Wieso, Weshalb, Warum?

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Ich beantworte gerne Fragen in der Apotheke – das gibt einem die Möglichkeit gelegentlich ein bisschen mit dem Wissen zu glänzen, das man sich in 5 Jahren Studium (und über 10 Jahren Apotheke) angeeignet hat :-) Aber manchmal gibt es einfach keine einfachen Antworten.

Zum Beispiel auf die Frage „Weshalb hat mir mein Arzt dieses aufgeschrieben statt jenes?“

Die Antwort ist in den meisten Fällen: „Weil dem Arzt das als das bessere erschien?“ – natürlich ist das „besser“ auch oft medizinisch erklärbar.

Da war die Frau mit der Frage an die Apothekerin (mich) am Telefon gestern. Sie war offenbar zudem schwerhörig und etwas langsamer – wohl aufgrund des Alters, was unsere Konversation ziemlich … schwerfällig erschienen lässt. Das muss ich aus den Gesichtern meiner Mitarbeitern schliessen, wenn ich etwas (und in angemessener Lautstärke) zum dritten oder vierten Mal wiederholt habe.

Die Kurzfassung war in etwa die:

Ältere Frau (äF) am Telefon – die Kollegin hat sie mir weitergegeben, die hat ihren Namen allerdings nicht richtig verstanden und mir hat sie ihn (obwohl ich mich mit dem ganzen ‚Pharmama’s Apotheke, Pharmama hier, Grüetzi’ gemeldet habe, nicht gesagt:

äF: „Also ich war im Spital und da hat man mir Temesta aufgeschrieben für nachher. Weshalb? Ich verstehe das nicht. Ich hatte bisher jahrelang die Seresta und das hat immer gut geklappt.“

(man merke auch hier: Jahrelang)

Pharmama: „Hat man die Tagsüber verschrieben oder zum Schlafen?“

äF: „Zum Schlafen, ich nehme die Seresta jahrelang nur zum Schlafen, und das ging immer gut damit. Mit den Temesta bin ich morgens so müde … Wieso hat er gewechselt?“

Pharmama: „Nun, die Halbwertszeit … also die Wirkung vom Temesta ist länger als die vom Seresta und deshalb …“

äF: (unterbricht): „Seresta ist besser als Temesta?“

Pharmama: „Nein, die Temesta wirken länger als die Seresta.“ (wiederhole das 2 x, buchstabiere zusätzlich noch, bis die Info hoffentlich angekommen ist)

äF: „Das verstehe ich nicht.“

Pharmama: „Weil die Temesta länger wirken, werden sie häufiger zum Durchschlafen verwendet. Das könnte aber auch der Grund sein, dass sie morgens noch müde sind.“ (wiederhole auch das 3 x in verschiedenen Formen)

äF: „Dann findet er also, die sind besser für mich? Ich finde die Seresta besser zum Schlafen, aber …. was finden Sie denn das beste?“

Pharmama: (nur halb scherzend): „Wenn man ohne Tabletten Schlafen kann.“

Heh! Sie hat mich nach meiner Meinung gefragt!

äF: „Was? Nein, das geht gar nicht, ohne meine Seresta kann ich nicht schlafen. Und die Temesta sind nix für mich.“

Pharmama: „Dann würde ich bald ihren Haus-Arzt fragen, dass er ihnen stattdessen wieder die verschreibt.“

äF: „Ja. Ich verstehe wirklich nicht, warum die das im Spital gewechselt haben. Und ich bin immer so müde am morgen …“

(Rinse and Repeat)

8 Kommentare zu „Wieso, Weshalb, Warum?

  1. Sie bekommt ein Benzodiazepin und das jahrelang?! Wow, Schlafhygiene wird wohl weiterhin gern klein geschrieben : ( und sei es nur die einfache Erklärung, dass man im Alter ein anderes Schlafverhalten entwickelt.
    Da bleibt mir nur zu langsam, bedächtig, sarkastisch zu klatschen für den Arzt, der diese Leistung vollbracht hat. Genau, noch Lorazepam mit längerer HWZ dazu, damit die Sturzgefahr für ältere Menschen steigt : D. Sounds like a plan!
    Ich kann es kaum erwarten, in die Apotheke zu kommen und zu sehen, was mir so widerfahren wird. Abgesehen davon: Ich liebe Ihre/deine [?] Beiträge :)! Toller Blog, weiter so!

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    1. Mein Opa hat auch gerade erst ohne dass die Ärztin es hinterfragt hat einen ziemlichen Hammer zum schlafen gekriegt. Er hat keinerlei Einschlafprobleme, ist tagsüber nicht müde, macht aber ein seeeehr ausgedehntes Mittagsschläfchen gegen die Langeweile und schläft entsprechend nachts nicht mehr so viel. Außerdem halluziniert er nachts manchmal, wenn er nicht ganz wach ist und merkt manchmal auch, dass das nicht real ist. Er hat früher immer was mit Baldrian genommen und weil er davon immer mehr genommen hat mit der Zeit und weil in der Zeitung eine Anzeige eines homöopathischen Mittels war, die ihn sehr beeindruckt hat, nimmt er jetzt seit Jahren schon das homöopathische. Also nix. Und schläft damit eigentlich gut. Aber neue Ärztin neues Glück, die hat ihm halt den Hammer verschrieben. Mögliche Nebenwirkung: Halluzinationen. Er hat die genau einmal genommen und so stark halluziniert, dass er furchtbar Angst gekriegt hat, weil das viel länger gedauert hat als sonst. Dafür ist er nicht aufgewacht, als er zur Toilette musste(macht nicht ernsthaft was, dafür trägt er so Windelunterhosen, weil er halt nachts eh tröpfelt) und hat nur eine Stunde länger geschlafen. Der Preis für die eine Stunde ist ihm deutlich zu hoch…

      Kommentar der Ärztin: dann brauchen Sie ja gar kein Schlafmittel, sagen Sie das doch

      Danke, du mich auch -.-‚

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      1. Argh! Genau solche Geschichten sind es, die mich sagen lassen, dass Ärzte und Apotheker viel näher beisammen arbeiten sollten. Traumhaft [und richtig schön utopisch, ich weiß : D] wäre es eigentlich, wenn in jeder Arztpraxis direkt noch zu konsultierende Apotheker/Pharmazeuten wären, die die Medikament direkt validieren. Eigentlich gehört beides auch untrennbar zusammen und es ist schade, dass sich ein Arzt oft gegen die Ehre gepinkelt fühlt, wenn ein Apotheker einschreitet oder wenn der Patient etwas sagt, pampig herüber kommt. Gleichzeitig gibts aber auch unter den Apothekern etwas schwarze Schafe, bzw. die gehen auch gerne mal Hand in Hand:
        Meine Mutter ging aufgrund eines auffälligen Insektenstiches zum Hautarzt. Nach drei sekündiger Beschau bewertet der Arzt dies gleich als Borreliose, verschreibt Doxycyclin und schickt sie weg. Sie geht in die Apotheke und bekommt es kommentarlos ausgehändigt. Und das Anfang August. Weder Arzt noch Apotheker haben in dem Fall geschaltet, dass sie bald in Urlaub gehen könnte/geht, Sonnenexposition meiden sollte oder Einnahmehinweise gegeben zwecks mehrwertigen Kationen/Milch. Ich hab dann mal etwas interveniert, sie ging zum nächsten Arzt und huch, das ist ja doch keine Borelliose…

        Wobei ich solche Sachen v.a. bei älteren Menschen schlimm finde. Die werden z.T. so „übertherapiert“ oder total unsinnig, dass man selbst als Student mit hochgerissenen Augenbrauen da steht.
        Aber was solls, verwirren wir doch die ältere Generation, hier ein Tablettchen, da ein Tabletten, hauptsache, sie sind still : /

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        1. Wieso sollte der Apotheker oder der Arzt davon ausgehen, dass sie in Urlaub fährt? Klar, Beratungist anders, aber das mit dem Urlaub ist doch so eine extrem individuelle Sache, dass man das nicht an Jahreszeiten festmachen sollte. Mein letzter Urlaub war beispielsweise zum Jahreswechsel. Dafür dann mit so richtig Sonne nahe am Äquator. Das stand mir aber nicht auf der Stirn.

          Der letzte Sommerurlaub war dafür ein Praktikum, bei dem ich in einem Zelt ein uraltes Haus ausgebuddelt hab. Da stimmt zwar die Zeit, aber Sonne hab ich da nicht gesehen.

          Dafür denke ich zuhause meist nicht an die Sonne und krieg davon dann zuviel. Also im Alltag.

          Der Apotheker muss darauf hinweisen, wenn Sonne ein Problem macht, klar. Aber das mit der allgemeinen Urlaubszeit zu begründen wäre fahrlässig

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          1. Ich meinte damit auch eher die allg. Aussage, dass man derlei erläutern sollte, dass es zu Photosensibilisierung kommen könnte. Nur würde ich wagen zu behaupten, dass man insbesondere in der Sommerzeit darauf hinweisen könnte, da die Wahrscheinlichkeit des Sonnenscheins latent erhöht sein sollte ; )

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      1. Na, da hamm’se mich aber voll kalt erwischt. :D

        Man muß aber auch immer aufpassen bei all diesen Tastaturfingerübungen tagein tagaus …

        Danke, daß Sie mich beim Lachen gleichmal angesteckt haben! :D

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