Manchmal lasse ich den Tag und die Kundenbegegegnungen am Abend Revue passieren und überlege, ob ich heute wohl für die Kunden eine gute Apothekerin gewesen bin, oder eine schlechte.
Das kann dann so aussehen:
Für den Kunden eine Packung seines Medikaments abgegeben, weil das Dauerrezept abgelaufen ist, er aber erst in 2 Wochen einen Arzttermin hat. – gute Apothekerin.
Dem Stammkunden, dem der neue Arzt ein neues Medikament als was er bisher hatte aufgeschrieben hat, verweigert einfach ohne Rückfrage beim Arzt das alte Medikament abzugeben- schlechte Apothekerin
Der sozial eher schwachen Assura Kundin, die Krebsmedikamente bekommt (teuer) und die diese eigentlich erst selbst bezahlen muss eine Speziallösung gefunden und bei der Krankenkasse durchgedrückt, so dass ich jetzt direkt der Kasse abrechnen kann – gute Apothekerin
Für die Kundin, die noch nie bei uns war am Samstag Nachmittag den Arzt zuhause (sorry) angerufen, weil das wichtige Medikament, das er am Vortag aufgeschrieben hat nirgends vorrätig ist. Mit ihm zusammen einen Ersatz gesucht und gefunden den wir haben – gute Apothekerin
Derselben (!) Kundin am Montag darauf die Rückgabe eben jenes Medikaments verweigert – sie hat beschlossen, sie brauche das nicht und es trotz Erläuterungen, wie wichtig das ist (von Arzt und uns) nicht genommen – schlechte Apothekerin.
Dem Kunden mit dem Rezept vom Spital seine Medikamente so herausgesucht, dass er genug hat bis zum Hausarztbesuch in 10 Tagen und keine Medikamente doppelt – ein Teil hatte er schon vor dem Spital auf Dauerrezept und bezogen. Generika statt Original – und auf eine unangenehmere Wechselwirkung mit einem der neuen Medikamente aufmerksam gemacht – über letzteres war die Assistenzärztin, mit der der Kunde nachher Rücksprache genommen hat alles andere als erfreut, sein Hausarzt war allerdings meiner Meinung – gut oder schlecht? Urteil noch ausstehend
Und dann noch dutzende Rezepte mehr, die keine solche Probleme machten, ein paar, wo ich die Medikamente bestellen musste … soll ich dieses eine jetzt nicht vielleicht doch an Lager nehmen? …

bei „Derselben (!) Kundin“ müsste es gute apothekerin heissen.
Bei dem zweiten beispiel fumktionieren meine synapsen noch nich so früh am morgen, musste es 4x lesen um es zu verstehen.
Ps: deine selbst reflektion – sehr gute apothekerin
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Die Kundin sieht das sicher anders …
Aber, nein, wir haben kein Rückgaberecht auf Medikamente, im Gegenteil- manchmal mache ich eine Ausnahme ( dann muss das Medi nachher aber weg) aber sicher nicht bei Spritzen!
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Jetzt habe ich das Ganze erst verstanden: Du stellst Dich auf die Seite der Kunden und urteilst dann ;-).
Hätte ich gar nicht gedacht, in einer Zeit, in der sich ach so viele mit (oftmals in Kirchen verwendetem) Qualm einnebeln (anderswo nennt man so was Selbst-Beweihräucherung).
Urteil als Fazit: seeeehr gute Apothekerin (vielleicht sogar cum laude – sofern Du nicht abgeschrieben hast)! :-D
Liebe Grüsse aus Frankfurt am Main und ein schönes Wochenende
Hajo
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Warum stufst Du Dich als „schlecht“ ein, wenn Du von der Kundin (mit dem WE Anruf beim Doc) das Medikament nicht zurück nimmst? Besteht in der Schweiz ein Rückgaberecht für Medikamente?
Bei den Medikamenten, die Du bestellen musst und daher überlegst, ob Du sie auf Lager nimmst: wie oft werden diese Medikamente „verlangt“? Rechnet sich ein auf_Lager_nehmen oder kommt es euch nicht einfacher, wenn ihr bestellt?
Ich muss heute auch wieder in die Apotheke, die Diabetes-Artikel für meine Tochter holen (Urlaub schon mit eingerechnet in die Menge). Würde glatt jede Wette eingehen, dass mindestens ein Artikel bestellt werden muss. Genau diese ganzen Artikel (Medikamente sind ja Nadeln, Blutzuckermessstreifen usw nicht) beziehen wir seit 3 1/2 Jahren genau bei DIESER Apotheke. Ok, die Messstreifen haben sie dann mal auf „grösserer“ Stückzahl ins Lager genommen, nachdem wir darum gebeten haben.
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Vielleicht bei den anderen Sachen auch einfach mal fragen?
Ich versuche ja auch, die Sachen für die Stammkunden an Lager zu nehmen – aber gelegentlich rutscht etwas durch, v.a. weil sie ja auch nicht nur zu mir kommen, sondern auch zu den Kolleginnen.
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Oh ja, das Stammapothekending, mit den exotischen Zubehörteilen für die Insulin-Pumpe, die dann doch nie am Lager waren, das kenn ich auch. Ich kann leider nichts dazu, dass ich Pumpenträgerin bin, und mich ärgert schon der irre Betrag, der jeweils vorgestreckt werden muss. Dann auch noch mehrmals in die Apotheke fahren und das Zeug abholen? Ist manchmal grenzwertig. Vor allem, wenn die Apotheke im selben Haus ist wie der Haupt-Diabetologe im Ort, und man eigentlich annehmen sollte, dass bestimmte Dinge dann vielleicht etwas eher bevorratet werden… Klar kostet Lagerhaltung Geld, dafür hab ich ja auch wirklich Verständnis. Aber Sprit kostet auch Geld. Und wenn dann vielleicht sogar noch das falsche Teil bestellt wird, (abweichend vom Rezept) und die Versorgung mit Insulin damit gefährdet ist, dann werd ich leicht sauer, fehlerbehaftetes Menschsein hin oder her. Andererseits wurde mir in derselben Apotheke auch schon samstags ohne Rezept Insulin gegeben, nachdem ich auf die einzige noch vorhandene Ampulle draufgetrampelt bin. Das versöhnt dann wieder.
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Meine Tochter mag keine Pumpe. Unsere Apotheke ist nur ca. 150 m weg von uns. Und ja: ist eine Menge „Holz“, die man vorstrecken muss. Ich hab noch 4 nicht-verschreibungspflichtige Medikamente mitgenommen und muss etwas über 600 Euro zahlen. (Wobei wir Vorrat für den Urlaub für Tochterkind geordert haben)
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Wie wärs damit, die Apotheke vorher zu informieren, so dass das benötigte Teil bestellt wird und bei Abholung dann bereit liegt.
Wir haben in der Apotheke einige HIV-Patienten und MS-Patienten, die regelmäßig zu uns kommen und deren Medikamente wir nie an Lager Legen werden (teilweise >3000€ pro Medikament). Die haben alle Verständnis dafür, wissen aber, wann sie zum Arzt gehen und sich das Rezept holen und rufen dann vorher bei uns an, um schon vorab zu bestellen.
Viele Kunden sehen leider meist nur sich selbst und ihre Medikamente und versetzen sich selten in die Lage der Apotheke. Sobald man sagt, man müsse etwas bestellen, verdrehen viele die Augen. Wo bekommt man allerdings innerhalb eines Tages seinen Wunschartikel? So schnell wie Bestellungen in der Apotheke bekommt man Artikel sonst nirgends. Und Argumente wie „Sprit kostet auch was“ – wie gesagt: entweder vorher bestellen, wenn bekannt ist, dass es NIE vorrätig ist oder nach einer Lieferung fragen, das machen die meisten Apotheken mittlerweile kostenlos.
Aber Hauptsache jammern…
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Hallo pharmama, aus Sicht der Kunden stimmt die Einschätzung, die du angegeben hast, sicherlich. Aus meiner Perspektive (ich bin in der Arbeit für Qualität zuständig) sage ich bei Nr. 2, 3 und 5 eindeutig „gut“. Bei Nr. 1 und 4 bin ich unsicher, weil die Entscheidungen zwar kundenfreundlich waren, aber du hast Mehraufwand betrieben, um die Fehler von anderen auszugleichen. Da würden wir versuchen,den Prozess besser zu machen, bei dem der Fehler aufgetreten ist.
Trotzdem wieder einmal danke für diesen interessanten und reflektierten Beitrag!
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Danke Dir.
Ich versuche auch die Kundenseite zu sehen – natürlich nicht nur….
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Vielleicht eher „böse Apothekerin“ :) Schlecht ist ja nichts an diesem Verhalten!
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Zum zweiten Punkt. Irgendeinen Grund wird der Arzt schon gehabt haben, warum er das alte Medikament abgesetzt hat und etwas Neues verschrieben hat. Die Berufsgruppe ist allgemein ja ziemlich fit.
Also: Gute Apothekerin! :-)
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Er hatte einen Grund. Es kann manchmal schon sein, dass etwas falsches auf dem Rezept steht – weil er sich verschrieben hat, aber selbst dann .. bei so Änderungen muss ich anrufen und kann nicht einfach eigenmächtig etwas ändern.
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