persönliche Tragödien hautnah miterlebt

Manche Leute – die sind ein bisschen wie ein Verkehrsunfall. Da kann man manchmal schon länger vorher sagen, dass sich etwas (Schlechtes) anbahnt. Leider kann man gar nichts machen, als mehr oder weniger unfreiwillig – und mit sehr schlechtem Gefühl- zuzuschauen, wie es passiert.

Frau Motzer, die bei der Assura Krankenkasse versichert ist (was bedeutet, sie muss die Medikamente in der Apotheke bezahlen) ruft laut aus:

„Ich bin seit Jahren Kundin bei Ihnen und sie *werden* mir meine Medikamente nach Hause liefern. Mein Mann kommt sie später bezahlen!“

Das Problem:  eine bekannterweise ganz schlechte Zahlungsmoral, weshalb wir auf Barzahlung bei Abgabe respektive Lieferung beharren. Es ist bei ihr nicht einmal unbedingt Geldmangel – eingekauft hat sie jedenfalls gut, den vollen Einkaufstaschen vom Modeladen nach zu urteilen, die sie mitbringt.

Pharmama: „Das geht leider nicht, aber ich habe einen Vorschlag: wir bringen es gleich, nachdem es bezahlt wurde … Sie könnten es auch jetzt mit Kreditkarte bezahlen …“

Frau Motzer: „Nein, kann ich nicht. Ich bin in Scheidung mit meinem Mann, denn es ist MEIN Geld und ER lässt immer meine Kreditkarten sperren.“

(Ui.)

Und noch später in der Diskussion:

Frau Motzer: „Nennen Sie mich von jetzt an Frau Gross.“

– das ist ihr Mädchenname.

„Wissen Sie überhaupt, was das bedeutet, Scheidung??“

– von der Theorie her. Was das allerdings mit dem Problem hier zu tun hat, weiss ich auch nicht.

„Ich will mit ihrem Eigentümer reden, ich will wissen, ob der weiss, was Scheidung bedeutet!“

– der ist leider nicht verfügbar für derartige Diskussionen.

Wir kommen nicht zu einem gemeinsamen Ergebnis. Zum Abschied wirft sie uns noch das hin:

„Mein Sohn wird ihnen anrufen. Mein Sohn! Nicht der Mann von dem ich mich scheiden lasse. Ich hatte auch eine künstliche Befruchtung, wissen sie!“

Umm, ja. Zu viel Info. Und leider ist nichts davon angetan, dass wir Ihr Geld vorlegen.

Es ist nicht so, dass ich ihr etwas vorenthalte. Die Medikamente, die sie hat sind wichtig, aber nicht lebenswichtig. Es könnte sein, dass sie wegen der Scheidung finanzielle Probleme hat – wobei sie das nicht gesagt hat. Alles was ich herausgehört habe war: „Ich will es jetzt nicht zahlen – und später auch nicht, soll das mein Ex-Mann machen.“

Was er kaum wird.

17 Kommentare zu „persönliche Tragödien hautnah miterlebt

    1. Scheidung/Trennung scheint hinsichtlich der Rationalität diverser Argumentationslinien nicht wirklich förderlich zu sein – ähnlcihe Argumentationen in anderen Themenbereichen habe ich auch schon erlebt…. :-(

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  1. Schon die Aussagen der guten Frau sind widersprüchlich:
    1. Mein Mann kommt die später bezahlen.
    2. Wir sind in Scheidung. (- Und wir haben ab sofort getrennte Konten?!)

    Mein Verdacht geht in eine andere Richtung: Sie hat via Kreditkarte noch schnell das gemeinsame Konto im Klamottenladen geleert, und nun soll es die (finanzierungs-fraglichen) Medikamente auf Apothekenkosten halt vorweg geben. Der Klamottenladen besteht auf sofortiger Zahlung. Die Apotheke hat – man ist ja schließlich in einer Notlage, und außerdem bekommt die Apotheke ja eh ihr Geld von der Krankenkasse – die ach so dringend benötigten Medikamente halt mal vorzustrecken. Apotheker sind schließlich Heilberufler und somit dem Wohl des Patienten verpflichtet. Und die Apotheken sind ja eh so reich – wird einem täglich 3x von Politikern erzählt, und von den Kassen sowieso. Und außerdem ist schließlich bald Weihnachten!

    Kenne ich alles in einem anderen Zusammenhang. In Deutschland – lang lang ist es her – hat die Kasse die Kosten für ein Pulver zur Andickung von Nahrung für Patienten mit Schluckschwierigkeiten übernommen. Dann änderte sich eine Winzigkeit im Gesetzestext, und die Kasse übernahm die Kosten nicht mehr. Ich hatte das nicht mitbekommen, und habe das Pulver weiter geliefert. Recht exakt ein Jahr später trudelten die ersten Reatxschreiben der Kasse ein – Bezahlung: 0,00€. Als ich daraufhin die Belieferung zur Kassenlast einstellte und dem Patienten Barzahlung anbot, tobte dieser – seine schwer kranke Verwandtschaft habe das schließlich immer von uns „für umsonst“ bekommen. Ich zeigte ihm dann das Schreiben der Kasse, und rechnete ihm vor, wieviel Geld ich (weil es mein Fehler war) nicht von ihm nachfordern werde [diese Nachforderungen hätten rein gesetztestechnisch sowieso auf sehr wackeligen Füßen gestanden] – aber dass ich nicht gewillt bin, in Zukunft weiter solcherlei Verlust zu schieben. Geglaubt hat er es mir aber erst nach Vorzeigen des Retaxschreibens der Krankenkasse – schließlich „habe die Krankenkasse IHM nie gesagt, dass das jetzt gestrichen ist!“ Ja, warum sollte sie auch? Solange es der APOTHEKE Verlust ist, kann es der Kasse ja egal sein. Und ansonsten darf sich der Versicherte auch gerne bei der Apotheke beschweren, aber bitte nicht bei der Kasse, die den Mist eingerührt hat…

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    1. Das ist auch möglich. Man denke auch daran, dass es Ende Jahr ist und noch einige auf die Idee kommen, ein bisschen Medikamente zu hamstern. Vielleicht hat auch der Mann bisher die Prämien bezahlt und sie will das noch etwas ausnutzen … ich weiss es nicht.
      Ich will einfach nicht auf einer grossen offenen Rechnung sitzen bleiben.

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  2. Ich habe da einen Verdacht:
    Die Rückerstattungen der Assura gehen direkt auf das Konto vom Ehemann… Also soll er das auch vorstrecken, sonst sieht sie das Geld nie mehr wieder…

    Ich hatte so einen Fall mal bei einem Kind, welches mit dem Vater da war – aber sonst bei der Mutter lebt. Der wollte das Geld partout nicht vorstrecken, da die Ex-Frau die Rückerstattung erhalten würde, wenn man es dann einreicht…

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    1. Wenn der Verdacht stimmt, geht die Versicherung der (noch Ehe-)Frau wahrscheinlich auch direkt VOM Konto des (Ehe-)Manns. Sperrt er der Assura dieses Konto, steht sie ohne Versicherungsschutz da… Dann möchte frau natürlich erst Recht das AM ohne Barzahlung. ;-)

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      1. Es dauert aber ca. 3 Monate, bis der Versicherungsschutz erlischt bei Nichtbezahlung der KK-Prämien.

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  3. Solche merkwürdigen Gespräche hat man in Deutschland beim Arzt ständig wegen dieser 10 Euro…

    …“Ich habe die 10 Euro doch schon beim Zahnarzt bezahlt, wie oft soll ich ihnen dass denn jetzt noch sagen?“ (Sie steht beim Chirurgen)

    …“Ich bin im Moment etwas knapp bei Kasse, ich würde die 10 Euro nächste Woche bringen…“ (Ist der letzte Tag im Quartal und bei dem Patienten haben wir schon einmal die Ärztekammer eingeschaltet, weil er nicht zahlt.)

    …“Ich habe schon letztes Quartal 10 Euro bezahlt, sie wollen immer nur mein Geld“ (DIE KRANKENKASSE WILL ES!!!)

    …“Ich habe schon im ärztlichen Notdienst bezahlt, wieso zählt das nicht?“

    Man kann sich den Mund fransig reden… …und am Ende sitzt man, bei denen man doch mal gutmütig war, stundenlang am Telefon und telefoniert hinterher…

    Ein Glück ist das ab 01.01. vorbei!!!

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      1. Korrekt, aber nicht weils für jeden Beteiligten ein PITA war, sondern weil man damit super Wählerstimmen abgreifen kann.
        Würde den Verantwortlichen also keineswegs unterstellen wollen, dass plötzlich ein winziger Funken Verstand aufgeglommen sei. ;-)

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        1. Na wir MFA’s freuen uns, egal ob Wählerstimmenfang oder nicht… …für uns wird es einfacher, weil nicht mehr so viel Verwaltungsaufwand ist. Für die Kassen war das ja recht billig, die haben nur die Hand aufgehalten und wir hatten den ganzen Ärger und die Diskussionen…

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