Nicht nur in Amerika …

Am Samstag hatte eine Frau in der Apotheke, die ihr Somnium wollte (ein starkes Schlafmittel). Der Computer sagt, sie hat erst vor 5 Tagen eine 50er Packung bekommen.

Darauf hingewiesen meint sie: „Die Packung ist mir ins Lavabo gefallen. Die Tabletten sind nassgeworden, ich habe sie weggeworfen.“

Jetzt sollte ich darauf hinweisen, dass diese Tabletten verblistert sind. Denen passiert nichts, auch wenn sie voll ins Wasser fallen. Also sage ich ihr das.

Kundin: „Aber ich habe sie weggeworfen.“

Hmmmpf. Aber: Jeder hat das Recht auf eine zweite Chance, im Zweifel für den Angeklagten und so, plus: sie hat ein Dauerrezept.

„Also. Sie bekommen noch eine Packung aber wenn derartiges nochmals passiert, dann hört der Arzt davon, ok?“

Wow- und ich dachte das „passiert“ nur in Amerika.

21 Kommentare zu „Nicht nur in Amerika …

  1. Ah, ja. Also der Zusammenhang ist folgender: In Amerika haben sie häufig Retouren wegen „in die Toilette oder Lavabo gefallener“ Tabletten. Dort ist das etwas logischer weil die Tabletten meist in der Dose kommen, nicht einzelverpackt im Blister … aber es handelt sich bei diesen „verunfallten“ medis immer um Schlafmittel, Beruhigungsmittel oder starke Schmerzmittel. Komischerweise nie um Blutdruckmedikamente oder Cholesterinsenker …
    ein Umstand, der in vielen amerikanischen Apothekenblogs zu reden gibt ;-)

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    1. Neben der schlimmen Vermutung des Tablettenmissbrauchs könnte es eine ganz unschuldige Vermutung geben – die mit der Einnahme der Tabletten zusammenhängt:
      Cholesterinsenker etc. nimmt man doch (glaube ich) eher morgens (zumindest nahm meine Oma ihre Herztabletten morgens). Darum liegen diese in der Küche in der Nähe des Frühstückstischs (damit man sie nicht vergisst).
      Schlafmittel nimmt man dagegen vor dem Zubettgehen (damit man Schlafen kann). Darum liegen diese – im BAD! bei all den anderen Dingen, die man vor dem Schlafengehen noch braucht, weil man da dann auch gleich noch das Wasser zum Einnehmen da hat.

      Blutdruckmedikamente fallen also einfach deswegen seltener ins Waschbecken, weil sie nicht in der Nähe eines Waschbeckens aufbewahrt werden.
      (In Haushalten mit kleinen Kindern lagern Medikamente natürlich im verschlossenen Medizinschrank – aber in einem Singlehaushalt (so wie meinem) liegen sie eben da, wo man sie direkt griffbereit hat.)

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    1. „Schweizerdeutsch ist eine Sammelbezeichnung für die in der Deutschschweiz gesprochenen alemannischen Dialekte.“ (Wikipedia)
      Willst Du Deinen Lesern gleich alle Dialekte gleichzeitig beibringen?

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    1. Keine Dauerrezepte in Deutschland? Interessant.
      Also: Der Arzt kann auf ein Rezept schreiben Dauerrezept (oder Rep oder ad rep) dann ist es 6 Monate lang gültig. Er kann auch eine andere Dauer definieren, maximal aber 12 Monate. Während dieser Zeit kann der Patient das Medikament entsprechend seinem Gebrauch in der Apotheke beziehen. Es liegt an der Apotheke zu kontrollieren, dass nicht zuviel bezogen wird und ein einmaliger Bezug ist auf die Dauer von 3 Monaten begrenzt (also z.B. eine Packung zu 98 Stück, wenn man 1 Tablette täglich nimmt).

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      1. Interessant!

        Und wenn der Patient dann einfach 20 Apotheken abklappert, kann er sich überall eine Packung holen?

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        1. Nein, denn das Dauerrezept ist ja nur in einer Apotheke hinterlegt. Und falls die Person zahlt und das Rezept mitnimmt, wird die Abgabe auf dem Rezept vermerkt. Schlafmittelrezepte (und ähnliche) werden immer genau angeschaut – und Missbrauch auch gemeldet.

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  2. Zum Thema Dauerrezept: fand ich in der akuten Phase meines Basedow sehr praktisch, da es ja Neo Mercazole nur in 50er-Gebinden gibt.

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  3. keine dauerrezepte in D. manche kunden, die ein privatrezept haben, bilden sich aber immer noch ein, dass es ein „dauerrrezept“ wäre.

    ich glaube, dass es in D bis in die 80er hinein dauerrepte gab. jedenfalls steht in all meinen pharma.-rechtsbüchern, dass es das mal gab, aber dann im zuge von diversen gesundheitsreformen abgeschafft wurde…

    lange rede kurzer sinn: in den köpfen der menschen (primär bei privat patienten bzw. bei verordnungen über potenzpillen, benzos und anti-baby-pillen) gib es das „dauerrezept“ immer noch.

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    1. Bei der Antibaby Pille finde ich das aber auch bescheuert, was muss eine Patienten die seit Jahren die Pille ohne Probleme nimmt auhc alle paar Monate zu Frauenarzt rennen.

      UNd dann gibt es wieder solche Schlagzeilen wie „Jeder Bürger geht im Durchschnitt 48 mal im Jahr zum Arzt“ und man wundert sich warum das Gesundheitssystem am Ende ist.
      Wer zum Teufel ist das eigentlich alles?

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      1. Gerade deswegen hat man die Pille von der vor 5 Jahren üblichen 3-Monatspackung umgestellt auf eine 6-Monatspackung.
        Persönlich finde ich es auch nicht schlecht, dass eine Frau alle 6 Monate mal beim Arzt vorbeischauen muss, da die Pille auch nicht gerade harmlos ist (erhöhte Krebsgefahr, erhöhtes Tromboserisiko, etc.).
        Leider wird das bei den Frauenärzten immer so gehandhabt, dass die Arzthelferinnen das Rezept ausstellen ohne dass der Arzt konsultiert wird.

        Übrigens: Da in D jedes Privatrezept 12 Monate gültig ist (Kassenrezept bei Minderjährigen auch, allerdings zahlt die gesetzl. Kasse nur 1 Monat nach Ausstellung, danach ist es ein Privatrezept, welches voll selber bezahlt wird), besteht übrigens auch die Möglichkeit, dass der Arzt 2 Packungen zu je 6 Monaten aufschreibt und man geht in die Apo, holt sich erst mal einen Pack, was auf dem Rezept vermerkt wird und holt sich den zweiten Pack 6 Monate später.

        Bin übrigens ein Gegner des Dauerrezepts. Ich habe als Apotheker schon so viele Arzneisüchtige erlebt (auch mit den wirklich nicht so ganz „harmlosen“ Mitteln wie Aspirin, Immodium und den Abführtabletten), dass ich die Kontrolle durch einen Arzt in D ganz gut finde.
        Schließlich wurde der Versandhandel in D mittlerweile erlaubt und ich kann mir vorstellen, dass auch die fremdgeführten Ketten, die hier in D kommen werden, stark an Profit orientiert sein werden und lieber so viele Packungen wie möglich verkaufen werden.
        Hauptsache Profit!

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