Meine Apotheke öffnet um 8 Uhr.
An diesem Morgen steht ein Kunde schon vor dem Eingang, als ich die Türe aufschliesse um hineinzugehen und schaut mich ärgerlich an.
Ein paar Minuten später ist es 8 Uhr und ich öffne die Türe für die Kundschaft. Die Pharmaassistentin installiert die Kassen fertig und stellt die Schütte raus. Ich empfange den Kunden.
Kunde: „Ich komme, mein Medikament abholen.“
Pharmama: „Haben Sie es gestern bestellt? Wie ist der Name?“
Kunde: „Nein, es ist gefaxt worden vom Arzt“
Ich finde das Rezept auf dem Fax. Es wurde gestern abend nach 19 Uhr gefaxt, wenn ich dem Zeitstempel darauf vertrauen kann.
Pharmama: „Ich kann es ihnen gleich bereit machen.“
Kunde: „Warum ist es noch nicht fertig?“
Pharmama: „Weil es erst nach unserem Ladenschluss gestern herein kam?“
Kunde: „Der Arzt hat gesagt, sie hätten es bereit, wenn ich komme!“
Pharmama: „Nun, heute Nacht war ich nicht hier*. Aber ich mache ihnen das gerne jetzt bereit.“
Kunde (vorwurfsvoll): „Und was haben sie gemacht, seit Sie geöffnet haben?“
Pharmama: (meint der das ernst?): „Mit Ihnen diskutieren?“
…
* und meinen Heinzelmännchen habe ich schon für’s Wochenende frei gegeben …

„Mit Ihnen diskutieren?“ Das war wunderbar schlagfertig!! :-D
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Nein, das ist das was passiert, wenn man am Morgen etwas von mir will, bevor ich richtig da und wach bin. :-/
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Ja. mein Diplomatiefilter steht auch erst eine Stunde nach meinem Körper auf ;-)
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Wow, das wäre mir um 8 Uhr morgens noch gar nicht eingefallen, aber SO WAHR! ;-)
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Der Mann kann froh sein, dass man die Medikamente nicht noch bestellen musste.
Es ist eine doofe Angewohnheit unserer Zeit, dass immer alles am Besten gestern fertig sein soll. Ich kenn das leider auch von mir. Ich hasse es auf ein Paket eine gaaanzen Tag warten zu müssen!
Aber wenigsten beschimpfe ich den Paketboten dann nicht!
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Ja, es muss heute alles gleich und sofort sein.
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Versandhandel und andere Dienstleistungen machen es vor: Man gewöhnt sich daran, dass Ware über Nacht quer durchs Land versendet wird, Hotlines bis 22 Uhr besetzt sind und man Mails z.T. nachts beantwortet bekommt – und überträgt das auf alle Lebensbereiche. Väter und Mütter, die abends gern bei ihren Kindern sind, erwarten, dass andere Väter und Mütter abends und nachts arbeiten, nur damit sie eine Ware bereits am nächsten und nicht erst am übernächsten Tag erhalten… Und dein Kunde, der vielleicht am Vortag schon weit vor 19.00 Uhr Schluss gemacht hat, geht fröhlich davon aus, dass du selbstverständlich für ihn Sonderschichten einlegst. Und so entsteht eine sich hochschaukelnde Spirale, an deren Ende es kein zugedachtes „Recht“ mehr auf Feierabend mehr gibt.
Letztlich müssen wir uns ja nur selbst fragen: Wie wollen wir leben? Die meisten von uns werden wohl Freizeit haben wollen, am liebsten sozial nutzbare Freizeit (nicht zwischen 2 und 4 Uhr nachts…). Dann sollten sie so fair sein, diese auch anderen zuzugestehen. Leider habe ich auch ein bisschen gebraucht, um mir das bewusst zu machen.
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Das mit den Heinzelmännchen wollte ich grade bringen und da seh ich, das dus drunter geschrieben hast :D
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War sicher was ungemein lebenswichtiges. Viagra?
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8 Uhr geöffnet? Das hätte ich bei unserer Apotheke hier um die Ecke (nein, von der habe ich noch kein Foto geschickt) auch gerne. Die öffnet – wie die meisten hier – um 9:00 Uhr… :(
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Solche Leute und Stuationen kennen wir leider alle zu Genüge.
Ist also doch keine Wiener Spezialität.
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Naja, Medikamente können schonmal dringend sein.
Oder stimmungsaufhellend. ;)
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Wichtigtuer gibt es halt überall
.. auch in der Eidgenossenschaft!
Schönes Wochenende
Grüße
Hajo
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*gröhl* coole Reaktion!
(Vielleicht braucht der ne Brille um eure Öffnungszeiten besser lesen zu können? Schick den mal vorbei. Von 9-18h *gg*)
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So wie die Kindergärtnerinnen, die sich angewöhnt haben, die Bücher von 3 Kindergärten gleichzeitig in unsren Rückgabekasten einzuwerfen. Und weil das bei 75 Büchern meist nicht reicht, so platzmässig, wird geklingelt. Und angerufen, dass wir bitte rauskommen sollen. Vormittags um kurz vor 12. Ja, wir haben ab 14 Uhr geöffnet. Und sind so nett, dass wir rauskommen *seufz* (bloss sind wir nicht immer im Haus. Werden sie schon noch irgendwann merken.)
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Komme wie immer 1 Stunde vor Ordinationsbeginn in die Praxis um noch allfälliges erledigen zu können und werde von einem bereits vor der Türe wartenden Patienten angeblafft: „Jetzt kommen Sie daher, ich friere mir bereits seit einer halben Stunde die Füße ab!!“ Passiert gestern morgen 6:45 Uhr. Manche Leute sind wirklich der Meinung, das man als Arzt (Gesundheitsdienstleister) 24 Stunden zur Verfügung zu stehen hat.
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@65serendipity: Ob dieser Patient den Hinweis verstanden hätte, wo er ein Cafe oder eine Bäckerei findet, um die nächste Stunde noch herumbringen zu können ohne zu frieren? ;-)
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Normalerweise ist bei uns um spätestes 7.30 Uhr wer da. Aber da mußte ich mal ganz früh… Hach nee, diese Geschichte ist einen eigenen Blogeintrag bei mir wert… *Notiz auf einem Schmierzettel mach* Ich erzähle sie ein andermal – bei mir. :-D
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Nich wahr, oder? Sooooo dämlich kann doch kein Mensch sein?
Was denkt er denn was andere Menschen so Nachts machen?
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Hier wird der Postkasten um neun Uhr früh zum letzten Mal am Tag geleert (steht da echt: dernière levée du jour) – das Postamt, das da neulich noch stand, ist allerdings abgerissen. Und das unten im Ort, das schließt um 16 Uhr. Und öffnet wieder um 10. Mit Mittagspause selbstverständlich.
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