Blutige Entlassung

Es kommt eine Frau in die Apotheke und fragt mich, ob ich sie verarzten könne. Da wir das tun, sagte ich: „Natürlich. Wo sind sie denn verletzt?“
Sie deutet auf ihren Unterbauch: „Ich hatte einen Kaiserschnitt. Dann ist es nicht gut verheilt, es gab ein Hämatom. Heute haben sie mir im Spital das Blut aus dem Hämatom rausgedrückt und mich verbunden …. Aber da stimmt etwas nicht. Ich kann spüren, wie mir das Blut die Beine runterläuft.“

Dem war auch so, wie ich mich kurz darauf in unserem Beratungsraum versichern konnte. Das Gazeplätzchen, das sie auf die ca. 13 cm lange Wunde aufgeklebt haben, hat sich gelöst.
Ich war etwas erstaunt den Schnitt zu sehen, denn er war praktisch vollständig offen. Keine Nähte, die die Wundränder zusammenhielten, ein klaffender Schnitt.
Ich flickte so gut es ging mit viel Steristrip und neuer Gaze und Mefix Pflaster zum Festhalten des Ganzen.

„Was haben sie denn im Spital gesagt?“ Frage ich
Frau: „Nicht so viel. Nachdem sie das Blut rausgedrückt haben, haben sie mich nach Hause geschickt. Aber ich kann fast nicht laufen.“

Ich habe mich versichert, dass sie zuhause jemanden hat, der ihr hilft, ihr geraten, die Wunde vom Arzt anschauen zu lassen und ihr dann ein Taxi gerufen.

Übel.

Übrigens: der Titel ist bewusst zweideutig
Eine vorzeitige Entlassung von Patienten aus dem Krankenhaus aus wirtschaftlichen Gründen wird von Kritikern als „Blutige Entlassung“ bezeichnet. Vorzeitige Entlassungen bergen neben den Risiken für die Patienten aber auch Kostenrisiken, z. B. wenn wegen der Erkrankung vermehrt ambulante Krankenbehandlung, häusliche Krankenpflege oder gar ein erneuter stationärer Krankenhausaufenthalt nötig werden.

Wenn demnächst in den Spitälern nur noch Fallpauschalen abgerechnet werden darf, erwarten manche vermehrt solche Fälle – Brrrr.

8 Kommentare zu „Blutige Entlassung

  1. Das ist ja haaresträubend! Aber wieso geht die Frau nicht zu einem Arzt? Ich würde doch nicht in eine Apotheke gehen, wenn meine Sectionarbe offen ist.
    Trotzdem finde ich Deine Hilfe beispielhaft! Das würde wahrscheinlich nicht jede/r Apotheker/in machen, sondern lieber gleich zum Arzt schicken.

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    1. Naja, nachdem sie zuvor offenbar mit nem riesigen Loch am Bauch von Ärzten nach Hause geschickt wurde, wollt sie vielleicht nicht nochmal zu nem Quacksalber…

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  2. Also das klingt ja wirklich haarsträubend!
    Wenn es einen guten Grund dafür gegeben haben sollte (vielleicht nur ein ganz flacher Schnitt, um das Hämatom zu entlasten, nicht die eigentliche Sectionarbe) – wenn es für so etwas überhaupt einen guten Grund gibt – dann hätten sie es der Pat. auf jeden Fall besser erklären müssen! Ich wäre so auch sofort wieder in die Klinik gegangen… oder vielleicht zu einem ambulanten niedergelassenen Chirurgen. Das klingt richtig verantwortungslos! Vielleicht hörst Du ja mal noch mehr von dieser Geschichte.

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    1. Also ich habe nicht gegusselt und geschaut, wie tief das jetzt geht, aber einen halben Zentimeter sicher.
      Ich weiss auch nicht, warum das nicht mehr genäht wurde – wahrscheinlich geht das nach einer gewissen Zeit nicht mehr ?
      Wie auch immer – lebensgefährlich ist das wohl nicht – sie hat zuhause (zum Glück) Hilfe und einen Folgetermin beim Frauenarzt. Mehr kann ich nicht machen. Oder?

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  3. Doch, bloggen – und das machst Du ja auch.

    Aber mal ganz im Ernst: Wie kann es in der Schweiz passieren, dass Menschen so entlassen werden?
    Wie kann es in Deutschland passieren, dass bei Baumraumoperationen frischer Zitronensaft (fix im Hinterraum gepresst) zum „desinfizieren“ genutzt wird?
    Warum bezahlen deutsche Krankenkassen einen vielfachen Preis für Medikamente an die Pharmafirmen als in anderen Ländern üblich?
    All das mitten in Europa, nicht in irgendeinem Drittweltland!

    Ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte.

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  4. Klingt ziemlich gruselig, sowas. Und dann auch noch in einem Krankenhaus und nicht beim Dorfdoktor, wo man das klischeemässig erwarten würde.
    Gibt es vielleicht einen medizinischen Grund, so eine Wunde nicht direkt fest zu vernähen? (Huhu Medizynicus!)

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  5. weisst du, was ich gemacht hätte? das taxi schnurstracks ins krankenhaus fahren lassen – meinetwegen auch ein anderes, wenn ihr das nicht behagt, nochmal zum selben doc zu gehen.

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