Milchallergie oder Milch-unverträglichkeit?

Ein Mann kommt in die Apotheke: „Ein Lacdigest bitte – für meine Milchallergie.“

… jetzt… eine Menge Leute nennen das so, aber Lacdigest benutzt man bei Lactasemangel, dem Enzym, das man zum Spalten des Milchzuckers braucht  und die äussert sich als sogenannte Lactoseunverträglichkeit. Man kann also den Milchzucker nicht richtig abbauen und das gibt dann Blähungen und Krämpfe.
Eine Milchallergie dagegen wäre eine richtige Allergie gegen die Proteine in der Milch, die kann sich ähnlich äussern, macht aber auch oft mehr Probleme wie Hautausschlag etc.

Pharmama: „Was passiert denn, wenn sie Milch zu sich nehmen?“

Mann: „Dann bekomme ich eine geschwollene Zunge.“

Hoppla.
Also eine richtige Allergie – da hilft das Lacdigest nichts.

Bei einer richtigen Allergie bildet der Körper Immunglobuline gegenden Verursacher (hier die Milchproteine) und das gibt dann Reaktionen wie Hautausschläge, Schwellungen im Atmungstrakt: Nase zu, Schnupfen, Niesen, Zuschwellen der Atemwege, Asthmaanfälle – aber auch Verdauungsbeschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe … im schlimmsten Fall: Kreislaufkollaps wegen Blutdruckabfall.

Pharmama: „Dann sollten Sie Milchprodukte komplett meiden und ein Mittel gegen Allergien nehmen. Das ist in dem Fall sicher besser.“

Problem: Milcheiweisse sind noch oft in Fertigprodukten versteckt.

2. Problem: Man kann übrigens durchaus auch beides gleichzeitig haben.

Aber wenn man keine Milchprodukte mehr nimmt -löst sich das wohl auch.

 

30 Kommentare zu „Milchallergie oder Milch-unverträglichkeit?

    1. Eine „temporäre Laktoseunverträglichkeit“ gibt es m.E. „in dem Sinne“ nicht. Aber wenn man Laktose „halbwegs“ verträgt, verursachen kleinere Mengen (mal ein Glas Milch – vorhandene Enzymmenge reicht) keine Beschwerden, während größere Mengen (2 Teller Milchsuppe – vorhandene Enzymmenge reicht nicht mehr) dann zu Beschwerden führen. – Ist so ähnlich wie mit den enzymgesteuerten Quantitativmessungen über die Zeit… ;-)

      Eine „temporäre Allergie“ gibt es m.E. gar nicht. Eine solche (Eiweiß-)Allergie ist meist dadurch ausgezeichnet, dass sie von Exposition zu Exposition schrittweise schlimmer wird, d.h. der Körper mit der Zeit immer heftiger reagieren wird. Das kann man sich recht einfach vorstellen, wenn man überlegt, dass bei jeder neuen „Belastung“ das Immunsystem (noch) mehr Antikörper herstellt, die dann mit dem Blut durch den Körper kreisen… „Temporär machen“ kann man so eine Allergie gegebenenfalls über eine Hyposensibilisierung, bei der man den Körper daran „gewöhnt“, „sich mit dem Allergen abzufinden“. (Ist das jetzt sozialpädagogisch korrekt erklärt?)

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      1. Ganz stimmt das nicht. Gerade bei Milchallergie gibt es eine Form die verschwindet……
        Im Säuglingsalter unter 1 Jahr ist der Darm durchlässiger und vor allem die Verdauung im Magen ist noch nicht ganz ausgereift.
        So kommt es dazu dass nach der Magenverdauung noch „größere“ Bruchstücke von Proteinen vorhanden sind als beim Erwachsenen.
        Es kommt also vor dass das Immunsystem auf Bruchstücke reagiert die später nicht mehr vorkommen wenn die Verdauung auf Volldampf arbeitet. Laut Literatur gehen daher etwa 30% der Milchallergien die in Kleinkindern auftreten bis zum 10ten Lebensjahr verloren.

        Aber es soll bitte keiner mit seinem Leben spielen….. Nahrungsmittelallergien sind wirklich kein Spaß!

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        1. Das habe ich nun tatsächlich so nicht ausgewalzt. Ich habe allerdings mal unterstellt, dass die Laborfee, die ja derzeit am studieren ist, das 10. Lebensjahr schon hinter sich gelassen hat. Für diese Minderinformation stelle ich mich mal in die Ecke und schäme mich ein wenig..

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          1. So wars wirklich nicht gemeint…
            Ich wollte nur darauf aufmerksam machen dass es bei Nahrungsmittelallergien im Kindheitsalter sinnvoll ist nach ein paar Jahren den Allergietest zu wiederholen ob das Problem sich nicht ausgewachsen hat.

            …ausserdem bin ich wohl beruflich (Allergieforschung) vorbelastet ;-)

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            1. Ich habs ja wirklich nicht gewußt. Hätte mich ja vorher auch schlau machen können. Dass das Verdauungssystem kleiner Menschen auch größere Moleküle durchläßt, ist ja durchaus auch gewollt – wenn ich z.B. an die IgA und IgG Antikörper denke, die dem Kind den Immunschutz der stillenden Mutter übertragen z.B. Insofern war meine Antwort ehrlich und trotzdem lustig gemeint ;-)

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    2. Ich habenormalerweise eine leichte Unverträglichkeit, heisst, wenn ich eine Sahnesauce mache, nehme ich diese Laktosetabletten vorher.

      ABER: Am Anfang der letzten Schwangerschaft konnte ich keinen Schluck Milch trinken ohne üble Beschwerden zu bekommen. Jetzt ist wieder alles wie vorher.

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  1. Danke für die Info! Ich suche seit Jahren nach der Ursache für meine Allergiebeschwerden und bin mittlerweile ziemlich sicher, dass sie mit Milch zu tun haben – auch wenn ein Test auf Lactoseintoleranz negativ ausgefallen ist. Mittlerweile nehme ich Ceterizin, wenn wieder so ein Schub kommt, das hilft dann zumindest teilweise. Aber spannend zu wissen, dass es auch so etwas wie eine Milchallergie gibt.

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    1. Allergien gibt es auf viele alle Proteine. Milch-Eiweiß, Hühner-Eiweiß, Meeresgetier (alle möglichen Krabben und Muscheln)…

      Ein Lactoseintoleranztest würde aber eine Milcheiweißallergie nicht aufdecken, da ja nur auf die Verträglichkeit des Körpers gegenüber Milchzucker getestet wird.

      Wenn Cetirizin Erleichterung verschafft, würde ich mal einen Lebensmittel-Allergietest beim Arzt (meist bei einem Allergologen) durchführen lassen. Anbieten würde sich ein Hauttest (wie z.B. der berühmte und gefürchtete Prick-Test) oder eventuell eine Blutuntersuchung auf die passenden Antikörper. Weiteres erklärt der Allergologe.

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      1. Gedankenknick – ich sollte dich offiziell als Co-Moderator einstellen. Du gibst die Antworten, die ich geben sollte. (Wenn ich nicht bei der Arbeit wäre und nicht kann)… schön!

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  2. Hmm, ich glaube, dann habe ich auch Milchallergie. Dachte immer, es wäre Laktoseintoleranz und habe mich gewundert, dass die Symptome nicht so ganz passen. Zum Glück nur in einer leichten Form!

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  3. „Zum Glück nur in einer leichten Form!“ Achtung! Bei wiederholter Exposition ohne „Allergieabschirmung“ kann die Allergie schlimmer werden. Allergietest machen (lassen) -> sicher sein -> Lebensmittel meiden ist wirklich die Reihenfolge der Wahl.

    Zusätzlich alle bekannten medizinischen Probleme in Schriftgröße 6 auf ein Kärtchen drucken, einlaminieren, zur Versicherungskarte tun. (Jeder Rettungsdienst der Welt sucht als zweiten Schritt in der Behandlung nach einem Versicherungsnachweis. ;-) ) Solche Infos sind sehr hilfreich, falls es einen mal (unverschuldet) in ein Krankenhaus würfelt…

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  4. Oh, ein Leben ohne Milch, das wäre für mich völlig undenkbar. Dann lebte ich ja gänzlich vegan. ^^
    Hab zwar auch ne leichte Lactoseintolleranz, aber der Genuss lässt mich das ertragen. :D

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    1. Für lactoseintolerante Menschen gibt es inzwischen lactosefreie (Kuh-)Milch. Einfach mal in einem besser sortieren Markt schauen. Dann ist das Lactoseproblem gebannt…

      Menschen mit Milcheiweßallergie können z.B. auf Soja“milch“ zurückgreifen. Letztere finde ich allerdings nicht so lecker, und da gibt es auch eine Sojaeiweißallergie…

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      1. Puh, Sojamilch habe ich mal getestet, das war absolut nicht meins….allerdings gibt es da eine ganz leckere mit Schokogeschmack. Mir geht es insgesamt weniger direkt um Milch, als eher um Käse, Joghurt und Quark.
        Ich gehe trotzdem sparsam damit um. Nur wenn ich es mal übertrieben habe, dann merke ich das leider. Aber ganz ohne? Näääää! Dafür bin ich zu sehr Genussmensch ;)
        Auf die lactosefreie Variante greife ich dann zurück, wenn es mal schlimmer sein sollte. Der lactosefreie Käse schmeckt zwar auch gut, aber eben anders.

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      2. Wer die Sojamilch nicht mag, es gibt inzwischen noch weitere Varianten auf Grundlage von Hafer, Mandeln, etc … mir schmecken sie aber alle nicht ^^

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      3. In meinem Umfeld ist es aber eher so, dass die Leute nicht eine einzige Allergie haben, sondern eher eine ganze Sammlung (weiß nicht, ob das statistisch auch so ist, ist nur meine Erfahrung). Viele sind dann z.B. auch gegen Nüsse allergisch, was Mandelmilch etc auch gleich ausschließt. Viele tricksen sich irgendwelche Alternativen hin, aber wenn man letztendlich dazu verdammt ist, z.B. alles selbst zu backen ist es am Ende einfacher ganz auf etwas zu verzichten, denn einen gleichwertigen Ersatz findet man praktisch nie.

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        1. Das ist richtig. Die meisten Allergien sind durch sogenannte „Kreuzallergien“ gekennzeichnet. Wer z.B. auf Hülsenfrüchte allergisch reagiert, hat eine gute Chance, auch auf z.B. Sojabohnen, Johanneskraut und Lakritze anzusprechen. Ein passender Allergietest gibt Aufschluss. Neue Allergien kann man zusätzlich auch erwerben, dann gibs eventuell auch neue Kreuzallergien.

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        2. Wenn man nicht starr nach nach einem gleichwertigen Ersatz sucht, und alles immer abgleicht, sondern bereit ist, einen „Ersatz“ als neues Lebensmittel anzusehen, das den eigenen Speiseplan erweitert und bereichert, dann geht das schon alles irgendwie.

          Beim den verschiedenen „Milchersätzen“ (Soja, Hafer, Mandel, Reis, ect und Mischungen zwischen diesen) muss man sich wirklich mal durch das Regal probieren. Was von einem Hersteller nicht schmeckt, ist von dem anderen superlecker.

          Geschmack ist Gewohnheitssache. Wer sein Leben lang z.B. nur Vollmilch oder nur fettarme Milch getrunken hat, der sagt meist, die andere Variante schmecke zu wässrig oder zu fettig. Wenn man die andere aber mal über Monate hinweg konsequent trinkt, dann gewöhnt sich das eigene Geschmacksempfinden daran. Ähnlich ist es bei den Planzenmilch-Produkten.

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  5. Kenn ich auch.

    Kommt eine Frau ganz aus dem Häuschen am Grossanlass ins Erste-Hilfe-Zelt. „Ich hab gerade einen Kaffee getrunken, und da war Milch drin!!! Können Sie mir da was geben?“
    Ich: „Öhm… Warum?“
    Sie: „Ja ich hab doch Milchallergie!“
    Ich: „Mmh… Was nehmen Sie da denn sonst so?“ (hab dort nur Cetallerg, frag mich grad ob das wohl viel nützt)
    Sie: „Was gegen die Blähungen und den Durchfall.“

    Ahja. Das hab ich.
    Was ich immernoch nicht verstehe, ist, wie die das nicht vor dem trinken hat merken können. Kaffee mit und ohne Milch sieht ja schon nicht grade gleich aus…

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  6. Ich vertrage seit einiger Zeit keine Fructose mehr (ok, ganz wenig oder kurz nach dem Essen geht)… auch lustig. Vor allem war mir gar nicht bewusst, wo das überall drin ist – gerade auch in Fertigprodukten und Süßigkeiten :(

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  7. Allererst einmal ganz herzlichen Dank an Pharmama für diese vorbildliche Aufklärung. Das wird ja so oft verwechselt Milchallergie und Lactoseintioleranz.
    Eine Zeitlang gab es hier in der Schweiz noch diese tollen aha- Stempel auf lactosefreien Joghurts von einer Gesellschaft, die sich unter anderem um Allergiekranke kümmet. Dieser Stempel sollten bezeugen, dass diese Joghurts unbedenbklich sind (bei Lactoseinteoleranz, aber eben nicht bei Milcheiweissallergie). Ein lebensgefährlicher Unsinn für meine Tochter, die damals unter einer schweren Milcheiweissallergie litt, wenn es dadurch zu einer Verwechslung gekommen wäre zwischen Lactose und Milcheiweiss.

    Ja wie macht man das als Eltern, zumal meine Tochter damals auch auf Eier und Weizen allergisch war.
    1. Immer den Beipackzettel im Laden von jedem Nahrungsmittel lesen im Wissen, dass sich Eiereiweiss auch im Wort Lezithin und Milcheiweiss auch in den Worten Kasein oder Lactalbumin verstecken kann. Braucht einfach viel Zeit und man lernt unglaubliches z.B., dass es Eier im Parmesankäse, dass es Milcheiweiss im Fleisch geben kann und dass das selbe Produkt einmal mit Eier- und einmal mit Sojalezitin gemacht ist (Ovomaltine). Gilt auch für Medikamente. Verstehe bis heute nicht, warum im Masernimpfstoff Lactalbumin drin war und im Ataraxsirup gegen Juckreiz Haselnuss als Geschmacksträger (obwohl das noch gegen Juckreiz allergischen Ursprungs empfohlen wird…)
    2. Notfallset immer dabei haben (Feniallerg, ein Cortison und einen Epipen Junior)
    3. Viel Kartoffeln (4 mal Woche) und viele Hülsefrüchte (3 mal pro Woche) essen . Dummerweise reagierte meine Tochter auch auf Mais und Reis und Karotten mit Neurodermitis, auf Haselnüsse mit Schwellungen.
    4. Vitamintbl. geben- war meine Idee, die Ernährungsberatung sah keine Probleme- ich war mir einfach nicht sicher, ob wir wirklich alles abdecken konnten. Eisen war zeitweise ein offensichtliches Problem, haben wir mit Trpf. abgedeckt.
    5. Früh anfangen dem Kind zu erklären, worauf es achten muss (Nahrungsmittelinhalte immer lesen oder jemd. Erwachsenen fragen, was es din hat). Das klappte erstaunlicherweise auch schon mit 5 Jahren ziemlich gut.

    Und heute? ist meine Tochter 7 Jahre alt und nur noch auf Haselnüsse und Baumnüsse allergisch und wir Eltern überglücklich, dass das Leben schon so viel einfacher geworden ist.

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    1. Oh, da habt ihr aber was mitgemacht. Gut hat das gebessert – da hast Du gute Arbeit geleistet, weitmöglichst Allergiekarrenz zu halten. Chapeau.
      (Ob allerdings das Aroma Haselnuss wirklich ein Problem ist? Meiner Meinung nach ist das künstlich und der Stoff hat wohl keine Haselnuss auch nur von weitem gesehen).

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      1. Naja das Problem damit hatten wir dann bei meinem Sohn.
        Ja habe leider zwei Allergiekinder, aber wenigstens haben Sie sich unterdessen auf dasselbe geeinigt- mein Horror war immer einer auf Soja und eine auf Kuhmilch und Eier (sah mich in Alpträumen schon in einer jüdisch- orthodoxen Küche mit 2 Kühlschränken und zwei Geschirrsets wie es da für Fleich und Milchprodukte üblich ist)- das ist aber Gott sei Dank nicht eingetroffen.)

        Aber die Geschichte mit meinem Sohn.Er hatte Neurodermitis. Jede Nacht um zwei, wenn das Feniallerg aufhörte zu wirken, war er wach und es juckte- Ataraxsirup wirkt länger Empfehlung des Kinderarzts.
        1. Nacht nach Gabe alles top- ruhige Nacht
        2. Nacht nach Gabe- am nächsten Morgen einen Neurodermitisschub
        3. Nacht nach Gabe- eine halbe Stunde später ein Flush- rot am ganzen Körper- Feniallerg nachgegeben und Atarax abgesetzt,. Der Immunglobulin- E Spiegel für Haselnüsse ergab dann einen erhöhten Wert, nicht massiv, aber über Norm. Ich habe seither einen heiligen Respekt vor dem Gedanken, dass mein Sohn irgendwo eine grössere Portion Haselnüsse erwischen könnte.

        Vielleicht hat er auch auf etwas anderes im Sirup reagiert, aber auf alle Fälle halten wir uns davon fern.

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