Wegen Augentropfen!

Mann um die 50 in der Apotheke: „Meine Tochter hat eine Augeninfektion und der Arzt im Spital hat gesagt, ich soll Antibiotika Augentropfen verlangen in der Apotheke.“

Das ist … seltsam, denn auch die Ärzte im Spital wissen, dass es für Antibiotika Augentropfen ein Rezept braucht. Wieso sollten sie das Rezept dann nicht gleich mitgeben?

Pharmama: „Okay, idealerweise wäre es das beste, wenn wir einen Blick auf die Patientin selbst werfen können. Könnte Sie herkommen?“

Mann: „Ach, die ist schon zu Hause … sie … fühlt sich nicht so gut.“

Pharmama: „Hmm … was für Symptome hat sie denn?“

Mann: „Ich weiss nicht. Aber sie sagt, sie braucht Antibiotika Augentropfen.“

Man merke auch, dass es inzwischen sie ist, die sagt, sie brauche Antibiotika Augentropfen und nicht der Arzt.

Pharmama: „Hmm, es ist also nicht für Sie selbst, und Sie wissen nicht, was für Beschwerden sie hat … nein, Antibiotische Augentropfen kann ich Ihnen in dem Fall nicht geben ohne Rezept. Wenn Sie wollen habe ich hier aber auch sehr wirksame desinfizierende Augentropfen, die ich ihnen geben kann, bis …“

Mann: „Oh das ist lächerlich! Wegen Augentropfen! Können Sie sie mir nicht einfach geben?“

Pharmama: „Tut mir leid, nein. Nicht ohne Rezept vom Arzt.“

Mann: „Aber sie hat doch schon Kontakt mit dem Arzt gehabt!“

(Sagen Sie …)

Pharmama: „Dann ist es sicher kein Problem, ihm zum Beispiel nochmals rasch anzurufen, damit er das Rezept faxt.“

Mann: „Murmeltirgendetwasunverständlichesaberverärgertes!“

Stapft raus.

Rezeptpflichtig ist rezeptpflichtig. Selbst in der Schweiz brauche ich, wenn ich das abgeben soll ohne Rezept ein paar wirklich gute Gründe.

36 Kommentare zu „Wegen Augentropfen!

  1. aber in Weitweitweg/AAdW/Kleinbummelsdorf krieg ich die IMMER ohne Rezept, jetzt stell Dich nicht so an einself! ;-)

    einen entspannten Morgen noch wünscht Dir die stuttgarterapothekerin – der das heute vermutlich auch wieder passiert….

    Like

  2. Und richtig lustig wird es, wenn man mit einer Erklärung ansetzt, dass unterschiedliche Antibiotika auch unterschiedliche Wirkspektren haben. Dass antibiotische AT Nr. 1 eben nicht bei anaeroben Bakterien, antibiotische AT Nr. 2 dafür nicht bei gramnegativen Bakterien wirkt. Und dass der Patient doch mal sagen möchte, welche er denn hat… seufz

    Bei unklaren (eitrigen) Augeninfektionen gibt es von mir IMMER den Verweis an den Augenarzt. Gratis. [Hier dann IMMER die Antwort „Aber da ist es doch SO voll! Und Zeit habe ich GAR KEINE!“] Evenuell gibt es auch noch ein paar desinfizierende AT verkauft dazu, aber IMMER mit dem Hinweis, dass die nur zur Überbrückung sind, bis man zum Augenarzt war um Schlimmeres auszuschließen. Ich möchte mir nicht vorwerfen lassen, an einem schweren Sehschaden oder gar der (teilweisen) Erblindung eines Menschen, der sich mir anvertraut hat, Schuld zu sein.

    Like

    1. Ich schätze eher ein Fall von „ich hab das schonmal gehabt und da hat man mit diese Augentropfen verschrieben ich weiß was das ist warum soll ich dafür jetzt noch beim Arzt rumsitzen?“

      Like

  3. apropos Augentropfen: Da fällt mir gleich eine alte Geschichte ein. Meine Mutter arbeitete ja als Krankenschwester auf einer Pflegestation im Altenheim. Eines Tages wies sie einen neuen Helfer an: „Geben Sie bitte Herrn X diese Augentropfen“ Er nahm die Augentropfen und einen Teelöffel… Meine Mutter fix hinterher…

    Schon vor 30 Jahren gab es unendliche Doofheit!

    Like

  4. Der Glaube an die Allheilwirkung von Antibiotika geht hier inzwischen so weit, dass sich mein Hausarzt im Gespräch mehrfach dafür rechtfertigt, dass er mir bei einer Virusgrippe kein Antibiotikum verschreiben will. Er strahlt mich dann immer an, wenn ich ihm versichere, dass ich mich mit drei Tagen Krankschreibung, heißem Tee und einer Wärmflasche bestens gewappnet fühle.

    Like

    1. So geht es mir mit meiner Hausärztin auch. Sie weiß, dass ich Antibiotika nur nehme, wenn es wirlich nötig ist und es gar nicht anders geht. Sie scheint mir damit auch glücklich zu sein. Die „ich will aber Antibiotika!“- Diskussion habe ich dort schon öfter gehört. Verrückt, wie gern sich die Leute Antibiotika in den Hals stecken möchten.

      Like

      1. Ja. Das sind dann oft dieselben, die behaupten, sie seien allergisch gegen Penicillin (weil das Antibiotikum halt als Nebenwirkung Durchfall gemacht hat …)

        Like

  5. neuerdings kenne ich noch eine variation zum thema „keine zeit – zu weit – blablabla“: die leut haben ein haustier, und weil ihnen selber die salbe/tropfen/pulver damals so gut geholfen haben, da wollen sie das jetzt auch für das haustier. weil der tierarzt für das aufschlagen in der sprechstunde geld will, der unmensch der, wo das hunderl doch so arm ist. und die böse pharmaindustrie verdient bekanntlich an den medikamenten für tiere sooo viel mehr, als an denen, die die krankenkasse für menschen bezahlt.

    manche leute versuchen auch, ärzte zur ausstellung eines humanrezeptes zu überreden, mit vorgetäuschten erkrankungen, um dann das hunderl oder das katzerl zu behandeln.

    dass das gutgehen kann, wenn wirkstoff, darreichungsform und -stärke des medikamentes und diagnose zusammenpassen, wissen wir eh. aber wer bitte stellt die diagnose? so ein viecherdoktor studiert doch nicht jahrelang, weil man eh alles im internetz nachschlagen kann.

    es kann aber auch ganz schnell tödlich oder zumindest mit einem lebenslangen organschaden des tieres enden.

    alle irre, denke ich manchmal.

    Like

    1. Wie geht doch die nette Werbung, die derzeit immer hoch und runter läuft im TV?
      – Bei Krankheit „Dr.Google“ fragen? Normal!
      – Sich mit Internet schlauer als als alle anderen icl. Arzt & Apotheker fühlen? Normal!
      – ALLES zum Schnäppchenpreis haben wollen? Ganz normal!

      Hinterher schlauer sein als vorher? So ist das Leben!
      ;-)

      Like

    2. @kelef, zwecks Ausstellung eines Humanrezepts zur Anwendung beim Tier: Sind Tierarzneimittel soviel teuerer als Humanarzneimittel, so dass sich das finanziell rentiert? Ich selbst kann mir das kaum vorstellen, zumal doch Tierärzte sowieso häufig genug mit Humanarzneimitteln behandeln sollten, da adäquate Alternativen (also: mit spezieller Zulassung beim Tier) nicht zur Verfügung stehen.
      Und warum sollte ein Tierarzt ein Rezept für ein Humanarzneimittel zum Einlösen in einer Apotheke ausstellen? Er – als selbstdispensierender Arzt – hat doch eh vieles in seinem Portfolio und ist doch auch an die Arzneimittelpreisverordnung gebunden.

      Hab jetzt da aber echt keine Ahnung. Daher meine Frage.

      Like

      1. Zum Teil ist das wirklich so (alle Preise in € und nach „deutschem Preismodell):
        Benefortin Flavour für Hunde Tabl. 10mg 70 St. -> 69,15€ (mit Fleischgeschmack!)
        Benazepril AL 20mg Filmtabl. 98 St. -> 16,95€ (ist auch der Festbetrag der GKV)
        Cibacen 20mg Filmtabl. 98 St. -> 21,94€ (Original)

        Allerdings müssen Tier-AM wohl separate Zulassungsstudien abseits der Human-AM-Zulassungen bringen. Über dieses Thema wurde hier (auch unter meiner Beteiligung) schon an anderer Stelle diskutiert…

        Like

          1. Hinzu kommt ja noch, dass man für das Tiermedikament zum Tierarzt muss, was auch nochmal Geld kostet – beim Humanmediziner zahlt die KK.

            Like

            1. Also SO kenne ich das (bisher) nicht. Aber ich kenne es, dass manchmal die VETs durchaus Humanarzneimittel aufs (Tier)Privatrezept schreiben, wenn es nichts vergleichbares als VET-AM gibt. Das ist auch unproblematisch, solange es sich nicht um ein Tier zur Lebensmittelgewinnung oder eben um ein verschreibungspflichtiges VET-AM handelt… weil DANN wird das ganze Dokumentationspflichtig in der APO, und das ist ein Heidenaufwand für Krümel…

              Like

          2. Herr Knick, soweit ich weiß müssen auch verschreibungspflichtige Human-AM wie Tier-AM dokumentiert werden, sofern sie für ein Tier bestimmt sind. Sprich Antibiotika für den Hund, Insulin für die Katze, Augentropfen fürs Pferd.

            Bei Interesse schicke ich gern den Artikel aus der Kammerinfo SH von irgendwann-letztes-Jahr zu (ich mich gern per Mail nochmal, habe keinen Scanner, daher wäre dann eine Faxnummer schön, sofern Sie mir vertrauen //shy).

            Like

            1. Ich kenne solche Schreiben – verfasst von Schreibtischtätern ohne Praxisbezug. Jenes meiner Kammer ist bloß ein paar Jahre älter. Genau wie ich die Betrachtung weiß, dass man VET-Verordnungen nicht als Privatrezept ein die Kassensoftware eingeben soll(te), da in diesem Augenblick sonst die 0,16€ Notdienstfonds-Anteil gezahlt werden müssen…
              …aber ganz ehrlich? Da zahle ich lieber die 0,16€ und klemme mir die Dokumentation, wenn es sich um ein Kleintier handelt, welches definitiv nicht der Lebensmittelgewinnung (in D) dient. Und wo kein Kläger, da kein Richter, oder? Deutsche Apotheken haben so viel überflüssigen und unbezahlten Burökratieaufwand in der Zwischenzeit – und dann soll ich wegen Herztabletten fürn Hund für 15€ Gesamtkosten dem VET 8x auf die Nerven und die Zeit rauben, damit ich eine „ordnungsgemäße Rezept“-Kopie abheften kann? Weil ich ja sonst dokumentiere, wie ich ein „nicht ordnungsgemß ausgestelltes“ VET-Rezept beliefert habe? Ich habe in dieser Zeit und in diesen Zeiten wahrlich sinnvolleres zu tun, als die Charge der Hunde-Herztabletten für 10 Jahre aufzuzeichnen… (Übrigens ein Grund, warum ich anonym auftrete – „offiziell“ darf ich so eine Meinung ja nicht vertreten… Für mich ist das einfach „ziviler Ungehorsam“.)

              Like

          3. Versteh ich vollkommen, würde ich als Chef vermutlich ähnlich handhaben…

            Dummerweise arbeite ich in einer „bösen grünen“ Apotheke, die bei den ortsansässigen Kollegen nicht sehr beliebt ist. Da müssen wir uns doppelt und dreifach an alle Gesetze halten. Dieses Jahr steht wieder ne Revision an und die Chefs polieren alles auf Hochglanz.
            Nur die banalen Dinge, wie das Abzeichnen der abgegebenen Positionen auf dem Rezept, krieg ich einfach nicht in ihre Schädel rein -.-

            Sucht jemand vielleicht ne Approbierte? seufz

            Like

            1. Ob „grüne Apotheken“ auch gleich (und immer) „böse“ sind, kann ich nicht beurteilen. Dass ich allerdings Werbesprüche wie „Teuer kommt mir nicht in die Tüte“ eher kontraproduktiv finde (denn dann dürfte ja auch z.B. keine „Humira“ eingetütet werden) verkünde ich offen.
              Aber ganz ehrlich – hier gibt es auch eine (nicht grüne) bei ortsansässigen Kollegen nicht so beliebte Apotheke – und da wurden verschiedene doch recht heftige Gesetzesbrüche seitens der Kammer nie weiter verfolgt… Das Leben ist komisch manchmal.

              Like

        1. Besten Dank an Dich, Gedankenknick, für den Preisvergleich.

          Tierärzte muss man ja immer in Tierärzte für Kleintier und Großtier unterscheiden. Einen ACE-Hemmer gegen den zu hohen Blutdruck verschreibt man normalerweise nicht an Großtiere, also Nutztiere wie ne Kuh oder ein Schwein, wo man das mit der Wartezeit zwecks Fleischgewinnung zu Essenszwecken berücksichtigen müsste. Dem Landwirt an und für sich ist es wohl egal, dass seine Kuh einen zu hohen Blutdruck hat.
          Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Landwirt eine Kuh oder ein Schwein wegen des zu hohen Blutdrucks behandeln lässt.

          Sowas wird doch eher an den Goldhamster, die Katze oder den Hund (also: die Kleintiere) als „Lebensgefährten“ verschrieben, wo sich die fürsorgliche Halterin um den hohen Blutdruck seines Tieres sorgt (zunächst an alle Halter eines Kleintieres, die sich um ihr Tier sorgen: volles Verständnis meinerseits).

          Ich muss kurz die mitlesenden Tierärzte fragen: Gibt man bei Kleintieren in der Selbstdispensation jetzt das Humanarzneimittel Benazepril für 17 Euro „off label“ ab oder gibt man da jetzt wirklich das offiziell zugelassene Tierarzneimittel Benazepril für 70 Euro ab? Falls letzteres, warum?

          Hintergrund der Frage: Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch ein Kleintier-Tierarzt hier das offiziell zugelassene Tierarzneimittel für 70 Euro abgibt, wenn er alternativ das zugelassene Humanarzneimittel für 17 Euro abgeben könnte.

          Like

          1. Also ich bin ja kein VET.. aber ich denke, OFF-LABEL macht auch ein VET nur im Ausnahmefall, weil:
            1) wird’s nicht durch die VET-Haftpflicht gedeckt werden,
            2) ist es eben ein Zulassungsproblem,
            3) der VET will auch was Essen am Abend, und der Umsatz der Apotheke kann sich der VET nicht aufs Brot schmieren. (Ich sehe das pragmatisch, wir wollen alle leben.)

            Wie ich oben schon schrieb, verordnen die VETs Humanarzneimittel fürs (Klein)Tier, wenn es kein zugelassenen VET-AM gibt. Und zu MIR hat nen VET mal gesagt, ich komme wohl in Eigenregie kostengünstiger an die Hunde-Herz-Tabletten ran… ;-)

            Like

          2. Ich MUSS das offiziell zugelassene Tierarzneimittel abgeben.
            Im Arzneimittelgesetz gibt es die sogenannte „Umwidmungskaskade“ (§56a).
            Wenn es den entsprechenden Wirkstoff für die Tierart und die Indikation zugelassen gibt, muss man den anwenden/abgeben. Wenn nicht, aber dafür den Wirkstoff für die Tierart aber eine andere Indikation, darf ich das Präparat nehmen. Wenn immer noch nicht, aber für eine andere Tierart (also noch als Vet-AM). Erst wenn es den Wirkstoff (im Inland) überhaupt nicht für Tiere gibt, darf ich ein Human-Präparat verwenden oder den Wirkstoff aus einem anderen EU-Land importieren. Bei Lebensmittel-liefernden Tieren darf man meine ich gar keine Human-AM verwenden und muss beim Umwidmen mit der Wartezeit aufpassen.
            Bei dem Ganzen geht es nicht darum, Tierbesitzer zu ärgern oder Pharmaunternehmen noch reicher zu machen, sondern darum, die Zulassung sicherzustellen. Von Tierart zu Tierart kann die notwendige Dosierung/Wirksamkeit/Toxizität sich stark unterscheiden und besonders bei Lebensmittel-liefernden Tieren ist es ja auch von Vorteil zu wissen, wann das Medikament wieder verstoffwechselt ist und ich Milch/Eier/Fleisch wieder risikolos essen kann.
            Das ist ein bisschen wie der Patentschutz für Vet-AMs – obwohl es den natürlich auch noch gibt. Für viele Wirkstoffe gibt es auch im Vet-Bereich Generika.
            Lustig ist, dass Apotheker das oft nicht wissen (eigentlich durch die Bank weg, wie ich bei einigen Gesprächen festgestellt habe), aber das böse, böse tierärztliche Dispensierrecht fallen muss, weil Tierärzte eigentlich nichts anderes machen, als Antibiotika zu verkloppen und Resistenzen zu züchten, um die Menschheit auszurotten Ironie aus

            Like

          3. @“me“
            Danke für den gesetzlichen Einblick. Zu den Apothekern (bin ja selber einer) kann ich da nur sagen, dass:
            1) ich die gesetzlichen hintergründe zu VET-AM nur begrenzt kenne, einfach weil sie mich (bisher) so selten tangieren und ich blöder Weise mit den mich betreffenden Gesetzen genug zu tun habe;
            2) bei weitem nicht alle VET-AM in der Lauer-Taxe aufgeführt sind – zumindest meines Wissens nach. Ich komme auf insgesamt 893 zugelassene verschreibungspflichige VET-AM in der Lauer-Taxe in Deutschland zum heutigen Stichtag. Humanarzneimittel sind es ca. 56.000 (exclusive „Außer-Vertrieb“-gekennzeichnete);
            3) ich mich aber auf die Lauer-Taxe verlassen muss. (Gibt es eingentlich ein VET-AM, wo sich 23 Generika-Hersteller um den Markt prügeln? Bei Metoprolol 100mg unretardiert human ist das z.B. so.);
            4) viele Apotheker das tierärztliche Dispensierrecht nicht antasten wollen – zumindest nicht unter den derzeitigen gesetzlichen Regelungen – weil
            4a) der Dokumentationsaufwand für (verschreibungspflichtige) VET-AM in einer Apotheke dramatisch ist;
            4b) die zeitnahe Belieferung und Behandlung größerer Tierbestände (Produktionsbetriebe) erschwert und verkompliziert werden würde sowie
            4c) die Vergütung von VETs auch über die AM erfolgt, und eine Kostenstrukturänderung im VET-Bereich bei Wegfall des Dispensierrechts wohl unumgänglich wäre – zumindest bei den „kleineren“ Praxen.

            Übrigens, wenn schon so gegen die Apotheker geschossen wird, welche ja die Abschaffung des Dispensierrechts fordern – obwohl die wenigsten Apotheker, die ich kenne, diesen „Krieg“ führen möchten geschweige denn angefangen haben, denn diese Schüsse kamen wie üblich aus der Politik! – seien hier noch 2 Dinge angemerkt:
            1) Es ist erstaunlich, wie wenig Tierärzte die ArzneimittelVerschreibungsVerordnung (AmVV) wirklich gut kennen, in der klipp und klar geregelt ist, welche Informationen auf einem tierärztlichen Rezept vermerkt sein MÜSSEN. De Fakto habe ich in letzten 10 Jahren erst EIN VET-Rezept gesehen, welches ALLE Anforderungen erfüllte. Und das nur deshalb, weil ich dem verordnenden VET per Telefon und Fax genau gesagt habe, welche Informationen da drauf zu stehen haben.
            2) Dass die Gesetzesanforderungen „der Anderen“ nicht SO spannend sind, habe ich im Zuge ebenjenes Rezeptes erfahren. Fraglicher VET hatte ein (umgewidmetes Human-)BtM verordnet – blöderweise ohne BtM-Rezept, blöderweise ohne alle nach AmVV und BtMVV erforderlichen Angaben und BLÖDERWEISE ein Wirkstoff, der gemäß BtMG/BtMVV von VETs gar nicht verordnet werden darf. Der Tierhalter war sichtlich sauer, dass ich dieses Rezept so nicht beliefern wollte. Zwei Telefonate und ein Fax (von mir an den VET mit Erklärung, wie ich mir die Verordnung so „vorstelle“ und welche Alternative verordnungsfähig ist) lösten dann das Problem.

            Ach ja. Was auch kaum ein VET weiß: Muss ich in D als Apotheke die Abgabe eines verschreibungspflichtigen VET-AM dokumentieren (übrigens mit Charge, Verfalldatum, Bezugsweg usw. Die Anforderungen entsprechen der TFG-Dokumentation für Human-AM.), muss ich dieser Dokumentation ein Original-Rezept beiheften. Eine Kopie der Verordnung reicht gemäß Gesetz nicht! Da ein Verschreibungsoriginal dem Tierhalter zusteht, müßte der VET also immer ZWEI Originale ausstellen. DAS habe ich bisher noch nie erlebt…

            Wie ich schon mehrfach versucht habe darzulegen, kann ich die Sichtweise der VETs verstehen und nachvollziehen. Dass VETs AM auch ausgeeinzelt verkaufen (dürfen), ich dies aber als Apotheke nicht machen kann und darf, führt übrigens auch immer wieder zu Diskussionen mit Tierhaltern. (Mein VET verkauft mir auch immer EINE Ampulle Floh-SpotOn!) Aber als ich das mit der Rezeptausfüllung mal meinem Lieblings-VET erklären wollte, war dieser auch leicht pikiert… ;-)

            Wenn das jetzt falsch rüber gekommen sein sollte: Ich habe nichts gegen VETs, ganz ehrlich. Ich arbeite gerne mit VETs zusammen. Ist so.

            Like

          4. Gedankenknick, ich habe bislang auch noch keinen Apotheker kennen gelernt, der das tierärztliche Dispensierrecht anzweifelt/abschaffen möchte. Eben weil da unglaublich viel Stress dran hängt für verhältnismäßig wenig Gewinn.
            Aber gerade im Rahmen der Resistenz-Diskussion wird Tierärzten ja gerne vorgeworfen, dass sie eigentlich nur Medikamente verkaufen wollen um damit richtig viel Geld zu verdienen. Am liebsten von irgendwelchen Homöopathie-begeisterten Demeter-Veganern (sorry, aber Vorurteilen kommen halt noch häufig hin).
            Ich kenn die Lauer-Taxe nicht, ich musste das erst mal googeln. Sind da alle Apotheken-verfügbaren Medikamente aufgelistet? Ich weiß, dass viele Hersteller ihre Vet-AM nicht an Apotheken liefern, sondern nur an Großhändler, die dann Tierärzte beliefern. Es gibt zwei Listen, in denen alle zugelassenen Tierarzneimittel aufgeführt sind. Die „Lila Liste“ und Vetidata.de. Ich bin mir sicher, dass da deutlich mehr als 900 AM drin stehen, aber da ich aktuell in der Forschung arbeite und nicht in der Praxis, habe ich keinen Zugang um nachzugucken.
            Was genau auf ein Rezept gehört, müsste ich auch erst mal wieder nachgucken. Die kann kein Tierarzt schreiben, weil sie kein Tierarzt schreiben muss, würde ich mal sagen. Aber dass man ein Btm nicht auf der Schreibtischunterlage verordnen kann sollte eigentlich jeden klar sein.
            Was da an Doku-Kram dran hängt, wusste ich auch nicht. Zumindest nicht für Nicht-Lebensmittel-liefernde Tiere. Bei den LeMis müssen auch Tierärzte das volle Programm dokumentieren, einen Durchschlag dem Landwirt in die Hand drücken und den anderen Beleg selbst 5 Jahre archivieren.

            Zum Thema Generika: also 23 verschiedene Hersteller glaube ich nicht, aber für DAS Schmerzmittel oder Standard-Antibiotika könnten das vielleicht sogar 10 Hersteller werden. Ich habe wie gesagt gerade keinen Zugang zu einer entsprechenden Datenbank.

            Ganz ehrlich: Die einzigen, die von einer Abschaffung des Dispensierrechts profitieren dürften, sind sind die großen Landhandelsketten, die dann ganz sicher spontan noch eine Apothekenkette angliedern und damit werben, dass sie dann alles auf den Hof liefern – für nur einen kleinen Aufschlag. Umgucken werden sich die Tierhalter. Dann müssten Tierärzte nämlich kostendeckend abrechnen, und nicht die Praxis durch die Medikamentenverkäufe subventionieren. Und „ich gebe ihnen Tabletten für 4 Tage mit – jeden Tag eine Halbe“ geht dann auch nicht mehr. Dann sitzt man nämlich mit 1 OP zu 20 Tabletten da – und benutzt die beim nächsten Mal wahrscheinlich auf eigene Faust.

            Heikles Thema, dass in den Medien meistens ziemlich verdreht dargestellt wird. Man tritt halt am liebsten auf die kleinste Gruppe, die wehrt sich wahrscheinlich am wenigsten.

            Like

          5. @me
            Ich denke, wir sind von unseren Ansichten her gar nicht so weit auseinander.

            Dass viele VET-AM nicht in der Lauer-Taxe gelistet sind, hat wahrscheinlich rein finanzelle Gründe – denn der Eintrag in diese Datenbank kostet Geld. In jener sind ALLE in der Apotheke verfügbare AM gelistet – und viele, die aus unterschiedlichen Gründen eben nicht lieferbar sind – sehr zum Leidwesen allen Apothekenpersonals. Man könnte sagen: Die Lauer-Taxe ist die bessere und umfangreichere Rote Liste.

            Like

    3. Bei uns kommt in so einem Fall oft das Argument „aber den Arztbesuch muss ich bezahlen!“ …
      Ja. In der Tat. Er macht aber auch etwas, wenn sie ihn besuchen.

      Like

  6. Das gibt’s auch andersrum – ich habe früher auf dem Land neben einem Tierarzt gewohnt, der gerne die Medikamente für die Tiere auch für sich und seine Familie nutzte – weil bei denen sichergestellt war, dass die nach einer gewissen Wartezeit auch wieder garantiert nicht mehr im Körper rumwanderten (er war ja Landtierarzt – also mit dem essbaren Getier beschäftigt…).

    Like

    1. Hat er die Sperrfristen seiner Familienangehörigen auch in die zugehörigen Medikamentenausweise eingetragen? Nicht dass Hannibal Lecter plötzlich einen Arzneimittel-Lebensmittel-Skandal beklagen muss… duck&cover

      Ich unterstelle mal, das hat(te) eher was mit Einkaufspreis + MwSt. zu tun… Und dass der Apotheker plötzlich bei selbst-tierärztlich ausgeschriebenen Rezepten für den Humangebrauch sagt: „Ihre schönstäugige Lieblingskuh heißt also ´Eva Hermine´ und ist 49 Jahre alt – bekommt aber 3x täglich nur 1000mg Amoxicillin? Sie wissen schon, dass ich als Apotheke die Abgabe von Arzneimitteln für Tiere zur (potentiellen) Lebensmittelgewinnung mit Verordnungskopie dokumentieren muss, oder?“ kicher

      Like

        1. Ist aber schon klar, dass mir diese fiktive Situation (zumindest bisher) nie passiert ist? ;-)

          Und ich dachte, ich würde mit dem ersten Absatz provozieren… So ala: Clarice Starling beschwert sich, dass in den in Butter gedünsteten Brägenscheiben Kalbs-DNA nachweisbar war… duck&cover

          Like

  7. Ich glaube, dass das Problem hier ein Wahrnehmungsproblem ist: Der Mann hört und sieht nur „Augentropfen“. Für ihn hat das „Antiobiotika“/“antibiotisch“ dafür keine wirkliche Bedeutung in dem Zusammenhang. (Ich vermute, dass er wie viele Leute einfach „Antibiotika“ mit Kapseln zum schlucken o.ä. assoziiert.) Noch dazu, weil er auf Anweisung handelt und er eigentlich auch gar nicht genau weiß was er eigentlich braucht.

    Für ihn ist das mehr ein unwichtiges Attribut wie eine Farbe bei einer Schachtel. Die Anweisung könnte auch gelautet haben „Du Schatz, hol mir doch bitte Augentropfen aus der Apotheke. Ich möchte gerne die mit der roten Schachtel, die haben das letzte Mal so gut geholfen.“

    Dementsprechend versteht er auch nicht, dass er für ein paar „Augentropfen aus einer roten Schachtel“ ein Rezept braucht.

    Ich habe aber keine Lösung für dieses Problem anzubieten – wollte nur verdeutlichen, dass das Problem nicht unbedingt in „Antibiotika = Allheilmittel“ bestehen muss. :)

    Like

Was meinst Du dazu? (Wenn Du kommentierst, stimmst Du der Datenschutzerklärung dieses Blogs zu)

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..