Kommunikation per proxy

Wir haben da ein … Kundenpaar. Sie sind noch nett, nur ist manchmal die Kommunikation etwas erschwert – ein gutes Beispiel ist der Fall vor ein paar Wochen, als sie mit einem Rezept kamen auf „ihn“ ausgestellt, die gesamte Konversation aber über „sie“ laufen muss (obwohl er durchaus geistig und auch sonst in der Lage ist zu antworten). „Sie“ managt einfach alles für ihn. „Er“ darf nur danebengehen und zuschauen.

 

Sie (reicht mir das Rezept): „Wir kommen gerade aus dem Spital. Auf dem Rezept stehen Urinbeutel“

Pharmama: „Ja, ich sehe….“

Auf dem Rezept steht: Urinbeutel 800ml und Bettbeutel 2l, das ist alles. Ein bisschen wenig Info – da fehlt noch die Länge des Schlauches und ob da ein Ventil dran gehört, aber das kann ich ja die beiden fragen.

Pharmama: „Wissen Sie, ob der Schlauch X cm oder Y cm sein muss?“

Die Frau weiss es (das ist toll, das erspart mir den Anruf im Spital)

Ich gebe sie im Computer ein. Es gibt verschiedene, auf die die Spezifikationen zutreffen. Wir haben sogar welche da. Ich zeige sie ihnen.

Frau: „Das sind aber nicht die, die wir gehabt haben! Wir müssen wieder dieselben haben. Und zwar von der Marke …Moment …“

Sie geht hin und schaut auf ihrem Mann nach. Ja, ‚auf‘ – denn dazu muss sie ihm praktisch an die Hosen. Er lässt auch das stoisch, aber mit verlegenem Lächeln in unsere Richtung über sich ergehen.

Ich finde Marke und richtige Grösse im Computer, aber … es ist einerseits eine Bestellung (für die 800ml) und das andere gar eine Direktbestellung, da unser Lieferant die nicht führt.

Pharmama: „Ich kann die bestellen. Das eine ist allerdings eine Besorgung direkt vom Hersteller, das dauert etwa 2 Tage“

Frau: „Das geht, wir haben noch ein paar.“

Sie bekommen ihre Urinbeutel.

Zwei Wochen später bringen mir die beiden beide Packungen wieder zurück. Aufgemacht aber ungebraucht. Offenbar hat es mit denen gereicht, die sie vom Spital mitbekommen haben.

Frau: „Ich möchte das zurückgeben. Wir haben sie dann doch nicht gebraucht. Das wird uns wieder gutgeschrieben, ja?“

Pharmama: „Äh – nein. Mal abgesehen davon, dass die Packung geöffnet wurde – so wie sie jetzt sind könnte ich sie weder retour geben noch weiterverkaufen. Selbst wenn ich das dürfte. Und ich darf nicht.“

Mann: „Siehst Du, genau das habe ich Dir auch gesagt.“

Und bevor wir den Mund wieder zubekommen (Er hat was gesagt!) zieht er sie sanft aber bestimmt aus der Apotheke.

4 Antworten auf „Kommunikation per proxy

  1. jetzt sei ehrlich: Wenn Du in 50 Jahren mit Deinem Kuschelbär Uronbeutel kaufst, dürfte er was sagen…? ;-)

    (Ich wünsche Euch natürlich, dass er die niemals brauchen wird)

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