Auf dem Weg zur korrekten Dosierungsanweisung

– Oder: man *kann* alles missverstehen.

Zum Beispiel, einfache Voltaren Tabletten gegen Schmerzen und zur Entzündungshemmung. Angenommen, ich schreibe auf die Dosierungsetikette:

3 x täglich 1 Tablette

Dann kommt der Kunde und fragt: „Und wie nehme ich dieselbe Tablette drei mal am Tag?“

Und ich schreibe an:

3 x täglich je 1 Tablette

Kunde: „Ok, aber – was mache ich damit? Sie mir ins Ohr stecken?“

3x täglich je 1 Tablette einnehmen

Kunde: „Ah, einnehmen. Gut, ich hoffe, ich bekomme sie runter, die sind so trocken und bleiben immer im Hals stecken.“

3x täglich je 1 Tablette einnehmen mit etwas Wasser

Kunde: „Dann genügt ein Schluck?“

3 x täglich je 1 Tablette einnehmen mit einem ganzen Glas Wasser

Kunde: „Ich denke, ich kaue sie vorher, oder mache sie auf dann geht das auch.“

In dem Fall nicht, also:

3 x täglich je 1 Tablette unzerkaut einnehmen mit einem ganzen Glas Wasser

Kunde: „Ist es ok, wenn ich alle 3 gleich nachher nehme?“

Morgens, mittags und abends je 1 Tablette unzerkaut einnehmen mit einem ganzen Glas Wasser

… Ich könnte noch weitergehen, z.B., wenn es wichtig wäre, ob vor, mit oder nach dem Essen, oder nicht mit Alkohol, nicht mit Milchprodukten, nicht mit Grapefruitsaft, im abstand von X Stunden …

so könnte am Schluss auf der Etikette stehen:

Bei Schmerzen Morgens, mittags und abends vor dem Essen je 1 Tablette unzerkaut einnehmen mit einem ganzen Glas Wasser.

Wie dieses (fiktive) Beispiel gut zeigt: Jede Vorschrift und jedes Gesetz das man macht, enthält in sich schon die Möglichkeit es zu umgehen.
Je mehr man sich bemüht Löcher zu stopfen, findet man doch immer mehr Möglichkeiten … und irgendwann ist es dann so genau und kompliziert, dass es nur noch lächerlich wirkt. In vielen Gesetzen sind wir da schon. oder auf dem besten Weg dazu.

Wie ich auf das Ganze gekommen bin? Durch eine Diskussion mit Kuschelbär auf der Autobahn, als wir einen Motoradfahrer in kurzem T-Shirt, Shorts und … Flip Flops gesehen haben.

Gibt es denn dafür kein Gesetz?

22 Kommentare zu „Auf dem Weg zur korrekten Dosierungsanweisung

  1. Der Motorradfahrer läuft unter „potentieller Organspender“. Man sollte annehmen, dass er weiss, welche Verletzungen er sich bei einem Sturz zuziehen kann. Und wenn es „nur“ Abschürfungen an der Haut sind. Die können schon schmerzhaft genug sein. Muss ja nicht immer gleich das schlimmste passieren.

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    1. Der ist aber nur dann Organspender, wenn keine Fremdkörper (=Straßendreck) im entsprechenden Organ drin sind, oder?

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    2. Kleine Motivation für alle Biker, die auch so unterwegs sind:

      http://www.drivecompany.cc/news/?p=35

      Ein Biker aus meiner Region ist mal mit Turnschuhen gefahren und dann gestürzt. Der Fuß kam dabei zwischen Bike und Straße. Danach war nur noch der halbe Fuß dran, der Rest hatte sich über 20 m Asphalt verteilt…. Autsch!

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  2. Und dann lesen es die Kunden nicht, weil da so viel auf dem Etikett steht…

    Mir reichts ja wenn der Apotheker „3×1“ draufschreibt. In der Regel hat mir der Arzt ja sowieso schon gesagt, wie ich es einzunehmen habe.

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  3. Liebe Pharmama,
    jetzt provozierst Du aber den „Ausscheider kleiner getrockneter Früchte“ in mir: :-D
    Hier fehlen noch in Deiner Betrachtung:
    (ein ganzes Glas Wasser)
    – Schnapsglas oder „a Mass“?
    – mit oder ohne Inhalt?
    Ich wünsch‘ Dir eine stressarme Woche
    Liebe Grüße
    Hajo

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  4. :lol: Liebe Pharmama,
    was soll ich sagen… das kenne ich… alles… ist doch überall so, egal ob am Moped, im Büro, zuhause… *kopfschüttel*!
    Danke für das Lächeln am Morgen!
    Alles Liebe, Martina

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  5. Es ist wie mit den Kommas (begnadige, nicht köpfen – begnadige nicht, köpfen) oder den Rechen-Regeln: 3x – täglich 1 Tablette oder 3x täglich – 1 Tablette.

    Grüessli us Züri

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  6. Ich dachte ja, die meisten Leute wissen, dass man Tabletten grundsätzlich mit einem Glas Wasser runter spült (Wasser, nicht Saft oder Milch), außer es steht explizit was anderes drauf.
    Auf der anderen Seite dachte ich auch mal, dass die Leute wissen, dass man Hamster nicht in der Mikrowelle trocknen darf, von daher…

    Ich stand auch mal im Winter, abends, es war echt kalt und echt windig, dick eingemummt in meine unförmige und daher zugegeben vermutlich nicht sehr modische, dafür aber warme Jacke, und beobachtete ungläubig ein Mädel, das lautstark über seine Blasenentzündung jammerte, während es frierend in offenem, bauchfreiem (dafür aber sehr modischem) Jäckchen von einem Fuß auf den anderen hüpfte…..

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    1. In der Apotheke darf man nicht viel voraussetzen. Dazu gibt es zu viele einfach gestrickte Leute, Personen mit Sprachproblemen, Beipackzettelverweigerer usw..
      Deshalb ist gerade bei kritischen Medikamenten die Apotheke wichtig, gezielt persönlich auf die richtige Einnahme hinzuweisen. Das gilt für diverse Medikamente, in erster Linie retardierte, magensaftresistente, oder Medikamente mit anderer Nahrungsmittelwechselwirkung.
      Die Milch zum Runterspülen ist nicht so selten, und dann wundert man sich, dass es nicht wirkt oder komisch.

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  7. In Deutschland zumindest ist außer Schutzhelm nichts vorgeschrieben – was heißt, man kann auch total bescheuerte Helme verwenden ^^
    Und natürlich auch praktisch halbnackt fahren. Kann aber gesetzlich Probleme geben:
    Hat ein Motorradfahrer ohne Schutzkleidung einen unverschuldeten Unfall, so darf die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers das Schmerzensgeld mindern, wenn sie nachweisen kann, daß die Verletzungen mit Schutzkleidung weniger schmerzhaft ausgefallen wären – obwohl das Tragen solcher Kleidung nicht vorgeschrieben ist. (Amtsgericht Hannover, 544 C 15726/95)

    Aber hey, solche Leute find ich super. Darwin-Gesetz in Reinform :D

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    1. Doch, da gibts eine Vorschrift. Man muss, wenn man Motorrad oder Roller fährt, „feste Schuhe“ tragen, die „den Knöchel bedecken“.
      Und vom Helm ist gefordert, dass er irgendeine bestimmte Norm erfüllt, man kann also nicht mit dem 1900-Wehrmachts-Helm fahren (also man kann schon, aber es gibt sonst Ärger).
      Ich würde nie mit FlipFlops aufs Bike steigen, auch, wenn man sich nicht auf die Nase legt, werden Teile des Motorrades doch schön kuschelig warm. Bin irgendwann mal in kurzer Hose (mit Protektoren drüber, aber kein Stoff) wo mitgefahren, die Narbe vom Auspuff am Unterschenkel hab ich immernoch :D

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  8. 1. Motorradfahrer bezeichnet man auch treffend als „Freitodfläche für suizidale Hautflügler“.

    2. „unzerkaut einnehmen mit einem ganzen Glas Wasser“: In der Hand? Oder über den Kopf gießen?

    (rennt ganz schnell weg)

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  9. „… unzerkaut einnehmen mit einem ganzen Glas Wasser.“ Das mit dem Glas geht in Ordnung. Aber was ist mit dem Henkel? Der ist doch das Beste …

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  10. Bei mir in der KH-Apotheke haben sich sicher auch schon Patienten (die am Wochenende entlassen werden und deshalb von uns ihre Medikamente abgezählt in hübsche Tütchen umgepackt bekommen) gefragt, warum da auf den Tütchen steht:
    „Tabletten/Kapseln vor der Einnahme aus dem Blister drücken.“

    Jep. War nötig.

    (Derjenige, der zur Einführung dieses Hinweises geführt hat, war zwar nicht ganz zurechnungsfähig, aber die OP-würdige Schnittverletzung in der Speiseröhre war wohl auch nicht ohne…)

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    1. Übel.

      Die Frage ist einfach: Muss man wirklich wegen dem Falschverhalten einiger weniger den ganzen Rest so bevormunden? Und wo ist die Grenze?

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      1. Vielleicht wäre es ja eine Idee, zunächst die normalen Warnhinweise zu bringen und dann etwas abgegrenzt, die Warnhinweise für den weniger intelligenten Teil der Bevölkerung…

        Also etwa so:
        „Anwendungshinweis: 1 Tablette/Tag nach dem Essen nehmen, nicht zusammen mit Medikament XYZ einnehmen.
        Weiterer Anwendungshinweis: Tablette aus dem Blister drücken, nicht in die Mikrowelle stecken, Tablette über den Mund einnehmen, etc.“

        Dann weiß der normal intelligente Anteil der Bevölkerung, dass man die „weiteren Anwendungshinweise“ nicht lesen muss, die „Anwendungshinweise“ aber ganz sinnvoll sind.

        Ist aber nur so ne spontane Idee…

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  11. Deshalb drucken einige Medikamentenfirmen zumindest für Frankreich auch schon bunte Bildchen auf die Packung, für morgens, mittags, abends, nachts, und der Apotheker schreibt nur noch daneben, wie viele Pillchen.

    Hab mich zuerst gewundert, warum die das immer noch mal auf die Packung schreiben, aber es ist doch ganz praktisch, weil das Rezept nicht immer danebenliegt, wenn man das Zeug schluckt.

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