Last Minute

Gestern Abend, kurz vor Ladenschluss.

Der Mann hat mir gerade ein Rezept in die Hand gedrückt mit zwei Medikamenten drauf.

Mann: „Habe ich noch Zeit nach Hause zu gehen und wiederzukommen, bevor sie schliessen?“

Pharmama: „Das … müssen Sie Sich selber fragen, ob das reicht. Wir schliessen in 10 Minuten.“

Ich weiss wirklich nicht, wie lange er braucht – aber vielleicht war die Frage auch eher: „Warten Sie, bis ich wieder hier bin?“

– Dann wäre die Antwort eher: „Nein.“

Ich will nämlich auch irgendwann nach Hause.

10 Kommentare zu „Last Minute

  1. Pharmama´s Beispiel ist ein bisschen tricky, weil leider nicht zu erlesen ist, wie dringlich das Rezept war (Schwere der Erkrankung, Ausstellungsdatum, Leidensdruck des Patienten), wie lange der Patient nach Hause und wieder zurück gebraucht hätte, ob Pharmama schon anderweitig eingebunden war, usw. Ich denke, das spielt in so eine Entscheidung sicherlich mit hinein.

    Aber ich glaube, das Problem liegt an einer ganz anderen Stelle, und zwar in der Kunden/Patienten-Sicht, die, lange antrainiert durch die Werbeindustrie – alle „lieben Patienten“ jetzt bitte 2 Absätze tiefer weiterlesen! – zu wissen meint:
    a) Apotheken sind Dienstleister.
    b) Der Dienstleister ist von MIR abhängig!
    c) ICH bin KÖNIG!
    d) Könige müssen hofiert werden!

    Die Sicht des Dienstleistenden dazugenommen liegen die Aussagen dann aber doch etwas anders:
    a) Dienstleister sind auch Menschen, genau wie die Auftraggeber.
    b) Der Dienstnutzende ist vom Dienstleister genauso abhängig wie umgekehrt. (nicht vom einzelnen, aber insgesamt)
    c) + d) Könige fallen Revolutionen zum Opfer, wenn sie sich zu sehr daneben benehmen.

    In einem Betriebsseminar hat mal ein Referierender folgende Sätze gesagt: „Betrachte den Kunden nicht als König, sondern als Freund! Einem König sagt man, was er zu hören wünscht. Einem Freund sagt man, was gut für ihn ist!“ Und ein Freund ist auch nicht sauer, wenn man mal an sich selber denken muss. Das macht der Freund ja ab und an auch.

    Ich mache selber vieles möglich, wenn es nötig ist. Ich bleibe gerne länger, wenn ich weiß, dass der Patient darauf angewiesen ist (und wenn ich nicht andere Sachen vorher versprochen habe, die sich nun nicht mehr verschieben lassen!). Ich habe auch schon Dinge möglich gemacht, die mich eine Nacht gekostet haben, weil der Patient darauf angewiesen war – ohne extra Honorar.

    Wo ich mit den Augen rolle, sind die Patienten, die diese meine Gutmütigkeit ausnützen. Solche z.B., die wissen, dass Ihnen gestern die letzte Tablette ausgegangen ist, die wissen, dass ich dieses spezielle Medikament immer frisch ranbesorgen muss, die mir ein 3 Wochen altes Rezept am Samstag Mittag präsentieren, die dann voraussetzen, dass ich das am Samstag Abend liefere – das sei ja selbstverständlich – und dass ich dann meine gesamte Samstag-Nachmittag-Familien-Planung hinschmeiße – auch das ist ja selbstverständlich. Oder die Patientin, die Donnerstag Mittag ein Rezept über ein schweres Antibiotikum reinreichte, ich möge es am Abend liefern – „ihr gehe es SOOOO schlecht“ – und abends ließ man mich nicht durch die Hoftür, weil die Patientin mit 16 Bekannten auf selbigem Hof feucht-fröhlich Geburtstag feierte. (Ja, dieses Datum steht auch auf einem Rezept!; ja, ich hörte höchstpersönlich die freudig erregte Stimme der Patientin; und nein, ich glaube nicht, dass ein Bett auf den Hof gestellt war.)

    Ich möchte als Dienstleister genau so respektiert werden, wie ich dem Kunden/Patienten Respekt entgegenbringe. Ich möchte, dass der Kunde/Patient sich fragt, was er an meiner Stelle denken würde, wenn wir spontan die Rollen tauschen. Und ich möchte, dass [zum Teil auch kostenlose Zusatz-Service-]Leistungen nicht einfach als selbstverständlich angesehen werden, sondern als das, was sie sind: [kostenlose Zusatz-]Arbeit. Und ich versuche mich als Kunde genau danach zu verhalten…… Und dann ist eben die Ladentür zum Feierabend zu.

    Ach man, wieder ein viel zu langer Kommentar….

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      1. Danke. Aber wie gesagt: für ein Post wäre mein Kommentar m.E. zu lang, zu umfangreich und zu vom dritten ins vierte. Wie immer…. Deshalb blog ich selber lieber nicht… ;-)

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  2. Wir haben einen Stammkunden, der hat bei mir für alle Zeit verschixxen. Dh. ich behandle ihn übertrieben freundlich, aber er wird nie wieder von mir eine Extrawurst bekommen.
    Der kam mal 20 Minuten vor Bibliotheksschliessung rein, keine Kunden ausser ihm, und 1 Minute vor Feierabend gab er Medien zurück, hatte noch Verlängerungswünsche und hielt uns (mich – die Kollegin, die noch weiter weg wohnt als ich habe ich heimgeschickt) bis 10 Minuten nach Schluss auf. Erst dachte ich noch, er hätte sich in der Zeit geirrt. Aber dann kam zum Abschied ein süffisantes „Ach, habe ich Sie am Feierabend gehindert?“ Da wusste ich, dass es Absicht war. So einer ist doch ein armes Würstchen, wenn er Macht auf diese Art ausleben muss.

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  3. Ich habe mal mein Schlüsselbund in einem Kaufhaus liegen lassen. Als ich es am Auto merkte, war es 18.05 Uhr. Die nette Dame, die noch im Laden rumlief schüttelte nur den Kopf, zeigte auf die Uhr und ließ mich draußen stehen, ohne zu fragen, was los sei.

    Mein Mann musste mich abholen, weil ich 25 Kilometer weit weg wohnte und am nächsten Tag zur Öffnungszeit musste er mich dann wieder hinfahren.

    Auf meine Beschwerde hin, wurde nur die Laden-Öffnungszeiten benannt und das ich selber schuld sei… :(

    Einige Zeit später stand diese Frau vor der Praxistür und klingelte. 18.05 Uhr. Wir haben bis 18.00 Uhr geöffnet und ab 18.00 Uhr ist ein Zettel in der Tür, dass Patienten, die nach 18.00 Uhr kommen und nicht bis zum nächsten Tag warten können, sich im nächstgelegenen Krankenhaus (ca. 1 km) vorstellen sollen. Die Frau hatte am Vormittag einen Unfall und nun sei das Handgelenk dick. Jetzt nicht übermäßig. Es sah auch nicht gebrochen aus. Ich habe sie auf die Öffnungszeiten verwiesen und gesagt, wir haben schon geschlossen. Als sie meinte, es wären doch nur 5 Minuten über die Zeit, sagte ich ihn, ich möchte auch irgendwann Feierabend haben. In einen Laden würde man ja um 18.05 auch nicht mehr rein gelassen. Da hat sie mich auch erkannt und ging wortlos…

    Bei einer blutigen Wunde hätte ich wohl auch anders reagiert. Wenn noch ein Arzt da gewesen wäre, dann hätten wir sie behandelt. Wäre der Arzt schon gegangen, hätte ich ihr zumindest einen Verband gemacht.

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    1. Jaja. Das übliche. Brot für die Welt – Torte für mich! Was soll man noch sagen…..
      Kann mich noch erinnern, als mir (vor vielen Jahren) bei der DeutschenBlödelbahn 10min VOR Schalterschluss der Rolladen vor der Nase runtergelassen wurde mit dem Kommentar: „Wir müssen jetzt die Kassenlade durchzählen!“ Ich hab mich wie bei der DeutschenBlödelbahn gefühlt….

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