Medizintourismus

Gelegentlich haben wir Anfragen für Medikamente, die Verwandte / Bekannte ins Ausland mitnehmen oder schicken sollen. Meistens handelt es sich um Medikamente, die dort nicht oder nur schlecht erhältlich sind.

Im Normalfall hätte ich – wenn das rezeptpflichtige Sachen sind – auch für die gerne ein Rezept. Von mir aus auch ein Ausländisches. Irgendetwas als Beleg, dass das Mittel gebraucht und richtig angewendet wird. Auch wenn das nicht in der Schweiz angewendet wird.

Dann gibt es Leute wie der Mann gestern:

Ein Zettel, darauf geschrieben: Ponstan, Felden Tbl, Felden Gel und Forapin Salbe.

Pharmama: „Die ersten beiden Sachen sind rezeptpflichtig … das Felden Gel bekommt man ohne und das letzte … ist ausser Handel.“

Mann: „Oh, ich soll das einer Kollegin ins Ausland schicken, nach Polen. Können Sie da nicht eine Ausnahme machen?“

Pharmama: „Hmm – hat das jemand für ihre Kollegin verschrieben?“

Mann: „Nein, das hat sie selber rausgesucht aus dem Internet. Ich soll ihr das mitbringen.“

Pharmama: „Es ist rezeptpflichtig, SO kann ich Ihnen das nicht geben.“

Mann: „Sie ist 60 und hat Chemie studiert …“

Pharmama: „Das ist interessant, aber das macht sie nicht zur Ärztin. Und die beiden Schmerzmittel würde ich nicht ohne Arztbesuch anwenden. Speziell nicht in ihrem Alter.“

Er liess sich dann überzeugen Ibuprofen zu nehmen – auch Schmerzstillend, entzündungshemmend und relativ stark. Und das darf ich abgeben.

19 Kommentare zu „Medizintourismus

  1. (Was bloggst du so früh am morgen? Kaffee rüberschieb)

    Wenn ich das richtig verstehe… er möchte von dir Medikamente haben, und mit ihnen nach Polen reisen bzw. sie nach Polen schicken.

    In Polen dürften die Medikamente ja wesentlich günstiger sein, und nicht zu reden vom Porto… hat die polnische Chemikerin irgendwie ihr Beziehungsnetz schon vergrault und aufgebraucht?

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    1. Ah – den Blogpost habe ich vorbereitet … trotzdem Danke für den Kaffee!
      Aber was machst Du so früh am Compi?
      Anscheinend ist es so, dass in Polen nicht alles erhältlich ist. Da nützen auch die günstigen Preise nichts, wenn das Produkt nicht verfügbar ist.

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      1. Bitte. gleich neuen Kaffee blubber.

        Och, ich hab an meinem Institut die Projekte abgeschlossen und will jetzt drei Monate lang anderswo arbeiten. Und dann kehre ich wieder zurück. Und musste ich eben ein paar Bewerbungen schreiben. :)

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  2. Natürlich gibt es gelegentlich Medikamente, die es nicht gibt. Wenn Du die so einfach aus dem Kopf kennst, scheinen es aber eher gängige Mittelchen zu sein – und die sollten in Europa doch überall erhältlich sein. Ansonsten soll bitte eine Apotheke vor Ort die Sachen bestellen.
    Letztendlich handelst Du mit Drogen. Natürlich sind es Drogen, die unter kontrollierten Bedingungen auch positive Wirkungen haben und deswegen unter den entsprechenden Voraussetzungen auch legal verkauft werden dürfen. Das ist normalerweise ein Rezept und keine noch so gut ausgedachte Ausrede.

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    1. Zumindest hier (D) muss man nicht alles im Kopf haben, man kann kurzerhand in der Taxe auch nach ausländischen Mitteln suchen.

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    2. Was ich nicht kenne, kann ich nachschauen. Ich kann auch vieles besorgen – keine Ahnung, wie das in Polen aussieht. Aber: richtig, für die rezeptpflichtigen Sachen will ich schon möglichst sicher sein, dass die richtig angewendet werden. Ein bisschen schwierig bei so „Besorgungsaufträgen per Fresszettel“.

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  3. Ich kannte keines der genannten Medikamente. Also PharmaWiki bzw. Wikipedia. Macht schlauer, besonders in Hinblick auf die Andeutungen, warum die Mittel verschreibungspflichtig sind.

    Ich habe ganz grundsätzliche Fragen zu Schmerzmitteln. Erstens sehe ich eine Art „Mode“, welche Mittel von Ärzten – und das dann lokal unterschiedlich – aktuell gerne verschrieben werden und welche nicht. Eine Zeitlang wurde hier in Wien von meinen Ärzten Paracetamol SEHR kiritsch gesehen. Das war bis dato das Schmerzmittel meiner Wahl, weil mein Hausarzt in Hessen mir von Acetylsalicylsäure wegen Asthma explizit abgeraten hatte.

    Ich lernte also in Wien Alternativen wie Diclofenac (aka Voltaren) oder Metamizol (Novalgin) kennen. Da ich diese Mittelchen zur Linderung von Erkältungsbeschweren nehmen sollte und ich auch leichte Magenprobleme hatte, wurde es dann Metamizol.

    Achtung, werden erfahrene Pharmazeuten jetzt wahrscheinlich denken. Metamizol ist verschreibungspflichtig. Hat gute Gründe. Auf der Suche nach Alternativen wurde mir dann Ibuprofen empfohlen, wo wieder bei Magenproblemen sehr genau aufgepasst werden muss.

    Alles in allem: ich hätte gerne ein Schmerzmittel zu Hause, dass ich bei leichten Schmerzen (insbesondere Kopfweh) ohne gröbere Bedenken nehmen kann. Meistens wird das nämlich schnell schlimmer, wenn man nichts nimmt. Insgesamt schreibe ich hier aber von maximal 4 Dosen pro Monat.

    Deshalb – endlich Bezug auf den Artikel – kann ich mir vorstellen, dass man sich Medikamente „beschafft“, die man kennt. Auch wenn sie verschreibungspflichtig sind. Als Nicht-Fachperson ist die Einschätzung der relativen Gefahren eben schwierig. Die reine Orientierung an Verschreibungspflicht oder nicht halte ich für gewagt (Paracetamol z.B. kann sehr leicht überdosiert werden).

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    1. Ja – aber: kannte die Frau die wirklich? Oder hat sie die auch nur via Info aus dem Internet besorgt haben wollen?
      Und Metamizol bei Erkältungsbeschwerden? Hmmmmm. Ich hoffe, Du nimmst wenigstens keine anderen Medikamente, die einen Einfluss aufs Blutbild haben können?

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      1. Metamizol war Vorschlag des Arztes. Momentan nehme ich gar nichts, bzw. sehr selten. Mein Blutbild entspricht den Normwerten bis auf leicht erhöhtes Cholesterin.

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    2. Bezüglich der Frage zum Schmerzmittel, dass bei leichten Schmerzen (insbesondere Kopfweh) ohne gröbere Bedenken genommen werden kann: Paracetamol ist das Schmerzmittel der Wahl bei leichten Schmerzen ohne entzündliche Komponente. Bis zu einer maximalen Tagesdosis von 4000 mg wird Paracetamol meist auch bei Dauereinnahme über längere Zeit gut vertragen. Bei der rezeptfreien Abgabe wird eine maximale Dosierung von 4x 500 mg pro 24 h empfohlen. Nicht eingenommen werden darf Paracetamol bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen.

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      1. Da mit der Maximaldosierung wäre ich vorsichtiger: neue Empfehlungen gehen von Tagesdosen bis 3000mg (3g) aus – und selbst dann ist das für die Leber nicht wirklich gut. Ich hatte schon mehrere, die deswegen erhöhte Leberenzyme hatten – auch ohne bekannte Störungen vorher.

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        1. Ja, danke für den Hinweis. Ich empfehle auch bei Verschreibungen in der Regel, es zuerst mal mit 4x 500 mg zu versuchen. Aber da gibt es dann wieder Stimmen, die die 500 mg Einzeldosis als nicht effektiv erachten. Dass erhöhte Leberwerte auch bei diesen Dosen vorkommen, kann schon sein. Trotzdem erachte ich 4g Paracetamol in der Dauertherapie als sicherer als die Aequivalenzdosis von einem NSAR (auch in Kombination mit einem PPI).

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  4. Ach ja, Schmerzmittel… ich war am Mittwoch im Notfall (ist hier üblich, wenn der Hausarzt Ferien hat, das ist die offizielle Vertretung). Ursache wurde nicht gefunden, aber „ich verschreibe Ihnen Irfen“ – ich: „ist das Ibuprofen? Das vertrage ich nicht“
    Ich bekam dann Voltaren Retard + Magenschutz verschrieben.
    Aber es ist echt lästig, wenn die Ärzte irgendeinen Produktnamen statt des Wirkstoffs nennen, jedenfalls für mich.
    Da ich ausnahmsweise nicht in meine Stamm-Apotheke gehen konnte, wäre es nämlich auch beim Einlösen des Rezepts nicht aufgefallen (in meiner Stamm-Apotheke habe ich die Unverträglichkeit im Dossier eintragen lassen).
    Ponstan mal eben so mitbringen würde ich aber auch niemandem.

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