Was gut ist für den Nachbarn …

Letzte Weiterbildung Dermatologie zeigte uns der dozierende Doktor ein Bild von einem Mann mit hochgradig allergischer Reaktion  auf ein Medikament (in dem Fall gut sichtbar an der tiefroten Hautfarbe) und erzählte uns dies dazu:

„Das ist ein 19 jähriger Mann. Er wusste, dass er allergisch ist gegen Ponstan, aber als er sich Zuhause beim Handwerken auf den Finger gehauen hat, ist er zum Nachbar gegangen, sich ein Schmerzmittel auszuleihen. Der Nachbar war so freundlich und hat ihm eine Tablette Mefenacid gegeben …“

(lautes Stöhnen im Saal, alle fassen sich an den Kopf: es handelt sich um ein Generikum mit demselben Wirkstoff – beide übrigens rezeptpflichtig).

Dozent lapidar: „Der Mann ging wegen allgemeinem Unwohlsein zum Arzt, kam dann auf die Intensivstation, (2. Bild: die Haut löst sich in grossen Blasen grossflächig ab) … wo er dann gestorben ist.“

Nein, nicht alles, was dem Nachbar gut tut, ist auch gut für einen selbst. Und Medikamente (speziell rezeptpflichtige, aber auch andere) weiterzugeben ist meist keine gute Idee.

Warnsignale, auf die man rasch reagieren muss: Fieber im Zusammenhang mit plötzlichem Hautausschlag; dunkle Rötung der Haut; Blasenbildung; Schleimhäute betroffen, auch Augen; nicht jucken, sondern Schmerzen – das gehört sofort zum Arzt!

Mutige googeln jetzt nach dem Lyell Syndrom – selten, aber man muss es erkennen können als Fachperson.

22 Antworten auf „Was gut ist für den Nachbarn …

  1. Heftig sowas…
    Und solche Geschichten (zum Glück ohne tödlichen Ausgang) hab ich in unserer Apotheke auch schon öfter mitbekommen. Da werden dann mal munter in der Familie die Medikamente rumgereicht, dem Freund mit Rückenschmerzen irgendein Migräne-Hammer gegeben, der Nachbarin für ihr „aufgedrehtes“ Kind was vom Methylphenidat des eigenen Kindes abgegeben *grusel*

    Den Vogel abgeschossen hat aber jemand, der seiner 14jährigen Enkelin was gegen Kopfschmerzen gegeben hat, was ihm selbst auch immer gaaanz toll hilft……Hydromorphon gegen seine Tumorschmerzen *umfall*

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  2. Aber wenn ich weiß, daß ich allergisch bin, dann google ich doch erstmal nach dem Wirkstoff???!!! Das ist grob fahrlässig.

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    1. Wieder mal Dr. Google…

      Ganz ehrlich: Da es relativ viele Schmerzmittel gibt, die zwar chemisch unterschiedlicher Natur sind, aber dennoch miteinander verwandt sind (und daher auch Kreuzallergien existieren), halte ich die Nachfrage beim Fachmann (Arzt, Apotheker) für ratsamer als zu googeln.
      Muss natürlich jeder für sich selbst wissen…

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      1. Naja, wer sich aufn Finger haut und dann ein Schmerzmittel braucht und allergisch ist, sollte eh zur Apotheke gehen anstelle zu seinen Nachbarn. Aber wenn ich zB mit Migräne flachliege und keine Tabletten dabei habe, guck ich immer erst, was die Leute mir anbieten, bevor ich mich entscheide, entweder zu leiden, oder Schmerzmittel zu nehmen.

        Google ist immerhin ein guter Anfang.

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        1. Google finde ich nicht schlecht, um sich zusätzlich mal zu informieren, aber schau Dir mal diese ganzen „Infoforen“ und „Bewertungsforen“ an:

          Man bekommt da durchaus so Tipps wie:
          * Wenn man die Pille 2 Tage vergessen hat, könne man nicht schwanger werden, das Problem träte erst später im Zyklus auf.
          * Wenn ein Kondom geplatzt ist und ein Tropfen in die Scheide gelangt ist, wäre das viel zu wenig, um schwanger zu werden
          * Bewertungen auf einigen Bewertungsportalen zu Arzneimitteln werden anhand von Kriterien durchgeführt wie Aussehen der Packung, Geschmack der Tablette und Herunterzitieren des Beipackzettels.

          Diese angegebenen Beispiele sind Extrembeispiele (die aber zahlreich im Netz zu finden sind), aber hier erkundigen sich z.B. Jugendliche, die keine Ahnung haben und erhalten dann solche Antworten.

          Ich will nicht bestreiten, dass das Internet voller nützlicher Informationen steckt, aber ich behaupte, dass es für den Laien ohne Hochschulstudium schwierig ist, zu beurteilen, ob die angebotene Information relevant oder irrelevant und ob sie sachlich richtig oder sachlich falsch ist.

          Und zu der Sache mit den Schmerzmitteln: Ganz oben beschreibt Squirrel ziemlich eindrucksvoll, was Laien gegen Schmerzen so geben.
          Krass finde ich da das Beispiel mit dem Morphiumderivat gegen Kopfschmerzen bei einer Jugendlichen. Und ich bin mir sicher, dass der Opa sich hier 100% sicher war, seinem Enkelkind ein harmloses Medi zu geben.

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        2. @Steven: darf ich noch einen anfügen?
          letztens gefunden in eben so einem Forum: „Mein Freund ist allergisch auf Paracetamol, jetzt habe ich ihm Vicks Medinait gebracht – da steht aber drauf, es ist Paracetamol drin, allerdings nicht so viel. Kann ich es ihm trotzdem geben? Es ist ja nicht so viel drin….“

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  3. Oh man, das ist übel.

    Wenn ich weiß, dass ich so hochgradig allergisch bin, dann leihe ich mir nicht „mal eben“ ein Medikament beim Nachbarn aus, gerade bei sowas harmlosen wie zB Kopfschmerzen, etc nicht.

    Naja, der Mann aus dem Beitrag oben kann leider nicht mehr aus seinem Fehler lernen.

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  4. Oha, ich dachte jetzt an eine Hautreaktion die irgendwann irgendwie wieder weg geht. Dass der da gleich dran gestorben ist…heftig!

    Irgendwann muss er das aber schonmal erlebt haben, sonst wüsste er nicht von der Allergie. Er hätte allerdings wissen sollen, wie der Wirkstoff heißt, auf den er reagiert.

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      1. lose Medis würde ich nichtmal von meinem Mannannehmen. Nicht weil ich ihm nicht traue sondern weil zb die Paraceamoltabletten genauso aussehen wie die ASS. Da kann man schnell mal zum falschen greifen, besonders wenn nicht nur die Tabletten sondern auch die Schachteln gleich aussehen.

        Wer lose Tabletten annimmt und schluckt im blinden Vertrauen, der ist -sorry- selber Schuld. Das Ende in diesem Fall ist sehr tragisch aber man muss schon selbst wissen, was man verträgt. Da kann nicht die ganze Umwelt drauf achten nur damit man selbst nicht nachdenken muss.

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  5. Hm, also ich muss zugeben, dass ich durchaus auch mal eine Dolormin oder Paracetamol weitergebe, wenn jemand Kopfschmerzen oder so hat. Ich frage aber immer vorher, ob derjenige die schon mal genommen hat und vertragen hat, ob er gegen etwas allergisch ist und ob er irgendein anderes Medikament nimmt. Mir ist natürlich klar, dass ich, sollte ich die Antwort bekommen, dass derjenige allergisch ist oder andere Medikamente nimmt, nicht beurteilen kann, ob er diese Tablette dann nehmen kann, deshalb sage ich in so einem Fall dann, dass ich ihm dann keine Tablette geben kann.

    Und ich habe einer Freundin einmal eine Omeprazol gegeben, weil ihre Packung leer war und sie es nicht geschafft hat, sich ein neues Rezept zu holen.

    Aber vielleicht sollte ich sowas auch besser lassen…

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    1. Ich nehme gelegentlich die Schilddrüsentabletten meiner Mutter, wenn ich mal wieder vergessen hab, das Rezept zu erneuern und mir das Zeug ausgeht. Dosierung ist halbwegs gleich. Hab mir auch schon ne ganze Lage mal mitgenommen, weil ich wußte, ich werde keine Zeit haben mein Rezept zu erneuern. Naja, ich nehm es halt nicht so genau mit Zeiten und Dosierungen. Und vergesse meine Pille auch gelegentlich, weiß dann aber, daß durchaus was passieren kann, zähle dann aber eher darauf, daß die wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sowieso schon gering ist …

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  6. Tja, da ich selber kaum „echte“ Medikamente nehme, kann ich auch keine weitergeben – wenn jemand von mir Kopfschmerzmittel möchte, kriegt derjenige homöopathisches Magnesium.

    Da kann nicht viel passieren – zumal die meisten meiner Bekannten das aus Misstrauen dann eh nicht nehmen. (Seltsam – bei „wirksamen“ Medikamenten sind die meisten wesentlich weniger wählerisch.)

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    1. Naja, ich würde es auch nicht nehmen, weil ich nicht an die Wirksamkeit glaube, aber weiss, dass das auch etwas kostet – warum soll ichs dir dann „wegnehmen“?
      Ich habe allerdings normalerweise Schmerzmittel zu Hause, und in unserer Notfallapo im Büro ist Dafalgan drin.

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      1. Wobei Dafalgan, sprich Paracetamol, gegen Schmerzen eher schwach wirksam, daher bei Zahnschmerzen (= starke Schmerzen) eher ungeeignet und bei mehrmaliger Einnahme („Ich hab jetzt schon 3 Tabletten genommen und ich hab immer noch Zahnschmerzen, nehm ich lieber noch 2 Stück!“) stark leberschädigend wirkt.

        Paracetamol ist ein gutes Schmerzmittel … für Säuglinge und Kleinkinder (da gibt es nämlich wenige Alternativen (evtl. noch Ibuprofen))!

        Sowas weiß weder der Nachbar noch das Internet, sondern nur jemand mit entsprechendem Hochschulstudium!

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  7. Die Mädels in meiner alten WG haben auch immer untereinander Tabletten getauscht ohne an Wechselwirkungen, Dosierung oder Allergien zu denken. Wegen unterschiedlicher Diagnosen haben sie alle (verortnete) Psychopharmaka genommen (eine sogar Lithium) und die munter nach Gefühl weitergegeben, bis ich ihnen ein paar Horrorgeschichten von Medikamentenwechselwirkungen erzählt habe und dass „pflanzlich“, „rezeptfrei“ oder „ich merke davon fast nichts“ nicht heißt, dass der Kram sie nicht im Zweifelsfall umbringen kann. >_<

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