nirgendwo Öffnungszeiten stehen.

    Wie man das aber bei einem dunklen Laden machen kann – da muss einem doch bewusst sein, dass dort nicht mehr geöffnet ist.

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  3. Was mich allerdings als Kunde genauso nervt, sind Läden, die quasi schon 5, 10 oder manchmal auch früher vor Ladenschluss ’schliessen‘, d.h. wenn man als Kunde schon angeschnauzt wird, wenn man ein paar Minuten vor Ladenschluss noch etwas kaufen will, oder nichts mehr bekommt, weil sie schon alles verräumt haben. Bis Ladenschluss muss ein Laden meiner Meinung nach vollständig und ohne Einschränkung geöffnet sein – aber nicht länger. Und das Beispiel von Pharmama tönt ja so, dass es schon nach Ladenschluss war, und dann versteh ich solche Kunden auch nicht.

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    1. Fannie, Grundsätzlich gebe ich Dir Recht. Wenn unsere Mitarbeiter das so machen würden, da würde ich dann schon einschreiten.

      Allerdings gibt es auch die berühmt berüchtigten Ausnahmen: Während der Grippewellle, diesen Winter, die auch uns voll getroffen hat, kam ein uns unbekannter Mann ca 8 min vor Ladenschluß rein und wollte eine Milchpumpe für seine Frau ausleihen. Das Prozedere mit der Abgabe dauert allerdings ein paar Minuten, so ist eine Barkaution von 100 Euro zu hinterlegen, die Pumpe ist zu erklären, es wird eine Checkliste abgearbeitet, ich benötige die Adresse, Telefonnummer usw.
      Wir hatten in diesen Tagen immer volles Haus bei halbierter Personaldecke (alle Krank!)
      Er hatte das Geld nicht in Bar, so das ich Ihn noch zum Bankautomaten gegenüber schicken musste. Ich habe Ihm schon gesagt, das ich Ihm nicht die Tür vor der Nase zuschliessen werde, ergo auf Ihn warte.
      Das Problem war, das keiner da war, der sich genau mit dem Abgabeprozedere auskannte. Ich wollte es aber gerne abgeben, weil eine Milchpumpe meiner Meinung nach nicht warten kann.(Das Baby hat ja schliesslich Hunger.) Der Mann wollte die auch unbedingt mitnehmen.

      Ich habe also mich irgendwie durch das Abgabeprozedere gewühlt und Ihm so gut es ging, die Pumpe erklärt und alles fertig gemacht. Bis wir damit fertig waren, war es 20 Minuten nach Ladenschluß.
      Meine Mitarbeiter haben auf mich und den Mann gewartet und das nach einem langen Arbeitstag mit doppelter Arbeit und halber Personaldecke.

      Das Ende vom Lied war dann, das am nächsten Morgen seine Frau auftauchte und die Pumpe unbenutzt wieder zurückgebracht hat, weil Sie sie angeblich doch nicht gebraucht hätte.
      Sorry, aber ich habe mich so unglaublich darüber geärgert, das ich mir alle Beine ausreisse und dann kommt DAS dabei raus? Das mache ich nie wieder.Da werden dann in Zukunft andere Leute drunter leiden.

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  4. Oh, solche Kunden sind keine Einzelfälle. Licht aus, Musik aus, alle Hauptgänge zugestellt mit der von draußen reingefahrenen Wahre, alle Türen bis auf eine zu. Es ist weder optisch, noch akustisch noch sonst wie zu übersehen, dass geschlossen wird.

    Dennoch. Man muss sie, wenn man mit dem Kassezählen fertig ist, ausdrücklich bitten, doch zu gehen. Und dann die erstaunten, angepissten Gesichter, dass ein dämlicher Dekoladen unverschämter Weise nicht bis 22.00 Uhr auf hat, sondern nur bis 20.00 Uhr. Und das, obwohl da doch so lebenswichtige Sachen haben wie Herzchentassen und Rentiergeweihe aus Filz.

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  5. @Shark:
    WAAAS? Schon ab 20.00Uhr kann ich keine kerzeninnenbeleuchteten Flauschkissen, keine mit Kunstblumen bestückten Herzchentassen und keine Filz-Rentiergeweihe zur Kampfwertsteigerung meines 16-jährigen Renterhunds mehr erwerben? DAS werde ich Tine Wittler erzählen…! :-D

    @Topic:
    Ja, ich kann in die gezählte Kasse greifen, da ich mein Kassensystem dazu bewegen kann, den Kassenabschluss von vor XYmin zu erstellen (und alle späteren Vorgänge auf den morgigen Kassenabschluss zu verschieben). Und ich mache auch mal meinen Rechner noch mal an, wenn es was wirklich Dringendes ist – für das Antibiotikarezept gegen Blasenentzündung z.B., welches gerade aus der Arztpraxis hereinflattert 25min nach (offiziellem) Ladenschluss. Aber wenn dann wieder das 28 Tage alte Blutdruck-Medi-Rezept oder das 2 Monate alte Rezept für die Wunschkindpille aus dem Täschchen gekramt werden – mit dem lapidaren Kommentar LeeebeeensWICHTIG!… und der Kunde/Patient mein, vom Gewinn ist mein Monat gerettet und ich kaufe mir anschließend für die Jagd ne Yacht… dann, ja dann erlaube ich mir auch durchaus, mit den Augen rollen.

    BTW: Einmal war ein Patient so richtig tierisch sauer – ca. 1 Stunde nach Ladenschluss. Da hatte ich gerade nen Server-Update gestartet und konnte wirklich GAR NICHTS MEHR machen – nicht mal nen Bon drucken… Ich musste ihn notgedrungen zur Notdienst-habenden-Apotheke schicken (war ca. 1km entfernt). Ich hab es versucht zu erklären, hat nichts genützt. Als ob ich ihn aus reiner Böswilligkeit weitergeschickt hätte…

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  6. Hachja, solche Stories kenne ich auch zur Genüge aus meiner kurzen Zeit bei einer Drogerie. Da geht man 2 Minuten vor Ladenschluss rein, um 72 Fotos sofort auszudrucken (dauert ca. 15 Minuten plus die Zeit zu suchen, was man drucken möchte und wo das nochmal am Automaten geht…)
    Besonders ärgerlich, wenn die Koleginnen auf den Zug angewiesen sind, der nur 1x pro Stunde fährt.

    Am besten fand ich aber das ältere Ehepaar, das am verkaufsoffenen Sonntag nach Ladenschluss noch eine ausführliche Beratung zu Gesichtscremes haben wollte. Wenigstens konnte ich ihnen ausreden, das jetzt auch noch als Geschenk einzupacken, denn sonst hätten wir auch gleich im Laden übernachten können.

    Ich hab echt für vieles Verständnis und helfe gern, wenn jemand Hilfe braucht. Aber manche Menschen sind einfach unverschämt und merken es nicht mal.

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