Dosettologie – oder: es gibt keine universal-Lösung

Ich mag Dosette – das sind diese Wochendispensier-systeme. Sie sind ungeheuer praktisch und ein gutes Hilfsmittel für Leute, die eine Menge Medikamente nehmen müssen. Aber sie haben auch Grenzen in der Anwendung, das musste ich grad diese Woche wieder erfahren.

Eine Familie telefoniert, ob wir für die betagte Mutter nicht ein Dosett richten könnten? Sie ist frisch aus dem Spital entlassen worden und kommt mit den Medikamenten nicht zurecht.

Wir haben versprochen uns das anzuschauen, aber als sie mit den Medikamenten vorbeikamen … erwies sich das als nicht so einfach.

Die meisten Medikamente, die die Mutter nehmen muss, muss sie „nach Bedarf“ nehmen – nicht regelmässig. Damit kann ich kein Dosett richten. Die sind nämlich trotz allem NICHT die Lösung für alle Medikamentenprobleme. Manches kann ich auch gar nicht in ein Dosett füllen – was mache ich mit Pulverbeuteln zum auflösen im Wasser oder Inhalationsgeräten?

Am Ende habe ich ihr einen Medikamentenplan erstellt und ihn – samt Beschreibung, für was jedes Medikament ist – der Familie erklärt und gegeben. Speziell die Medikamente „nach Bedarf“ – und wann die am Besten zu nehmen sind.

Sie waren am Schluss zufrieden.

Und wenn sie es sind, bin ich es auch.

14 Antworten auf „Dosettologie – oder: es gibt keine universal-Lösung

  1. Wie wäre es mit einem zweiten Dosett, bestehend aus C6-Briefumschlägen, die man in eine Box stellt?

    Da passen auch Sachets rein, und man kann einen Umschlag ganz schön und deutlich z.B. „Schmerzmittel – Bei Bedarf“ anschreiben.

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  2. Was die Beutel angeht könnte man „Montag“ „Dienstag“ usw. drauf schreiben (lassen) evtl. ergänzt um „Abends auflösen in Wasser“

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  3. Auch schwierig in eine Dosette oder einen Wochenblister zu bekommen sind Tropfen, in diesem Falle meist Schmerzmittel oder Abführmittel (bei Opioidpatienten) in Tropfenform. Und das „Abfüllen in kleinere Flaschen“ ist nicht nur teuer und hat ein Beschriftungsproblem, sondern hat auch ein Problem mit nachvollziehbarer Haltbarkeit…
    …zumal es auch schon Beispiele gibt, wo die Arzneiform Schaden nimmt allein durch das Lagern ausßerhalb des Ursprungsblisters. „Oxycodon Winthrop“ (=Zentiva) ist so ein Fall. DIe sind so hygroskopisch (d.h. die nehmen Luftfeuchtigkeit in rauhen Mengen auf), dass sie in der Dosette innehalb weniger Tage quellen und auseinanderbröseln können. Laut Herstellerfirma macht das bei der Einnahme angeblich keinen Unterschied, aber mich selber würden Tabletten, die plötzlich doppelt so groß sind, dafür aber „schwammig“ aussehen, wohl auch stutzig machen…

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    1. Das ist wirklich ein Problem – wir machen allerdings die feuchtigkeitsempfindlichen Tabletten einfach noch im Blister (einzeln ausgeschnitten) in das Doset.

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      1. Die Probleme bei den obigen Oxycodon-Tabletten sind zweierlei dabei:
        1) Dass diese Tabletten so reagieren, war zu Anfang nicht allgemein bekannt, und andere Generika-Firmen haben diesen „Aufquellen-Und-Zerbröseln-Effekt“ eben nicht. Zentiva ist aber seit einigen Monaten zwangsweise zu substituieren wegen der leidigen Rabattverträge.
        2) Oxycodon-Generika sind meistens in „kindersicheren“ Blistern verpackt. Und diese sind weniger kinder-, als vielmehr „Multimorbide-Patienten“-sicher, da man die Blisterfolie an einer gekennzeichneten Ecke mit spitzen Fingern und viel Kraft abziehen muss, sonst kommt man nicht an die Tablette. Ich habe mich schon mehrfach gefragt, wer auf diese großartige Idee gekommen ist…

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  4. Gibt es eigentlich Dosetts mit einem zusätzlichen Fach?
    Ich habe eines mit 7 Fächern. Sehr praktisch wenn man nur einmal täglich an seine Medikamente denken muss. Aber manchmal bräuchte ich noch eine Tablette nach Bedarf, die ich mir gerne in ein 8. Fach täte um da nicht erst den Medikamentenschrank durchforsten zu müssen.

    Hast du schonmal eine Übersicht der verschiedenen Dosettarten gepostet?

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      1. Also ich kenne auch ein Dosettensystem mit 5 Fächern pro Tag und 7 Einzeldosetten für 7 Tage in einer Plastikbox. Die Fächer haben die Kennzeichnung Morgens (extra großes Fach), Mittags, Abends, Nachts, Nach Bedarf. An die 4 Tagesfächer kommt man ran, in dem man den Verschluss nach rechts schiebt, an das Bedarfsfach kommt man ran, in dem man den Veschluss nach links schiebt. Nennt sich „Anabox 7 Tage“.

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      2. hm, ja, das ist eine Möglichkeit aber tatsächlich wärs mir dann zu groß. Ich habe derzeit eins, wo ich pro Tag nur ein Fach habe. Das ist größenmäßig super. Aber so ein achtes Fach wäre nicht schlecht.

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        1. Belibt mir das selbe zu raten, was ich vor ein paar Tagen schon von mir gegeben habe: Ab und an haben Firmen „Dosetten-Schlüsselanhänger“ zum Verteilen via Apotheke als GiveAway. Das ganze gibt es – wenn überhaupt – meist zu Anfang der Allergiesaison. (Ich erinnere mich an so ein Teil mit „Zyrtec“-Werbung drauf.) Dann hast Du die Bedarfsmedis am Schlüsselbund (oder wo auch immer) zwar separat, aber immer „am Mann“. Einfach mal fragen in Deiner Apo, vielleicht liegt das ja noch rum und setzt Staub an… ;-)

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  5. Das Problem mit diversen Pülverchen die nicht ins Dosett passen kenne ich von meiner Großmutter auch noch.
    Wir haben das dann so gelöst:
    An den Tagen an denen ein bestimmtes Pulver zu nehmen war haben wir einfach ein rotes (bzw. blaues beim anderen Pulver) Smartie mit ins ensprechende Fach gelegt.

    Die Schachteln der Pulver haben wir großzügig rot bzw. blau angemalt.

    Die Anweisung an Omi: Wenn du die rote „Tablette“ im Fach hast, dann nimmst du die UND das Pulver aus der roten Schachtel.

    Hat im großen und ganzen gut funktioiert.

    ps: Mir ist schon klar, dass das Smartie eigentlich auch im Dosett verbleiben hätte können, aber so wars einfacher und gerade gegen „Ende“ hätte es vermutlich auch nicht gut funtioniert mit der Anweiseung eine „Tablette“ NICHT dafür aber etwas anderes einzunehmen.

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    1. Das ist eine prima Idee, die ich gerne aufgreifen würde, allerdings abgefwandelt mit einem farbigen Pappstück in der Dosette. (Nein, Omi, das Pappstück nicht auf die Zunge legen..!) ;-)

      Mit den farbigen Tabletten ist das leider ein leidiges Thema – alle paar Monate ein anderer Rabattvertrag – alle paar Monate andere Tablettenfarben und -formen. Und die KrankenKassen erklären, dass mit den Rabattverträgen die Compliance steigt… es ist zuum weinen.

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    2. Wir verwenden für nicht Dosett taugliche Medikamente meistens Platzhalter entweder Laminierte Zettel oder getrocknete Hülsenfrüchte, wenn wir die Medikamente für „unsere“ Bewohner richten. Ich finde es wichtig, dass auch Behinderte über ihre Medikamente Bescheid wissen und mögliche Fehler der BetreuerInnen erkennen.

      Als Kind hatte ich einmal einen Dosett Koffer vom Baumarkt, dessen Fächer genügend gross waren auch für Pulver und verpackte Medikamente. Das Raster (vermutlich 8×6) liess genügend Platz für Reserve und „nach Bedarf“ Medikamente.

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