Schlechter Tag?

Wir hatten da eine etwas …. schwierige Kundin. Angefangen hat das eigentlich, als ich bei ihrer Beratung kurz von der sich entschuldigenden Pharmaassistentin unterbrochen wurde um ein Rezept zu kontrollieren. Eine kleine aber wichtige Sache von hier nicht mal einer Minute und taktischer-weise zu einem Zeitpunkt, wo die Kundin gerade einen Moment überlegte, ob sie das Medikament jetzt kauft oder nicht.

Das gab dann die leicht gereizte Reaktion: „Sind Sie im Stress?“,

„Nein“ antworte ich freundlich „… ich habe nur diverse Aufgaben. Jetzt sind Sie wieder dran.“

Nachdem ich ihr ihr Wunschprodukt verkauft habe (waren es Tabletten gegen Allergie?) geht die Kundin noch in die Kosmetikabteilung.

Die Drogistin ist dort und begrüsst sie freundlich.

Wieder eine eher giftige Reaktion: „Ich kann selber schauen. Ich klaue schon nichts!“

Die sehr liebe Drogistin, die dafür da ist, zu helfen, ist darob zwar etwas vor den Kopf gestossen, lächelt aber tapfer und geht zur Kasse nicht weit daneben, um weiter Produkte etikettieren.

Währenddem hufft und pufft die Kundin und wirft ihr böse Blicke zu, während sie Lippenstifte malträtiert, äh … testet.

Schliesslich wirft sie ihren letzten Lippenstift hin und stampft zurück zu mir in die Apotheke, wo sie laut reklamiert, wie übel sie sich von der Drogistin behandelt fühle.

Ich höre ihr zu, mache einen Erklärungsansatz von wegen: „Das ist bei uns Vorschrift, dass immer jemand in der Nähe des Kunden bleiben muss…“ aber eigentlich hört mir die Kundin gar nicht zu.

Ganz offensichtlich merkt sie aber, dass ich die Kollegin NICHT deswegen massregeln will. Worauf sie auch mir gegenüber ausruft von wegen: „Mieser Service“ und „wie man hier Kunden behandelt ist unglaublich“ und „ob sie mir ihr vorher gekauftes Produkt zurück geben soll?!?“

Bevor ich etwas dazu sagen kann (es wäre auch nicht viel mehr gekommen als: „Das ist ganz allein Ihre Entscheidung … aber überlegen sie sich das, bevor sie gehen, wenn sie später wieder kommen, kann ich eine Retoure nicht mehr akzeptieren“) geht sie.

Ich schaue meine Drogisten-Kollegin an; Sie schaut mich an und zuckt die Achseln, da … kommt die Kundin zurück! Aber nur um in den Raum zu werfen: „Sie brauchen gar nicht über mich zu reden!“

Wieder aus dem Laden, über die Strasse und zum Cafe gegenüber, wo sie anfängt sich bei irgendeinem dort sitzenden und Kaffe trinkenden Kunden – der sie offenbar gar nicht kennt, so entsetzt wie er aussieht – lautstark über uns zu beklagen.

Mangels adäquater Reaktion lässt sie schliesslich auch ihn stehen (oder besser sitzen) und stapft davon.

Der Mann schaut uns an, wir ihn. – Er lächelt bloss und hebt die Tasse zum Gruss.

Ja, die hatte einen schlechten Tag.

Aber die kommt wieder.

Und sei es nur um sich auch noch bei meiner Kollegin beklagen.

21 Kommentare zu „Schlechter Tag?

  1. Das sind die Kunden, bei denen ich hinterher eine Gesprächsnotiz aus dem Gedächtnis anfertige und dazu schreibe, wer von den Kolleginnen Zeugen waren.
    Nur für den Fall, dass eine Beschwerde bei der Direktion eingeht…

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  2. Oh ja, die kennen wir doch alle! Unzufrieden mit sich und der Welt…
    Ich hatte letztens sogar einen Kunden, der meckerte bevor er überhaupt etwas sonst gesagt hat.
    „Die Apotheke in Dorf-in-der-Nähe ist viel besser..!“ sagte er und streckt mir ein Rezept hin. Es war sein erster Besuch bei uns… Auch wollte er eine unbeteiligte Kundin noch davon überzeugen, dass wir furchtbar sind und die andere Apotheke super! Die Kundin war peinlich berührt – und war dann sehr zufrieden mit uns…

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    1. Och, sowas kann man auch im Blumenladen haben. Während ich im Laden stand und mir die fertigen Sträuße anschaute, kam ein Mann rein, der schon beim Eintreten lautstark verkündete, dass „alle Blumen hier total mies“ aussähen. Ich bin zwar kein Florist, aber für mich sahen die Blumen durchaus verkaufsfähig aus. Letztenendes hat er einen „total vertrockneten“ Strauß ausgesucht und wollte an der Kasse dann über den Preis verhandeln. War für ihn wenig erfolgreich, er musste den vollen Preis bezahlen. Was er lautstark meckernd dann gemacht hat.

      Vielleicht war der Strauß ja für die verhasste Schwiegermutter oder so. Der musste entwedder hässlich oder billig sein, war leider nix von beidem ^^

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  3. Solche Menschen gibt es häufig.
    Die haben aber leider nur schlechte Tage und mögen sich wahrscheinlich selbst nicht!!

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  4. Ah ja. Im Grunde kann ich sie verstehen – ich möchte mich in Läden am liebsten völlig ungestört umsehen und kann es nicht ausstehen, dabei angesprochen zu werden (ja, ich werde auch lieber NICHT begrüßt und entscheide selbst, wann ich die Verkäuferin anspreche, dann fühle ich mich viel wohler). Und wenn die Verkäuferin dann in meiner Nähe stehen bleibt, fühle ich mich beobachtet und unter Druck gesetzt … ich mag das nicht. Ich erinnere mich, dass eine Verkäuferin mal so auffällig in meiner Nähe blieb, dass ich das Geschäft verlassen habe und Jahre nicht mehr drin war … die wirkte wirklich nach „Hoffentlich klaut die Hana nix!“
    Aber klar, durch Unhöflichkeit ändert man das auch nicht! Die Angestellten können meist nichts dafür, und viele Kunden WOLLEN ja auch den Service – nur ich leider nicht, das ist ja nicht deren Schuld.

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    1. Oh, das mit dem ungestört shoppen verstehe ich gut. Allerdings muss ich zugeben, dass tatsächlich leider einfach zu viel wegkommt, wenn man die Leute ganz alleine „schauen“ lässt und die meisten stört es nicht, wenn die Angestellte 2,3 Meter daneben steht und abrufbereit ist. Und meine Kollegin war wirklich dezent. Es gibt Leute, da weiss man, dass man wirklich nahe daneben stehen und sehr gut schauen, die hier gehörte nicht dazu. Aber bei der hätte man wohl wirklich machen können was man will – wäre alles schlecht gewesen.

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  5. Klingt irgendwie nach meiner Tante…. Und ich sage euch, seid froh wenn ihr so jmd. nur als Kundin habt. In direkter Verwandtschaft ist das noch viiiiel schlimmer. Sprengt garantiert jedes Familienfest….

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  6. Ich schaue im Laden auch lieber selber. ABER, ich sage freundlich, dass ich zuerst lieber selber schaue und mich melde falls ich Hilfe brauche. Auf eine freundliche Frage gibt man doch eine freundliche Antwort!

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  7. g

    Mein Chemielehrer sagte früher immer dazu:
    Bei solchen Menschen ist die Dummheit einfach genetisch determiniert – egal was Du sagst, es wird nichts bringen.
    Seitdem kann ich solche Leute ziemlich entspannt sehen und nehme von denen absolut NICHTS persönlich. :)

    Es kostet anfangs etwas Gewöhnung – aber der Spruch „egal, was Du sagst, es wird nichts bringen“ kann ungemein entspannend sein.

    Wie sagte noch ein Lied aus meiner Jugendzeit: DdbdhkP – Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen… Passt doch! ;)

    Kopf hoch! Nicht persönlich nehmen!
    Und denkt daran: Solche Leute müssen sich den ganzen Tag selber ertragen. Ihr müsst sie nur ein paar Minuten ertragen! :)

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  8. Ein kleiner Kniff aus der Akutpsychiatrie: Das Agierfeld einschränken oder in Alltagssprache ausgedrückt „vorgängig den Wind aus den Segeln nehmen“.
    Beim nächsten Besuch die Dame mit bewusst übertrieben sorgenvollen Gesichtsausdruck in Empfang nehmen und zur Begrüssung etwas im folgendem SInne sagen: „Freut mich, dass Sie uns trotz ihrem Ärger beim letzten Mal wieder beehren. Ich hoffe ihr Einkauf verläuft dieses mal zufriedenstellender.“
    Klappt eigentlich immer :)

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