Perfekt für mich

Herr Tswerg ist wieder da. Er macht immer … grenzwertige Komplimente an unsere jungen, weiblichen Mitarbeiter und heute hat er sich Lehrling Minnie als Opfer ausgesucht.

Zuerst komplimentiert er sie über ihre Stimme, die er schon am Telefon gehört habe.

Ein paar Mal. Ich muss in der Zwischenzeit weg, anderes machen.

Als ich zurückkomme ist er immer noch dran.

„Wie gross sind Sie?“

Minnie :“Eins siebzig“

Herr Tswerg: „1 m 70? Das passt ja, ich bin 1. 75! Das ist perfekt. Und Sie sind so hübsch und am Telefon haben Sie eine so hübsche Stimme!“

Perfekt? Für was bitte?

Er hängt immer noch an der Theke herum, und ich merke, wie Minnie sich unbehaglich fühlt. Der Typ ist ihr unheimlich – mal abgesehen von etwa 3 mal so alt wie sie und versucht ganz offensichtlich, sich an sie ran zu machen.

„Wie heissen Sie denn zum Vornamen?“ fragt er

„Das … will ich Ihnen lieber nicht sagen.“

Herr Tswerg (unbeeindruckt): „Auf ihrem Namensschild steht M. Wander. Dann nenne ich Sie einfach Martina!“

Minnie: „Also mir ist es lieber, wenn wir bei den Nachnamen bleiben …“

Höchste Zeit, etwas zu tun.

… Also lasse ich das Telefon läuten (Anruf vom Handy hinten), dann gehe ich nach vorne und sage zu Minnie: „Du hast ein Telefon von deinem Freund.“

Erst ein verwirrter Blick – dann ich lauter: „Ich habe es hinten auf Pause gestellt, er wartet!“

Dankbar verschwindet sie nach hinten.

Nicht dass ich denke, dass das reicht um ihn abzuschrecken. Auch das nicht, dass ich ihm sage, dass er auch von mir nicht ihren Vornamen bekommt und gefälligst (Bitte, Danke) beim Sie zu bleiben habe.

Der kommt wieder.

26 Kommentare zu „Perfekt für mich

  1. Hm. So sehr ich die Diskretion auch bewundere, ich glaube, man gibt ein besseres Beispiel, wenn man tatsächlich anspricht, was da gerade geschieht. Damit, dass man dem Mädchen einen Partner andichtet, erklärt man sie zum Eigentum eines Anderen, was dieser Tswerg vielleicht akzeptiert, aber vielleicht auch nicht. Aber man vermittelt der Azubi unter Umständen ein falsches Bild darüber, wie sie sich selbst wehren könnte. Ich kann mir das Dilemma gut vorstellen, glaube aber, dass ein entschiedenes „Herr Sowieso, mit Ihren privaten Äußerungen bringen Sie meine Angestellte in Verlegenheit. Beenden Sie das bitte sofort.“ sowohl der Angestellten eher hilft, als auch dafür sorgt, dass der schmierige Typ feststellt, dass er auffällt mit dem, was er tut. Vielleicht bremst ihn das. Ausflüchte und Tricks, um ihn abzulenken, unterstützen vermutlich eher seine Ansicht, dass er da heimlich und unbemerkt agiert.

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  2. Er wanzt sich ja nicht zum ersten Mal so ran. Ich würde ihm in aller Deutlichkeit und Direktheit sagen, dass er das unterlassen soll und ich sonst die Polizei rufen werde. Und das dann auch tun, wenn er nicht aufhört. Nötigung ist NICHT lustig und er kapiert es ja durch die Blume nicht. Ist ja nicht so, als hättet ihr es nicht durch die Blume versucht…

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    1. Damit man jemandem mit der Polizei drohen kann, muss aber eine Straftat vorliegen. Oder?
      Bis jetzt ist er einfach aufdringlich.

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    2. Ja-in. Aufgrund seiner Aufdringlichkeit könntest du ihm mit Hausverbot drohen – das musst du allerdings durchziehen, wenn er sich nicht bessert.
      Wenn er dann trotz Hausverbot zu euch kommt und auf Aufforderung die Apotheke nicht verlässt, liegt Hausfriedensbruch vor, dann kannst du die Polizei rufen.
      Haben wir ähnlich auch schon durch…

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  3. Empfehle aufgrund meinen einschlägigen Erfahrungen im Klinikalltag ebenso eine konfrontative Strategie. Vorgänge benennen. Klar die Grenze definieren. Sanktionen ankündigen und rigoros umsetzen bei erneutem Verstoss. Was in der Akutpsychiatrie funktioniert sollte auch im Alltag zu Erfolg führen :)

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    1. Ja, tut es. Erfahrungswert eines „jungen Dings“ an der Kasse eines Computerladens, der hauptsächlich von äh…sexuell unterversorgten Nerds im „besten Alter“ besucht wird. Am Anfang hab ich kaum den Preis rausgebracht vor Schüchternheit, aber nach drei Jahren wird man verdammt schlagfertig und hat den zuständigen Bünabe im Handy auf Kurzwahl(und duzt ihn, man hat eh alle Augenblick miteinander zu tun). War ne gute Schule. Jetzt sind es nur noch Touristen im Supermarkt. Die können aber auch verdammt klare Ansagen brauchen. Wenn man da Schwäche zeigt, ists aus. Manchmal hat man glatt den Eindruck, dass man nicht an der Kasse sitzt, sondern so eine Art Nachtclubtürsteher ist. Ich hab auch immer eine Trillerpfeife dabei, gibt nix wirksameres um sich Gehör zu verschaffen…

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  4. Ich hätte wahrscheinlich geantwortet: „Das „M“ stand vor dem Eingriff für Martin – jetzt nenne ich mich Martinique…“ (ehrlicherweise fallen mir schlagfertige Dinge immer erst hinterher ein *seufz*)

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    1. Weil Trans-Menschen ja etwas derart abstossendes sind, dass das den aufdringlichen Herren sicher abschreckt, genau. Danke auch.

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      1. Wenn es hilft, den Tswerg abzuschütteln, sollte das Mittel doch recht sein.

        Bei ihm fällt ja wohl jedes gute Wort über Trans-Menschen auf unfruchtbaren Boden…

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      2. Du hast Recht, ich habe nicht an Transgender gedacht, sondern nur kurzsichtig an Herrn Tswerg. *hmpf* Das tut mir leid und ich werde mich bemühen, in Zukunft alle Seiten eines dahingeplapperten Spruches zu bedenken.

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    2. Ich hätte wohl bei der Größe schon unprofessionell rumgepampt, dass ihn das einen feuchten Kehricht angeht und er sich auf die Waage stellen soll, wenn er dreistellige Zahlen so mag. Ich krieg bei so Vollhonks echt Magenschmerzen. Aber wegen dem M hätte ich gesagt: „Das M steht für Ihre guten Augen. Glückwunsch, dass sie unseren kostenlosen Sehtest bestanden haben. Haben Sie auch noch Interesse an einem kostenlosen Hörtest? Wenn Sie nicht auf der Stelle aufhören mich zu belästigen, dann ist die Polizei schneller hier, als Sie Blaulicht buchstabieren können und dann werden die Beamten zur Abwechslung mal Ihnen persönliche Fragen stellen. (ab hier dann wieder super professionell freundlich säuselnd nach vorigem Aufbrausen) Haben Sie alles verstanden? Schön, dann ist mit Ihren Ohren ja auch alles in Ordnung. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen, ich werde hier fürs Arbeiten bezahlt. Guten Tag!“

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  5. Alternativ (um politisch korrekt zu bleiben) hätte Sie auch sagen können:
    Mein Freund – er ist ein so begnadeter Kick-Boxer – nennt mich „Mäuschen“…

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    1. Hmmhmmm.
      Sie hat übrigens tatsächlich einen Freund. Nur neigt der nicht dazu bei der Arbeit anzurufen – dafür gibt’s heute Handys.
      Aber … ich warte nur noch auf den geeigneten Zeitpunkt.

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    2. Ja weil mit gewallt drohen ja auch so souverän und korrekt ist. Das
      ist nicht gewieft sondern Feige. Mit Gewalt drohen, sich hinter jemanden
      verstecken anstatt erst ehrlich zu Kommunizieren das überhaupt eine
      Grenze überschritten wird.

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    3. Dazu kommt, es gbt Kerle die stehen darauf… Ich habe eine Freundin die ist tatsächlich in der Situation und es gibt Kerle, die – wenn sie das merken – richtig aufdringlich werden, weil sie das anmacht x_X

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  6. Igitt ein Lustgreis x-X

    Ich denke aber das es gut wäre ihr klar zu machen, das sie in so einer Situation auch ruhig Klartext sprechen kann und nicht die stets höfliche, zuvorkommende Dienstleisterin bleiben braucht.. eventuell indem du es selbst tust, wenn sie zu scheu dafür ist.

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  7. Warum so schüchtern? Nötigung IST eine Straftat, zumindest in D. Und du kündigst ihm ja nur an, dass die die Polizei rufen wirst, nicht, dass du ihn anzeigst. Ob er äh…genug genötigt hat, um Anzeige erstatten zu können, können dir dann die Beamten vor Ort sagen. Aber selbst wenn nicht: wenn es so weit kommt, dass du die Beamten ranholst, weil ihm die Drohung egal ist, und es reicht NICHT zur Anzeige, werden die Beamten ihn trotzdem mal einnorden. Die haben auf sowas nämlich erfahrungsgemäß so gar keinen Bock, weil solche Vögel meist irgendwann nicht mehr bei Worten bleiben und das macht dann ganz eklig viel Schreibkram für die Beamten und das wollen die ja auch rein menschlich nicht. Und ein paar sehr direkte Takte eines Uniformierten können auch schon reichen, wenn er es wirklich nicht böse meint.

    Und wenn die Drohung nicht reicht und er wirklich nochmal mit dem Rotz anfängt, dann setz ihn im Beisein der Beamten vor die Tür. Und ja, das ist ethisch voll okay, weil es noch tausend andere Apotheken gibt und wenn du auf den einen Kunden so dringend angewiesen bist, läuft eh was falsch. Und Beamte sind froh, wenn sie nicht im Ladengeschäft das alles durchjuckeln müssen, also keine Angst vor schlechter Publicity, weil da ewig die Polizei im Laden steht, ihr habt ja n Beratungszimmer usw.

    Und sprich das mit Minnie und allen anderen ab, dass du hinter ihr stehst und dass alle anderen im Laden auch Bescheid wissen und nicht groß diskutierenwerden, sondern die Polizei rufen. Auch wenn du mal nicht im Laden bist und so.

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  8. Hm, schwierig.
    Ich habe sowas auch schon gehabt, bei einem schon sehr alten Kunden, der meine Kollegin abgegraben hat. Und auch vor nichts zurückschreckte. Weder, einen Zettel so klein zu falten dass sie ihn berühren müßte um den Zettel zu nehmen, noch ihr zu sagen dass ihm fast einer abging wenn er sie sah.
    Wir haben dann wortlos sobald er reinkam, die Plätze getauscht und ich habe ihn bedient. Irgendwann war meine Kollegin nicht da, da habe ich die Chance genutzt, ihm zu sagen, dass sie sich von ihm belästigt fühlt und er das unterlassens soll. Hat aber nix gebracht.
    Leider war unser Chef der Meinung, wir würden uns das einbilden, deswegen durfte ich als damalige Filialleiterin kein Hausverbot aussprechen und durchsetzen.

    Ich bin gespannt, wie das bei Euch weitergeht und wünsche viel Erfolg!

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  9. Ich hab mir mein Studium zum Teil als Reiseleiterin verdient, was man damals in Kenner-Kreisen gern als “ leise Reiterin “ betitelte. Ist vierzig Jahre her…
    Was ich an Übergriffen und übergriffigem Verhalten aushalten musste, bringt mich heute noch zum Kotzen.
    Einmal habe ich mich gewehrt und den ekligen Vorgesetzten bei der nächsthöheren Instanz angeschwärzt. Ich bin geflogen. Er hat bis zur Pensionierung weiter gearbeitet und genötigt.
    Damals hätte kein Vorgesetzter und kein Betriebsrat für so ein unwichtiges, austauschbares „Mädelchen“ einen Finger krumm gemacht.
    Wehrt euch, Frauen! Zeigt den Lustgreisen, Ausschnitt-Gaffern und Popo-Tatschern die gelbe und gern auch die rote Karte. Die Kerle müssen realisieren, dass zu einer – wie auch immer gearteten – Beziehung zwei gehören. Und Freiwilligkeit. Solange das nicht gilt, unterscheiden uns nur Neancen von den unterdrückten Sklavinnen Roms. Und das hieße, dass unsere Umgangsformen und unsere Wertvorstellungen in 2000 Jahren nicht überdacht worden sind…
    Hoffentlich findest du den Mut, dich eindeutig und geradlinig vor deine Mitarbeiterin zu stellen und dem Lustgreis zu verdeutlichen, dass er sich sehr peinlich und auch neben dem Gesetz bewegt.

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  10. Belästigung – und in diesem Fall gehts ja sogar auf sexuelle Belästigung – IST eine Straftat. Und der Arbeitgeber ist verpflichtet, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davor zu schützen, wenn er kann.

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  11. Sowas dreistes, da fragt man sich echt, was solche Leute sich denken (nein, eigentlich will ich es nicht wissen).

    Das erinnert mich ein eine Situation, die ich neulich erlebt habe: Ich saß mit ein paar Freundinnen in einem bekannten fast food- restaurant, am Nachbartisch ein älterer Herr und einen Tisch weiter zwei junge Frauen. Der Mann guckt die Frauen schon seit einiger Zeit an, das kommt uns gleich komisch vor. Dann verlässt die eine den Raum. Man konnte nicht verstehen, was sie sagen, aber das brauchte man eigentlich auch nicht: Der Mann rückte näher an die Frau heran, drängte sie in die Ecke und die Frau wurde rot- Freude sieht definitiv anders aus. Wir haben uns dann kurz abgesprochen, so getan als ob wir die Frau kennen würden (haben uns schnell einen Namen ausgedacht) und meine Freundin hat sie dann unter Vorwand zu uns gerufen und wir sind mit ihr raus gegangen. Das erschien uns noch als „sicherste“ Methode, dass der Mann sich dann ertappt fühlen würde und beiseite rückt und die Frau ihre Chance nutzt, aufzustehen. Klappte gut :)
    Ich war kurz davor, den Typen richtig zusammenzuscheißen, aber dafür bin ich dann doch zu schüchtern^^

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  12. Absolut daneben von Pharmama. Wenn sowas mehr als einmal vorgekommen ist, muss man solche Situationen unterbinden ggf. mit Hausverbot.Hier wird ein absolut falsches Bild vermittelt.

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