Beurteilungs-Seiten für Ärzte und Apotheker

Doktor-Beurteilungs-Seiten haben ja einen ziemlichen Boom erlebt.

Ich frage mich allerdings immer noch, wie sinnvoll die sind.

Ich denke, die Leute, mit der grössten Motivation eine Beurteilung zu schreiben sind nicht diejenigen, die speziell glücklich sind. Das könnte man natürlich auch auf anderes verallgemeinern, das beurteilt wird: Restaurants zum Beispiel oder Hotels. Aber bei Restaurants können wir zumindest beurteilen, ob wir das Essen mochten oder nicht. Mit der Behandlung durch Ärzte ist das etwas schwieriger.

Normalerweise kann man nicht wirklich sagen, ob so ein Arzt gute Medizin betreibt, den richtigen Behandlungsplan verfolgt, die besten Medikamente verschreibt …

Jeder wird krank, jeder stirbt irgendwann einmal an etwas. Vielleicht hat der Arzt geholfen, vielleicht hat der Arzt auch geschadet … ich glaube nicht, dass die Patienten das immer wissen. Vielleicht hat der Arzt alles richtig gemacht und trotzdem war das Ergebnis nicht gut. Vielleicht hat der Arzt alles falsch gemacht und das Problem ist von selbst weggegangen.

Und was bewerten die Seiten sonst? Sachen wie die Wartezeit. Ob das Personal freundlich war. Ob der Arzt freundlich war. Was es zu lesen gab im Wartezimmer. Natürlich, all das ist auch wichtig irgendwo. Und wenn ich wählen kann hätte ich natürlich gerne einen freundlichen Arzt mit kompetentem Personal und würde nicht gerne 2 Stunden im Wartezimmer sitzen. Aber … manches von dem liegt nicht unbedingt unter der Kontrolle des Arztes – zum Beispiel in Spitälern oder Gemeinschaftspraxen … und all das ist irgendwie sekundär zum wahren Wert des Arztes: die richtige Diagnose zu stellen und den besten Weg zur Behandlung zu finden. Ich persönlich als Patient hätte wahrscheinlich lieber den brillianten, sorgfältigen, up-to-date Arzt, der absolut unfreundlich ist als den netten aber inkompetenten Idioten.

Ich sollte noch anfügen dass ich glaube, dass die meisten Ärzte wahrscheinlich wirklich in Ordnung sind. Speziell, wenn wir mit Problemen kommen, die … einfacher sind. Aber wir kommen nicht immer mit simplen Dingen wie einer Erkältung oder einer Blasenentzündung. Und für die komplizierteren Situationen hätte ich lieber den arroganten Arzt, der weiss was er tut. Natürlich hätte ich es lieber, wenn er nicht arrogant ist, aber … lieber das als das ich sterbe an … sagen wir Legionellen.

Natürlich ist das kein totales Argument gegen online-Beurteilungs-Seiten. Und … je mehr Info desto besser. Richtig? Man sollte nur nicht alles glauben, was man liest.

Das gilt übrigens für alle so Beurteilungs-Seiten, auch über Hotels …

11 Kommentare zu „Beurteilungs-Seiten für Ärzte und Apotheker

  1. Für mich ist es mir ja egal, ob der Arzt nett ist oder nicht. Ich würde auch Dr. House als Arzt nehmen zumal ich es sowieso nicht mag, wenn mir ein Arzt nen Ohr abkaut. Bei meinem Sohn ist das aber anders. Da hab ich vorher geschaut was man so im Internet über die Kinderärzte im Ort findet.

    Ich muss gestehen ich war auch schon mal kurz davor auf einer dieser Beurteilungsseiten etwas über unsere Vertretungsärztin zu schreiben und das wäre sicherlich nicht nett ausgefallen. Lange Wartezeiten sind ja beim Kinderarzt normal ohne Termin sowieso aber sie war zudem noch so unfreundlich und hatte uns ein Medikament ab 2 aufgeschrieben, obwohl mein Sohn noch nicht mal ein Jahr alt war. Das ist uns erst in der Apotheke aufgefallen als nachgefragt wurde für wen das sei. Hab am nächsten Tag unseren Arzt angerufen, der das Zeug auch nicht verschrieben hätte – haben dann ein neues Rezept bekommen.

    Ein Hoch auf unseren Apotheker :)

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    1. Das mit dem Medikament ab 2 Jahren würde ich dem Arzt an sich so noch nicht einmal vorwerfen: Die meisten Medikamente werden nicht an Kindern getestet (logo), so dass ihre Anwendung „off label use“ ist – also ausserhalb dessen, was so in der Packungsbeilage steht. Man muss da gezwungenermassen mit Erfahrungswerten arbeiten … und dann kann so etwas vorkommen.
      Trotzdem gibt es natürlich Medikamente, die man nicht oder nur mit Vorsicht vorher anwenden soll – aber das kann ich ohne Angabe um was es sich da handelte nicht beurteilen.

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      1. Das waren Imupret N Tropfen also was gegen Erkältungen und da gibt es ja genügend Alternativen für das Alter zumal ich es nur vorbeugend geben sollte. Die Medikamentendosis war auch nicht reduziert oder so. Gut ich halte sowieso nicht viel davon immer vorbeugend irgendwas zu geben.

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        1. Mal rasch die Inhaltsstoffe nachgeschaut. Die halte ich für unbedenklich. Die Dosis würde ich sicher anpassen, aber das sollte (trotz Packungsbeilage) kein Problem sein. Aber du hast auch recht: bei Kindern lieber weniger etwas geben … und vorbeugend, für das Immunsystem – eine Anwendung, deren Wirkung also unbewiesen ist, eher auch nicht.
          Und dass kleine Kinder häufiger mal erkältet sind, weisst Du ja auch – das ist typisch und nicht bedenklich.

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  2. Wartezeiten sind für mich schon ein wesentliches Kriterium. Ich hatte zum Glück noch keine ernsthaften Erkrankungen, daher kann ich auch die Qualität meines Arztes schwer einschätzen. Ob jemand die Wartezeiten im Griff hat, hingegen schon (die meisten Ärzte, mit denen ich bisher zu tun hatte, hatten das nicht – bis hin zu einem Facharzt, bei dem ich zufällig mitbekam, dass außer mir noch mindestens 3 andere Personen für den gleichen Zeitpunkt einen Termin hatten. Wartezeiten > 1 Stunde trotz Termin scheinen bei Ärzten nicht unüblich zu sein). Bei meinem aktuellen Hausarzt warte ich mit Termin in der Regel nicht mehr als 10 Minuten. Das senkt für mich auch die Hemmschwelle, hinzugehen.

    In der Zukunft werde ich wohl außerdem einen Arzt wählen, der keine Hokuspokusmedizin anbietet – mein aktueller kam mir mal mit Homöopathie, was schon ein Grund ist, sich mal nach Alternativen umzusehen… Momentan siegt noch das Wartezeit-Argument ;-)

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  3. Das Problem bei solchen Portalen ist meist, dass die wenig benutzt werden. Aber das mag auch daran liegen, dass ich in einer etwas kleineren Stadt wohne.

    Aber 1 Bewertung, oder auch 2 sind wirklich ohne Aussage, und praktisch alle Ärzte hier haben nicht mehr. Da ist es mir auch egal ob die Bewertungen schlecht oder toll sind. Bei 5 Sterne Bester Arzt der Welt Bewertungen erwarte ich dass die vom Arzt selber kommen und bei schlechten sagt mir das auch nichts, weil selbst ein guter Arzt sicher mal unzufriedene Kunden hat, ob das nun gerechtfertigt war oder nicht.

    Ich setzte da auch heute noch lieber auf Mundpropaganda. Gute Ärzte empfehle ich meinen Freunden, und über schlechte werde ich eh bei denen lästern. Der Kreis ist zwar kleiner, aber da habe ich wesentlich mehr vertrauen als in zufällige, anonyme Personen aus dem Internet.

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  4. Ich für meinen Teil schaue immer gern nach der Beurteilung für einen Arzt. Wenn sich jemand die Mühe macht zu schreiben, ist das meist einer großen Begeisterung oder auch einer begründeten Kritik zu verdanken. Man erfährt viel über den Habitus eines Arztes und sicherlich auch über seine Kompetenzen in vielen Bereichen. Nur ein Beispiel: eine Augenärztin hat ihre Patienten sehr lange warten lassen und im Warteraum waren einige der Stühle schon defekt. Ich hätte auf diese Warnung hören sollen, denn auch ich habe diese Augenärztin besucht und man merkte der Dame – und dann dem Angebot unnötiger IGEL-Leistungen an – welches gesteigerte Interesse die Dame AUCH an ihren Patienten hatte. So entsteht kein Vertrauen und ich musste mich mit der erkennbaren Verärgerung der Dame herumschlagen, als sie mir nichts extra verkaufen konnte. Nicht mal die Feststellung der Sehschärfe meiner Augen war korrekt.

    Ganz wichtig ist die Beurteilung von Zahnärzten. Es gibt Füllungen, die haben die Angewohnheit, regelmässig auszufallen und andere halten ewig und drei Tage. Wenn ich das vorher abchecken kann, erspare ich mir viele Zeitverluste und evtl. auch die unterschiedlichen Angaben über den Preis eines Stiftzahnes, den die in Frage kommende Zahnärztin wohl gewürfelt haben musste, bei jedem Besuch bekam ich eine andere Summe zu hören – und die Füllungen fielen ständig aus dem Zahn- warum wohl? SOWAs ist in meinen Augen unethisch und kann bei einer Beurteilung im Vorfeld unterbunden werden.

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  5. Ich mag diese Portale. Es ist schon einfacher sich einem Überblick zu verschaffen wie schnell man bei welchem Augenarzt einen Termin bekommt bevor man sie alle abtelefoniert. Oder mal ne Meinung zu lesen ob der Frauenarzt um die Ecke sympathisch ist bevor ich auf dem Stuhl sitze. Oder welcher Hausarzt auch türkisch spricht. Oder welcher Zahnarzt gut mt Kindern kann. Oder welcher Kinderarzt auf Globuli steht. Es gibt so viele Kriterien die für verschiedene Menschen verschieden wichtig sind, da ist es doch praktisch wenn man die Stärken und Schwächen irgendwo nachlesen kann und eine Vorauswahl treffen, anstatt erst fünf Ärzte durchzuhoppen bevor ich einen finde der zu mir passt.

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    1. Also für die „welcher Hausarzt türkisch/italienisch/französisch/englisch/albanisch/wasauchimmer spricht“ gibt es bei uns offizielle Suchseiten. Die sind noch praktisch. Bei den Beurteilungsseiten habe ich das noch gar nicht so oft gelesen.

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  6. Mit einer Prise Salz genommen sind solche Portale sehr nützlich. Natürlich kann der Patient nicht immer bewerten, wie der Arzt fachlich ist, aber immerhin macht die Freundlichkeit und das Vertrauensverhältnis zum Arzt sehr viel aus. Da gehe ich lieber zu einem mittelmässigen Arzt, zu dem ich Vertrauen habe, als zu einem ausgewiesenen Sonderspezialfachexperten ersten Ranges.

    Die allermeisten Menschen üben zwar schon faire Kritik, aber welche Kritik weitererzählt wird und mir schliesslich zu Ohren kommt, ist verzerrt. Denn:

    War etwas gut, erzähle ich 1 bis 2 Leuten davon.

    War etwas schlecht, erzähle ich 5 bis 10 Leuten davon.

    War etwas mittelmässig, so schweige ich darüber.

    Daraus kann man aber lernen, dass man negative Kritik etwas weniger ernst nehmen sollte, dafür positive Kritik umso mehr. Und versuchen herauszuspüren, über was ein Kritiker denn schweigt – gerade sein Schweigen dürfte seine ehrlichste Kritik sein.

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  7. Ich finde die Bewertungsportale ganz hilfreich, aber die Bewertungen sind tatsächlich sehr subjektiv. Mein letzter Frauenarzt hatte z.B. gute Bewertungen und ich fand ihn furchtbar. Ich war dort wegen einer Schwangerschaft. Drei Monate vorher hatte ich eine Fehlgeburt gehabt und dann hat er mir Ultrogest verschrieben. Ich fragte ihn, dann, warum ich das nehmen sollte. Schließlich behandelt man damit eine Gelbkörperschwäche und es gab keinen Anhaltspunkt, dass eine Gelbkörperschwäche zur Fehlgeburt geführt hatte. Seine Antwort war: „Ja, besser wär’s schon.“ Ich finde es furchtbar, sowas auf der emotionalen Schiene zu beantworten. Ich hatte eine sachliche Antwort erwartet. Und das Beste war, dass er mich dann zwei Termine später fragte, warum er mir das verschrieben hat. Das hätte ich auch mal gerne gewußt. Außerdem hat er Dinge im Mutterpass notiert und dann behauptet er hätte mich darüber aufgeklärt, was er nicht hat. Dafür hat er sich aber extra viel Zeit genommen, um uns eine private Nabelschnurbluteinlagerung schmackhaft zu machen. Klar, dafür kriegt er ja auch eine Provision.

    Das Ende vom Lied: ich bin nach der Entbindung nie wieder hingegangen (war deshalb auch nicht bei der Nachsorge) und bin immer noch auf der Suche nach einem kompetenten Arzt, der noch neue Patienten aufnimmt.

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