Indiskutabel

Hör zu: ein Epipen ist dafür da, Dein Leben zu retten. Wenn er abgelaufen ist, diskutiere nicht mir Deiner Apothekerin, ob Du ihn noch brauchen kannst.

Hol. Dir. Einen. Neuen!

Über manche Ablaufdaten kann man diskutieren, aber bei Medikamenten wie Antibiotika oder Notfallmedikamenten, bei denen es ums Leben geht, wenn man sie anwendet – so wie dem Adrenalin-Injektor bei heftigsten allergischen Reaktionen wie anaphylaktischem Schok – da nicht!

Übrigens …  entwickelt wurden diese Spritzen ursprünglich für die Armee für die Verabreichung von Gegengiften gegen chemische Waffen – in der Schweiz dürfte zum  Beispiel der Combo-pen so ziemlich jedem Mann bekannt sein. (Ob der in einem Einsatz aber wirklich wirkt …. das würde ich nicht probieren wollen).

32 Antworten auf „Indiskutabel

  1. Wieder mal jemand, der sich auf eine spätere Kandidatur für den Darwin-Award vorbereitet.
    War der nicht versichert oder trägt die Krankenkasse den Pen nicht?

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  2. Also beim Thema Antibiotika muss ma das ganze etwas differenziert betrachten. NIcht alle ABs haben eine extrem instabile Struktur wie z. B. die Tetrazykline oder Penicilline.

    Glykosig ABs wie z. B. Kanamycin oder Neomycin welche z. B. lediglich aus 3 Zuckereinheiten bestehen sind extrem stabil. SO stabil das sie sogar 20 minuten Autoklavieren überstehen ohne nennenswert kaputt zu gehen….

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    1. Neeee, sorry, das muss und darf man nicht differenziert betrachten.

      Bei Medikamenten gilt: Abgelaufen ist Abgelaufen und zwar mit dem Tag des Ablaufdatums. Das Teil muss zwingend weggeworfen werden und darf nicht mehr eingeworfen werden!
      Man macht in der Entwicklung Stabiliätsversuche, um festzustellen, wie lange das Medikament sich hält und vergibt den Ergebnissen entsprechend eine Haltbarkeitsdauer, die durch parallel eingelagerte Proben jeder Charge während der Haltbarkeit ständig überprüft wird. Auch hier wird ab und wann mal festgestellt, dass das Medikament schon vor Ablauf der offiziell vergebenen Haltbarkeit schon nicht mehr haltbar ist – das gibt dann einen dieser wöchentlich 10 Rückrufe, die wöchentlich in den Apothekerzeitungen sind.
      Was nach dem Ablauf des Haltbarkeitsdatums mit dem Medikament passiert, kann man theoretisch nicht mal mit nem Universitätsstudium abschätzen, das kriegt man wirklich nur praktisch über Lagerstudien raus.

      Auf Dein Beispiel bezogen: Es ist komplett möglich, dass das Medikament eine erhöhte Temperatur von 121 °C (Autoklavieren) über 20 Minuten übersteht , aber durch Luftsauerstoff, Luftfeuchtigkeit, Licht, usw. so schnell zersetzt wird, dass da absolut toxische Produkte entstehen. Das sind völlig unterschiedliche Stresstests.

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      1. Kann ich nur unterschreiben! Wer keine produktspezifischen Kenntnisse über das Stabilitätsverhalten hat oder umfangreiches wirkstoffspezifisches Wissen, der sollte sehr vorsichtig mit Abschätzungen zur Haltbarkeit sein.
        Neben dem Wirkstoff selbst spielt die Zusammensetzung des Arzneimittels eine wichtige Rolle bis hin zu den verwendeten (Primär)Packmitteln. Mancher niedrig dosierte Wirkstoff hat sich schon mal in relevanter Menge in Plastik- oder Gummiteile verkrümelt, weil er sich da so wohlfühlt und dann nicht mehr in Lösung zur Verfügung steht.

        @McCloud: Es werden aber nicht von jeder Charge Proben auf Haltbarkeit überprüft, sondern meist nur eine Charge pro Jahr. Die Rückstellmuster, die es von jeder Charge gibt, packt man normalerweise nicht an. Außerdem werden diese bei kontrollierter Raumtemperatur gelagert, nicht in Stabilitätskonditionen (25°C/60%r.Lf.).

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        1. @Mr. Gaunt: Hast Recht! Ich hatte den Satz mit den Rückrufen nachträglich noch eingefügt und hatte den vorherigen Satz nicht mehr durchgelesen. Dabei habe ich fälschlich Stabimuster mit Rückstellmustern in einen Topf geworfen.
          Die Stabilitätsversuche laufen bei unterschiedlichen Temperaturen/Luftfeuchten (auch stark erhöhten Temperaturen) VOR der Zulassung, um die Haltbarkeit einschätzen zu können.
          Die Rückstellmuster werden NACH DER PRODUKTION bei den Klimabedingungen gelagert, bei denen das Medikament eingesetzt wird.

          Was ich hauptsächlich sagen wollte: Die Aussage, ob das Medikament noch unbedenklich ist, kann man nur (und wirklich nur) über eine analytische Testung des Medikaments nach der Einlagerung treffen (HPLC und Co), die vorherige Abschätzung gelingt durch die Stabiversuche. Da irgendeine Aussage zu treffen, die vom offiziellen Haltbarkeitsdatum abweicht, wäre jetzt trotz Studium der Pharmazie, Chemie, Biologie, … reines Raten.
          In Anbetracht des Risikos muss da auch das Fenistilgel nach Ablauf in den Müll. VERMUTEN würde ich bei Fenistil auch, dass das noch ein halbes Jahr länger durchhält. Aber ohne gesicherte Daten kann man die Aussage nicht treffen.

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      2. Soweit ich weiss, MÜSSEN Medikamente auch nach Ablauf des MHD unbedenklich sein. Das heisst nicht, dass sie dann noch wirken müssen – nur eben schädliche Zerfallsprodukte dürfen nicht entstehen. Im übrigen wird in den Stabilitätsversuchen in der Regel nur überprüft, ob die Medikamente für eine gewisse Zeit stabil sind, also z.B. für 3 Jahre. Danach wird diese Zeit als MHD genommen, auch wenn die tatsächliche Stabilität theoretisch 10 Jahre oder länger gewährleistet wäre. Bei Markteinführung verfügt man halt selten über lanjährige Stabilitätsdaten, auch wenn Stresstests unter erhöhter Luftfeuchtigkeit, Temperatur usw. durchgeführt werden.

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        1. Da irrst Du Dich.
          Zunächst haben Arzneimittel überhaupt kein MHD, sondern ein Verfalldatum. Das ist ein entscheidender Unterschied!
          Und da es sich beim Abbau der Inhaltsstoffe um zeitabhängige Reaktionen handelt, kann man es auch (relativ) genau bestimmen, wie lange sie verwendbar sind und genau daran orientiert sich dann auch das Verfalldatum.*
          Bei Ausgangstoffen dagegen kann man nach einer definierten Zeit eine erneute Identitäts-, Reinheits und Gehaltsprüfung nach AB durchführen. Wenn sie diese Prüfungen bestehen, sind sie natürlich weiterhin verwendbar.
          _
          * Da es sich im Real Life allerdings nicht gerade um kontrollierte Bedingungen handelt (z.B. lagern viele ihre Arzneimittel im Badezimmerschrank!), kann man im Zweifel davon ausgehen, daß eine vollständige Wirksamkeit über das Verfalldatum heraus noch unwahrscheinlicher als sowieso schon ist!

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          1. Ach, und warum sollten „fertige“ Medikamente einem zeitabhängigen Verfall folgen, den man relativ genau bestimmen kann, während bei Ausgangsstoffen nach einiger Zeit Stabilitätstests erforderlich sind? Es ist eher im Gegenteil so, dass durch die Mischung mehrerer Komponenten in Medikamenten die ablaufenden Reaktionen unvorhersehbarer werden als bei Reinstoffen. Luftdicht verpackte und vor Licht geschützte Tabletten mit einer geringen Restfeuchte bergen allerdings ein relativ geringes Risiko für Zerfallsreaktionen. Nicht zuletzt sind viele Wirkstoffe so beschaffen, dass sie chemisch möglichst stabil sind und auch in einem hoch reaktiven Umfeld wie dem menschlichen Organismus nur geringfügig verändert werden.
            Du hast natürlich recht, MHD ist bei Medikamenten der falsche Begriff. Da habe ich nicht aufgepasst. Allerdings ist das mehr ein rechtliches Problem als etwas anderes. Es wird niemand von der Einnahme eines verfallenen Medikamentes Schaden erleiden. Die Wirksamkeit kann aber natürlich beeinträchtigt sein, weshalb der Laie unmöglich beurteilen kann, ob das verfallene Medikament noch nützt. Die meisten Medikamente sind jedoch deutlich länger wirksam, als ihr Verfalldatum angibt. Bei einigen will man einfach nichts riskieren (Antibiotika, „Notfallmedikamente“, …) und bei gewissen nimmt die Wirksamkeit tatsächlich ab (gewisse Antibiotika, Peptide, …). Nicht zuletzt wird von den Zulassungsbehörden normalerweise ein maximales Verfalldatum von 5 Jahren vorgegeben. Ich werde jedenfalls auch in Zukunft mein Dafalgan noch Jahre über das Verfalldatum mit gutem Gewissen (und garantierter Schmerzlinderung) schlucken.

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        2. Medikamente müssen nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums NICHT unbedenklich sein. Medikamente sind komplexe Chemikalien, die zersetzen sich ab dem ersten Tag (auch während der Haltbarkeit). Dabei entstehen Zerfallsprodukte, die giftig sein können. Bis zu einem gewissen Punkt ist das tolerabel (=Haltbarkeitsdatum), irgendwann wird die Nummer dann giftig (gewöhnliches Asprin zersetzt sich beispielsweise zu Essig und anderen Stoffen).
          Aber das muss nicht mal der chemische Stoff sein. Injizierbare Arzneimittel haben einen Gummistopfen oder der Anapen (wahrscheinlich) eine Gummidichtung. Irgendwann wird auch der hochwertigste Gummi spröde und brüchig, so dass in das sterile Produkt Keime reinkommen. Wenn man das noch in den Körper rein spritzen würde, kann es zu einer Sepsis (Blutvergiftung) kommen, die tödlich enden kann.

          Das ist wirklich kein Mindesthaltbarkeitsdatum wie bei vielen Lebensmitteln, sondern ein Verbrauchsdatum (Wegwerfdatum).

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          1. Ich sage nicht, dass alle Medikamente ewig verwendet werden können. Mein erster Kommentar war etwas polemisch formuliert und bezog sich vor allem auf die chemische Stabilität und deine Aussage „Bei Medikamenten gilt: Abgelaufen ist Abgelaufen und zwar mit dem Tag des Ablaufdatums.“ Das ist einfach quatsch. Bei vielen Präparaten macht ein Verfalldatum durchaus Sinn, zum Beispiel bei allen injizierbaren Präparaten. Viele der festen, einzeln verpackten Medikamente sind hingegen Wochen, Monate, oder sogar Jahre über das Verfalldatum von einwandfreier Qualität. Das kann Otto-Normalverbraucher natürlich nicht einschätzen. Aber es müssten bedeutend weniger Medikamente entsorgt werden, wenn sie anhand ihrer tatsächlichen Stabilität und nicht anhand einer Stabilitäts-Untersuchung über maximal 5 Jahre beurteilt würden.

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          2. Klar, das Medikament kippt nicht von heute auf morgen. Aber Medikamente sind normalerweise drei Jahre ab Werk haltbar, das ist schon eine ganz schön lange Zeit. Dauermedikamente und Antibiotika sind bis dahin auf jeden Fall verbraucht, die Selbstmedikation ist eh im unteren Preissegment angesiedelt. Irgendwann muss man halt mal einen Schlussstrich setzen. Und man muss auch einkalkulieren, dass viele Leute ihre Medikamente falsch aufbewahren (im Badezimmer, in der Küche, im Auto, etc.), was die Haltbarkeit verkürzt.
            Aber Deine Aussage, dass da keine schädlichen Begleitstoffe entstehen würden und Arzneimittel nach Ablauf pauschal immer unbedenklich sind (und nur keine Wirkung mehr hätten), ist einfach fachlich falsch. Wenn das ein Kollege aus der Offizin einem Kunden erzählt, baut der Kunde mit dieser Aussage Blödsinn.
            Du bemängelst weiterhin, dass das „ein rechtliches Problem ist“ (und implizierst damit, dass das kein fachliches Problem ist, korrekt?). Letztlich ist fachlich und rechtlich dasselbe: Man muss belastbare Daten haben, mit denen man eine fundierte Entscheidung treffen kann und die man den Behörden gegenüber rechtfertigen kann. Seriöse Forschung und Entwicklung bauen halt nicht auf Mutmaßungen auf.

            Was mir aber an Deiner Argumentation am wenigsten verständlich ist: Du schreibst, dass Du Dafalgan (Paracetamol) auch noch Jahre nach dem Ablaufdatum einnehmen würdest. Warum ausgerechnet Paracetamol? Da kostet die 20er Packung unter einem Euro. Den Euro zahlt man doch auch als Geringverdiener aus der Portokasse, da riskiert man doch keine Nebenwirkungen und seine Gesundheit wegen Zerfallsprodukten.
            Die Argumentation, dass es irgendwie von Vorteil ist, nach drei Jahren einen Euro zu sparen anstatt das Teil in die Tonne zu kloppen, geht mir nicht in den Kopf.

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          3. Du hast Recht, meine Aussage zur Unbedenklichkeit war unsauber formuliert. Mikrobiologische Kontamination kann vor allem bei flüssigen und halbfesten Formen vorkommen und ist natürlich schädlich. Deswegen gibt es da für kritische Produkte auch Aufbrauchfristen. Aber gehen wir mal von den am häufigsten genutzten Arzneiformen aus: Tabletten. Ich kenne noch immer keinen modernen Wirkstoff, dessen Zerfallsprodukte bei üblicher Lagerung toxischer wären als die Mutterstubstanz. Klar, wenn Du ein Aspirin offen in der feuchten Badezimmerluft liegen lässt, zerfällt das zu Salicylsäure und Essig. Das sieht und vor allem, das riecht man dann auch.

            Es geht mir auch gar nicht darum, Medikamente länger als angegeben verwenden zu wollen. Es geht mir darum, dass die Haltbarkeit oft deutlich kürzer angesetzt ist, als möglich wäre. Und das hat selten damit zu tun, dass die Endverbraucher die Medikamente falsch lagern. Extreme Bedingungen werden bei den Stabilitätstests auch geprüft.
            Es hat vielmehr damit zu tun, dass die Hersteller maximal während 5 Jahren Stabilitätstests durchführen müssen und das dann auch die maximale Verwendbarkeitfrist ergibt. Klar macht es keinen Sinn, einem Endverbraucher eine Packung Medikamente zu geben, die 10 Jahre haltbar ist. In der Produktion und im Vertrieb könnte damit aber eine Menge Geld gespart werden.

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          4. Das was ich meinte, gilt auch für Tabletten. Mr. Gaunt hat das oben schon gesagt: Der Wirkstoff kann in der Primärverpackung verschwinden. Umgekehrt können auch Stoffe aus der Primärverpackung in das Medikament wandern, z.B. Weichmacher. Das wäre dann schon wieder ein gesundheitliches Problem.
            Weiter: Die Abbaustoffe sind auch deutlich weniger klinisch untersucht als der Wirkstoff selbst. Man kann ja schlecht gezielt klinische Studien an Patienten anstellen, bei denen man gezielt Zerfallsprodukte am Menschen auf Toxizität testet. Mal abgesehen davon, dass das ethisch fragwürdig ist, würde auch jede Ethikkommission gegen so einen Versuch etwas dagegen haben (jeder klinische Versuch am Menschen muss durch eine externe Ethikkommission genehmigt werden). Den Grund, warum ich Dir selbst auch spontan kein Zerfallsprodukt nennen kann, welches stark toxisch wirkt, dürfte an genau dieser schlechten Datenlage liegen. Die Nummer wird halt einfach nicht untersucht, da man während in der Formulierungsentwicklung Wert darauf legt, dass Zerfallsprodukte während der Haltbarkeitsfrist einfach kaum auftreten.

            Drei Jahre sind echt ne gute Zeit, in der das Medikament verbraucht werden darf. Darauf wurde es entwickelt, darauf wurde es getestet, hier besteht der Nachweis. Ich würde mich daran halten. Alles andere ist trotz Studium echt pures Vermuten. Wir haben hier keine Lebensmittel vor uns, die im schlimmsten Fall mal etwas Bauchweh machen, sondern Arzneimittel.

            Du schreibst, dass man in der Produktion und im Vertrieb enorme Mengen sparen könnte, wenn man Arzneimittel länger zulassen würde. Die Materialkosten für eine Schachtel Tabletten sind normalerweise relativ gering. Das teuere ist die Manpower, also die Arbeitskraft, dahinter, hauptsächlich durch die beteiligten Akademiker. Die Kosten entstehen durch die Forschung, die Formulierungsentwicklung, klinische Studien, Pharmakovigilanz, Zulassung und andere Dinge, die zur Produktion eines Medikaments vorab notwendig sind. Marketing ist ebenfalls wichtig, wenngleich in der Bevölkerung oft als Kostenfaktor verschmäht. Und die Maschinen selbst sind auch ein großer Kostenfaktor.
            Ob man da jetzt am Schluss dieser ganzen Kette100.000 Einheiten oder 150.000 Einheiten produziert, fällt finanziell kaum noch ins Gewicht.

            Ich würde Arzneimittel wegwerfen, wenn sie abgelaufen sind. Gerade das Paracetamol, welches mit einem Euro den Gegenwert einer Tafel Schokolade hat. Darf jeder gerne anders sehen, das ist nicht meine Gesundheit.

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          5. Wirklich eine interessante Diskussion hier, ich lerne tatsächlich viel dazu!
            Adsorptionen an Primärpackmittel können bei sehr lipophilen Substanzen theoretisch ein Problem sein. In der Regel liegen die Wirkstoffe aber als Salze vor und werden damit nicht im Packmittel verschwinden. Viele Tabletten sind zusätzlich mit einem (wirkstofffreien) Überzug versehen und so vor dem Packmittel geschützt. Kritische Weichmacher sind in den Blisterverpackungen wohl selten enthalten.

            Wie ich schon geschrieben haben, entstehen die meisten möglichen Zerfallsprodukte ohnehin beim Abbau des Wirkstoffes im Körper. Diese Zerfallsprodukte werden damit zusammen mit dem Wirkstoff selber sehr genau untersucht. Dass in einem verpackten Arzneimittel plötzlich komplett andere Zerfallsprodukte – in einem viel weniger reaktiven Umfeld als im menschlichen Körper – entstehen, ist nicht sehr plausibel. Theoretisch möglich, aber wie gesagt: Ich kenne kein Beispiel.

            Der Vergleich mit den Lebensmitteln hinkt auch: Lebensmittel sind wesentlich komplexer und weniger gut untersucht als Medikamente. Da kann deutlich mehr an chemischen Reaktionen ablaufen als in einer Tablette…

            Was die Kosten angeht: Klar, der grösste Teil entsteht bei der Entwicklung. Kein Thema. Die Herstellung selber ist vergleichsweise günstig. Aber hier geht es nun mal nicht um die Entwicklung, sondern um die Herstellung, und dass man hier Kosten sparen könnte. Und wie Du ganz richtig sagst: Es spielt kaum eine Rolle, ob 100’000 oder 200’000 Einheiten produziert werdeb. Die grössten Kosten fallen in der Produktion beim Einrichten, Kalibrieren, Kontrollieren und Reinigen der Maschinen an. Wenn man die Haltbarkeit verdoppeln würde, könnte man sich die Hälfte dieser Produktionszyklen sparen. Und das wirkt sich garantiert auf die Kosten aus.

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    1. Ja, der Rückruf. Problem allerdings auch, dass die Pens unterschiedlich funktionieren. Wenn man Pech hat – und den EpiPen gleich benutzt wie den AnaPen, könnte das Adrenalin im Daumen landen statt dort, wo es hingehört (der Oberschenkel).

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      1. sehr gefaehrlich das — fuer einen helfer, der dem der bewusstlosigkeit nahe gekommenen allergiker den gerade noch hervorgekramten epi-pen verabreichen will… wie bekoemmlich ist so ne dosis eigentlich fuer jemand „gesunden“? die frage kann wahlweise noch um uebliche leiden (bluthochdruck, diabetis, …) ergaenzt werden..
        oder anders: warum gibt es keine norm fuer eine eindeutige kennzeichnung der pieksenden seite?

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  3. Es war nicht so einfach, eine Alternative zum Anapen zu finden. Übrigens war die Verteilung des Rote Hand Briefes auch nicht ohne Probleme, ich war die erste, die deswegen bei unserer Ärztin aufgelaufen ist – die Information für den Rückruf war bis dahin bei ihr noch nicht angekommen.

    Für einen solch kritischen Fall hätte ich es gut gefunden, von der Krankenkasse direkt informiert zu werden. Die müssten doch in ihren Unterlagen sehen, dass mein Sohn den Anapen regelmäßig verordnet bekommt.

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  4. Mein Epipen, immerhin kein Anapen, läuft auch diesen Monat ab .. hihihi … dank Pharmama habe ich überhaupt kontrolliert. Immerhin sind das Tavegyl und Prednison bis 2015 noch gut, davon habe ich ja auch je eine ganze Packung zuhause obwohl ich ja nur je 4 Stk. benötige. Bienenallergiker bin ich jetzt seit ~15 Jahren, damals habe ich einen voll krassen anaphylaktischen Schock danke Ruhe und Besonnenheit gut überlebt, allerdings weiss ich bis heute nicht wie lange ich bewusstlos war … habe mich aber selber in Seitenlage gebracht bevor ich ins Nirvana abdriftete. Die ersten 5 Jahre nach der Diagnose hatte ich das Zeugs jeweils dabei, danach 5 Jahre nicht mehr, danach während 1 Jahr Weltreise wieder und dann wieder 3 Jahre nicht mehr. Seit 18 Monaten bin ich wieder viel mit dem Mountainbike unterwegs, da ist schnell was passiert und darum bin ich wieder ausgerüstet. Bin ja auch ab und an mit Freunden unterwegs und das ist auch ein Grund weshalb ich das Zeugs habe, will ja nicht andere über Gebühr belasten.

    Aber ich bin zwiegespalten, eigentlich wollte ich das Teil erst Ende Jahr erneuern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Epipen nach Ablaufdatum nicht mehr wirkt, die haben doch sicher Sicherheitsmarge eingerechnet und auch 2/3-Wirksamkeit werden genügen, denn ich bin ja überzeugt, dass ich auch einen weiteren anaphylaktischen Schock ohne Epipen überstehen werde, einfach nicht hyperventilieren sondern ruhig zu Boden legen und abwarten was passiert.Vom Arzt habe ich das OK das ich ruhig zuwarten darf mit dem Epipen, wenn ich mich eben Ruhig verhalten kann … und das kann ich!

    Klar die Spitalärzte die damals diagnostizierten und mir eine Immunisierungstherapie auf der Intensivstation, so quasi komatös, vorschlugen würden jetzt meinen der spinnt komplett, Pharmama vielleicht auch … aber ich habe einen anaphylaktischen Schock problemlos überstanden und bin überzeugt von meinem ruhigen Vorgehen. Irgendwie lass ich mir mein Leben von ein paar Bienchen nicht schwer machen, die sollen sich so oder so aufs Bestäuben und Honig machen konzentrieren :-)

    Werde das Thema und meine Erfahrungen in meinem Blog demnächst noch etwas vertiefen.

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  5. @ Sam (oben konnte man nicht mehr antworten)

    Ganz einfach. Weil es sich bei Arzneimitteln um eine Zubereitung handelt, also ein Stoffgemisch, deren Bestandteile miteinander interagieren. Das passiert bei dem Kilo-Sack hochreinem Paracetamol, der in der Produktionsstätte steht, nicht.
    Die Zersetzung beginnt praktisch ab dem Zeitpunkt, da das Arzneimittel produziert wurde.
    Außerdem: wenn sich bei dem Kilogramm Paracetamol der Wirkstoffgehalt um 500mg verringert, ist das vernachlässigbar gering. Wenn sich die gleiche Menge in der Paracetamol-Tablette verringert, ist da nix mehr drin.
    „Es wird niemand von der Einnahme eines verfallenen Medikamentes Schaden erleiden.“
    => Das kann man absolut nicht so sagen, die Zerfallsprodukte können durchaus gesundheitsschädlich sein.

    „Ich werde jedenfalls auch in Zukunft mein Dafalgan noch Jahre über das Verfalldatum mit gutem Gewissen (und garantierter Schmerzlinderung) schlucken.“
    => Das kannst Du ja gerne machen. Nur mach dann nicht den Hersteller dafür verantwortlich, wenn was passiert.

    Ich kann diese Haltung abe eh nicht verstehen: Kein Mensch käme auf die Idee, ein Lebensmittel noch Jahre nach dem abgelaufenen Datum zu verzehren, aber bei Arzneimitteln soll das plötzlich völlig egal sein?

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    1. Eben, die Bestandteile interagieren miteinander. Das sind dann bei Tabletten Wirkstoff(e), Füll-, Quell-, Fliessregulierungs- und Bindemittel, Farbstoffe usw. Ausserdem kann es noch Interaktionen mit dem Primärpackmittel geben… das lässt sich nicht so leicht berechnen, und die Reaktionen (sofern sie denn stattfinden) müssen nicht einer linearen oder einer anderen vorhersehbaren Kinetik folgen. Gleichzeitig laufen chemische Reaktionen nicht einfach so ab, wenn keine geeigneten reaktiven Gruppen vorhanden sind. Es gibt wenige Reaktionen, die bei Raumtemperatur ohne Sauerstoff und/oder Feuchtigkeit oder Katalysatoren ablaufen. Der grösste Teil der Hilfsmittel bei der Arzneimittelherstellung ist chemisch inert und reagiert damit kaum mit Wirkstoffen. Darauf wird bei der Formulierung geachtet.
      Die allermeisten möglichen Zerfallsreaktionen können auch nach der Einnahme im Körper stattfinden. Deshalb gibt es kaum Zerfallsprodukte von Wirkstoffen, die deutlich toxischer sind als der Wirkstoff selbst. Kennst Du ein Beispiel von einem solchen Zerfallsprodukt? Ich kenne keinen solchen Fall, aber es gibt sicherlich Ausnahmen und deshalb rufe ich auch nicht dazu auf, Medikamente länger als bis zum aufgedruckten Verfalldatum einzunehmen. Es liegt nicht am Endverbraucher, das zu beurteilen. Aber es wäre bei einigen (vielen) Medikamenten möglich, längere Laufzeiten anzuwenden, als dass es heute der Fall ist.

      Präparate mit Paracetamol (Dafalgan) wurden früher durchaus mit Laufzeiten von 10 Jahren in den Verkehr gebracht. Mir ist kein Fall bekannt, bei dem ein Patient gestorben wäre, weil das Paracetamol „abgelaufen“ war.

      Übrigens: Ich habe neulich eine Flasche Bier getrunken, die vor einem Jahr abgelaufen war. Hat einwandfrei geschmeckt und geschadet hat es mir nicht.

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      1. Metamizol baut sich zu Aminophenazon ab.
        Du hast zwar recht, das entsteht auch bei der Metabolisierung von Metamizol im Körper.
        Aber gerade das macht ja den Unterschied zwischen einer noch vertretbaren oder einer toxischen Dosis an Aminophenazon.

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        1. Ich verstehe nicht ganz, wie die Hydrolyse von Metamizol zu Aminophenazon zu einer toxischen Dosis führen könnte? Aminophenazon ist die aktive Form von Metamizol. Metamizol wird fast vollständig in Aminophenazon umgewandelt. Und die therapeutische Breite ist nicht so eng, dass ein paar Milligramm mehr oder weniger zu einer toxischen Dosis führen. Ausserdem brauchts für diese Reaktion mehr als etwas Feuchtigkeit und 30 Grad im Badezimmer…

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          1. 4-Methylaminophenazon ist die aktive Form des Metamizol und nicht 4-Aminophenazon.
            Methylaminophenazon besitzt auch ganz im Gegensatz zu Aminophenazon keine dem Prodrug gegenüber erhöhte Toxizität.
            Für den Abbau braucht es auch keine erhöhten Temperaturen, dafür reicht Zimmertemperatur.
            Das Problem besteht natürlich v.a. bei den Novaminsulfon-Tropfen, was ja die häufigste Anwendungsform ist.

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          2. Willst Du jetzt tatsächlich die ganzen chemischen Abbauwege durchsprechen? Dann hätte ich gerne einige Quellen zu Deinen Aussagen. Ich stütze mich auf das Arzneimittelkompendium. Laut diesem wird Metamizol zuerst zu 4-Methylaminoantipyrin (= 4-Methylaminophenazon) hydrolisiert und danach unter anderem zum aktiven 4-Aminoantipyrin (=4-Aminophenazon) demethyliert. Diese Demethylierung läuft enzymatisch ab und nicht einfach so in der Tablette bei Raumtemperatur.
            Und die Tropfen sind so gepuffert, dass der Wirkstoff möglichst stabil bleibt. Grundsätzlich sind flüssige Zubereitungen aber sicherlich heikler als Tabletten, da hast Du recht.

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          3. Tja, wenn Du schon auf das auf das Compendium verweist, solltest Du Dir vielleicht auch mal die Tabelle, die dort unter dem Topic „Pharmakokinetik“ zu finden ist, zu Gemüte führen. ;)

            Zu den Quellen:
            Da hilft Dir bereits jedes bessere Pharmakologie-Lehrbuch weiter, ob nun „Forth“ oder „Mutschler“ (dort z.B. auf S. 251).
            Ansonsten:

            Klicke, um auf novaminsulfon_sandoz_0709.pdf zuzugreifen


            http://www.pharmatrix.de/cms/front_content.php?idart=8&id=40&sort=Bezeichnung&search=

            Und daß Aminophenazon wegen des Verdachts auf Kanzerogenität durch Nitrosaminbildung nicht mehr in der Humanmedizin verwendet wird, dürfte ja wohl allgemein bekannt sein.

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          4. Ja, und unter dem Punkt „Pharmakokinetik“ wird die vorgängig erwähnte Hydrolyse zu 4-Methylaminophenazon und anschliessende Demethylierung zum aktiven 4-Aminophenazon beschrieben. Entweder liest Du meine Kommentare nicht, oder du hast das Kompendium nicht gelesen :).

            Übrigens: Aminophenazon und 4-Aminophenazon sind zwei verschiedene Stoffe. Bei meiner ersten Antwort habe ich das auch verwechselt. Was gemeinhin als Aminophenazon bezeichnet wird, beschreibt eigentlich Dimethylaminophenazon. 4-Aminophenazon ist die demethylierte Form. Bei Metamizol wurde eine Methylgruppe von Aminophenazon durch einen Sulfonsäurerest ersetzt. Metamizol kann also unter keinen Umständen zu Aminophenazon (=Dimethylaminophenazon) zerfallen, da nur noch ein Methylrest vorhanden ist.

            Deine verlinkte Quelle beschreibt auch nur den Abbau von Metamizol zu 4-Methylaminophenazon und 4-Aminophenazon. Und es sollte klar sein, dass eine Zubereitung ex tempore für die Sondengabe nicht gleich stabil sein kann, wie das Originalpräparat. Ich warte also immer noch auf ein Beispiel eines Zerfallsproduktes, das deutlich toxischer ist als die Muttersubstanz.

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          5. @SAM:
            Mir fällt was ein: Monoklonale Antikörper wie Herceptin, MabCampath und Erbitux sind ziemlich untoxisch, haben aber als grenzflächenaktive Stoffe physikalisch die Eigenschaft, sich bei der Lagerung des Medikaments an der Oberfläche der Lösung anzulagern. Das führt zu einer Entfaltung der Sekundär- und Tertiärstruktur des Proteins, was klinisch zu einem anaphylaktischen Schock (Kreislaufstillstand infolge einer allergischen Reaktion) führt.
            Weiterhin aggregieren Proteinformulierungen durch Lagerung zu Partikeln im Mikrometermaßstab, was bei einer Injektion oder Infusion zu einer Embolie mit nachfolgendem Herzinfarkt oder Schlaganfall führt.
            Diese Nebenwirkungen sind deutlicher Natur und durch Zerfallsprodukte verursacht.

            Diese Argumentation lässt sich auch auf Insuline übertragen, falls Du ein Arzneimittel wünschst, welches in der Apotheke relevanter ist.
            Und falls Du mit dem Einwand kommen solltest, dass diese Arzneimittel nicht über eine Tablette geschluckt werden: Gib der pharm. Entwicklung mal noch ein paar Jahre Zeit. Die sind da dran, Proteinformulierungen oral über eine Tablette bioverfügbar zu machen.

            Diese Abbaureaktion ist wie von Dir gefordert chemisch und physikalisch verursacht, es handelt sich dabei nicht um einen mikrobiologisch verursachten Abbau.

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