Und könnten Sie mir noch …

Situation: die Kundin ist im Einkaufszentrum nebenan gestürzt und hat Verletzungen, die sich unbedingt der Arzt, respektive die Notfallstation ansehen muss. Namentlich eine Platzwunde am Kopf und aufgerissene Haut am Arm. Beides haben wir in der Apotheke provisorisch verarztet.
Frau: Ich muss aber noch rasch nach Hause, meine Einkäufe ablegen!“
Also rufen wir ein Taxi für sie.
Die Pharmaassistentin geht mit ihr zum Eingang des Zentrums, um zu warten. Dabei trägt sie die Einkaufstaschen der Frau.
Frau: Oh– ich muss noch meine Uhr vom Uhrmacher abholen, könnten sie ….“
Die Pharmaassistentin kann. Mit dem Abholzettel rennt sie los und holt die Uhr.
Kaum ist sie zurück, ist das Taxi da. Sie hilft beim Einladen und instruiert den Fahrer, dass er die Frau nicht nur nach Hause, sondern danach gleich ins Spital bringen soll.
Frau: „Aber mein Einkaufswagen!
Pharmaassistentin: „Kein Problem, ich bringe ihn zurück!“
Frau: „Da sind noch meine 2 Franken Depot drin! Könnten Sie …?“
Die Pharmaassistentin kann und rennt nochmals mit dem Einkaufswagen los und kommt mit den 2 Franken Depot zurück…

und bekommt nicht mal ein Dankeschön zu hören.

16 Kommentare zu „Und könnten Sie mir noch …

  1. Bevor man so bequem lästert wäre daran zu denken, dass die Verunfallte vielleicht einen Schock hat und etwas irrational reagiert.

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      1. Naja… ich weiß, wie ICH in Stress-Situationen reagiere. Mein Hirn rattert dann, quasi auf Autopilot, alle geplanten Vorhaben runter.
        Das hier klingt so ähnlich… wäre ich die Frau in der Geschichte gewesen, hätte folgendes geholfen:
        „jetzt mal gaaanz ruhig. Ihr Einkauf kann hier stehen, bis sie aus dem Spital zurück sind – die 2 Franken Depot lege ich in die Tasche mit rein. Fahren Sie sich mal erst verarzten lassen!“

        (Nur zur Ergänzung: bei mir funktioniert auch das „Danke“ auf Autopilot, das hätte ich also nicht vergessen – aber das ist längst kein Allgemeingut mehr, und im Stress (siehe oben) fällt eben alles aus, was nicht ständig geübt wird.)

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  2. Benehmen ist Glückssache, aber eine tolle Pharmaassistentin :)

    (Diese Woche war ich in der Apotheke und stand brav an dem „Diskretion, bitte warten Sie hier“-Schild an. Meine Kinder warteten ungeduldig draußen im Fahrradanhänger. Ich hatte es also eilig. Da kam eine ältere Dame rein, ignorierte das Schild, wetzte an mir vorbei als wären wir bei Aldi an der Kasse und drängelte sich dreist vor.
    Ich rief ihr zu, dass sie wenigstens hätte fragen können ob ich sie vorlasse aber die von den Alten oft bemängelte Höflichkeit scheint besonders denen immer mehr abzugehen.)

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    1. aber zumindest haste was gesagt, und alle anderen haben es mitbekommen – das ist schon mal wichtig;-)

      Ein Positiv-Beispiel:
      ich stand in der Schlange vom Supermarkt an und wollte einen jungen Mann vorlassen, der nur ein Teil kaufen wollte. Er lehnte dankend ab, mit der Begründung, soviel hätte ich ja auch nicht im Einkaufswagen, ausserdem hätte er jetzt Feierabend und jede Menge Zeit.

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  3. Hmmm, ich erlebe das auch oft genug so. Auch ohne Schock sind die Menschen manchmal so. Da kommt man mit dem Hausärztlichen Vertretungsdienst zu Menschen mit Verdacht auf Herzinfarkt…. dann muss noch die Waschmaschine ausräumt werden, eine geraucht, den Nachbarn Bescheid sagen, das Kind wickeln – man bekommt die Leute kaum dazu still sitzen zu bleiben. Kurz zuvor haben sie angerufen, dass es ihnen soooo schlecht geht, dass sie nicht selbst vorbei kommen können in der Notfallpraxis…. is ebend so.

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    1. Da ist noch sooo viel, was man erledigen muss, da lässt man sich doch von so einem kleinen Herzanfall nicht aus dem Konzept bringen. WO kämen wir dann auch hin?

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  4. Ich finde das eigentlich echt gut, dass Ihr euch so um eure Kunden kümmert. Aber ich habe bei manchen Beiträgen hin und wieder das gefühl dass Ihr euch ausnutzen lasst.

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  5. Lauter Gutmenschen. Die Mitarbeiterin wurde übel ausgenutzt. Von Schock keine Spur, denn sehr rationale 2-Franken-Aktion. Klar muss der Service auch sowas abdecken aber es muss danach richtig eingeordnet werden. Das war oberaffenunverschämt von der Kundin. Spätestens bei der Uhrenaktion hätte ein klares NEIN kommen müssen. Hier hat die Pharmaassistentin den Gutmenschenbogen überspannt. Sie war nämlich zu ängstlich sich abzugrenzen. Sollte mal ein wenig Rollenspiel in Verhaltenstherapie machen!

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  6. Tja, und wieder ein Mitglied des niemals aussterbenden Stammes „Nimm“.

    Ich mach’s manchmal so, wenn ganz offensichtlich kein Dankeschön kommt mit einem Lächeln und dem Spruch „Hab ich gern gemacht.“ :-)

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