Wirkung verschlafen

Pharmaassistentin: „Da ist ein Kunde, der jeden Morgen ein Fluctine nimmt und das macht ihn müde.“

Apothekerin: „Sag ihm, er soll das Medikament in dem Fall am Abend versuchen zu nehmen.“

Pharmaassistentin: „Oh, nein, dann würde er ja schlafen, wenn das Medikament wirkt“

…  Offenbar hat da jemand nicht aufgepasst, als das Prinzip vom steady state erklärt wurde.

Kleine Erklärung für den medizinischen Laien: Steady state nennt man in Medizin und Pharmazie das Erreichen eines konstanten Plasmaspiegels eines Wirkstoffs nach mehreren Gaben.  Dabei ist die Elimination des Wirkstoffes aus dem Körper etwa gleich wie das, was man neu zuführt. Das Medikament wirkt dementsprechend idealerweise auch durchgehend. Weil es aber trotzdem kleine Konzentrationsspitzen gibt, hilft es eventuell das Mittel statt am Morgen immer am Abend einzunehmen (oder umgekehrt).

12 Kommentare zu „Wirkung verschlafen

  1. Ich kenn sowas vom Insulinspiegel meiner Tochter (Diabetiker).

    Was ist bitte daran so schlimm, wenn man das Einsetzen der Wirkung verpassen würde?

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  2. fluctine wird bei depressionen eingesetzt und der gute mann wird sorge haben, dass er von der wirkung nichts merkt „weil er sie eben verschläft“ – den steady state muss man diesen patienten natürlich erklären – denn gerade bei diesen patienten ist die nocebo (vs. placebo) wirkung mitunter sehr gross. d.h. der patient ist der meinung, das medikament wirkt nur kurzzeitig, sein kopf sagt, am morgen sei die wirkung weg.

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  3. Das müsste dann ja sinngemäß auch für die weiblichen Hormone gelten, die ich seit 33 Monaten nehme. Obwohl ich dort keinen Unterschied zwischen abendlicher und morgendlicher Einnahme bemerkt habe.

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  4. Ich habe nahezu immer eine Diskussion mit meiner Apotheke des Vertrauens, wenn meine Frauenärztin den Fehler macht und aufs Prednisolon-Rezept schreibt: Einnahme zur Schlafenszeit (23 Uhr). Die Apothekerin ist der Meinung, dass ich es unbedingt morgens einnehmen soll und es über Nacht keinen Sinn machen würde.
    Dazu muss man wissen, dass ich das Cortison niedrigdosiert als Hormonsubstitution einnehmen (bilde kein körpereigenes Cortisol).

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    1. zur Hormonsubstitution finde ich die Einnahmezeit auch ungewöhnlich, da wäre eine morgentliche Einnahme logischer da da auch die körpereigene Produktion ihren Höhepunkt hätte. Wenns darum geht die Bildung von männlichen Hormone in der NNR zu unterdrücken bzw. einzuschränken ist die Einnahme Abends logisch da man der körpereigenen Produktion ja zuvor kommen möchte ;-)

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      1. Es geht vornehmlich darum, dass das Cortison morgens gegen 4-5 Uhr dem Körper zur Verfügung steht, wenn der Stoffwechselprozess das Cortison benötigt. Da ich um diese Zeit unleidlich bin, ist es einfacher es einzunehmen, wenn ich ins Bett gehe. Das wurde mir auch in meiner Patientenschulung an der Endokrinologischen Uniklinik so geraten.
        Diagnose: Vollständiger 21-Hydroxylase-Mangel = Null eigenes humanes Cortisol :-) Wenn das jetzt weiterhilft!

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        1. Interessant. Da hast Du ja direkt ein Argument wenn jemand kein Cortison will: „Sehen sie, ich brauche das täglich, ich könnte gar nicht ohne – und wie soll das jetzt schädlich sein?“

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  5. Die Stoffwechselerkrankung ist auch bekannt als Adreno-genitales Syndrom.
    Ich muss das Cortison lebenslang nehmen und mit den Nebenwirkungen leben. Aber die halten sich in Grenzen, weil ich ja nur substituiere was mir fehlt. Die Vorteile haben überwogen.

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    1. Alles klar das ist aber eine Hemmtherapie wenn mich nicht alles täuscht, die NNR würde ja arbeiten nur vermehrt Cortisolvorstufen bilden die dann „umgeleitet“ vermehrt männliche Hormone bilden.
      Ich dachte bei Substitutionstherapie an Patienten ohne Nebennieren bzw. mit NNR-insuffizienz

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      1. Also meine Ärzte sagen Substitutionstherapie, weil meine NNR Cortisol nicht bilden kann aufgrund des Gendefektes in der Vorstufe (21-Hydroxylase-Mangel) und ich ja das fehlende Cortisol als Prednisolon ergänze (substiutiere).
        Jetzt verlangst Du aber echt medizinisches Fachwissen, soweit ging dann meine Patientenschulung doch nicht ;-)
        Wichtig für mich ist nur: Ich werde nicht an dieser Stoffwechselerkrankung sterben! :-)

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