Praxisassistentin: (hört sich leicht verzweifelt an):
„Ich kann den Arzt nicht schon wieder stören. Ich musste schon Zwei Mal bei der Patientin, an der er gerade ist, reinlaufen, weil Apotheken telefoniert haben! Das kann ich jetzt nicht noch ein Drittes Mal. Das wäre doch sehr .. unhöflich. Bitte rufen Sie in einer Viertelstunde nochmals an.“
Und ich denke: ‚Wenn die Apotheken so oft telefonieren müssen um etwas nachzufragen, muss er vielleicht etwas daran ändern, wie er die Rezepte ausstellt?‘
Ja, auch bei mir war etwas unklar. Und auch wenn das unhöflich ist für die Patientin bei ihm, die Patientin bei mir muss jetzt auch nochmals warten, bis ich das abklären konnte. Finde ich auch nicht so nett.

Apropos Kundenservice: Ich hatte neulich ein verschreibungspflichtiges Medikament auf Privatrezept. War eins, dass wir Gesetzlichversicherten in Deutschland selbst zahlen müssen, es war also nicht automatisch davon auszugehen, dass eine PKV das übernimmt.
Es war auch kein „Lifestyle“-Produkt, sondern schon etwas, was man nicht zum Spaß nimmt – aber auch nicht SOFORT braucht. Bietest Du in dieser Situation auch Generika an?
Ich hatte schonmal vorher im Internet nachgesehen und bin direkt „Ich habe hier ein Rezpt für [Wirkstoff]-Tabletten“ reingekommen. Die restliche Konversation lief dann etwa so:
PTA: „Ich sehe hier gar nicht [Wirkstoff].“
Ich: „[Wirkstoff] ist doch der Wirkstoff von [Arzneimittel], oder?“
PTA: *nachschau* „Oh, ja richtig.“
Ich: „Und das kann man doch gegen Generika substituieren, oder?“
PTA: *sehr zurückhaltend* „Hm, also bei Privatrezepten ist das eigentlich … hm also … ich … ja, ich schau mal, was es da gibt.“
Danach hat sie mir dann ein Generikum angeboten, das fast so teuer war wie das Original. Erst bei Nennung des (vorher rausgesuchten) günstigsten Anbieters hat sie mir das dann bestellt, für etwas mehr als 2/3 des ursprünglichen, nicht ganz geringen Preises (Ersparnis zweistellig).
(Die Apotheke war übrigens auch nicht so voll, dass ich ganz schnell hätte abgefertigt werden müssen.)
Wie schätzt Du das ein? Ich habe mich dabei etwas über den Tisch gezogen gefühlt. Es wurde immerhin versucht, mir genau das Gleiche für fast 50% mehr als nötig anzudrehen, obwohl die günstigere Alternative zwei Klicks entfernt war. Jedenfalls fühlte ich mich nicht so behandelt, wie ich das von jemandem, dem ich nach eigener Aussage viel Vertrauen entgegenbringen soll, erwarten sollte. Oder ist das üblich? Nötig, um noch profitabel zu arbeiten? Bringt es überhaupt einen Vorteil, sind die Margen proportional?
Ich suche hier gerade nach Umzug nach einer guten Apotheke (deren Empfehlungen ich dann außerdem auch trauen kann, ohne dass sie mir Globuli oder so andrehen), und im Moment würde ich sagen, die fliegt schonmal für mich raus.
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Das ist eine Grauzone, bei Privatrezepten gilt:
„Leider kann der Privatpatient- entgegen der Berichterstattung- in der Apotheke bei Originalverordnung kein Generikum erhalten, da selbst ein wirkstoffgleicher Austausch des Arzneimittels gegen den § 48 des AMG verstößt (sämtliche Austausch-Regelungen sind im Sozialgesetzbuch geregelt und treffen somit auf Privatrezepte nicht zu). Diese Erfahrung mußte ich leider durch einen Testkäufer hart lernen. In Deutschland gibt es hierzu bisher noch keinen Präzenzfall; es liegen zwei oder drei Rechtsprechungen in erster bzw. zweiter Instanz wohl vor, in allen Fällen hat der Apotheker (der auf Privatrezept ausgetauscht hat) verloren bzw. es wurde maximal ein Vergleich geschlossen.“
Also wie man es macht, macht man es verkehrt.
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Das verstehe ich nciht. Wer hat denn da einen Rechtsstreit durchgeführt und mit wem wurde verglichen? Das scheint ja dann kein Strafverfahren oder berufsrechtliches Verfahren gewesen zu sein.
In Zukunft heißt es in so einem Fall dann wohl beim Art aufzupassen und zu fragen „Gibt’s da auch ein Generikum?“
Der AApotheke, wo ich es im Endeffektja gekriegt habe, kann ich es dann wohl nicht negativ anrechnen. Trotzdem ist es natürlich Irrsinn des Gesetzgebers, die Substitution bei einem Kassenrezept vorzuschreiben und bei einem Privatrezept zu verbieten.
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Der Rechtsstreit wurde sicherlich von dem Anbieter des Orginalpräparates angezettelt.
Und ja, willkommen in der verrückten Pharma-Welt. Es vergeht kaum ein Tag an dem ich ob der unsinnigen/weltfremden/unglaublich bürokratischen Regelungen nur den Kopf gegen die Wand hauen kann. Wir haben einen unglaublich tollen Beruf der von den verschiedensten Seiten unglaublich mies gemacht wird
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ich könnte mir vorstellen, dass ein privatrezept-inhaber das versucht hat, bei seiner privaten KV einzureichen und die nicht blechen wollten…?
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Die Sachlage ist (rechtlich) nicht ganz so einfach, wie sie sich hier darstellt. Klar ist es nett für den privat Versicherten, wenn ihm ein preiswertes Generikum angeboten wird. Aber viele Private wollen das gar nicht (Zitat: „Ich bin schließlich privat versichert! Ich will den billigen Mist nicht!“). Außerdem richtet sich die (zwei verschiedenen) Austauschgebot im SGB V rein auf gKV-Rezepte. Rein nach Gesetzeslage darf eine deutsche Apotheke bei Privatverordnungen so ohne weiteres (und ohne Rücksprache mit dem verordnenden Arzt) das verordnete Arzneimittel gar nicht austauschen – dass sich niemand daran hält entschuldigt nicht den Verstoß gegen das Gesetz. Andererseits: Wo kein Kläger – da kein Richter. Zumal es für die Apotheke im Zweifelsfall völlig egal ist, ob man das „teure“ oder das „preiswerte“ Arzneimittel beliefert – vom Verdienst kommt das aufs Selbe raus. Aber ich habe selber oft die Erfahrung gemacht, dass privat versicherte Patienten das Angebot eines Generikums eher als „Ausschluss-Kriterium“ für das Wiederbetreten der Knick-Apotheke sahen… Oder wie es die Kölner sagen: „Jeder Jeck is anders!“
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Och, ApoMi war schneller…
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Hihi, erster ;)
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Auch Dir danke. Mit der Erklärung hatte ich jetzt nicht gerechnet – kann ja keiner drauf kommen, dass das für die einen ge- und für die anderen verboten ist UND dass sich die Apotheke auch noch drüber hinwegsetzt. :)
Aber deswegen frage ich, bevor ich den Laden meide.
Es ging übrigens um Terbinafin gegen Nagelpilz. Da ja anscheinend ein erheblicher Teil der Bevölkerung mit Nagelpilzen zu kämpfen hat, kann es ja eigentlich nicht so unüblich sein, dass dafür ein Kassenpatient mit Privatrezept kommt. Insofern hätte ich ohne diese hirnrissige Gesetzeslage zumindest erwartet gefragt zu werden, ob ich selbst zahle und an einer günstigeren Generikum-Alternative interessiert bin. Kann mir nicht vorstellen, dass das einen PKVler verärgert (aber ich arbeite auch nicht mit Kunden, man wundert sich ja manchmal :)).
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Oh doch. Wenn man Herrn/Frau Krösus vor sich stehen hat, die meinen, mit dem Angebot eines Generikums würde man unterschwellig unterstellen, sie könn(t)en sich das Original nicht leisten, wird man schon mal von arroganten Blicken zumindest durchbort wenn nicht gleich getötet…
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Man darf eigentlich nicht substituieren bei Privatrezepten, bei den gesetzlich versicherten dagegen muss man?
Ummm – sowas. :-(
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Wie ApoMi schon sagte, Austausch bei Privatrezept ist offiziell nicht erlaubt, ich biete es aber dennoch zum Teil selber an. Grade bei Medikamenten, wo das Original sehr viel teurer als ein Generikum ist. Die Spanne ist bei uns immer gleich: 8,35€ Plus 3% vom Einkaufspreis, egal was das Medikament kostet. Die drei Prozent machen es aber auch nicht viel aus, wenn ich nun Rifun für 150,-€ oder Esomeprazol Ratio für 56,-€ abgebe.
Wenn Du in deiner zukünftigen Stammapotheke nichts mit Homöopathie haben willst, dann sag es doch einfach laut. Dann kann man das in die Kundenkarte eintragen und gut ist.
Auch wenn es hier offensichtlich manche stört daß wir homöopathische Arzneimittel anbieten, wir tun das (unter anderem auch) WEIL ES DIE KUNDEN WOLLEN! Nicht nur weil wir selber unser acht Semester langes, streng naturwissenschaftliches Studium verdrängt haben und „gläubig“ sind. Aber bevor mein Chef mir mein (wahrlich nicht üppiges!) Gehalt zahlen kann, muß ich erst mal auch etwas verkaufen. Im übrigen bin sehr wohl der Meinung, daß es wirksame Homöopathika gibt – aus dem niedrigen Potenzbereich versteht sich! Denn habe ich sehr wohl noch eine stoffliche Wirkung der verwendeten Mittel. Aber es soll sich jeder mit dem Kurieren, was ihm/ihr liegt, ich missioniere niemanden und wenn ein Kunde eben sagt:Ich will nichts homöopathisches, dann bekommt er auch nichts. Wo ist das Problem?
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Du hast die 0,16€ Notdienstfonds-Zuschlag und die 0,03€ 19%MwSt. auf ebenjenen vergessen… :-P
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nicht zu vergessen die 0,26€ BTM-Zuschlag
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Die sind ja nur bei BtMs und dann noch separat unter einer zusätzlichen Abrechnungs-PZN. Den vergleichbaren Dokumentationsaufwand bei T-Arzneimittel und TFG-Arzneimittel bezahlt schließlich auch niemand extra.
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@Aponette
Ich frage aber in einer Apotheke, um auf die Erfahrung aus diesem acht Semester langen, streng naturwissenschaftliches Studium zurückzugreifen. Ich möchte erfahren, was mir hilft.
Wenn ein Apotheker mir – ggf. für teuer Geld – etwas empfiehlt, was nicht mehr hilft als Plazebo (wie nicht nur durch einfache logische Überlegungen, sondern auch durch entsprechende Studien gezeigt ist), dann hat er in dieser Aufgabe versagt.
Er hat aber noch mehr getan: Er hat implizit angegeben, dass homöopathie hilft. Bestenfalls kommt dann sowas raus wie bei einigen in meinem Freundeskreis, die bis vor kurzem dachten „homöopathisch“ heißt „pflanzlich“, schlimmstenfalls erhöht es die Akzeptanz bei ernsteren Erkrankungen, die eigentlich echte Medikamente brauchen. Und allerschlimmstenfalls behandeln die Leute nicht nur sich selbst so, sondern auch ihre Kinder.
Das hebt für auch jede Vorteile auf, die bewusste Placeboabgabe haben könnte.
Versteh mich nicht falsch: Ich bin froh, nicht in Eurer Haut zu stecken. Du sagst ja richtig, die Leute wollen das. Aber ich sehe nicht, dass man es ihnen auch noch ungefragt andrehen muss. – Oder verschweigen, dass es keinen wissenschaftlichen Wirkungsmechanismus gibt, wenn sie nach einem bestimmten Mittel fragen. Das sind ja nunmal Tatsachen, keine Bekehrung. Wenn sie sich dann entscheiden zu glauben, dass es mehr als Wissenschaft gibt, ist es ihre Sache.
Und bei D10 Medikamenten oder sowas würde ICH immer dazu sagen, dass ich das nciht wegen der homöopathischen Wirkungsweise empfehle, sondern weil noch Wirkstoff drin ist. Alles andere könnte ich mir als studierter Naturwissenschaftler (der ich auch bin), einfach nicht vor mir selbst verantworten. Das wäre mir zu peinlich.
Für Ärzte gilt das übrigens genauso: Bestenfalls nehmen sie meine Leiden nciht ernst und wollen mir Placebo geben (dann sollen sie mir Tee und Bettruhe empfehlen), schlimmstenfalls glauben sie an hahnebüchenen Quatsch, dann spreche ich ihnen ihre Qualifikation ab. Wie sollen die ihr Fach verstehen, wenn sie nicht einmal sehen können, dass sowas nicht wirken KANN?
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Will sagen: Wenn ich sagen muss, was ich nciht will, weil er nicht hilft, dann kann ich es auch gleich lassen zu fragen. Die Leute wollen auch Kombipräparate mit fragwürdiger Kombination. Ich will eine Empfehlung vom Pharmakologen, nicht vom Trendberater.
(Apropos Kompipräparate, was sagen denn die Experten zum gestrigen Test auf SPON?)
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Jetzt interessiert mich doch, was du für eine Ausbildung hast. Informierter als Otto-Normal-Verbraucher bist du jedenfalls… ;-)
LG Katja (PTA)
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Spon hat recht….
Es gibt NICHTS was gegen Erkältung hilft, man kann höchstens einige Symptome lindern.
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Der Quatsch ist nicht hahne-büchen, sondern hahne-mannen… Um genau zu sein „Samuel Hahnemann“-en, selbiger ist der Erfinder/Entwickler der Homöopathie. *schlaumeiermodus off* ;-)
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Nochmal Thema Privatrezepte: Hier (D) ist es gerade so, dass die Privatkassen ihren Mitgliedern nicht mehr den vollen Preis der Originalpräparate erstatten. D.h. auch bei Privatrezepten: austauschen. Mache ich aber nur auf Kundenwunsch, Privatpatienten sind da halt speziell :D Aber wenn mich jemand nach dem Günstigsten fragt, dann suche ich das auch raus.
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Öhm… das hängt aber schwer vom Versicherungsvertrag des Privatpatienten ab. Es gibt Verträge, wo bis zu einem Betrag X ein Eigenanteil von XY% anfällt. Es gibt Verträge, wo bis zu einem Betrag X (Selbstbehalt) der Versicherte eh alles erst mal selbst bezahlt. Es gibt Verträge, wo der Versicherte Vorteile erhält, wenn er die Apotheke um Abgabe einer bestimmten Generika-Firma bittet.. und und und.
Gerade bei den Selbstbehalt-Verträgen sind die Originale durchaus praktisch, da man seinen Eigenanteil schneller zusammen hat… Und wenn man ihn zusammen hat, kann es einem eh egal sein…
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Oder „Hahnemann-bücherisch“..? ;-)
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Sozusagen. Und dann wurde der Quark vom Gesetzgeber zum „Homöopathischen Arzneibuch“ verarbeitet…
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@Katja
(Irgendwie hast Du keinen Antwort-Button mehr, deswegen antworte ich mir selbst) In der Kurzversion bin ich wohl Physiker. In der Langversion habe ich Physik, Mathematik und Philosophie studiert, mein Diplom in mathematischer Physik um die Verknüpfung von klassischer Mechanik und Quantenmechanik gemacht, danach in der theoretischen Optik promoviert. Anschließend habe ich für die Luftfahrtindustrie gearbeitet und jetzt gerade mache ich meinen ersten Postdoc in den Neurowissenschaften.
Keine Ahnung, was ich genau bin :) Frage ich mich jedes mal wieder wenn ich mir überlege, was ich als nächstes mache *g*
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Aah, jetzt weiß ich Bescheid! ;-)
LG Katja
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Man könnte in diesem Fall der Praxisassistentin anbieten, dass sie mit der Kundin direkt spricht und dieser erklärt, dass sie eine Viertelstunde in der Apotheke warten soll, bis sich die PA wieder zu ihrem Chef rein traut…
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reintraut?
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ja, hat was. Ich nehme an, der Arzt ist wirklich nicht sehr glücklich damit.
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Aber das kenne ich auch zur Genüge: „Herr/Frau Doktor darf gerade nicht gestört werden. Versuchen Sie es doch in ca. 4 Stunden noch einmal!“ Öhm. Ja, mache ich. Und ich sage dem vor mir stehenden Patienten, dass ich da eben bis morgen Nachmittag brauche, um das Problem zu lösen, da Herr/Frau Doktor nicht mit mir reden mag. Habe ich auch kein Problem mit.
Zugegeben, ich möchte in diesem Fall mit der MTA / PA nicht tauschen, denn diese wird selber genug „Druck von oben“ bekommen. Ich finde es aber ein Unding, dass meine Probleme „unwichtig“ sind, denn meine Probleme gehen zu 98% auf einen Fehler/ein Missverständnis/ein Prblem eben vom ausstellenden Arzt zurück. Aber die Apotheker baden es ja aus, kostenlos und freudestrahlend… (und manchmal auch noch nganz umsonst…)
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Manchmal (nicht immer) geht es auch schneller, wenn der Patient selber anruft. Aber bei manchen Sachen geht das auch nicht so einfach. Eher technisches oder eher wirklich medizinisches … und manches Mal ist es vielleicht auch besser, bekommt der Patient nicht ganz alles mit.
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Eine Alternative, die ich bereits gesehen habe, ist das Senden von Memos (der Praxisassistentinnen) auf den Bildschirm der Ärztin, ähnlich wie kleine Chatfenster. Das ist diskret und sie weiß sofort, daß etwas ansteht und kann entscheiden, ob sie z.B. vorne durchruft.
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